E-Book, Deutsch, Band 5, 408 Seiten
Reihe: Ein Cheltenham-Roman
Barnes Alte Liebe rostet nicht, aber neue Liebe glänzt
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-96655-436-7
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman | Ein Cheltenham-Roman - Band 5: Eine hinreißende romantische Komödie aus England
E-Book, Deutsch, Band 5, 408 Seiten
Reihe: Ein Cheltenham-Roman
ISBN: 978-3-96655-436-7
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Zoë Barnes ist ein Pseudonym der britischen Bestsellerautorin Susan Morgan (1957-2009). Sie wuchs in der Nähe von Liverpool auf und lebte danach lange in der Grafschaft Gloucestershire - genauer gesagt im beschaulichen Cheltenham, wo auch viele ihrer romantischen Komödien spielen. Lange vor Helen Fielding und deren »Bridget Jones« war Susan Morgan eine Wegbereiterin der herrlich britischen, humorvollen Unterhaltungsromane. Sie war außerdem als Übersetzerin erfolgreich und stand in ihrer Freizeit als Mezzosopranistin auf der Bühne. Bei dotbooks erschienen die folgenden Romane von Zoë Barnes: »Du sagst Chaos, ich hör' Hochzeit«, »Wer in den Seilen hängt, kann endlich richtig schaukeln«, »Das Glück spielt die erste Geige, aber ich bin die Dirigentin«, »Lieber voll verliebt als wunschlos glücklich«, »Alte Liebe rostet nicht, aber neue Liebe glänzt«, »Die Braut, die sich was traut«, »Die Insel des geheimen Glücks« und »Auf der Spur der Träume«.
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Kapitel 2
»Delbert Mackenzie, wenn ich das noch einmal sehe, wird es bis zum Ende des Halbjahres beschlagnahmt, verstanden?«
»Ja, Sir. Ich steck’s weg, Sir.«
Der Junge stopfte den Gameboy Advanced zurück in seinen Rucksack und machte sich schleunigst durch den Korridor davon.
»Und nicht rennen!«
Die Worte hallten von den Wänden wider und verloren sich im brodelnden Stimmengewirr eines typischen Montagmorgens an der Alderman-Braithwaite-Schule.
»Er ist kein übler Bursche, aber man muss ein Auge auf ihn haben – gib ihm den kleinen Finger und er nimmt die ganze Hand. Oder sogar den Arm. Ein richtiges Schlitzohr! Ich habe noch nie jemanden kennengelernt, der sich so kreative Ausreden für vergessene Hausaufgaben ausdenkt. Na, kommen Sie, Colin, jetzt stelle ich Ihnen mal den Rest des Kollegiums vor.«
Nick schritt voran, den Korridor in Richtung Lehrerzimmer entlang. Der junge Mann an seiner Seite war fast zehn Zentimeter größer, wirkte im Vergleich zu Nick aber dennoch klein und unsicher. Es war, als stünde »Mein erster Tag« in Großbuchstaben auf seiner Stirn geschrieben. Nichtsdestotrotz leuchtete das Gesicht des frischgebackenen Lehrers vor Eifer.
Normalerweise fingen die neuen Lehrkräfte im September an, aber nachdem Mr Sparrow in einer kompromittierenden Situation mit Miss Raeburn ertappt worden war, gab es im Kollegium zwei Lücken, die dringend geschlossen werden mussten. Man konnte sich außerordentlich glücklich schätzen, dass man mitten im Herbsthalbjahr einen qualifizierten Physik- und Chemielehrer wie Colin Rooney gefunden hatte, und Nick war sich dessen bewusst. Als kommissarischer stellvertretender Leiter des naturwissenschaftlichen Fachbereichs war er fest entschlossen, sicherzustellen, dass sich sein neuer Schützling wohl genug fühlte, um eine Weile auszuharren.
Das Lehrerzimmer präsentierte sich wie üblich als eine überfüllte Räuberhöhle. Die Auslegware auf dem Fußboden war durch Kaffeeflecken völlig verfärbt und das Notizbrett zugepflastert mit privaten Kleinanzeigen für gebrauchte Fiestas und 2CVs.
