Bauer / Elser | Alles Rosa | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

Bauer / Elser Alles Rosa

Entführung im Rosenhof
3. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7494-0357-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Entführung im Rosenhof

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

ISBN: 978-3-7494-0357-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Was treibt ein weltbekannter Aktionskünstler mit einer Motorsäge am Gartenzaun einer St.Galler Privatschule? Warum sitzt anstelle des Institutsgründers auf einmal ein toter Lehrer auf dessen Bronzesessel? Was machen Musikwissenschafterinnen mit Stoppuhren in der reformierten Kirche Teufen? Warum tischt ein ehemaliger Banquier Molekularküche auf? Und wie hängt das alles damit zusammen, dass die reichste Schülerin des Instituts Rosenhof auf einmal spurlos verschwunden ist? Das fragt sich nicht nur das Detektivduo Pippo und Lele aus Siena, sondern auch die Lehrerin und frühere Polizistin Petra Bissegger.

Tobias Bauer, 1955, wuchs in St.Gallen auf. Er studierte Volkswirtschaft und Statistik und arbeitete in der öffentlichen Verwaltung wie auch selbständig. Dabei publizierte er verschiedene ökonomische Sachbücher. Nach einer schweren Krankheit mit vorübergehender Erblindung ist er heute frühpensioniert. Er lebt, nach vielen Jahren in Bern, wieder in St.Gallen und schreibt Prosa wie Gedichte. Tobias Bauer und Karl Elser gingen zusammen in St.Gallen zur Schule. «Alles Rosa» ist ihr zweiter gemeinsamer Krimi. 2016 erschien ihr erster Krimi «Blattschuss». Ebenfalls 2016 veröffentlichte Bauer den Kurzgeschichtenband «Weggetreten» (edition punktuell.), 2017 und 2019 die Gedichtsammlungen «Bauerkalender» und «OrteWorteMokkatorte» (orte Verlag).
Bauer / Elser Alles Rosa jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


TROUBLESHOOTING


Melanie A. Wellauer, die des , atmete ganz tief und fest. Gaaanz langsam und gaaaanz entspannt. Konzentrierte sich auf den Atem, spürte lediglich, wie sie einatmete und ausatmete, wie die Luft durch ihre Nasenflügel strömte, durch die Luftröhre in Lunge und Bauchhöhle floss, drin stehen blieb und wieder zurück strömte durch Luftröhre und Nasenflügel. Und und einen kleinen Moment warten und und einen kleinen Moment warten und und einen kleinen Moment warten und und ... Der Marimba-Alarm ihres Smartphones holte sie aus dem Atemland zurück. Nachdem sie den Alarm weggedrückt hatte, holte sie noch ein letztes Mal tief Luft. Sie stand auf, rollte die kleine Liegematte zusammen und verstaute sie im Wandschrank. Dann setzte sie sich an ihren Schreibtisch, nahm ihre dort deponierten japanischen Haarstäbe, rollte ihre halblangen kohlrabenschwarzen Haare zu einer Schnecke, steckte die Stäbe genau im Winkel von 90 Grad zueinander durch die Schnecke und drückte schliesslich ihr Kreuz durch. Alles eine Frage der Haltung.

Haltung brauchte sie jetzt. Aber das war ihre Stärke. Als Petra Bissegger gestern Mittag angerufen hatte, Alice Sofia und Lehrerkollege Rastelli seien verloren gegangen, war sie schon sehr beunruhigt gewesen. Alice Sofia war eine MIP, eine . Davon hatten sie zwar ein Dutzend im Institut, aber Alice Sofia spielt in einer eigenen Liga. Einzig François Le-Court-de-Lit konnte ihr rein geldmässig das Wasser reichen. In Sachen Auftritt und Intellekt natürlich nicht. Während man mit François immer wieder seine Probleme hatte, war Alice Sofia so etwas von pflegeleicht. Zumindest bis vor kurzem. Leicht beunruhigende Anzeichen hatte es in letzter Zeit offenbar gegeben: Hang zur Apathie und Essstörungen. Dem musste sie noch nachgehen.

