E-Book, Deutsch, Band 1, 400 Seiten
Reihe: Die Juwelier-Saga
Bast Der Schmuckpalast - Antoinette und das Funkeln der Edelsteine
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-8412-3619-7
Verlag: Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, Band 1, 400 Seiten
Reihe: Die Juwelier-Saga
ISBN: 978-3-8412-3619-7
Verlag: Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Magie der Edelsteine.
Antoinette und Louis-François Cartier erfüllen sich einen Traum: Sie eröffnen ihr Juweliergeschäft in der Nähe des prestigeträchtigen Palais Royal. Nach unruhigen Zeiten bricht unter Kaiser Napoleon III. eine neue Ära für die Pariser Juweliere an, und der Laden der Cartiers wird schon bald zu einer exquisiten Adresse. Dann wird Louis-François mit der Umarbeitung der Kronjuwelen betraut, und Antoinette entwirft fieberhaft Schmuckstücke für die Kollektion Cartier. Kann sie mit ihren außergewöhnlichen Kreationen die Kaiserin Eugénie überzeugen?
Eva-Maria Bast ist Journalistin und Autorin mehrerer Sachbücher, Krimis und zeitgeschichtlicher Romane. Für ihre journalistische Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Als eine Hälfte des Autorenduos Charlotte Jacobi schrieb sie u. a. den Spiegel-Bestseller 'Die Douglas-Schwestern'. Die Autorin lebt am Bodensee. Im Aufbau Taschenbuch sind von ihr bisher die Bände der Saga 'Die Frauen der Backmanufaktur' sowie der Roman 'Die Frauen von Notre Dame' erschienen.
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Prolog
Geduckt schlich die kleine, zierliche Frau hinter den beiden Männern durch die engen Gassen von Paris. Kein Mond war am Himmel zu sehen – und auch die Sterne leuchteten nicht. Es gab eine Dunkelheit, die weich und samtig war, die einen einhüllte, die der schützenden Umarmung einer liebenden Mutter glich. Die Dunkelheit, die sich heute über die schlafende Stadt gelegt hatte, war jedoch hart, kalt und bedrohlich. Wahrscheinlich, dachte Manon bitter, verschloss der Himmel seine Augen vor all dem Schrecklichen, das da gerade unten auf der Welt vor sich ging.
Doch wenn ihr die Dunkelheit auch einiges Unbehagen bereitete, war es ihr eigentlich sehr recht, dass kaum Licht in die Straßen drang. Denn wo es kein Licht gab, war auch die Gefahr geringer, entdeckt zu werden. Es war der 11. September 1792 und Frankreichs König war kein König mehr. Einen Monat zuvor, am 10. August, hatten die Revolutionäre die Tuilerien gestürmt und Ludwig XVI. abgesetzt, mitsamt seiner Gemahlin Marie Antoinette, der ungeliebten, verschwendungssüchtigen Autrichienne. Der König hatte keine Macht mehr – und Frankreich versank im Chaos. Um die Kronjuwelen und deren Schutz sorgte sich in jenen Tagen, wo jeder um sein Leben bangte, kaum einer. Außer der Frau und den beiden Männern, die nun auf dem Weg zum Hôtel du Garde-Meuble an der Place Louis-François XV. waren, wo sich die Kronjuwelen befanden.
Das Hôtel du Garde-Meuble war eine Institution. Gegründet worden war es im Jahr 1663 von Ludwig XIV. und Colbert, seinem Finanzminister, mit dem Ziel, von hier aus die königlichen Residenzen einzurichten und Möbel zu restaurieren. Und nun wurden hier eben nicht nur Inventar, sondern auch die Kronjuwelen aufbewahrt. Sie konnten jeden ersten Dienstag im Monat besichtigt werden. Manon war jedes Mal gekommen und hatte sich in diese wunderbaren Schmuckstücke hineingeträumt, sich nach und nach ein tiefes und umfassendes Wissen über die Kronjuwelen erschlossen. Dieser Schatz bestand aus nicht weniger als neuntausend Diamanten, fünfhundert Perlen und fünfhundert weiteren Edelsteinen. Besonders angetan hatte es ihr der Bleu de France, bei dem es sich, wie Manon erfahren hatte, um einen der schönsten Diamanten handelte, der jemals gefunden worden war. Manons Herz hatte immer ein wenig höher geschlagen, wenn sie die Kronjuwelen betrachtet und sich bewusst gemacht hatte, wie alt diese Steine schon waren, die da so wunderbar funkelnd und verheißungsvoll vor ihr lagen. Und einige von ihnen waren schon viele, viele Jahrhunderte beisammen: Immerhin war die Sammlung bereits 1530 von Franz I. begründet und inventarisiert worden, bevor der Sonnenkönig sie erheblich erweitert hatte. Die Steine dieser Sammlung waren auf teils sehr abenteuerliche Weise in den Besitz der französischen Krone gelangt, waren von den bedeutendsten Herrschern getragen worden und nun, heute Abend, sollte sie, Manon Plisset aus einem ärmlichen Faubourg, sie bekommen. Eine ungeheure Vorstellung, die ihr Herz sogleich schneller schlagen ließ. Frankreich stand Kopf, keiner achtete auf diese Schätze: Welcher Zeitpunkt könnte besser sein als dieser, um die Juwelen zu stehlen?
