E-Book, Deutsch, 154 Seiten
Bauer 111 An-Eck-Doten
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6951-6810-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
NEULICH bei ALDI und CO
E-Book, Deutsch, 154 Seiten
ISBN: 978-3-6951-6810-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Geboren 1943 Abitur 1963 Rektor 1973 Pensionär 2005 Schreiben? Schon immer.
Autoren/Hrsg.
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AL-DI TALKS
1.
NEULICH bei Aldi:
Rechts neben dem Eingang die interessanten Sonderangebote, mit den roten Preisen.
Motto: MUSS WEG.
Darunter ein feiner Mosel Riesling Steilhanglage.
Sogar ein Kabinett. Feinherb. Ein Klassiker. Auch noch von einem namhaften Winzer. Ein Genuss für den Connaisseur, wenn man nicht weiß, was Sodbrennen ist.
Doch der Preis fehlt, auch sonst kein Hinweis. Selten bei Aldi.
An der Kasse deute ich auf den Wein, frage die Kassiererin nach dem Preis mit leichtem Vorwurf in der Stimme:
„Der Wein ist nicht ausgezeichnet.“
Sie stutzt, fragt dann nach:
„Woher wissen Sie das?
Sie haben ihn doch noch gar nicht probiert!“
BEI SODBRENNEN IST SOGAR DIE FEUERWEHR MACHTLOS
IM WEIN IST NICHT NUR WAHRHEIT
WAHRHEIT? WAR MAL WAHR, NICHT WAHR?
2.
NEULICH. Zwei Männer vor mir.
An der Kasse. Sie haben viel eingekauft und wollen mit einem 200 €- Schein bezahlen.
Die Kassiererin stutzt, klingelt nach der Filialleiterin.
Die Chefin schaut sich den Schein an, geht damit in ihr Büro.
Die beiden Männer sind erstaunlich geduldig, warten ab.
Ich kann mir meine Bemerkung nicht verkneifen, spreche den Älteren an:
„Jetzt erweist sich, wie gut Ihr Fotokopierer ist.“
Der Mann lacht, sein Kumpel schafft nur ein verkrampftes Grinsen.
Die Chefin kommt zurück:
„Alles OK.“
Der Ältere dreht sich zu mir, grinst:
„Geht nichts über einen HP-Kopierer.“
„Aber nur aus der 41er series,“ ergänze ich.
Die Kassiererin zitiert eine Weisheit:
„Manchmal trügt der Schein.“
Dann ich anders herum:
„Oder der Schein trügt.“
Von hinten ein ungeduldiges Stöhnen:
„Wollen wir hier lange philosophieren oder nur unsere ganz alltäglichen Grundbedürfnisse vollumfänglich befriedigen?“, insistiert eine Besser-Wisser-Stimme von hinten.
Ich drehe mich um: Ein Straßennachbar, Beisitzender Richter am Landgericht.
3.
NEULICH in der Kassenschlange.
Eine Frau kommt von der anderen Seite, will etwas zurückbringen.
Sie zeigt den Kassenzettel, hat eine himmelschreiende Vase mit Goldrand aus dem Non-Food-Angebot in der Hand, entschuldigt sich:
„Mein Mann hat sich vertan. Wir haben doch sonst gar kein Gold in der Wohnung.“
„Gold macht alt“ , hatte ich mal gehört.
„Aber nur beim Schmuck“ , schränkt eine ältere Dame ein.
„Besonders beim Ehering“, grinst ein Mann und fährt sich durch die grauen Haare.
Die Kassiererin lächelt, bleibt erstaunlich ruhig, stellt die Vase zur Seite, checkt den Beleg, gibt der Frau das Geld zurück.
Als die Kundin weg ist, flüstert sie:
„Ehefrauen schieben immer alles auf ihre Männer.“„Und umgekehrt?“, frage ich nach, als wir unter uns sind.
„Männer tauschen nie um“, meint sie.
„Nie?“ Ich kann es nicht glauben.
Die Kassiererin schaut auf ihre nette Figur herab:
„Wie mich manche Ehemänner angucken, da ist eher Eintauschen ein Thema.“
UMTAUSCHEN IST FÜR FRAUEN DOPPEL-SHOPPEN
4.
NEULICH. Eine junge Mutter vor mir.
An der Kasse.fragt sie höflich nach Nesquick:
„Haben Sie nicht, oder? Trinken meine Kinder so gerne.“
Die Kassiererin ziemlich kurz:
„Nesquick? Haben wir nicht.“
Ich versuche es witzig, denke an die Brüder Albrecht, die Begründer der Kette.
„Heißt bei Ihnen vielleicht Aldi oder Albri-Quick?“
Wie der Chef, denke ich.
Die Kassiererin stutzt. Ich erkläre es ihr.
Sie betrachtet lieber ihre halb lackierten Fingernägel:
„Albrecht? Hat sich mir noch nicht vorgestellt.
Unsere Chefin hier heißt Frau Schnell.“
„Also doch Quick“, murmele ich vor mich hin.
ERWACHSENE SIND KINDER MIT ALTLASTEN
KINDER MACHEN GERN BLÖDSINN, ERWACHSENE UNGERN DUMMHEITEN
EIGENEN KINDERN VERZEIHT MAN ALLES, SOGAR DIE HERKUNFT
5.