»Hier ist also die Zentrale der Macht«, verkündete Nick. »Nehmen Sie sich einen Kaffee und dann gehe ich mit Ihnen Ihren Stundenplan durch.«
Colin schlenderte zum Tisch hinüber, auf dem die Kaffeemaschine stand. »Irgendeine bestimmte Tasse?«
Nick war gerade durch die überschwänglichen Kommentare auf Colins Arbeitszeugnissen abgelenkt. »Hmm? Nein, welche Sie wollen.«
»Nicht die dort!«, schnappte eine schwarze Frau mit deutlichem französischen Akzent und entriss ihm den Becher mit dem Wallace-und-Gromit-Motiv. »Die gehört mir. Sie werden sich Ihre eigene mitbringen müssen.«
Colins Gesicht fiel in sich zusammen.
»Nicht erschrecken«, riet Nick, während er seine eigene Tasse aus der unteren Schublade eines Aktenschranks nahm, der mit der Aufschrift »Prüfungen« versehen war, und sie Colin reichte. »Claudette bellt, aber sie beißt nicht. Nicht wahr, Claudie?«
»Ah! Das hätten Sie wohl gern!«, sagte Claudette schnippisch, aber ihre Miene wurde ein wenig weicher.
Nick senkte seine Stimme. »Und sie weiß, wo der geheime Vorrat an Büromaterial versteckt ist, also stellen Sie sich gut mit ihr. Nun, was halten Sie davon? Physik, neunte Klasse, gleich als Erstes am Montagmorgen.«
»Äh ... klar. Super.«
Nick grinste bedauernd. »Das werden Sie nicht mehr sagen, wenn Sie die Klasse erst einmal kennengelernt haben. Es sind schon ein paar richtige Übeltäter dabei. Vielleicht sollte ich Sie mit Graham tauschen lassen, dann könnten Sie ganz entspannt den Chemiekurs in der elften Klasse übernehmen.«
Colin zuckte gleichmütig mit den Schultern. »Ach was, werfen Sie mich einfach ins kalte Wasser. Früher oder später muss ich mich den Störenfrieden sowieso stellen.«
Nick lachte. »Sie klingen genauso wie ich, als ich damals anfing. Randvoll mit sprühendem Idealismus.«
»Keine Sorge«, mischte sich Graham ins Gespräch, während er sich Marmelade von der Tweedkrawatte wischte. »Das treiben wir Ihnen ganz schnell aus.«
»Wie lange sind Sie denn schon im Schuldienst?«, fragte Colin, seinen Kaffee schlürfend.
»Noch nicht so lange, wie man vielleicht denken könnte«, erwiderte Nick. »Ich war nämlich Zahnarzt, bevor ich hier angeheuert habe.«
Colins Unterkiefer klappte herunter. »Zahnarzt! Sie meinen, Sie haben all das aufgegeben für ... dies hier?«
»All was?«, fragte Nick lachend. »Sie meinen all den Stress und die Langeweile? Ah, verstehe. Sie reden vom Geld. Ob Sie’s glauben oder nicht, es gibt wirklich Wichtigeres.«
»Wenn Sie das sagen ...« Colin war alles andere als überzeugt.
»Schon in Ordnung. Er ist wahnsinnig«, sagte Graham, der gerade mit einem Modell der Clifton-Hängebrücke vorbeiging.
»Muss er wohl«, schnaubte Claudette und nahm ihren Stapel Französischbücher. »Er arbeitet schließlich hier.«
»Wie auch immer, ich hab es jedenfalls nur ein paar Jahre durchgehalten, bis ich merkte, dass es ein großer Fehler war«, fuhr Nick fort. »Das hier ist meine Bestimmung – Buße für meine Sünden.« Er blickte auf die Wanduhr und stellte seine Tasse auf den Tisch. »Kommen Sie, ich führe Sie durch den Fachbereich, solange die lieben Kleinen noch in der Versammlung sind.«
Er machte sich auf den Weg den Flur entlang und die Treppe hinauf, den hechelnden Colin im Schlepptau, und fragte sich, ob er wohl den Morgen überstehen würde. Das Schicksal wollte es jedoch, dass sie es nicht einmal bis zum Physiksaal Eins schafften, denn gerade als sie in der naturwissenschaftlichen Sammlung bei einem Glas eingelegter Bandwürmer um die Ecke bogen, ertönte ein ohrenbetäubender Knall.
Als Nächstes schrillte der Feueralarm. Und gleich darauf war die Hölle los.
***
Hannah lachte so sehr, dass sie sich an ihrem Keks verschluckte.
