Barber | Koraloona - Unter den Sternen der Südsee | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 862 Seiten

Barber Koraloona - Unter den Sternen der Südsee

Roman | Liebe, Leidenschaft und Dramatik auf einer paradiesischen Insel im Pazifik
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98690-961-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman | Liebe, Leidenschaft und Dramatik auf einer paradiesischen Insel im Pazifik

E-Book, Deutsch, 862 Seiten

ISBN: 978-3-98690-961-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Meeresrauschen unter dem Himmelszelt: Der prachtvolle Exotik-Roman »Koraloona - Unter den Sternen der Südsee« von Noel Barber als eBook bei dotbooks. England in den 1930er-Jahren: Als begabter Arzt sieht der junge Kit Masters einer strahlenden Zukunft entgegen. Doch alles kommt anders: Aufgrund eines Skandals wird ihm jede Möglichkeit genommen, weiter in England zu praktizieren. Kit muss noch einmal ganz von vorne anfangen - und wagt einen Neuanfang auf der paradiesischen Insel »Koraloona« inmitten des Pazifiks: dort, wo das Meer wie Indigo leuchtet und weiße, palmengesäumte Strände das Licht der Sonne einfangen. Mit jedem Monat, der ins Land streicht, verliebt Kit sich mehr in das Südseeparadies - und in Aleena, die bildschöne Tochter der Inselfürstin. Doch als Krankheiten und Naturkatastrophen über Koraloona hereinbrechen, droht Kit ein weiteres Mal alles zu verlieren ... So bewegend wie Tara Haigh, so opulent wie James Clavell: »Ein kraftvolles, packendes Werk!«, urteilt Bestsellerautor Morris L. West. Jetzt als eBook kaufen und genießen: Die farbenprächtige Familiensaga »Koraloona - Unter den Sternen der Südsee« von Noel Barber. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Noel Barber (1909-1988) war ein britischer Schriftsteller und Journalist. Seine prachtvollen historischen Romane, in denen er seine langjährigen Erfahrungen als Auslandskorrespondent des »Daily Mail« verarbeitete, begeisterten ein internationales Publikum. Bei dotbooks veröffentlichte der Autor seine farbenprächtigen Sagas »Tanamera - Im Land der Pfefferblüte«, »Koraloona - Unter den Sternen der Südsee«, »Sakkara - Im Schatten der Orangenbäume« und seine »Schicksaljahre«-Trilogie mit den Bänden »Licht und Schatten von Paris«, »Dunkler Himmel über Frankreich« und »Sturm über der Villa Magari«.
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Kapitel 2


Die Island Princess, ein Passagier- und Frachtschiff, fuhr normalerweise zweimal im Monat von Sydney nach Tahiti und legte unterwegs in Sanderstown, der Hauptstadt des Moto-Varu-Archipels, an. Von Sanderstown würde mich ein lokales Schiff nach Koraloona bringen.

Zufällig bot sich mir eine andere Möglichkeit. Der australische Vertreter der Mission, der mich mit dem Auto ins Southern Cross Hotel in Sydney brachte, erklärte mir, daß die Mantela, ein 5000-Tonnen-Schiff aus Sanderstown, das für gewöhnlich zwischen den Inseln verkehrte, gerade in Sydney überholt worden war und zwei Tage nach meinem Eintreffen in See stechen sollte. Ich ergriff die Möglichkeit, die sich mir bot, mit beiden Händen. Ich hatte genug vom wochenlangen Wurfring-Werfen und ähnlichen Bordspielen, und die Mantela erschien mir als die beste Einführung in die Südsee, denn sie fuhr nicht direkt nach Sanderstown, sondern legte auch in Rarotonga an, wo sie ein bis zwei Tage blieb, so daß ich eine weitere Insel besuchen und sie in aller Ruhe besichtigen konnte.

Ich wußte überhaupt nichts über die Aktivitäten der Missionen auf entlegenen Inseln, aber der australische Vertreter, Brian Parker, erklärte mir, daß er für Missionen verschiedener Bekenntnisse arbeitete, für Transportmöglichkeiten sorgte, Geldmittel überwies, Hotelzimmer für Neuankömmlinge bestellte und überhaupt alles erledigte, was anfiel. Er war ein kleiner, zwar kurz angebundener, aber sehr hilfsbereiter Mann.

