Bebel | Die mohamedanisch-arabische Kulturperiode | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 105 Seiten

Bebel Die mohamedanisch-arabische Kulturperiode


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-95676-949-8
Verlag: OTB eBook publishing
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

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August Bebel (1840 – 1913) war während der Verfolgung der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung Ende des 19. Jahrhunderts deren zentrale Führungsgestalt. Nach dem Ende der Repression wurde er 1892 Vorsitzender der neu gegründeten SPD. Neben seiner politischen Tätigkeit verfasste Bebel zahlreiche Bücher, in denen er sich mit aktuellen und historischen Vorgängen und Ereignissen beschäftigte. In »Die mohammedanisch-arabische Kulturperiode« schildert er die enorme Kulturleistung der islamischen Welt, der das Abendland die Überlieferung des antiken Wissens und damit die Grundlagen für den Aufbruch in der Renaissance verdankt – gegen entschiedenen christlichen Widerstand. Bebel leitet daraus die auch heute noch provokante These ab, dass die aus der Renaissance entstandene »moderne Kultur eine antichristliche Kultur« ist. (Beschreibung von Amazon)

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II. Weitere Entwickelung mohammedanischer Macht unter Mohammed und den nachfolgenden Kalifen. Die religiös-militärische und steuer-politische Organisation des Reichs.
In Medina wohnten die Stämme Aus und Chazrag, die Mohammed nach seine Flucht günstig aufgenommen hatten. Ihnen erteilte er deshalb den Ehrennamen die Hilfsgenossen (Ansâr); die mit ihm aus Mekka Geflohenen erhielten den Namen die Fluchtgenossen (Mohagir). Die Nachkommen dieser Stämme stehen noch heute in hohem Ansehen im Orient. Damals gab aber ihre bevorzugte Stellung Anlaß zu den ersten Kämpfen zwischen ihnen und den Mekkanern, die, nach Mohammeds Tode, schwere Spaltungen verursachten. In Medina begann Mohammed mit der Organisirung seines religiös-politisch-sozialen Staatswesens. Er mochte die Erfahrung gemacht haben, welch großen und mächtigen Einfluß auf den Einzelnen das massenhafte Zusammenwirken bei religiösen Uebungen nach bestimmten Vorschriften ausübt. Bei allen Massenzusammenkünften zu gemeinsamem Zweck fühlt jeder Einzelne sich mächtig gehoben; seine Kräfte scheinen ihm vervielfacht, sein Vertrauen wächst; es entsteht eine phosphorescirende Wirkung, die jeden über sich selbst erhebt und ihn zu Taten beseelt, deren er als Vereinzelter unfähig ist. Jede Massenansammlung für irgendeinen Zweck liefert hierfür den Beweis. Auch der Redner in der Volksversammlung spricht mit umso größerem Feuer, je dichter die Massen sind, die ihn umstehen, sein eigenes Feuer überträgt sich auf die Zuhörer und so erzeugt sich aus dem gegenseitigen Aufeinanderwirken jenes enthusiastische Wogen und jene tiefe Gefühlserregung, der Keiner sich entziehen kann. Ebenso ist die Gleichartigkeit äußerlicher Zeichen und Formen, unter welchen bestimmten Gefühlen Ausdruck gegeben wird, von großem erzieherischen Wert für bestimmte Zwecke. Namentlich wenn es sich um Massen handelt, die nach ihrem geistigen Standpunkt mehr durch Aeußerlichkeiten als durch Gedankenentwicklung gefesselt werden können. Den Einfluß einer von früher Jugend ab betriebenen Abrichtung im Formelwesen kann sich selbst der geistig Starke schwer entziehen. Bei den Arabern war aber ein solches auf Disziplin und Zusammenwirken berechnetes religiöses Formelwesen um so nötiger, da sie einen ausgeprägt separatistischen Stammesgeist besaßen. Dies klar erkennend organisirte Mohammed in erster Linie einen streng gegliederten Ritus; er