»In die Luft geflogen?«, fragte sie hustend und wischte sich mit schokoladeverschmierten Fingern die Tränen aus den Augen. »Du machst Witze.«
Nicks Gesichtsausdruck sprach eine deutliche Sprache – ihm war definitiv nicht nach Witzen zumute. »Das ist nicht komisch«, sagte er.
»Was? Eine Flasche illegal gebrautes Bier explodiert in der naturwissenschaftlichen Sammlung und die gesamte Schule muss evakuiert werden? Das ist verdammt noch mal zum Totlachen!« Sie atmete tief ein, um ihre stechenden Lungen mit Sauerstoff zu versorgen. »Du liebe Zeit, bleib locker, Nick. Schließlich hast du ja keinen Ärger dafür bekommen, oder?«
Es war nach dem Abendessen und die beiden saßen sich in ihrer nagelneuen Küche am Eichentisch gegenüber wie Gegner in einem Schachspiel.
»Darum geht es überhaupt nicht«, widersprach Nick.
»Worum geht es denn dann?«, erkundigte sich Hannah, obwohl sie genau wusste, was er antworten würde. In letzter Zeit schien sie das immer zu wissen.
»Es geht darum«, führte Nick aus, »dass ich stellvertretender Leiter des Fachbereichs bin ...«
»Kommissarischer stellvertretender Leiter«, unterbrach Hannah, um ihn zu ärgern.
»Was auch immer. Jedenfalls bin ich verantwortlich für das, was im Fachbereich passiert. Habe ich Graham und seinen Kumpels etwa nicht gesagt, es sei unverantwortlich, in der Sammlung Bier zu brauen?«
»Selbstverständlich hast du das«, murmelte Hannah, während sie sich wünschte, diese Unterhaltung niemals begonnen zu haben.
»Habe ich ihnen nicht gesagt, dass das früher oder später Ärger geben würde?« Er wartete ihre Antwort nicht ab. »Aber haben sie auf mich gehört? Hören sie jemals auf mich? Und jetzt haben wir den Salat. Überall zerbrochenes Glas und alles stinkt nach Bier. Was, wenn jemand im Raum gewesen wäre, als es passiert ist? Ein Kind zum Beispiel?«
»Die Schüler dürfen da doch gar nicht rein«, bemerkte Hannah. »Und es wurde niemand verletzt. Hey, trink deinen Kaffee, er wird kalt.«
Nick grunzte und nahm missmutig einen Schluck. »Ich hätte mir denken können, dass du das alles für eine riesige Lachnummer hältst«, bemerkte er.
»Na ja, es soll tatsächlich Leute geben, die Sinn für Humor haben.«
Das saß. Nick fuhr auf wie ein angriffslustiges Stachelschwein. »Ach. Was soll das bitte bedeuten?«
Sie legte ihre Hand auf seine, wie eine Mutter es bei einem widerspenstigen Kind tun würde. »Ich weiß ja, dass du glaubst, du hast in deinem Job unheimlich viel Verantwortung, aber man kann es auch übertreiben.«
»Ich übertreibe aber nicht!«
»Tust du doch. Du fühlst dich für alles verantwortlich. Und ich meine wirklich alles. Du würdest dich auch dafür verantwortlich fühlen, dass der Himmel blau ist, wenn du damit durchkämst.«
Nick war sich bewusst, dass sie den Nagel auf den Kopf getroffen hatte. Er leerte seine Kaffeetasse und stand auf. »Ich dachte, du würdest mich verstehen«, sagte er beleidigt. »Du hast schließlich selbst ein Geschäft.«
»Natürlich verstehe ich dich, das ist ja das Problem. Aber versuch doch einfach, dich etwas zu entspannen! Sonst treibst du noch alle in den Wahnsinn – dich selbst eingeschlossen.«
Nick sah Hannah an, und ihre Blicke trafen sich zum ersten Mal an diesem Abend, sogar zum ersten Mal seit längerer Zeit. Sie hielten sich nicht mehr allzu oft damit auf, einander verliebt in die Augen zu schauen. Nicht dass sie das früher häufiger getan hätten. Ihre Beziehung war seit jeher von einer anderen Art gewesen. Einen Augenblick lang glaubte, nein fürchtete Hannah, dass er irgendetwas Bedeutsames sagen würde. Aber sie hätte es besser wissen sollen.
»Ich muss jetzt los und Lottie bei deiner Mum abholen. Sie...




