Beck | Der letzte Liebesdienst | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 240 Seiten

Beck Der letzte Liebesdienst


1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-95609-076-9
Verlag: el!es-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 240 Seiten

ISBN: 978-3-95609-076-9
Verlag: el!es-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Lara und Maja sind ein ebenso glückliches Paar wie Anke und Fiona. Doch das Schicksal entreißt Lara und Fiona ihre geliebten Frauen und lässt sie trauernd zurück. Sowohl Fiona als auch Lara glauben, nie wieder lieben zu können.
Nach ihrem Hinscheiden gerät Maja in eine Zwischenwelt, in der sie Anke trifft. Sie stecken dort fest, denn sie haben noch eine Aufgabe zu erfüllen: Ihre Frauen sollen wieder glücklich werden, und zwar miteinander. Und so versuchen die beiden (noch nicht ganz) Verblichenen ihre zurückgebliebenen Frauen miteinander zu verkuppeln, was sich als schwieriger erweist, als es zunächst den Anschein hat ...

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1


Mit aller Kraft versuchte Maja, den Entgegenkommenden auszuweichen. Meine Güte, war das schwierig. Kaum hatte sie sich nach links bewegt, kam ihr schon wieder jemand entgegen und lief sie fast über den Haufen. Mit einem schnellen Sprung rettete sie sich nach rechts.

»Kannst du nicht aufpassen, du Idiot?« Ihre Stimme klang wütend und laut in ihren Ohren, aber der Mann drehte sich nicht einmal um.

Eine helle Frauenstimme lachte in ihrer Nähe. »Nein, das kann er nicht. Schon vergessen?«

Maja versuchte sich so nah wie möglich an die Hauswand zu drücken und atmete aus. Hier war die Gefahr geringer, dass jemand ihren Weg kreuzte. »Tut mir leid, Anke. Ist alles noch ziemlich neu für mich«, bemerkte sie sarkastisch.

»Ich weiß.« Anke, die nun zu ihr kam, war ebenso jung wie Maja, Anfang Zwanzig. Aber sie wirkte nicht so aufgeregt. Eben streifte eine andere Frau ihren Arm, und Anke zuckte zusammen. Die Frau, die fast durch sie hindurchgelaufen war, schien es gar nicht zu bemerken. »Hoppla«, sagte Anke und strich über ihren Ellbogen. »Ich sollte auch besser aufpassen.«

Maja verzog die Mundwinkel. »Du bist es wenigstens schon eine Weile gewöhnt.«

»So lange auch nicht.« Anke legte ihre Hand beruhigend auf Majas Arm. »Am ersten Tag wäre ich fast hysterisch geworden.«

»Können wir das? Hysterisch werden?«, fragte Maja mit zweifelnd hochgezogenen Augenbrauen.

»Genauso, wie du eben wütend geworden bist.« Anke lächelte sie an. »Wir können fast alles, was wir auch vorher konnten. An unseren Gefühlen hat sich nichts geändert.«

»Fast alles«, wiederholte Maja, und ihr Gesichtsausdruck wandelte sich in den tiefster Trauer.

»Ja, leider nur fast.« Anke streichelte sanft Majas Handgelenk. »Wir müssen loslassen. Und ihnen helfen loszulassen. Deswegen sind wir hier.«

»Warum können wir nicht einfach zurück?« Maja schlug die Hände vors Gesicht. Ihre Stimme klang tränenerstickt. »Nur noch ein kleines Weilchen . . . ganz kurz . . . einen Tag vielleicht . . .« Das Flüstern erstarb.

»Und dann noch einen Tag . . . und noch einen . . .« Anke seufzte. »Weißt du, wie oft ich mir das gewünscht habe? Aber es geht eben nicht. Was vorbei ist, ist vorbei.« Sie betrachtete Maja mitfühlend. »Du konntest dich wenigstens vorbereiten. Du wusstest, was passieren würde. Ich wurde ganz plötzlich von diesem betrunkenen Autofahrer aus dem Leben gerissen und hierher verbannt. Noch eine Sekunde vorher wusste ich von nichts. Und Fiona saß da und wartete, dass ich zu ihr kommen würde.« Nun klang auch Ankes Stimme nicht mehr ganz klar. Sie räusperte sich. »Wusste Lara es? Oder hast du es ihr nie gesagt?«

Maja nickte langsam. »Doch, sie wusste es. Sie wusste es fast von dem Tag an, an dem wir uns kennenlernten. Ich habe noch überlegt, ob ich es ihr sagen soll, aber dann . . . wir waren frisch verliebt. Es wäre unfair gewesen, ihr nicht die Chance zu geben, mich –« Sie brach schluckend ab.

»Dich gleich wieder zu verlassen, bevor sie sich zu sehr engagieren konnte.« Ankes Gesichtsausdruck wirkte zugleich verständnisvoll und schmerzlich. »Aber das hat sie nicht getan.«

»Nein, das hat sie nicht getan.« Maja schüttelte kaum sichtbar den Kopf. »Sie hat sich um mich gekümmert. Das letzte Jahr war . . .«, sie schluckte, »traumhaft.« Bevor sie zu sehr in Erinnerungen versinken konnte, straffte sie ihre Schultern und trat einen Schritt von der Wand zurück. »Die meisten Leute denken wahrscheinlich nicht, dass es so schnell geht, wenn ein Gehirntumor diagnostiziert wird. Ich hätte das auch nicht gedacht. Aber diese Kopfschmerzen . . . trotz der starken Schmerzmittel haben sie mich immer daran erinnert.« Sie verzog das Gesicht. »Die wenigstens bin ich jetzt los. Als ich . . . aufwachte, war das das Erste, was ich bemerkt habe. Es ist eine große Erleichterung, das nicht mehr jeden Tag spüren zu müssen.«

