Baum | Das wundersame Land von Oz - Die Oz-Bücher Band 2 | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 200 Seiten

Baum Das wundersame Land von Oz - Die Oz-Bücher Band 2


1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7481-1347-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 200 Seiten

ISBN: 978-3-7481-1347-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Im 2. Band der Oz-Reihe - Das wundersame Land von Oz - erlebt der Waisenjunge Tip spannende Abenteuer im Lande Oz. Nachdem Tip in höchster Not aus dem Haus der bösartigen Hexe Mombi geflohen ist, macht er sich mit seinem selbstgebauten Kürbismann und dem belebten Sägepferd auf die Reise in die Smaragdstadt. Dort ist jedoch gerade eine Rebellion im Gange - eine Horde diebischer Mädchen besetzt die Stadt. Im Nu sind Tip und seine Freunde in die politischen Wirren verwickelt, und versuchen mit vereinten Kräften, die Pläne der bösen Hexe zu durchkreuzen und die Rebellion zu beenden ... Empfohlenes Alter: 5 bis 10 Jahre. Große Schrift, auch für Leseanfänger geeignet.

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Kapitel 2.


Das wundersame Pulver des Lebens.


NACHDEM er die Sache sorgfältig erwogen hatte, entschied Tip, daß der beste Ort, um Jack zu plazieren, die Biegung der Straße sein würde, die ein Stück vom Haus entfernt war. Also machte er sich daran, seinen Mann dorthin zu tragen, fand ihn aber schwer und ziemlich unbequem in der Handhabung.

Nachdem er die Kreatur ein kurzes Stück hinter sich hergezerrt hatte, stellte Tip sie auf ihre Füße; und indem er die Gelenke zuerst des einen und dann des anderen Beines beugte und gleichzeitig von hinten schob, gelang es dem Jungen, Jack dazu zu bringen, zur Biegung an der Straße zu gehen. Ganz ohne Unfälle erreichte er sie nicht, und Tip arbeitete wirklich härter, als er dies jemals auf den Feldern oder im Wald getan hatte; aber die Liebe zum Schabernack drängte ihn weiter, und er freute sich darauf, seine kunstfertige Tüftelei auszuprobieren.

„Jack ist in Ordnung und funktioniert gut!“, sagte er zu sich selbst, als er unter der ungewöhnlichen Anstrengung keuchte. Aber dann entdeckte er, daß der linke Arm des Mannes unterwegs abgefallen war, und ging zurück, um ihn zu suchen. Nachdem er einen neuen und kräftigeren Stift für das Schultergelenk hergestellt hatte, reparierte er die Verletzung so erfolgreich, daß der Arm stärker war als zuvor. Tip bemerkte auch, daß Jacks Kürbiskopf sich auf seinen Rücken gedreht hatte, aber das wurde leicht behoben. Als er den Mann schließlich auf den Weg gestellt hatte, auf dem die alte Mombi erscheinen sollte, sah er natürlich genug aus, um einen Gillikin-Bauern nachzuahmen – und unnatürlich genug, um jeden zu erschrecken, der ihm unvorbereitet begegnete.

Da es noch zu früh war, um die Rückkehr der alten Frau zu erwarten, ging Tip ins Tal unterhalb des Bauernhauses und fing an, Nüsse von den dort wachsenden Bäumen zu sammeln.

Die alte Mombi kehrte jedoch früher als gewöhnlich zurück. Sie hatte einen buckligen Zauberer besucht, der in einer einsamen Höhle in den Bergen lebte, und hatte mehrere wichtige Geheimnisse der Magie mit ihm ausgetauscht. Auf diese Weise gelangte sie in den Besitz von drei neuen Rezepten, vier magischen Pulvern und einer Auswahl an Kräutern von wunderbarer Kraft und Wirksamkeit. Sie humpelte so schnell sie konnte nach Hause, um ihre neuen Zaubereien auszuprobieren.

So begierig war Mombi auf die Schätze, die sie erworben hatte, daß sie, als sie die Biegung an der Straße erreichte und einen Blick auf den Mann erhaschte, bloß nickte und sagte:

„Guten Abend, mein Herr.“

Aber einen Augenblick darauf, als sie bemerkte, daß die Person sich nicht bewegte oder antwortete, warf sie einen scharfen Blick in sein Gesicht und entdeckte den Kürbiskopf, der von Tips Taschenmesser kunstvoll geschnitzt worden war.

„Ha!“, stieß Mombi aus und gab eine Art Grunzen von sich; „Dieser verrückte Junge hat wieder Streiche ausgeheckt! Sehr gut, wirklich sehr gut! Ich werde ihn grün und blau schlagen, weil er versucht hat, mich auf diese Weise zu erschrecken!“

Wütend hob sie ihren Stock, um den grinsenden Kürbiskopf der Attrappe zu zertrümmern. Aber ein plötzlicher Gedanke ließ sie innehalten, und der erhobene Stock verharrte regungslos in der Luft.

„Aber es wäre doch eine gute Gelegenheit, mein neues Pulver auszuprobieren!“, sagte sie eifrig. „Und dann kann ich sagen, ob dieser bucklige Zauberer anständig mit mir Handel getrieben hat, oder ob er mich so verschlagen getäuscht hat, wie ich ihn.“

Also stellte sie ihren Korb ab und kramte darin nach einem der wertvollen Pulver, die sie bekommen hatte.

Während Mombi solcherart beschäftigt war, schlenderte Tip mit seinen Taschen voller Nüsse zurück und entdeckte die alte Frau, die neben seinem Mann stand und sich anscheinend nicht im geringsten davor fürchtete. Anfangs war er ungemein enttäuscht. Aber im nächsten Moment wurde er neugierig, was Mombi tun würde. Also versteckte er sich hinter einer Hecke, wo er sie beobachten konnte, ohne selbst gesehen zu werden.

