Barnett | Zwischen uns ein Licht | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 336 Seiten

Barnett Zwischen uns ein Licht

Roman | Ein warmherziger Roman über zweite Chancen, die Schönheit der Natur und den Zauber des Alltäglichen.
24001. Auflage 2024
ISBN: 978-3-8437-3189-8
Verlag: Ullstein Ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman | Ein warmherziger Roman über zweite Chancen, die Schönheit der Natur und den Zauber des Alltäglichen.

E-Book, Deutsch, 336 Seiten

ISBN: 978-3-8437-3189-8
Verlag: Ullstein Ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein charmantes, romantisches Buch über die Schönheit der Natur und den Zauber des Alltäglichen Vor Jahren verband Gayle und Martin eine Collegeliebe. Doch Gayle, angehende Anwältin, hatte genug von Martin, einem Träumer, der sein Leben nicht auf die Reihe bekam. Zehn Jahre später ist sie in einer Beziehung mit einem anderen Mann, und Martin hat es als Leuchtturmwärter auf eine einsame Insel verschlagen. Wie es das Schicksal so will, wird Gayle im Rahmen ihrer Arbeit für einen Tag auf die Insel geschickt. Die beiden trifft der Schlag, als sie plötzlich voreinander stehen, und die alten Erinnerungen kommen hoch. Von nun an treffen sie sich jedes Jahr aufs Neue über neun lange Jahre hinweg. Und obwohl das Leben jenseits ihrer Geschichte seinen Lauf nimmt, will die Flamme ihrer Liebe einfach nicht erlöschen... »Herzerwärmend, fesselnd und eine kolossal gelungene Liebesgeschichte« Matt Cain

David Barnett schreibt u.a. für The Independent, Daily Mail und The Guardian. Nebenbei lehrt er an der Leeds Trinity University. Mit Miss Gladys und ihr Astronaut hat er seinen ersten Unterhaltungsroman geschrieben. David Barnett wohnt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in West Yorkshire.
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2



17. Juni

Nach diesem Tag ist es wohl kaum ein Wunder, dass ich beschließe, in einem Leuchtturm zu leben.

Oder vielleicht ist es auch ein Wunder. Ich meine, das machen normale Menschen nach einem beschissenen Tag nicht unbedingt, oder? Die meisten Menschen würden wohl eine Flasche Wein aufmachen oder einen Freund anrufen oder etwas zu essen bestellen oder einen Film schauen. Aber all diese Dinge habe ich schon früher getan, und jetzt habe ich eben beschlossen, in einem Leuchtturm zu leben.

Immerhin war es wirklich ein beschissener Tag.

Der Tag fängt morgens um Viertel vor sechs an, was schlimm genug wäre, wenn ich nicht schon vor einer Viertelstunde bei der Arbeit hätte sein müssen. Auf meinem Handy sind drei verpasste Anrufe, alle von meinem Vorgesetzten. Ich bin davon nicht aufgewacht, weil mein Handy in der Ecke meines Wohnzimmers unter dem Fernsehtisch liegt, wo ich es gestern Abend hingeworfen hatte, als ich sah, dass mein Handyvertrag ausgelaufen war. Was bedeutet, dass ich auch nicht bei der Arbeit anrufen kann, um ihnen zu sagen, dass ich auf dem Weg bin. Und wenn ich nicht innerhalb einer Stunde nach Arbeitsbeginn anrufe, verliere ich meine Schicht und werde vermutlich auch keine neue mehr bekommen. Sie sind dort ziemlich nachtragend.

Es gibt nur eine Lösung. Ich muss Mrs Carruthers finden. Sie ist vermutlich die Einzige hier im Haus, die um diese Zeit schon wach ist. Möge der liebe Gott mir beistehen.

Ich drücke auf Mrs Carruthers‘ Klingel und warte, bis sie durch den Spion geschaut hat. Dann wird ihre Tür aufgerissen, die meiner direkt gegenüberliegt, und sie steht vor mir. Mrs Carruthers ist gewaltig und trägt auf dem Kopf ein Vogelnest aus schwarzem Haar – ganz eindeutig und sehr laienhaft gefärbt. Sie hat sich in ein geblümtes Gewand gehüllt, das um ihren riesigen Körper herumwallt, als wäre sie ein mittelalterliches Kriegsschiff mit gesetzten Segeln. Sie blinzelt mich an und sagt dann: »Ah. Der Idiot.«

»Tut mir leid, dass ich Sie störe, Mrs Carruthers. Aber ich weiß ja, dass Sie immer schon sehr früh aufstehen …«

»Keine Milch? Stromrechnung nicht bezahlt? Oder haben Sie plötzlich den erbärmlichen Zustand des eigenen Lebens begriffen und wollen jetzt meinen weisen Rat?«

Sie kennt mich einfach viel zu gut, diese Mrs Carruthers.