ordnete tägliche fünfmalige Waschungen und Gebete an, wobei alle Bewegungen mit minutiöser Genauigkeit vorgeschrieben wurden und legte namentlich großes Gewicht auf das gemeinsame Massengebet, dem er stets persönlich selbst vorstand und dem er eine fünfundzwanzigfach größere Wirkung als dem Einzelgebet zuschrieb. Auf diese Art schuf Mohammed eine religiös-militärische Disziplin, die von den besten Folgen für das von ihm zu gründende Reich wurde. Es war ein Staatswesen, das den politischen, sozialen und religiösen Instinkten und Interessen der Araber die vollkommenste Rechnung trug, dem sie in Folge davon mit Begeisterung anhingen. Mohammed selbst ging seinen Stammesgenossen in Allem mit gutem Beispiel voran. Unermüdlich tätig, erteilte er jedem Ratschläge und Hilfe, der sich ihm nahte; dabei lebte er außerordentlich einfach und genügsam und unterschied sich in Aeußerlichkeiten in nichts von seinen Stammesgenossen. Der Kampf für Ausbreitung des neuen Glaubens und des neuen Reichs begann mit der Unterwerfung einiger benachbarter arabischer und jüdischer Stämme. Der glückliche Ueberfall mehrerer großer Karawanen, der reiche Beute einbrachte, ward weiter als ein gutes Omen für den neuen Propheten ausgelegt und breitete seine Anhängerschaft in dem Maaße aus, wie sein Name an Glanz und Ruhm gewann. Innerhalb weniger Jahre hatte er sich alle Stämme in Mittel- und Südarabien, namentlich auch das reiche Land Yemen, unterworfen. Jezt zog er auch gegen seine ihm immer noch feindlich gesinnte Vaterstadt Mekka, um auch diese sich zu unterwerfen. Er schlug die Mekkaner und machte eine Anzahl ihrer hervorragendsten Häupter zu Gefangenen, er behandelte sie aber sehr milde und entließ sie zum Teil mit reichen Geschenken versehen. Sein Anhang, der namentlich in der ärmeren Volksklasse in Mekka schon vorhanden war, ward durch diesen klugen Schritt nur vermehrt. In der Stadt fing man an zu begreifen, daß man auf die Dauer der Macht des neuen Propheten nicht zu widerstehen vermöge und es klüger sei, sich in Gutem zu verständigen, um das Ansehen der Stadt zu retten. Und als man erfuhr, daß Mohammed nichts ferner lag, als den Kaabakultus, auf dem das Ansehen und der Wohlstand der Stadt beruhte, wie man befürchtete, zu bekämpfen, Mohammed vielmehr entschlossen war, diesen Kultus in seinem Religionssystem aufrecht zu erhalten, um dessen Anhänger sich zu Freunden zu machen, da sank der Widerstand und die Stadt unterwarf sich. Das geschah im Jahre 8 der Hedschra (630 unserer Zeit). Aber die Gesundheit des Propheten fing jezt an bedenklich zu werden. Die fortwährenden visionären und epileptischen Anfälle, die sich mit den Jahren steigerten und ihn regelmäßig in tiefen Schweiß versezten, die Mühen und Anstrengungen des Kampfes und der Organisirung des neuen Staatswesens, endlich die starken geschlechtlichen Genüsse, denen er sich in fortgeschrittenem Alter bei seinen neun Frauen hingab, untergruben seine Gesundheit. Im Jahre 10 der Hedschra unternahm er, schon schwer krank, die lezte Wallfahrt nach Mekka und regelte hierbei endgültig das Ceremoniell des Wallfahrtsdienstes, das von da ab bis auf den heutigen Tag beibehalten wurde. Am 8. Juni 632 unserer Zeit verschied im Schooße seiner Lieblingsgattin Aïscha der Mann, dessen Name von da ab die Welt erfüllte. »Der größte Mann, den Asien je hervorgebracht und einer der größten, den die Welt je gesehen«, wie das Zeugnis lautet, das Buckle Mohammed ausstellt. Nach seinem Tode entstand zwischen den Mohagirs und Ansârs Streit über die Nachfolge. Da entschied Omar, einer der Fluchtgenossen Mohammeds, den Streit, indem er auf Abu Bakr, den Schwiegervater des Propheten und an Jahren wie