Manon war derart in ihre Träume versunken gewesen, dass sie nicht auf den Weg geachtet und vergessen hatte, dass der Platz, auf dem das Hôtel du Garde-Meuble stand, von einem Graben umgeben war. Sie trat halb hinein, knickte um, ein stechender Schmerz fuhr ihr in den Knöchel und breitete sich in rasender Geschwindigkeit nach oben bis zu ihrem Knie aus. In letzter Sekunde konnte sie den lauten Aufschrei, der sich ihrer Kehle entringen wollte, in ein leises Fluchen umwandeln. Doch selbst das war zu viel. Sofort fuhr Paul, der Anführer ihrer kleinen Gruppe, zu ihr herum. »Wirst du wohl still sein!«, fauchte er. »Ich wusste doch, dass es keine gute Idee sein würde, eine Frau mitzunehmen.«
»Halt die Klappe!«, erwiderte Manon, die den 35-Jährigen ganz und gar nicht leiden mochte. Paul Miette hatte gemeinsam mit ihrem derzeitigen Liebhaber Pierre Deslandes im Gefängnis La Force eingesessen – wegen Betrugs. Im Zuge der Wirren um die jüngst erfolgten Septembermorde, bei denen die Revolutionäre brutal gegen inhaftierte politische Widersacher und andere Gefängnisinsassen vorgingen, war den beiden die Flucht gelungen – und Paul hatte wertvolle Informationen aus dem Gefängnis mitgebracht: Dass die Kronjuwelen kaum bewacht wurden! In den folgenden Wochen waren sie oft dort gewesen und hatten sich davon überzeugt, was sie im Gefängnis gehört hatten. Tatsächlich: Paul und Pierre waren sicher, dass es denkbar einfach wäre, hier einzubrechen und die Kronjuwelen zu stehlen.
»Ich hatte nur vergessen, dass die Place Louis-François XV. von einem Graben umgeben ist. Das hätte dir auch passieren können«, zischte Manon nun in Richtung ihres Begleiters.
Paul knurrte etwas Unverständliches, während Pierre mahnte: »Still jetzt. Sonst entdeckt uns die Nationalgarde doch noch. Wir haben nun wirklich keine Zeit für Streitereien.«
Manon blickte zum Torhaus hinüber, wo die Nationalgarde stationiert war. Sie sah die Männer im Schein einer Lampe am Tisch sitzen und sich unterhalten. Gut so. Sie war sich ziemlich sicher, dass sie keinerlei Aufmerksamkeit auf sich ziehen würden: Bis auf zwei düstere Funzeln, die an den Seiten des Hôtel du Garde-Meuble angebracht waren, gab es hier keine Beleuchtung. Wenn sie diesen Lichtkegel umgingen, hatten die Nationalgardisten gar keine Möglichkeit, sie zu entdecken.
Ohnehin, da war sie sich eigentlich sicher, war die Nationalgarde ziemlich desorganisiert und desorientiert. Der langjährige Intendant der Garde-Meuble war erst vor zwölf Tagen umgebracht worden. Jetzt stand ein Maler dem so bedeutenden Ort vor. Ein gewisser Jean-Bernard Restout, der im Vorjahr eine Bestandsaufnahme über die Kronjuwelen gemacht und einen Wert von vierundzwanzig Millionen Livres ermittelt hatte. Eine enorme Summe. Manon spürte ihr Herz schneller schlagen, wenn sie an diese Schätze dachte, die dort, im ersten Stock des Gebäudes, das sie nun erreicht hatten, in einer verriegelten Kammer in Schränken und Kisten aufbewahrt wurden. Bald würden sie ihr gehören.
*
Jean-Bernard Restout fand keinen Schlaf. Die Aufgabe, die der neue Innenminister Jean-Marie Roland ihm zugedacht hatte, mochte zwar ehrenvoll sein, aber sie war ihm zu groß. Vor allem, weil er sich alleingelassen fühlte. Sträflich alleingelassen! Seine Aufgabe war nicht weniger als die Bewachung der Kronjuwelen – und diese sollte er mit gerade mal einem Dutzend Männern bewerkstelligen! Er hätte mindestens fünfmal so viele gebraucht! Als er heute Morgen ins Hôtel du Garde-Meuble gekommen war, hatte er den Wachmann zu seinem Entsetzen schlafend angetroffen. Restout hatte ihn angebrüllt und dem armen Mann, der sofort hochfuhr und sich kerzengerade hinsetzte, als könne er den Schlaf durch eine gerade Körperhaltung ungeschehen machen, Fahrlässigkeit vorgeworfen – dabei wusste er doch sehr gut, dass diesen ganz und gar keine Schuld traf! Der Wachmann war sechzig Stunden lang am Stück im Dienst gewesen, weil seine Ablöse erkrankt war und Restout niemanden gehabt hatte, der ihn hätte ersetzen können. Wenn sich erst einmal herumspräche, wie schlecht die Juwelen bewacht waren, dann würde sich eine Katastrophe ereignen.
Mit einem Schnauben schlug er die Bettdecke zurück und erhob sich. Es ließ ihm einfach keine Ruhe. Er würde selbst nachsehen, ob alles in Ordnung war. Und anschließend würde er sich an seinen Sekretär setzen und den Dutzendsten Beschwerdebrief an Monsieur Santerre schreiben – bei ihm handelte es sich um den Oberbefehlshaber der Nationalgarde. Und auch an Generaladjutant Doucet wollte er – wieder einmal – schreiben und auf den Missstand hinweisen, bevor es zu spät war. Mehr konnte er nicht tun.
Restout küsste seine schlafende Gattin, die von seiner Schlaflosigkeit und seiner Unruhe nicht das Mindeste mitbekommen hatte, auf die Wange und stand dann leise auf, um seinen Schlafrock abzulegen und sich für den nächtlichen Spaziergang anzukleiden. Zehn Minuten später trat er aus dem Haus. Er blickte nach oben. Kein Stern war am Himmel zu sehen.
*
»Hier. Wir klettern an diesen Laternen nach oben«, entschied Paul, als sie gleich darauf am Gebäude angekommen waren.
»Ist das nicht viel zu...