»Nein«, sage ich. »Ich müsste mal Ihr Telefon benutzen. Mein Handy ist … kaputt.«

»Die Rechnung nicht bezahlt«, sagt sie und grinst. »Mal wieder. Kommen Sie rein, Sie wissen ja, wo es ist.«

In Mrs Carruthers‘ Wohnung zu treten ist, als käme man aus dem Schrank nach … na ja, nicht ganz Narnia, aber vielleicht in ihre Version davon. Es ist eine völlig unkonventionelle Insel voller Räucherstäbchenqualm, beleuchtet von schummrigen Lampen, die mit bunten Seidentüchern verhängt sind. Bei ihr läuft ständig der Fernseher, der auf stumm geschaltet ist, und von irgendwoher hört man schräge Musik. Heute klingt es wie die kratzige Aufnahme eines tibetischen Yak-Hüters, der in einem Schneesturm Handglocken spielt. Sie hat ein enormes, formloses Sofa mit Decken darauf, und an der Wand darüber hängt ein riesiges Ölbild einer nackten Frau, die auf einer Chaiselongue ruht. Mrs Carruthers behauptet, das sei sie in . Sie nennt das Bild und sagt, es sei von einem sehr berühmten Künstler gemalt, mit dem sie eine kurze, aber leidenschaftliche Affäre gehabt habe. Das Bild ist detailreich, und ich wende ihm den Rücken zu, um die Nummer meines Vorgesetzten auf dem höchst unpraktischen Telefon mit Wählscheibe zu wählen. Ich schaue hoch und sehe einen Käfig, in dem eine nackte, schmuddelige Barbiepuppe auf einer Schaukel sitzt. Ich brauche zwei Versuche, um endlich die Nummer zu wählen … wie um alles in der Welt sind die Menschen mit diesen Dingern bloß zurechtgekommen?

Der Anruf wird beinahe sofort an Jordan weitergeleitet. Er ist zweiundzwanzig und frisch von der Uni. Er hält mich für einen alten, abgewrackten Niemand ohne Zukunft und Ehrgeiz. Seine Einschätzung ist nicht ganz unbegründet.

»Abwicklung, Versand und Logistik, Wir verleihen Ihren Träumen Flügel«, sagt er mit seiner professionellen Stimme, weil er die Nummer auf dem Display nicht erkennt. Dann, als ich zu sprechen beginne, seufzt er und sagt: »Mister Burney«, so wie es die Leute tun, wenn sie die höfliche Anrede ironisch meinen und nicht finden, dass man sie verdient hat.

»Tut mir leid, Jordan, ich …« Ich verstumme, werfe einen Blick auf mein Handy und überlege, welche Lüge jetzt am besten wäre. »Es liegt an meinem Handy. Es … es ist kaputtgegangen.« Mrs Carruthers hinter mir räuspert sich. »Der Wecker ist nicht angesprungen. Ich rufe gerade vom Telefon einer Nachbarin an.« »Ich bin in einer Stunde da.«

»Vierzig Minuten, sonst brauchen Sie gar nicht erst zu kommen. Wissen Sie eigentlich, wie viele Leute Ihren Job gern hätten?«

Die Verbindung wird beendet, und ich lege den Hörer auf. Offenbar mache ich das falsch, denn Mrs Carruthers drängt sich an mir vorbei und legt ihn andersherum auf die Gabel. »Danke«, sage ich. »Ich gehe dann mal und ziehe mich an.«

Sie wirft einen vernichtenden Blick auf meinen schmuddeligen Morgenmantel und die Flipflops. »Das will ich hoffen. Haben Sie Ihr Morgenmahl schon zu sich genommen?«

»Keine Zeit«, sage ich. »Ich habe nach vier Stunden Arbeit immer zehn Minuten Pause. Dann hole ich mir was aus dem Automaten.«

»Pffh«, macht sie und schiebt mich zum Tisch, der an ihrem Erkerfenster steht. »Setzen Sie sich. Ich habe Waffeln mit Speck und Ahornsirup schon fertig. Und Kaffee. Echten Kaffee. Nicht diesen Mist, den man in Bröseln im Glas kauft.«

»Ich habe wirklich keine Zeit«, sage ich. Ich schaffe es nicht einmal in vierzig Minuten dorthin, es sei denn, die Götter der Straßenbahn von Manchester blicken mit Wohlwollen auf mich herab.

