Beaton | Agatha Raisin und die tote Urlauberin | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 6, 223 Seiten

Reihe: Agatha Raisin Mysteries

Beaton Agatha Raisin und die tote Urlauberin

Kriminalroman
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7325-1466-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, Band 6, 223 Seiten

Reihe: Agatha Raisin Mysteries

ISBN: 978-3-7325-1466-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mord ist ihr Hobby - Agatha Raisins 6. Fall

Agatha Raisin ist fassungslos: Ihr Verlobter James hat sich einfach aus dem Staub gemacht. Nach Zypern. Dorthin, wo sie die Flitterwochen verbringen wollten. Eigentlich. Bevor er die Hochzeit platzen ließ. Doch Agatha wäre nicht Agatha, wenn sie tatenlos zusehen würde, wie ihr Glück den Bach runtergeht. Beherzt packt sie ihre Koffer und reist James hinterher. Doch Agathas Traum von der romantischen Versöhnung unter mediterraner Sonne ist schnell ausgeträumt: Kaum gelandet, muss sie sich mit englischen Urlaubern und einem Mörder rumschlagen, der es auf ebendiese abgesehen hat ...

Der sechste Band der charmanten Krimireihe um die englische Detektivin Agatha Raisin von Bestsellerautorin M.C. Beaton.



M.C. Beaton ist eines der zahlreichen Pseudonyme der schottischen Autorin Marion Chesney. Nachdem sie lange Zeit als Theaterkritikerin und Journalistin für verschiedene britische Zeitungen tätig war, beschloss sie, sich ganz der Schriftstellerei zu widmen. Mit ihren Krimi-Reihen um den schottischen Dorfpolizisten Hamish Macbeth und die englische Detektivin Agatha Raisin feiert sie bis heute große Erfolge in über 15 Ländern. M.C. Beaton lebt abwechselnd in Paris und in den Cotswolds.
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Eins


Agatha Raisin war eine verwirrte und unglückliche Frau. Die Hochzeit mit ihrem Nachbarn James Lacey war durch das Auftauchen eines Ehemannes geplatzt, von dem Agatha geglaubt, nein, gehofft hatte, er wäre längst tot. Leider war er recht lebendig gewesen, das heißt: Bis er ermordet wurde. Dann hatte Agatha gedacht, wenn sie und James den Mord aufklärten, könnte sie das einander wieder näherbringen. Aber James war nach Zzypern entschwunden. Er hatte sie verlassen.

Und auch wenn sich das Leben in dem Cotswolds-Dorf Carsely anschließend wieder entspannter gestaltete, steckte in Agatha nach wie vor eine abgebrühte, ungeduldige Geschäftsfrau. Es ließ sich nun einmal nicht ganz abschütteln, dass sie einst ihre eigene PR-Agentur in Mayfair geleitet hatte, bevor sie verkaufte, um einen frühen Ruhestand auf dem Lande zu genießen. Und ebenjene Geschäftsfrau war nun wild entschlossen, James zurückzugewinnen.

Agatha wusste, dass Zypern in einen türkischen Teil im Norden und einen griechischen im Süden unterteilt war. James war irgendwo im Nordteil, wo Agatha ihn suchen und dazu bringen würde, sie wieder zu lieben.

Eigentlich hätten sie ihre Flitterwochen in Nordzypern verbringen wollen, weshalb Agatha in weniger warmherzigen Momenten fand, dass es reichlich gefühllos und roh von James war, allein dorthin zu reisen.

Als die Vikarsfrau Mrs. Bloxby vorbeikam, stand Agatha inmitten von Stapeln bunter Sommerkleidung.

»Wollen Sie das alles mitnehmen?«, fragte Mrs. Bloxby und strich sich eine graue Strähne aus dem Gesicht.

»Ich weiß nicht, wie lange ich bleibe«, antwortete Agatha. »Da bin ich lieber vorbereitet.«

Mrs. Bloxby betrachtete sie skeptisch. »Sind Sie sicher, dass Sie das Richtige tun? Männer mögen es im Allgemeinen nicht, wenn man ihnen nachjagt.«

»Und wie kriegt man dann einen?«, fragte Agatha verärgert. Sie nahm einen Badeanzug in Schwarz und Gold in die Hand und beäugte ihn kritisch.