Er lachte, als ich ihn fragte, ob er Geistlicher sei. »Ich bin nur ein Geschäftsmann«, erklärte er. »Meine Erfahrungen mit christlichen Missionen haben mir gezeigt, daß sie sehr tüchtig sind, wenn es um die Rettung von Seelen geht oder auch um die Rettung von Körpern, falls sie Kranke betreuen, aber die meisten verstehen nicht viel von Geschäften. Ich erledige die ›weltlichen‹ Angelegenheiten für etwa ein Dutzend Missionen.«

»Da gibt es sicher viel Kleinkram, um den Sie sich kümmern müssen?«

»Ich bin auch Im- und Exportkaufmann. Aber um Ihre Frage zu beantworten: ja. Ich habe zum Beispiel vom Arzt in Koraloona eine Bestellung für eine große Sendung Medikamente erhalten. Es ist für mich viel leichter, alle Bestellungen zu sammeln und die Beförderung zu organisieren – aber in diesem Fall kann ich sie Ihnen übergeben, damit Sie sie auf die Insel mitnehmen. Die Mantela wird Ihnen gefallen. Sie werden mit Captain Robins fahren; Sie werden ihn mögen.«

Ich mochte ihn von dem Augenblick an, als ich ihn kennenlernte, schon als die Maschinen der Mantela angeworfen wurden und wir endlich ausliefen.

Captain Robins stammte aus Yorkshire, war Mitte Fünfzig und hatte seinen Akzent längst im babylonischen Wirrwarr Dutzender Dialekte verloren. Er war groß und hatte ein zerfurchtes, von Wind und Sonne gegerbtes Gesicht, das ständig in Bewegung war und auf dem oft ein zynisches Lächeln lag. Sein graues Haar war strubbelig, die grauen Augen ruhig.

Die Mantela, die in ihren mäßig komfortablen Kabinen sechs Passagiere unterbringen konnte, bot nicht den Luxus von Badezimmern oder Toiletten in jeder Kajüte. Aber der Salon, in dem wir die Mahlzeiten einnahmen und unsere Aperitifs tranken, war blitzsauber, die Mahagonimöbel waren poliert, und die Messingbeschläge glänzten.

Die Mantela strahlte nicht den Glanz der großen Luxusdampfer aus, aber sie verbreitete eine Atmosphäre der Gediegenheit. Sie war nicht besonders elegant, vielmehr gedrungen und solide, und sie stampfte zielstrebig von Hafen zu Hafen. Sie war ein ehrliches Schiff ohne Kinkerlitzchen, immer bereit, jedermann aufzunehmen. Außer mir gab es noch drei Passagiere, doch die gingen in Rarotonga von Bord. Während der restlichen drei Tage bis Koraloona waren Robins und ich mehr oder weniger uns selbst überlassen. Der Steuermann und der Erste Maschinist aßen zu verschiedenen Zeiten und benützten den Salon nicht als Aufenthaltsraum.

Gelegentlich gesellte ich mich auf der Brücke zu Robins; dann wieder kam er, wenn alles ruhig war, in den Salon und leistete mir bei einem Drink, den ein Cockney-Steward namens Tomkins servierte, Gesellschaft; die Auswahl an Getränken war beschränkt, aber ich trank ohnehin nicht viel.

»Haben Sie das je nach dem Essen versucht?« Er zeigte auf eine Flasche Crème de Menthe. »Das beste Getränk der Welt nach dem Essen. Ich nenne es ›Grüner Kleber‹.«

Als ich den Kopf schüttelte, fuhr er fort: »Es ist vermutlich kein Getränk für einen jungen Mann. Aber es wirkt bei Verdauungsstörungen Wunder.«

»Eine teure Medizin«, wandte ich ein. »Ich kann Ihnen etwas geben, das nicht einmal ein Viertel davon kostet.«

»Vielleicht, aber vergessen Sie nicht, daß ich meine Drinks zollfrei beziehe.«

Nachdem Tomkins das zweite Glas gebracht hatte, sah mich Robins ein wenig spöttisch an und bemerkte: »Ich habe auf den Inseln schon etliche Ärzte kommen und gehen sehen, aber Sie passen nicht in das übliche Schema.«

»Bin ich zu jung?«

Er suchte nach dem richtigen Wort und meinte dann grinsend: »Zu piekfein.«

»Das bin ich bestimmt nicht«, lachte ich.

»Ich wollte Sie nicht beleidigen. Aber Sie werden feststellen, daß Ihr neuer Boss Alec Reid aus ganz anderem Holz geschnitzt ist. Er ist ein eigenwilliger Mensch, und er paßt genau nach Koraloona. Ein waschechter Schotte.«

»Nicht piekfein?«

»In gewisser Hinsicht schon.« Er ging nicht auf meinen Ton ein. »Er ist ein guter Arzt, und er liebt die Insel. Er wird sie nie verlassen.«

»Ist sie so schön?«

»Sie werden es bald selbst sehen. Während ich einen Blick auf die Brücke werfe, lesen Sie inzwischen das da. Ich habe es aus meiner Kajüte mitgebracht, um es Ihnen zu zeigen. Es ist die billigste Abenteuergeschichte der Welt, und sie wird Ihnen mehr über Koraloona verraten, als ich mit Worten ausdrücken kann. Ich komme in einer Stunde wieder, dann können wir einen letzten ›Grünen Kleber‹ heben. Was meinen Sie dazu?«

Captain Robins verließ den Salon, ich schälte meine Nachspeise, ein paar rote Bananen, die wild auf den Inseln wachsen, und griff nach dem Buch. Es war ein zerlesenes Exemplar der »Schifffahrtsanweisungen«.