Und ganz allgemein, ein pubertierendes Mädchen – und das war Alice Sofia trotz ihrer Umgänglichkeit – konnte schon auf die Idee kommen, aus gewohnten Bahnen auszubrechen. Falls sie sich nun aus eigenem Antrieb abgesetzt hatte, was war dann die Rolle ihres Lehrers Rastelli? Eigentlich machte der einen guten Eindruck. War allerdings erst seit gut einem Jahr am Institut. Offenbar mit der Bissegger gut befreundet. Die zwei aber kein Paar. Der Rastelli ja ganz offensichtlich homosexuell. Was auch kein Problem war, wenn da nichts mit den Schülern lief. Und in der jetzigen Situation ganz klar beruhigend. Rastelli machte sich sicher nicht an Alice Sofia heran.

Wo aber waren die beiden? Möglichkeit eins: Alice Sofia und Rastelli waren einvernehmlich gemeinsam unterwegs. Wäre ihr die liebste Lösung. Den Rastelli würde sie fristlos entlassen und mit Alice Sofias Eltern müsste sie ernsthaft sprechen. Aber keine gravierenden Folgen fürs Institut. Möglichkeit zwei: Alice Sofia war gekidnappt worden, Rastelli befand sich ebenfalls in der Gewalt der Kidnapper. Und hatte möglicherweise seinen Beschützerinstinkt mit seinem Leben bezahlt, im schlimmsten Fall. Schon sehr viel schlimmer für das Institut. Konnte seine Zöglinge nur ungenügend schützen. Möglichkeit drei: der Super-GAU. Rastelli hatte Alice Sofia gekidnappt, alleine oder mit anderen Komplizen zusammen. Das Institut liess verbrecherische Lehrkräfte an seine Zöglinge heran. Wenn dem so war und dies bekannt wurde, konnten sie das Internat gleich schliessen.

Wellauer seufzte. Zum Glück hatte Alice Sofias Mutter gestern Abend sehr vernünftig reagiert. Dr. Gittermann hatte die Eltern natürlich noch nicht benachrichtigen wollen. «Nicht unnötig schlafende Hunde wecken, die Kleine kommt dann schon wieder zurück, wenn sie sich in der Disco ausgetanzt hat», hatte er gemeint. Aber sie hatte sich durchgesetzt und bei Alice Sofias Eltern angerufen. In ihrem bestem Italienisch. Die Sachlage so geschildert, wie sie nun einmal war – natürlich ohne Apathie und Essstörungen. Signora Tornabuoni-Ferramo war zwar beunruhigt, aber sehr verständig. Und während sich die Directrice noch überlegt hatte, wie sie die verängstigte Mutter unauffällig dazu bringen könnte, auf ein Einschalten der Polizei zu verzichten, sagte diese schon: «Niente polizia, non voglio la polizia, non voglio che Alice Sofia è a rischio!»

Das hörte die Directrice natürlich gerne und sie bekräftigte, dass das Institut ebenfalls Alice Sofias Sicherheit über alles stelle und sie sich somit – wenn auch schweren Herzens – bereit erklären könne, vorläufig auf eine Benachrichtigung der Polizei zu verzichten. Vielleicht könnte auch ein Detektiv eingeschaltet werden. Wobei es den Eltern wohl lieber wäre, die Geschichte nicht an die grosse Glocke zu hängen. Allfällig könnte ein Detektiv anstelle des ebenfalls verschwundenen Lehrers ans Institut kommen und oder ermitteln. Signora Tornabuoni-Ferramo wollte sich das überlegen und die Angelegenheit vor allem mir ihrem Mann besprechen. Das Telefongespräch wurde beendet mit der gegenseitigen Versicherung, sich sofort zu melden, wenn man etwas von Alice Sofia hören würde.

Was waren die nächsten Schritte? Melanie A. Wellauer strich sich über die japanischen Haarstäbe. Mit Gittermann konnte sie wieder einmal nicht rechnen. Der war zwar bis zum Mittag da gewesen, vorhin hatte sie ihn aber mit dem rosaroten Rolls Royce wegfahren sehen. Es klopfte. Die Directrice setzte sich grade hin, rückte die Haarstäbe zurecht und rief: «Herein!»