»Was James Lacey betrifft, habe ich ohnehin meine Zweifel«, sagte Mrs. Bloxby in ihrer stets sanften Art. »Mir kommt er immer recht kalt und unnahbar vor.«

»Weil Sie ihn nicht kennen«, konterte Agatha. Sie dachte an ihre Nächte mit James, die mal wild und aufregend gewesen waren, dann wieder still und ohne ein Wort von Liebe. »Wie dem auch sei, ich brauche Urlaub.«

»Bleiben Sie nicht zu lange fort. Sie werden uns vermissen.«

»Was gibt es in Carsely schon zu vermissen? Den Frauenverein? Die Kirchenfeste? Gähn!«

»Das ist ein bisschen brutal, Agatha. Ich dachte, Ihnen machen diese Dinge Spaß.«

Nein, für Agatha war Carsely ohne James ein öder Ort, der vor Langeweile strotzte.

»Von wo fliegen Sie?«

»Vom Flughafen Stansted in Essex.«

»Und wie kommen Sie dahin?«

»Ich fahre und lasse den Wagen im Langzeitparkhaus.«

»Das wird Sie aber doch ein Vermögen kosten, wenn Sie tatsächlich länger bleiben. Soll ich Sie nicht fahren?«

Agatha verneinte stumm. Sie wollte das verschlafene Carsely mit seinen gutmütigen Bewohnern, den Reetdach-Cottages und allem, was dazugehörte, möglichst schnell weit hinter sich lassen.

Es klingelte. Agatha öffnete die Tür, und Detective Sergeant Bill Wong kam herein. Er blickte sich um.

»Sie wollen also wirklich fort?«, fragte er.

»Ja, und versuchen Sie gar nicht erst, mich aufzuhalten, Bill.«

»Ich glaube nicht, dass Lacey diese Mühe wert ist.«

»Mag sein, aber es ist mein Leben.«

Bill grinste. Er war halb Chinese, halb Engländer, Mitte zwanzig und Agathas erster echter Freund überhaupt, denn ehe sie in die Cotswolds zog, hatte sie in einer harten Welt gelebt, in der Freundschaften nicht existierten.

»Na gut, wenn Sie unbedingt reisen wollen. Können Sie mir eine Schachtel türkisches Geleekonfekt für meine Mutter mitbringen?«

»Klar.«

»Sie sagt, dass Sie unbedingt zum Essen vorbeikommen müssen, wenn Sie wieder da sind.«

Agatha hatte Mühe, sich nicht zu schütteln. Mrs. Wong war eine furchtbare Frau und eine lausige Köchin.

Sie ging in die Küche, um Kaffee aufzusetzen und Kuchen zu schneiden. Bald saßen sie alle dort am Tisch und tauschten den neuesten Klatsch aus. Dabei geriet Agathas Entschlossenheit tatsächlich ins Wanken. Sie stellte sich plötzlich vor, wie James Laceys Züge kalt und hart werden würden, wenn er sie wiedersah. Energisch verdrängte sie das Bild aus ihrem Kopf.

Sie würde nach Zypern fliegen, basta!

Nachdem Agatha schon häufiger das wimmelnde Chaos von Heathrow ertragen hatte, empfand sie den Flughafen Stansted als wahre Wohltat. Sie stellte erfreut fest, dass sie nicht nur in der Abflughalle, sondern auch am Gate rauchen durfte. Außer ihr hatten sich nur wenige britische Touristen und ein paar Engländer eingefunden, die dauerhaft auf Zypern lebten. Letztere erkannte man an ihrer Kleidung: Die Frauen trugen bedruckte Kleider, die Männer leichte Anzüge oder Blazer mit der unvermeidlichen Krawatte. Und alle sprachen sie in diesem gequetschten Kolonialherrenton. Bei Cyprus Turkish Airlines schien sich das britische Empire noch bester Gesundheit zu erfreuen.

Am Gate hörte Agatha vor allem türkische Stimmen um sich herum, und die Passagiere hatten Berge von Gepäck bei sich.

Ihr Flug wurde aufgerufen, und diejenigen, die Rauchersitze gebucht hatten, sollten als Erste an Bord gehen. Mit einem erleichterten Seufzer machte sich Agatha auf den Weg ins Flugzeug. Nun gab es kein Zurück mehr.

Wenig später stieg die Maschine in den grauen, verregneten Himmel über den flachen Feldern von Essex auf, und alle an Bord applaudierten begeistert. Agatha fragte sich, warum. Wussten die anderen Passagiere etwas, was sie nicht wusste? War es ungewöhnlich, dass die Flugzeuge dieser Airline überhaupt abhoben?

Kaum war das Fahrwerk eingeklappt und die No Smoking-Zeichen erloschen, wurde Agatha von einer Wolke aus Zigarettenqualm eingehüllt. Sie hatte einen Fensterplatz neben einer fülligen Zyprerin, die ihr hin und wieder ein breites Lächeln zuwarf. Agatha nahm ihr Buch hervor und begann zu lesen.