»Unsinn«, sagt Mrs Carruthers, legt die Hände auf meine Schultern und drückt mich auf den Stuhl. »Zehn Minuten Frühstück, zehn Minuten zum Anziehen, zehn Minuten mit dem Taxi zur Arbeit. Ich organisiere Ihnen eine Fahrt mit Mr Ali.«

Weniger als eine Minute später serviert mir Mrs Carruthers einen Teller mit Waffeln und Speck, übergossen mit Sirup, und ich muss zugeben, dass mir das Essen hochwillkommen ist. Was habe ich gestern Abend gegessen? Die Reste der Pizza vom Abend zuvor. Ich haue rein, und sie geht ans Telefon und organisiert mit lauter Stimme ein Taxi für genau sechs Uhr dreißig, mit der Drohung, dass Mr Ali nicht mehr auf ihre Unterstützung rechnen könne, wenn er mich nicht genau neun Minuten später an meiner Arbeitsstätte abliefere.

Mrs Carruthers setzt sich ebenfalls an den Tisch und schaut zu, wie ich mir Waffeln in den Mund stopfe. Sie neigt den Kopf zur Seite, und das Licht des frühen Morgens dringt durch die Fenster und beleuchtet ihr breites, faltiges Gesicht. »Wie alt sind Sie, Martin?«

»Dreißig«, sage ich mit vollem Mund. Diese Waffeln sind wirklich lecker.

»Oh, wie ungehobelt«, sagt sie und zwinkert mir zu. »Keine Manieren, Ihre Generation. Ich konnte in Ihrem Alter die Beine vielleicht nicht geschlossen halten, aber zumindest den Mund, wenn ich aß.«

Ich verziehe das Gesicht und murmele eine Entschuldigung. Mir vergeht plötzlich der Appetit, und ich nehme einen Schluck vom starken schwarzen Kaffee.

Mrs Carruthers sagt nachdenklich: »Mrs Howell aus dem dritten Stock hat seit gestern Besuch von ihrem Sohn. Er ist auch dreißig Jahre alt. Er hat einen Job in einer Firma für erneuerbare Energien. Sehr gut dotiert. Nettes Haus in Chorlton. Hübsche Frau. Zwei Kinder. Ich glaube, eins ist ein Wunderkind am Klavier.«

Mrs Carruthers weiß alles über jeden, zumindest in diesem Wohnhaus. In einem anderen Leben hat sie bestimmt für den Geheimdienst eines Ostblocklandes gearbeitet. Ich blinzele. Ich habe keine Ahnung, wie alt sie genau ist, aber sie muss uralt sein. Es liegt absolut im Bereich des Möglichen, dass sie wirklich für den Geheimdienst gearbeitet hat.

Ich zucke die Achseln und sage: »Ich weiß. Ich bin ein Versager.«

»Nein«, widerspricht Mrs Carruthers. »Das weiß man erst, wenn man tot ist. Sie sind allerdings ein Idiot.« Sie nickt in Richtung meiner Tasse. »Trinken Sie aus. Sie haben zehn Minuten, um dafür zu sorgen, dass Sie nicht mehr wie ein Straßenhändler aussehen, der von Tür zu Tür zieht, um Scheren zu schleifen.«

Sie lässt mich aus der Wohnung und sagt: »Sie sind ein Trottel, weil Sie Ihr Leben verschwenden. Sie haben einen stupiden Job, den Sie hassen. Sie haben eine Freundin, die vermutlich kurz davor ist, mit Ihnen Schluss zu machen. Sie sind ständig pleite, chaotisch und ziellos. Sie lassen sich treiben, Martin, aber nicht auf eine gute Art. Übernehmen Sie die Kontrolle über Ihr Leben. Lenken Sie es in eine...



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