Die Türe öffnete sich langsam und ein junges Gesicht mit zu vielen Pickeln und zu viel Wachs im Haar fragte höflich: «Madame la Directrice, gestatten Sie mir einzutreten?»

«Aber natürlich, mein lieber François, ich freue mich, Sie zu sehen.»

François Le-Court-de-Lit schob sich ins Zimmer, richtete seine mit zu viel Gold verzierten Manschettenknöpfe und lächelte schief.

«Madame la Directrice, ich muss Ihnen leider wieder einmal eine unangenehme Mitteilung machen. Der Herr Dr. Gittermann hat sich erneut unzulässig an mir bereichert.»

«Mein lieber François, das ist ein schwerer Vorwurf. Das kann ich mir eigentlich gar nicht vorstellen.»

«Nun, Madame la Directrice, das haben Sie ja die letzten zwei Mal auch schon gesagt.»

«Erzählen Sie, lieber François, was ist denn vorgefallen?»

Worauf François Le-Court-de-Lit rapportierte, dass er von Dr. Gittermann genötigt worden sei, 1 500 Franken Bussgeld in einen zu zahlen. Ob denn Madame la Directrice schon einmal von einem solchen Erneuerungsfonds gehört habe? Sie spitzte die Ohren, versicherte dem kleinen François aber, dass Dr. Gittermann als Verantwortlicher des Erneuerungsfonds hier natürlich völlig korrekt gehandelt habe – und worin denn seine zu büssende Verfehlung bestanden habe.

«, Madame Directrice, ich hatte mich lediglich auf die Kühlerhaube des Rolls gesetzt.»

«Ja, lieber François, das sollten Sie natürlich nicht. Diese doch eher leichte Verfehlung könnte aber auch mit einer Viertelstunde Zaunstreichen geahndet werden. Ich werde mit Dr. Gittermann sprechen.»

Worauf der kleine François weltmännisch sagte, man könne die Sache von ihm aus auch vergessen, lieber 1 500 Franken als eine Viertelstunde Zaunstreichen. «Und Ihnen noch einen wunderbaren Sonntag, Madame la Directrice!» Sprach’s und war verschwunden.

Melanie A. Wellauer notierte den Vorfall in ihrem Notizbüchlein unter Einiges stand schon dort und würde ihr im gegebenen Moment nützlich sein, wenn sie einmal aus Dr. Gittermanns Schatten treten wollte. Dieser Tag würde kommen, da war sie sich sicher. Weniger wegen all den kleinen bussenmässigen Übergriffen, die sich der geldgierige Dr. Gittermann immer wieder zuschulden kommen liess. Sondern weil Dr. Gittermann irgendein Suchtproblem haben musste. Zwischendurch wirkte er völlig weggetreten. Alkohol war es nicht. Das hätte sie riechen können. Tabletten? Rauschgift? Sie würde das schon noch herausfinden. Und Gittermann, den Dr. liess sie in Gedanken jetzt weg, im richtigen Moment zum Rücktritt zwingen. So dass den Vorsitz des Verwaltungsrats übernehmen und die Kärrnerarbeit durch eine neue – oder eher einen – erledigen lassen konnte. Die Gedanken der aktuellen Directrice schweiften in die Zukunft.

Nein, dafür hatte sie jetzt keine Zeit. Zuerst musste sie potentiellen Schaden vom Institut abwenden. Und dazu musste sie von Petra Bissegger noch mehr über den Ablauf wissen.

Unaufhörlich drehte sich in Petra Bisseggers Kopf dieser Satz. Seit sie den zitronengelben Fiat Panda wegfahren gesehen hatte, war ihr klar geworden, dass sie ihre Rolle als Schutzbeauftragte von Alice Sofia jämmerlich wahrgenommen hatte. Die Zeichen waren ja unübersehbar gewesen. Alice Sofia und Reto hatten sich den ganzen Morgen über schon verschwörerisch...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.