NEULICH. Klassentreffen.
Ein ehemaliger Schüler berichtet von seiner neuen Arbeitsstelle.
Kein Genie, aber ordentlich und ehrgeizig.
„Wo arbeitest du?“
Er eher zögerlich, fast kleinlaut:
„Bei Aldi.“
Ich nicke anerkennend, da ich aus meinem näheren Bekanntenkreis weiß, dass man bei dieser Firma gut aufsteigen kann. Was ich ihm auch erläutere.
Er fühlt sich geschmeichelt und fügt hinzu:
„Normalerweise sage ich nicht, dass ich bei Aldi arbeite. Die Leute meinen, die nehmen jeden.“
Ich frage nach:
„Was sagst du stattdessen?“
„Ich arbeite in der Lebensmittelluxusbranche.“
„Luxus?“, hake ich nach.
„Wer bei uns einkauft, hat Luxus nicht nötig,“ lacht er.
VERGANGENHEIT IST EHEMALIGE ZUKUNFT
DER MENSCH IST EINE KREATUR ZWISCHEN TIER UND GENIE
6.
NEULICH im Gang.
Eine Aldi-Mitarbeiterin beim Einräumen mit großem Pflaster auf dem Handrücken.
„Sie arbeiten? Mit dieser Hand? Keine
Schmerzen?“ frage ich mitfühlend.
Sie wehrt ab:
„Geht. Ich bin doch Linkshänderin.“
„Sie ist meine rechte Hand, ich brauche sie“, meint der Filialleiter im Vorübergehen, der das Gespräch mitbekommen hatte.
7.
NEULICH. Dieselbe Kassiererin.
Sie hat einen Knutschfleck.
Ich bemühe mich, nicht hinschauen.
Was mir scheinbar nicht gelingt, denn sie kommt
mir mit einer Entschuldigung zuvor:
„Ich habe schon Schluss gemacht mit dem Kerl.“
8.
NEULICH. Wir schauen uns an.
Beiden dämmerts gleichzeitig.
An der Kasse sitzt eine ehemalige Schülerin von mir.
„Bist du schon die Chefin hier?“, frage ich sie ziemlich blöd.
Sie schaut mich an, nicht besonders verständnisvoll:
„Ich war in der Schule doch auch nicht die Erste.
Warum hier?“
9.
NEULICH. Kollegentalk.
Zwei ALDI-Mitarbeiterinnen unterhalten sich an der Kasse. Die Eine ist nur Kundin an diesem Tag, sie arbeitet sonst in einer anderen Filiale.
„Wie ist es denn da?“, fragt die Kassiererin.
Die Kollegin schwärmt:
„Super da.“
„Wieso?“ wundert sich die Kassiererin.
„Da ist viel los.“
Die Begründung kommt der Kollegin seltsam vor, sodass sie nachfragt.
Und folgende Antwort erhält:
„Wenn viel los ist, dann geht die Zeit schneller rum.“
„Und dein Chef ok?“
„Ist ehrgeizig, Perfektionist, will hochkommen, mehr verdienen.“
„Und deiner?“
„Nein. Der ist nicht verheiratet.“
HEIRATEN IST NICHT DAS PROBLEM - NUR DIE EHE DANACH
HEIRATEN IST GUT, NICHT HEIRATEN ABER AUCH NICHT DIE HÖLLE
10.
NEULICH. Habe viel gekauft, Band voll.
Hinter mir eine Frau, Typ resolute Oma, mit einer Tüte Chips, für die sich wortreich entschuldigt, dann letzter Satz:
„Mein Enkel isst nur die Chips – vom Aldi.“
Wobei sie sie eher als Ships bezeichnet.
Ich will sie vorlassen, kann mir aber den Oberlehrer in mir nicht verkneifen:
„Kann aber knapp werden hier - mit Ihren Schiffen.“
Sie schaut mich an:
„Charmant sind Sie nicht, eher dass man Scham empfindet.“
Wobei Sie das CH und das SCH extra falsch ausspricht.
Ich fühle mich ertappt, versuche eine Wiedergutmachung:
„Wenn wir uns mal wieder treffen, trinken wir einen Champagner.“
Sie verbessert mich leicht süffisant:
„Das wäre dann aber eher ein Scham-pagner.“
ES MUSS NICHT IMMER SEKT SEIN; CHAMPAGNER TUT ES AUCH
BESSERWISSER SIND KEINE GUTWISSER
11.
NEULICH. Ich nett.
Lasse eine Frau vor. Sie in blauer Aldi-Uniform mit Einkaufspäckchen unterm Arm.
Sie schwätzt mit der Kollegin an der Kasse.
Als es ums Bezahlen geht, werde ich vorlaut:
„Und jetzt kommt der Personalrabatt“, als die Kassiererin eine Summe nennt.
„Den gibt´s bei Aldi nicht.“
„Trotzdem kauft ihr hier?“
„Lidl können wir uns nicht leisten,“ lachen beide.
12.
NEULICH. Ein Mann sucht seine Frau.
Er irrt durch die Aldi-Gänge.
Schließlich reichts ihm, er wird laut:
„Wo bist...