KORALOONA: 18 Meilen lang, 11 Meilen breit, ist eine der kleineren Inseln im Moto-Varu (Sieben-Inseln)-Archipel, dessen Hauptinsel Sanders Island ist (94 000 Einwohner). Die Hauptstadt ist Sanderstown, wo sich ein größerer britischer Flottenstützpunkt befindet. Koraloona liegt 130 Meilen westlich von Sanders Island und ist für die Schifffahrt gefährlich, weil es von einem 50 Meilen langen Korallenriff umgeben ist, das auf allen Admiralitätskarten eingezeichnet ist. Es gibt zwei Durchfahrten durch das Riff, beide sind für Schiffe bis 5000 Tonnen befahrbar. Hauptort auf Koraloona ist Anani. Weiter östlich liegt der kleinere Ort Tala-Tala. Es gibt mehrere kleine, namenlose Dörfer. Fahrplanmäßige Schiffe befördern Bedarfsgüter von Sanders Island, Apia, Pago Pago oder Rarotonga nach Koraloona. Wasser, Früchte, Gemüse, Grundnahrungsmittel sind reichlich vorhanden, der Fischfang ist gut. Anmerkung: Die Lords der Admiralität sind der Meinung, daß die Lotsen Besucher darauf aufmerksam machen sollten, daß Koraloona nur ein kleines Krankenhaus und einen einzigen Arzt besitzt.

Hier irrten Ihre Lordschaften. Als die Mantela anlegte, hatte Koraloona den ersten Assistenzarzt seiner Geschichte erhalten, der im reifen Alter von vierundzwanzig Jahren, vier Monaten und sieben Tagen stand.

Das Meer begünstigt den Austausch von vertraulichen Mitteilungen. Man lernt vollkommen fremde Menschen kennen, lauscht höflich ihrer Lebensgeschichte, und wenn sie dann neugierig die Ohren spitzen, beantwortet man unaufgefordert ihre unausgesprochenen Fragen. An Land kann es Jahre dauern, bis zwei Menschen eng befreundet sind, doch auf See schrumpfen die Jahre zu Stunden. Vielleicht trägt die ungeheure Weite des Meeres dazu bei. Der Mensch fühlt sich so unbedeutend, daß er seine kleinen Geheimnisse nicht für so wichtig hält. Und natürlich weiß man in den meisten Fällen, daß man sich nicht wiedersehen wird. Bei Captain Bill Robins war es jedoch anders. Er erzählte mir, daß er regelmäßig in Koraloona anlegte und daß er mir von Zeit zu Zeit über den Weg laufen würde. Auch in meinem Fall war es anders, denn obwohl ich kein Verbrechen begangen hatte, hatten mich die Umstände gezwungen, England zu verlassen und mir auf Koraloona ein neues Leben aufzubauen.

Bill Robins hatte mit den vertraulichen Mitteilungen begonnen. Vielleicht weil er oft so lange allein war, erzählte er mir alles über seine Frau, seine beiden Kinder, das Haus, das sie in Sanderstown gekauft hatten, wie lange er verheiratet war, wo die Kinder zur Schule gingen – alle Einzelheiten seines Lebens in einer Stadt mit etwa 60 000 Einwohnern. Vor allem am zweiten Abend hatte ich das Gefühl, daß er sich aussprechen wollte, und was er sagte, war umso interessanter, als er über einen reichen Schatz von Erfahrungen verfügte und ein sehr reifes Urteil besaß. Er kannte nicht nur das Meer, sondern war auch belesen und in Geographie ebenso bewandert wie in Geschichte.

Er beugte sich in seinem Korbstuhl am Achterdeck vor.

»Ich sage Ihnen, Doktor« – er sprach mich immer so an, denn so gehörte es sich, wenn sich zwei Experten miteinander unterhielten –, »während der dreißig Jahre, die ich zur See gefahren bin, bin ich Spezialist für Inseln geworden. Die Leute auf ihnen sind schon ein merkwürdiger Menschenschlag. Auf den Andaman-Inseln sprechen sie zum Beispiel nie, sondern unterhalten sich ausschließlich in einer Art Singsang....



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