Baum | Die Vogelscheuche von Oz - Die Oz-Bücher Band 9 | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 204 Seiten

Baum Die Vogelscheuche von Oz - Die Oz-Bücher Band 9


1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7481-5446-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 204 Seiten

ISBN: 978-3-7481-5446-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Im 9. Band der Oz-Reihe - Die Vogelscheuche von Oz - geraten Trot und Käpt'n Bill während einer Bootsfahrt in einen Strudel, der sie tief ins Meer hinabzieht. Mit knapper Not stranden sie in einer unterseeischen Höhle. Nachdem bald darauf ein seltsamer riesenhafter Vogel zu ihnen stößt, wagen sie sich schließlich durch einen schmalen dunklen Gang, um einen Weg hinaus zu finden. Doch dies ist nur der Beginn einer gefahrvollen Reise, die sie schließlich an der Seite der mutigen Vogelscheuche ins Land Oz führen wird ... Empfohlenes Alter: 5 bis 10 Jahre. Große Schrift, auch für Leseanfänger geeignet.

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Kapitel 2.


Die Höhle unter dem Meer.

DIE Kreise waren am Boden des Beckens so viel kleiner, und das Boot bewegte sich so viel schneller, daß Trot von der Bewegung schwindelig zu werden begann, als plötzlich das Boot einen Satz machte und kopfüber in die düsteren Tiefen des Lochs tauchte. Wirbelnd wie Kreisel, aber immer noch Arm in Arm, wurden der Matrose und das Mädchen von ihrem Boot getrennt und stürzten hinunter – immer tiefer – in die tiefsten Tiefen des großen Ozeans.

Zuerst war ihr Fall pfeilschnell, aber dann schienen sie etwas langsamer zu fallen, und Trot war sich fast sicher, daß unsichtbare Arme sie umfingen, stützten und beschützten. Sie konnte nichts sehen, weil das Wasser ihre Augen füllte und ihre Sicht verschwamm, aber sie klammerte sich fest an Käpt'n Bills Southwester, während sich andere Arme an sie klammerten, und so sanken sie allmählich nach unten und immer tiefer, bis der Sturz zu Ende war und sie wieder aufzusteigen begannen.

Aber Trot schien es, als ob sie nicht direkt an der Stelle, von der sie gekommen waren, an die Oberfläche aufstiegen. Das Wasser wirbelte sie nicht mehr umher und sie schienen in schräger Richtung durch stille, kühle Meerestiefen gezogen zu werden. Und dann – in viel kürzerer Zeit als ich es erzählt habe – brachen sie an die Oberfläche und wurden in voller Länge auf einen sandigen Strand geworfen, wo sie keuchend und nach Luft schnappend liegenblieben und sich fragten, was ihnen widerfahren war.

Trot war die Erste, die sich erholte. Sie löste sich aus Käpt'n Bills nasser Umarmung und setzte sich auf, rieb sich das Wasser aus den Augen und sah sich dann um. Ein sanftes, bläulich-grünes Licht erhellte den Ort, der eine Art Höhle zu sein schien, denn über und auf jeder Seite von ihr waren zerklüftete Felsen. Sie waren auf einen Strand aus sauberem Sand geworfen worden, der aus dem Wasserbecken zu ihren Füßen emporstieg – ein Becken, das zweifellos in den großen Ozean führte, der es nährte. Außerhalb der Reichweite der Wellen des Beckens befanden sich mehr und immer mehr Felsen, in deren dunkle Windungen und Vertiefungen das schimmernde Licht des Wassers nicht vordrang.

Der Ort sah rauh und einsam aus, aber Trot war dankbar, daß sie noch am Leben war und bei ihrem gefährlichen Abenteuer unter Wasser keine schwere Verletzung erlitten hatte. An ihrer Seite spuckte und hustete Käpt'n Bill und versuchte, das Wasser, das er geschluckt hatte, loszuwerden. Beide waren durchnäßt, doch die Höhle war warm und behaglich, und naß zu werden erschreckte das kleine Mädchen nicht im Geringsten.

Sie kroch den Sandhügel hinauf und sammelte in ihrer Hand einen Haufen getrockneten Seetang, mit dem sie Käpt'n Bills Gesicht reinigte und das Wasser aus seinen Augen und Ohren wischte. Darauf setzte sich der alte Mann auf und starrte sie eindringlich an. Dann nickte er dreimal mit seinem kahlen Kopf und sagte mit gurgelnder Stimme:

„Sehr gut, Trot; sehr gut! Wir sind dem nassen Grab entgangen, nicht wahr? Obwohl ich nicht verstehe, warum wir es getan haben, und warum wir hier sind.“

„Immer mit der Ruhe, Käpt'n“, antwortete sie. „Ich schätze, wir sind hier in Sicherheit, zumindest vorläufig.“

Er drückte das Wasser aus den Beinen seiner weiten Hosen und befühlte sein hölzernes Bein, seine Arme und seinen Kopf. Nachdem er sich vergewissert hatte, daß er noch an einem Stück war, faßte er Mut, ihre Umgebung genau zu untersuchen.

„Wo glaubst du, sind wir, Trot?“, fragte er nun.

„Kann ich nicht sagen, Käpt'n. Vielleicht sind wir in einer unserer Höhlen.“

Er schüttelte den Kopf. „Nein“, sagte er, „das glaube ich nicht. Die Entfernung, die wir aufstiegen, schien nicht halb so weit zu sein wie die Entfernung, die wir hinuntergesunken sind. Und du wirst bemerken, daß es zu dieser Höhle keinen wie auch immer gearteten Außeneingang gibt. Es ist eine große Kuppel über diesem Wasserbecken, und wenn dort hinten nicht ein Gang ist, sind wir hier gefangen.“

Trot sah nachdenklich über ihre Schulter.