Dann, als das Flugzeug über Izmir im Westen der Türkei in den Sinkflug ging, wo die Maschine für eine Stunde zwischenlanden sollte, gerieten sie in heftige Turbulenzen. Die Stewardessen klammerten sich an die Servierwagen, die bedenklich schwankten, und Agatha begann stumm zu beten. Die übrigen Passagiere wirkten indes kein bisschen beunruhigt. Sie legten ihre Gurte an, während sie sich angeregt weiter auf Türkisch unterhielten. Die britischen Auswanderer schienen das Gerüttel gewohnt, und die wenigen anderen Touristen neben Agatha gaben sich alle Mühe, das britische Image nicht irreparabel zu beschädigen, indem sie Furcht zeigten.

Als Agatha bereits damit rechnete, dass die Maschine jeden Moment auseinanderbrechen würde, tauchten die Lichter von Izmir unter ihnen auf, und kurz darauf landeten sie. Wieder applaudierten alle, und diesmal klatschte Agatha mit.

»Das war beängstigend«, sagte sie zu der Frau neben sich.

»Aber das war doch spaßig, meine Liebe«, erwiderte die Frau, deren englischer Akzent nach Londons East End klang. »In Disney World müssen Sie dafür viel Geld bezahlen.«

Eine Stunde später hoben sie wieder ab. Zwischen der Türkei und Zypern wurden hartes, quadratisches Brot und Ziegenkäse serviert, der aussah, als wäre er von einer Maschine gestanzt worden. Zum Herunterspülen gab es Sauerkirschsaft.

Agatha spürte, wie das Flugzeug wieder tiefer sank, gefolgt von noch mehr Turbulenzen, die nun von einem Gewitter herrührten. Die Maschine ruckelte und schaukelte heftig, und beim Blick aus dem Fenster hatte Agatha den furchterregenden Eindruck, das ganze Flugzeug wäre in blaue Blitze gehüllt. Wieder mal plapperten, lächelten und rauchten die anderen weiter, als wäre nichts.

Agatha konnte nicht stillhalten. »Bei diesem Wetter sollte der Pilot lieber nicht zu landen versuchen«, sagte sie zu der Frau neben sich.

»Ach, die landen bei jedem Wetter. Der Pilot ist Türke, und die sind gut!«

»Meine Damen und Herren«, sagte eine beruhigende Stimme über Lautsprecher. »Wir werden in Kürze den Flughafen Ercan erreichen.«

Abermals brandete nach der Landung Applaus auf. Agatha sah nach draußen. Es hatte eindeutig geregnet. Sie ging nach hinten und auf die Gangway, die nicht richtig an dem Flugzeug befestigt war, sodass sie gefährlich ausschwenkte und wippte.

Nach Hause zurück werde ich schwimmen, dachte Agatha.

Erst als sie auf dem Asphalt unten angekommen war, fiel ihr die Bruthitze auf. Als würde man sich durch warme Suppe bewegen. Erschöpft marschierte Agatha zum Gebäude, wobei sie sich sehr an einen Militärflughafen erinnert fühlte. Tatsächlich hatte der Flugplatz bis 1975 der Royal Air Force gehört, und seither hatte man so gut wie nichts verändert.

Agatha wartete in der langen Schlange vor der Passkontrolle. Viele türkische Zyprer hatten britische Pässe, und ihre Sitznachbarin aus dem Flugzeug riet Agatha: »Fragen Sie nach einem Formular. Lassen Sie die nichts in Ihren Pass stempeln.«

»Warum nicht?« Agatha drehte sich zu ihr um.

»Weil Sie nicht nach Griechenland einreisen dürfen, wenn Sie einen von unseren Stempeln in Ihrem Pass haben. Aber die geben Ihnen auch ein Formular mit einem Stempel, das Sie später einfach wieder aus dem Pass nehmen können.«

Agatha...


M.C. Beaton ist eines der zahlreichen Pseudonyme der schottischen Autorin Marion Chesney. Nachdem sie lange Zeit als Theaterkritikerin und Journalistin für verschiedene britische Zeitungen tätig war, beschloss sie, sich ganz der Schriftstellerei zu widmen. Mit ihren Krimi-Reihen um den schottischen Dorfpolizisten Hamish Macbeth und die englische Detektivin Agatha Raisin feiert sie bis heute große Erfolge in über 15 Ländern. M.C. Beaton lebt abwechselnd in Paris und in den Cotswolds.



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