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E-Book

E-Book, Deutsch, 272 Seiten

Baumann Karma

Der Globetrotter Andre´ Lüthi – im Gespräch mit Frank Baumann
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-03763-845-3
Verlag: Wörterseh
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der Globetrotter Andre´ Lüthi – im Gespräch mit Frank Baumann

E-Book, Deutsch, 272 Seiten

ISBN: 978-3-03763-845-3
Verlag: Wörterseh
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



»Karma« ist keine Biografie im herkömmlichen Sinn. Es ist ein gedrucktes Hörvergnügen - ein ebenso langes wie kurzweiliges Gespräch zwischen dem Autor Frank Baumann und seinem Protagonisten, dem gelernten Bäcker André Lüthi, dessen Reisen in die grosse weite Welt in einer Karriere gipfelten, die ihresgleichen sucht. Geführt wurde das Gespräch in Ändus zweiter Heimat Nepal - jeweils im Anschluss an lange Tage oder haarsträubende Motorradfahrten über staubige Holperwege hinaus ins Hinterland der Millionen-Metropole Kathmandu. Ein Abenteuer, das den Boden für grundehrliche Gespräche legte. Gespräche über grosses Glück und vermeintliches Unglück, über Moral, über den Drang, aus- und aufzubrechen, und über die Notwendigkeit, manchmal auch Umwege zu machen. Über den Wertewandel unserer Zeit, die Liebe und das Glück, sie zu finden, über Jo Siffert, Winnetou und das Feu sacré, das innere Feuer, das nur dann lodert, wenn wir nicht vergessen, es zu schüren.

Frank Baumann, geb. 1957, machte sich als Radio- und Fernsehmoderator sowie als x-fach preisgekrönter Werber und TV-Produzent einen Namen. Für Wörterseh schrieb und illustrierte er bereits diverse Bestseller. Für Kein & Aber fotografierte das Multitalent das knifflige Bilder-Rätselbuch »Was stimmt hier nicht? - Finde die sieben Unterschiede«, das im Frühling 2020 zur Nummer eins der Amazon-Bestsellerliste avancierte. Frank Baumann lebt am Zürichsee und in den Bündner Bergen.
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Was alles nicht ins Buch kommt


1Der bekannte Unternehmer, dessen Hinterbacken aus dem Swimmingpool des Hotels Bel Arosa lugen, hat eine schwere Gehirnerschütterung und ist bewusstlos. Nachdem er eine halbe Ewigkeit lang mit dem Gesicht nach unten im Wasser getrieben ist, realisieren die Anwesenden, dass nun tatsächlich Matthäi am Letzten ist und es um Leben und Tod geht. »Doch das kommt nicht ins Buch!«, lamentiert André Lüthi. Auch das mit den geschniegelten Excel-Talibanen von der HSG und ähnlichen Kaderschmieden dürfe so auf keinen Fall rein, das mit den Expartnerinnen nicht, nicht das mit dem Bundesrat, dem er den Rücken eincremen musste, und das Bild mit der nordkoreanischen Soldatin sowieso nicht: »Vergiss es, viel zu heikel!« Und das mit der bildhübschen Tochter der Miss Thailand? »Bist du waaaaahnsinnig?!!!« Überhaupt dürften keine privaten Details in dieser Biografie drinstehen, das interessiere sowieso niemanden. Falsch.

Wenn Ändu mit leuchtenden Augen fabuliert und sein Leben Revue passieren lässt und anhand der über hundertfünfunddreissigtausend Fotos (in Zahlen: 135000), die er auf seinem Smartphone abgelegt hat, seinen Weg vom Bäckerlehrling zum Gesicht und Präsidenten des viertgrössten Reiseanbieters des Landes aufzeigt, staunt man, welch illustren Persönlichkeiten er wann und wo begegnet ist und in wie vielen spektakulären Situationen er auf allen Kontinenten herumturnte. Unweigerlich verliert man das Gefühl für Raum und Zeit und wird zum Weggefährten dieses rastlosen Entdeckers, der auch mit seinen vierundsechzig Jahren noch immer ein begeisterter, unaufhaltsamer und sehr umtriebiger Globetrotter ist.