„Wenn wir ausgeruht sind“, sagte sie, „werden wir dort oben hinklettern und sehen, ob es einen Weg nach draußen gibt.“

Käpt'n Bill griff in die Tasche seines Ölzeugmantels und nahm seine Pfeife heraus. Sie war immer noch trocken, denn er bewahrte sie mitsamt dem Tabak in einem Öltuchsäckchen auf. Seine Streichhölzer befanden sich in einer festschließenden Blechdose, und nach wenigen Augenblicken paffte der alte Matrose zufrieden. Trot wußte, daß es ihm beim Nachdenken half, wenn er in irgendwelchen Schwierigkeiten war. Außerdem trug die Pfeife viel zur Wiederherstellung der Gelassenheit des alten Seemanns bei, nach seinem langen Untertauchen und seiner ausgestandenen schrecklichen Angst – einer Angst, die mehr Trot galt, als ihm selbst.

Der Sand war trocken, wo sie saßen, und saugte das Wasser auf, das aus ihrer Kleidung tropfte. Als Trot die Nässe aus ihrem Haar gewrungen hatte, fühlte sie sich wieder wohler. Nach einer Weile standen sie auf und kletterten den Hang zu den verstreuten Felsbrocken hinauf. Manche von ihnen waren von enormer Größe, aber indem sie einige überkletterten und um andere herumliefen, konnten sie das äußerste Ende der Höhle erreichen.

„Ja“, sagte Trot befriedigt, „hier ist ein Loch.“

„Und es ist schwarz wie die Nacht darin“, bemerkte Käpt'n Bill.

„Einerlei“, antwortete das Mädchen. „Wir sollten es erforschen und sehen, wo es hingeht, weil es der einzige Weg ist, wie wir aus diesem Ort herauskommen können.“

Käpt'n Bill beäugte das Loch zweifelnd

„Es könnte ein Ausweg von hier sein, Trot“, sagte er, „aber es könnte auch ein Weg zu einem viel schlimmeren Ort sein. Ich bin mir nicht sicher, ob es nicht besser wäre, hier zu bleiben.“

Trot war sich auch nicht sicher, wenn sie es in diesem Licht betrachtete. Nach einer Weile kehrte sie wieder zum Sandstreifen zurück, und Käpt'n Bill folgte ihr. Als sie sich setzten, schaute das Kind nachdenklich auf die ausgebeulten Taschen des Seemanns.

„Wie viel Essen haben wir, Käpt'n?“, fragte sie.

„Ein halbes Dutzend Schiffszwiebacke und ein großes Stück Käse“, antwortete er. „Willst du jetzt etwas, Trot?“

Sie schüttelte den Kopf und sagte:

„Das sollte uns drei Tage am Leben erhalten, wenn wir es uns einteilen.“

„Länger, Trot“, sagte Käpt'n Bill, aber seine Stimme klang ein wenig beunruhigt.

„Wenn wir hierbleiben, müssen wir irgendwann verhungern“, fuhr das Mädchen fort, „wenn wir aber in das dunkle Loch gehen –“

„Manche Dinge sind schlimmer als zu verhungern“, sagte der Seemann ernst. „Wir wissen weder, was in diesem dunklen Loch ist, Trot, noch wohin es uns führt.“

„Es gibt einen Weg, das herauszufinden“, beharrte sie.

Anstatt zu antworten, begann Käpt'n Bill in seinen Taschen zu kramen. Er zog bald ein kleines Päckchen Angelhaken und eine lange Schnur heraus. Trot beobachtete, wie er sie miteinander verband. Dann kroch er ein Stück den Hang hinauf und wendete einen großen Stein um. Zwei oder drei kleine Krabben huschten über den Sand, und der alte Seemann fing sie ein und legte eine an den Haken und steckte die anderen in seine Tasche. Er kehrte zum Wasser zurück, schwang den Haken über seine Schulter, ließ ihn um seinen Kopf kreisen und warf ihn fast in die Mitte des Wassers, wo er ihn allmählich sinken und die Angelschnur so weit wie möglich herab ließ. Als das Ende erreicht war, holte er sie wieder ein, bis der Krabbenköder auf der Oberfläche schwamm.

Trot beobachtete, wie er die Schnur ein zweites und ein drittes Mal warf. Sie entschied, daß entweder keine Fische im Wasser waren oder sie nicht an den Krabbenköder anbeißen wollten. Aber Käpt'n Bill war ein alter Fischer und nicht leicht zu entmutigen. Als der Krabbe entkam, legte er eine andere an den Haken. Als die Krabben alle weg waren, kletterte er auf die Felsen und suchte nach mehr.

Inzwischen war Trot es müde, ihn zu beobachten und legte sich auf den Sand, wo sie bald einschlief. Während der nächsten zwei Stunden trocknete ihre Kleidung vollständig, ebenso wie die des alten Seemanns. Sie waren beide an Salzwasser gewöhnt, so daß keine Gefahr bestand, sich zu erkälten.

Schließlich wurde das kleine Mädchen von einem Plätschern neben ihr und einem befriedigten Grunzen von Käpt'n Bill geweckt. Sie öffnete die Augen und stellte fest, daß der Käpt'n einen silbrig schimmernden Fisch von etwa zwei Pfund Gewicht geangelt hatte. Das munterte sie beträchtlich auf und sie beeilte sich, einen Haufen Seetang zusammenzuraffen, während Käpt'n Bill den Fisch mit seinem Klappmesser aufschnitt und ihn zum Kochen vorbereitete.

Sie hatten bereits zuvor...



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