an Anhänglichkeit einer der ersten seiner Genossen, zueilte und ihm das Zeichen der Wahl, den Handschlag gab. Die Uebrigen folgten seinem Beispiel und der Streit war entschieden. Abu Bakr ordnete einen Eroberungszug nach Syrien an, den schon Mohammed geplant. Der Erfolg war durchschlagend; ganz Syrien wurde erobert und unterworfen. Aber nach kaum zweijährigem Kalifat starb Abu Bakr und jezt folgte ihm Omar im Amte, derselbe, der durch sein rasches Eingreifen die Wahl Abu Bakrs entschieden hatte. Troz der Erfahrung, Umsicht und Tapferkeit, die Omar besaß, wie allgemein anerkannt wurde, fand seine Nachfolge bei den Ansârs in Medina Widerstand, die einen der Schwiegersöhne Mohammeds, Aly, als Kalif sehen wollten. Aber bei der außerordentlichen Popularität Omars wagte man nicht offen gegen ihn vorzugehen. Omar gelang es, das Reich über ganz Arabien, Syrien und Irak (Persien) bis an das kaspische Meer, und westwärts über Aegypten und Nordafrika auszudehnen. Omars Ruhm stieg gewaltig, aber er selbst blieb im extremen Gegensaz zu den späteren Kalifen, höchst einfach, und verschmähte es nicht, eines Tages ein von der Staatsheerde verirrtes Kameelfüllen im glühendsten Sonnenbrande und barhäuptig der Heerde zuzutreiben. Es ist hier an der Zeit, auf das Steuer- und Militärsystem näher einzugehen, das Mohammed begründete und seine Nachfolger, insbesondere der energische Omar, weiter ausbildeten. Arabien war und ist bis auf den heutigen Tag vorzugsweise ein Hirten- und Ackerbauland, soweit beides nicht die Wüste unmöglich macht. Ein lebhafter Handel und Verkehr hatte sich nur im Süden, im Lande Yemen, gebildet. Die wenigen Städte im Innern des Landes galten nur als Ruhe- und Durchgangspunkte für die Karawanen, das Gewerbe war wenig entwickelt. Bei so gearteten Kulturzuständen bestand der Hauptreichtum des Landes in seinen Heerden und war von jeher das vornehmste Nuztier des Arabers das Kameel. Es lieferte ihm nicht nur Milch und Fleisch für den Haushalt, es diente ihm auch namentlich als sicherster Führer und ungemein ausdauernder und anspruchsloser Lastträger in der Wüste. Das Kameel vermag nicht blos schwere Lasten zu tragen, es vermag auch Tage lang bei dem dürftigsten Futter und ohne Wasser – eine in der wasserarmen Wüste unschäzbare Eigenschaft – auszuhalten. Dabei besizt es einen ungemein scharfen Geruchs- und Ortssinn, so daß es auf Meilen Entfernung eine Quelle oder Wasserlache ausfindig macht und in der dunkelsten Nacht in der pfadlosen Wüste den Weg nach seinem Ziele findet. Ferner wittert es schon lange Zeit zuvor die zwar seltenen, aber dann in der Regel sehr plözlich und mit ungeheuren Wassergüssen hereinbrechenden Gewitter und ebenso jene heißen Wüstenorkane, den gefürchteten Samum, der unter seinen ungeheuren Sandmassen Mensch und Tier und alles Lebende begräbt. Alles das zusammen machte von Alters her das Kameel dem Araber äußerst wertvoll; es war für ihn der Wertmesser, an dem er seinen Reichtum und den Tauschwert alles dessen, was er besaß und besizen wollte, abschäzte. Die Abschäzung nach Kameelen war die Taxe, wonach Mohammed die Beiträge für die Armensteuer und den Staatsschaz bemaß. Aus dem Ertrag der Steuern wurde bestritten: 1) die Unterstüzung der mittellosen Gläubigen – Mohammed hielt streng darauf, daß die Armen reichlich bedacht wurden und das wandte ihm ihre Sympatien zu –; 2) die Besoldung der Steuerbeamten; 3) die Ausrüstung unbemittelter Krieger. Die Kriegsbeute ward derart verteilt, daß ein Fünftel dem Propheten, später dem Kalifen, zufiel und von diesem unter die Stammesgenossen des Propheten verteilt wurde; die übrigen vier...



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