Nach einigem Suchen zog die Frau eine alte Pfefferbüchse aus ihrem Korb, auf deren verblichenes Etikett der Zauberer mit einem Bleistift geschrieben hatte:

Pulver des Lebens

„Aha – hier ist es!“, rief sie freudig. „Dann wollen wir einmal sehen, wie stark es ist. Der geizige Zauberer hat mir nicht viel davon gegeben, aber ich schätze, es wird für zwei oder drei Versuche ausreichen.“

Tip war sehr überrascht, als er diese Rede hörte. Dann sah er, wie die alte Mombi ihren Arm hob und das Pulver aus der Büchse über den Kürbiskopf seines Mannes streute. Sie tat das auf die gleiche Weise, wie man eine gebackene Kartoffel pfeffern würde, und das Pulver rieselte über Jacks Kopf und verteilte sich über das rote Hemd und die rosa Weste und die violette Hose, die Tip ihm angezogen hatte, und eine Prise fiel sogar auf die geflickten und abgenutzten Schuhe.

Dann legte Mombi die Pfefferbüchse zurück in den Korb, hob ihre linke Hand mit dem kleinen Finger nach oben und sagte:

„Wio!“

Dann hob sie ihre rechte Hand, so daß der Daumen nach oben wies, und sagte:

„Tio!“

Dann hob sie beide Hände, mit ausgebreiteten Fingern, und rief:

„Pio!“

Jack Kürbiskopf trat einen Schritt zurück und sagte mit vorwurfsvoller Stimme:

„Schrei nicht so! Denkst du ich bin taub?“

Die alte Mombi tanzte außer sich vor Entzücken um ihn herum.

„Er lebt!“, rief sie: „Er lebt! Er lebt!“

Dann warf sie ihren Stock in die Luft und fing ihn auf, als er herunterkam, und sie schlang beide Arme um sich und versuchte, ein paar Tanzschritte zu machen, und die ganze Zeit wiederholte sie verzückt:

„Er lebt! – Er lebt! – Er lebt!“

Nun kann man sich gut vorstellen, daß Tip all dies voller Verwunderung beobachtete.

Zuerst war er so verängstigt und entsetzt, daß er weglaufen wollte, aber seine Beine zitterten und bebten so stark, daß er es nicht vermochte. Dann kam ihm der Gedanke, daß es eine sehr lustige Sache war, daß Jack zum Leben erwacht war, und besonders der Ausdruck auf seinem Kürbisgesicht kam ihm so drollig und komisch vor, daß er einfach lachen mußte. Nachdem er sich also von seiner ersten Angst erholt hatte, fing Tip an zu lachen; und die fröhlichen Klänge erreichten die Ohren der alten Mombi und ließen sie schnell zur Hecke humpeln, wo sie Tip am Kragen packte und ihn dorthin schleppte, wo sie ihren Korb und den kürbisköpfigen Mann zurückgelassen hatte.

„Du unartiger, hinterhältiger böser Junge!“, schrie sie wütend: „Ich werde dich lehren, was es heißt, meine Geheimnisse auszuspionieren und sich über mich lustig zu machen!“

„Ich habe mich nicht über dich lustig gemacht“, protestierte Tip. „Ich habe über den alten Kürbiskopf gelacht! Sieh ihn dir an! Ist das nicht ein Bild?“

„Ich hoffe, du meinst damit nicht mein Aussehen“, sagte Jack. und es war so lustig, seine ernsthafte Stimme zu hören, während sein Gesicht weiterhin sein fröhliches Lächeln trug, daß Tip wiederum in Gelächter ausbrach.

Selbst Mombi zeigte ein gewisses Interesse an dem Mann, den ihre Magie zum Leben erweckt hatte; denn nachdem sie ihn aufmerksam gemustert hatte, fragte sie jetzt:

„Was weißt du?“

„Nun, das ist schwer zu sagen“, antwortete Jack.

„Obwohl ich fühle, daß ich eine enorme Menge weiß, weiß ich noch nicht, was es alles in der Welt gibt, um etwas darüber herauszufinden. Es wird ein wenig Zeit brauchen, um herauszufinden, ob ich sehr weise oder sehr dumm bin.“

„Gewiß“, sagte Mombi nachdenklich.

„Aber was wirst du jetzt, wo er lebt, mit ihm machen?“, fragte Tip ratlos.

„Ich muß darüber nachdenken“, antwortete Mombi. „Aber wir müssen sofort nach Hause gehen, denn es wird dunkel. Hilf dem Kürbiskopf beim Gehen.“

„Mach dir darum keine Gedanken “, sagte Jack. „Ich kann ebenso gut laufen wie du. Habe ich nicht Beine und Füße, und sind sie nicht verbunden?“

„Sind sie es?“, fragte die Frau, indem sie sich an Tip wandte.

„Natürlich sind sie es, ich habe sie schließlich selbst gemacht“, erwiderte der Junge stolz.

Also machten sie sich auf den Weg zum Haus. Als sie aber den Hof erreichten, führte die alte Mombi den Kürbismann zum Kuhstall und schloß ihn dort ein, worauf sie die Tür von außen fest verschloß.

„Ich muß mich zuerst um dich kümmern“, sagte sie und nickte Tip zu.

Als er das hörte, wurde der Junge beunruhigt, denn er wußte, daß Mombi ein böses und rachsüchtiges Herz hatte und vor keiner Übeltat zurückschrecken würde.

Sie betraten das Haus....



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