Ich erkannte jedoch schnell, wer mit André Lüthi reist, braucht Geduld. Immer wieder wird er von wildfremden Menschen angesprochen. »Sie sind doch der Globetrotter, nicht? Ich habe grad etwas über Sie in der Zeitung gelesen.« Oder ganz einfach: »Darf ich rasch ein Selfie mit dir machen?« Oder auch: »Hallo, Ändu, weisst du noch, damals bei deinem Vortrag?« Die reisefiebrige Dame, die Ändu am Flughafen Zürich in der Skymetro anspricht, kann er in seinem riesigen Gedächtnis beim besten Willen nirgends finden. »Wir sind auf dem Weg auf die Malediven. Mein Schatz ist drum ein leidenschaftlicher Taucher«, erklärt die Frau auf unserem gemeinsamen Weg zum Dock E und zeigt auf ihren Mann, der in bevorstehende Unterwassererlebnisse vertieft neben ihr steht, »aber ich selbst lese lieber, oder dann schnorchle ich.« – »Oh, da hatte dein Mann aber Glück mit dir, schnorcheln ist doch viel sympathischer als schnarcheln!«

André Lüthi ist ein Charmeur und ein grosser Menschenfreund. Dies wird er in den Tagen, die wir gemeinsam verbringen, immer und immer wieder beweisen. André Lüthi ist ein ausserordentlicher Richtungsweiser, ganz egal, ob privat, auf Reisen oder im Geschäftsleben. Authentizität, Erfahrung, Empathie, Verbindlichkeit, Intuition und gute Laune sind seine Stärken. Und Ungeduld ist die grosse Schwäche dieses hemdsärmeligen Machers.

Frühling in Kathmandu. Wir sitzen draussen in der Lounge des Hotels Yak & Yeti. Während man sich im pulsierenden Stadtzentrum in einem Ameisenhaufen wähnt, ist es hier in dieser Oase ruhig – wenngleich eine Armada emsiger Arbeiter die Vorbereitungen für eine der rauschenden Hochzeiten trifft, die hier praktisch täglich abgehalten werden. Kilometer von bunten Stoffbahnen werden zu farbenfrohen Baldachinen gewoben, ein Meer von Blumen zu Bogenspalieren gesteckt oder auf weiss gedeckten Tischen verteilt, eine Bühne aufgebaut, Sessel fürs Brautpaar und Stühle für die Hochzeitsgesellschaft hin und her gerückt. Viele Stühle. Sehr viele. Das Fest findet offensichtlich nicht im engsten Kreis der Familie statt. Oder aber die Familie ist sehr, sehr gross.

Der denkmalgeschützte Palast des »Yak & Yeti« wurde 1885 von Bir Shumsher Jung Bahadur Rana errichtet, dem ehemaligen Premierminister des Königreichs Gorkha, des heutigen Nepals. Er war einer der bedeutendsten Maharadschas. Bir Shumsher Jung Bahadur Rana (seine Freunde nannten ihn der Einfachheit halber Shumshi) hatte zahlreiche Konkubinen und rund zwanzig Ehefrauen.

In unseren Weingläsern leuchtet ein schöner Pinot grigio, und soeben serviert uns der Kellner etwas Kleines, sehr Feines, vor allem aber eher Scharfes. Hustend bittet mich Ändu, ihn erst mal zu fragen, weshalb er sich überhaupt in Kathmandu verliebt habe. Er werde da ein bisschen ausholen müssen, und seine Ausführungen würden vermutlich ziemlich chaotisch werden, weil so vieles zusammenkomme und er ja eigentlich auch aus seiner Kindheit berichten müsse. Aber ich könne ihn ja dann unterbrechen, wenn er ausufernd werde. Also.

Warum hast du dich eigentlich in Kathmandu verliebt? Es hätte doch auch prima eine andere Stadt sein können, immerhin hast du ja die halbe Welt bereist. Wenn nicht sogar drei Viertel.

Ja, warum Nepal? Warum Kathmandu? Das ist eine lange Geschichte. Sie beginnt 1984. Mit China. Mit meiner damaligen Liebe. Mit Trix. Aber da muss ich noch ein bisschen weiter zurückblenden. Nach der Bäckerlehre und der Grenadier-Rekrutenschule bin ich ja erst mal mit meinem Freund Pesche Hasler in die USA gereist, mit einem klapprigen Auto durchs Land getuckert und irgendwann auch bei den Navajo gelandet. Tja, und bei diesen stolzen, zurückhaltenden und trotz ihrem schrecklichen Schicksal doch so unglaublich gastfreundlichen Menschen habe ich einfach gemerkt, dass mich fremde Kulturen und andere Lebensweisen berühren und faszinieren – und dass ich nicht Bäcker sein, sondern Entdeckungsreisender werden möchte. Damals war es natürlich nur ein grosser Traum, von dem ich nie im Leben gedacht hätte, dass er eines Tages in Erfüllung gehen könnte. Nun, Pesche und ich wären gern länger geblieben, aber weil uns das Geld ausging, mussten wir zurück in die Schweiz, wo ich dann ein Jahr lang als Bäcker meine Brötchen verdient habe.

Und wie gings weiter?

Dann öffnete sich, eben 1984, das geheimnisvolle China für Individualreisende. Stell dir vor! Das war absolut unglaublich, und für mich war klar: Dort muss ich hin! Also habe ich die Bäckerschürze an den Nagel gehängt und bin mit Trix im Zug durch Sibirien und die Mongolei runter nach China gerattert. Geplant war eine Reise von insgesamt sechs Monaten. Geplant. Aber nachdem wir China, also zumindest einen schönen Teil davon, gesehen hatten, zog es uns nach Hongkong, und von dort flogen wir weiter nach Bangkok. Und von Bangkok aus gings nach Phuket. Die thailändische Insel bestand damals gerade mal aus der Hauptstadt, Fischerdörfern und ein paar einfachen Bungalow-Anlagen. Und dort hatte ich dann die famose Idee, ein Motorrad zu mieten. Doch kaum sass ich in Badehosen auf dem Töff, um Lebensmittel einkaufen zu gehen, wurde ich abgeschossen. Nein, nicht von einem Lastwagen, auch nicht von einem Auto und nein, auch nicht von einem anderen Motorrad, sondern – von einem Fahrrad. Mein rechter Oberschenkel wurde beim Crash aufgeschlitzt. Man sieht die Narbe noch heute! Schau mal …

Vielleicht machst du die Hose gescheiter wieder zu. Ich weiss nicht so recht, wie diese Demonstration bei den Gästen hier ankommen wird.

Stimmt. Sorry. Aber kannst du dir vorstellen, wie es mir ging?

Ja. Schlimm. Schwer verletzt am anderen Ende der Welt.

Genau. Auf jeden Fall hat mich Trix sofort zu einer Notfallstation transportiert, und dort haben sie erst mal die Wunde gesäubert. Mit Wattestäbchen. Und dann haben sie den Schranz geflickt, und was denkst du, wie haben sie das gemacht?

Na ja, mit Nadel und Faden?

Nein. Das Wichtigste war ein Holzscheit.

Aha. Holzscheitnarkose. Verstehe.

Nein, Mann! Eben keine Narkose! Sie haben einfach eine alte Socke über das Stück gezogen und mir das Teil in den Mund gesteckt. Zum Glück war es irgendein weiches Holz, sonst hätte ich mir vor lauter Schmerzen alle Zähne ausgebissen!

Ein Grenadier kennt keinen Schmerz!

Denkste! Item, auf jeden Fall waren wir drei Wochen lang blockiert. Ich durfte nicht rumlatschen, durfte nicht ins Wasser, durfte nichts. Und jeden dritten Tag musste ich in diese Notfallstation zur Kontrolle. Als man mich endlich weiterziehen liess, flogen wir nach Kalkutta. Und von dort gings über Land nach Kathmandu. Und als wir hier ankamen, haben wir uns grad heimisch gefühlt.

Nach der ganzen beschwerlichen Reiserei war die Entspannung im damals wohl noch gemütlichen Kathmandu ja auch eine willkommene Abwechslung.

Vergiss es. Von Entspannung kann man nicht gross reden, denn exakt zu diesem Zeitpunkt war es zum ersten Mal erlaubt, dass Ausländer um die Annapurna trekken durften; und genau das wollten wir auch tun. Also zogen wir sofort weiter Richtung Westen und landeten »in the middle of nowhere«. Kaum Guesthouses, keine Lodges, dafür rundherum jede Menge gigantischer Berggipfel. Wir schliefen bei Einheimischen oder in baufälligen Ställen. Ja, und dann – nach tagelangen Märschen – erreichten wir den Fuss der Annapurna, dieses riesigen, zehnthöchsten Berges der Erde. Aber dann wurde Trix krank. Schwer krank. Sie erbrach nur noch und litt an heftigem Durchfall. Das alles natürlich weit weg von der Zivilisation. Nach Stunden kamen wir auf 3600 Metern endlich in einem kleinen Dorf mit Yak-Bauern an. Trix war bereits sehr schwach. Sie hatte schon lange nichts mehr zu sich genommen und vor allem auch nichts mehr getrunken. Dort stiessen wir auf einen ebenfalls kranken...


Frank Baumann, geb. 1957, machte sich als Radio- und Fernsehmoderator sowie als x-fach preisgekrönter Werber und TV-Produzent einen Namen. Für Wörterseh schrieb und illustrierte er bereits diverse Bestseller. Für Kein & Aber fotografierte das Multitalent das knifflige Bilder-Rätselbuch »Was stimmt hier nicht? – Finde die sieben Unterschiede«, das im Frühling 2020 zur Nummer eins der Amazon-Bestsellerliste avancierte. Frank Baumann lebt am Zürichsee und in den Bündner Bergen.



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