»Na, siehst du. So hat die Sache doch auch etwas Positives.« Anke strahlte sie zuversichtlich an. »Den Rest werden wir auch noch schaffen.«

Maja schaute unsicher zurück. »Ich habe Angst. Lara und ich, wir . . . wir waren so eng verbunden. Ich glaube, sie hat es einfach verdrängt, dass es nicht ewig dauern konnte. Und jetzt . . . jetzt kann ich ihr nicht mehr helfen. Sie wird sich um alles kümmern müssen, meine Beerdigung –« Sie legte eine Hand über ihre Augen, aber darunter floss eine Träne langsam ihre Wange hinunter.

»Fiona musste das auch«, erwiderte Anke trocken. »Sie war die Liebe meines Lebens, und ich – Sie hat mir oft dasselbe gesagt. Wir hatten noch so viel vor.« Sie atmete tief durch. »Lass uns weitergehen. Wir haben eine Aufgabe. Wenn Lara und Fiona glücklich werden sollen, dürfen wir nur an sie denken, nicht an uns.«

»Du hast Recht.« Maja riss sich sichtbar zusammen. »Entschuldige. Ich weiß, ich bin peinlich.«

»Bist du nicht.« Anke hakte sich bei ihr ein und zog Maja sanft mit sich. »Wir sind für das Leben gemacht, nicht für den Tod. Und ganz sicher nicht für diese Zwischenwelt, in der wir jetzt feststecken. Das hätte ich mir nie träumen lassen. Da ist man tot, und dann hat man noch nicht mal seine Ruhe!« Sie lachte leicht.

»Wir sind nicht richtig tot, das ist ja das Problem.« Maja seufzte. »Wenn wir wirklich tot wären, hätten wir keine Probleme mehr.«

»Ach, wer weiß, was dann ist?«, warf Anke leicht hin. »Wir wissen nichts darüber. Ich denke nicht darüber nach. Mir reicht schon die Zwischenwelt. Die ist merkwürdig genug.«

»Wie lange –?« Maja schluckte. »Wie lange bleiben die Leute hier?«

Anke zuckte die Schultern. »Ich habe keine Ahnung. So lange, wie es eben nötig ist, um die Sachen, die ungeklärt sind, zu einem Abschluss zu bringen, nehme ich an. Ich dachte, als ich das erste Mal nach meinem Unfall bei Fiona war, dass es danach für mich vorbei wäre. Ich habe mit Hilfe des Führers, der damals bei mir die Rolle eingenommen hat, die ich jetzt bei dir einnehme, Fiona eine Nachricht zukommen lassen. Er ist schon sehr lange in der Zwischenwelt und kannte ein paar Tricks. Dadurch kennt sie jetzt die Adresse der Gruppe, die Frauen, die ihre Partnerin verloren haben, hilft, ihre Trauer zu überwinden. Mehr konnte ich nicht tun.«

»Und du weißt, wie ich dasselbe für Lara tun kann?« Maja fühlte sich so hilflos. Sie wollte Lara nicht nur eine Nachricht zukommen lassen, sie wollte sie umarmen, berühren, küssen . . .

Aber das war unmöglich. Niemand aus der Zwischenwelt konnte Lebende berühren. Sonst wäre der Weg zwischen all den Passanten nicht so mühsam gewesen. Sie sahen Anke und Maja nicht und konnten deshalb keine Rücksicht auf sie nehmen, selbst wenn sie gewollt hätten.

Als Kind hatte Maja sich oft gewünscht, unsichtbar zu sein, Geheimnisse zu belauschen, überall hinein- oder hinausschlüpfen zu können, wo sie wollte, ohne gesehen zu werden. Nun hätte sie all das tun können, aber es erschien nicht mehr wirklich erstrebenswert. Wie gern wäre sie Lara in sichtbarer Form gegenübergetreten.

Anke nickte. »Ja. Das kann ich dir zeigen. Den Rest muss Lara dann allerdings selbst tun. Wir können sie nicht zwingen.«

Sie wird mich vergessen, dachte Maja für einen Augenblick zutiefst erschrocken. Das ist der Sinn dieser ganzen Aktion: sie dazu zu bringen, mich zu vergessen.

»Sie wird dich nie vergessen.« Anke antwortete leise, als ob sie Majas Gedanken gehört hätte. »Wenn sie uns wirklich geliebt haben, werden sie sich immer an uns erinnern. Aber ihr Leben geht weiter, unseres ist vorbei.«

»Es ist so ungerecht!« Wild stieß Maja die Worte hervor. »Du und ich, wir sind noch so jung. Wir standen gerade mal am Anfang unseres Lebens!«

Anke zuckte die Schultern. »Die ersten Tage war ich auch sehr wütend darüber, aber nun habe ich mich damit abgefunden. Wir können nichts daran ändern. Wir sind aus der Welt der Lebenden ausgeschlossen, ob wir wollen oder nicht.«

Majas Schultern senkten sich. »Ich weiß nicht, ob ich das kann«, wisperte sie. »Sie sehen und sie nicht . . . berühren zu können. Sie nie wieder umarmen zu können.«

»Es ist schwer.« Anke atmete tief durch. »Ich dachte, ich werde verrückt, als ich Fiona wiedersah, sie mich weder hören noch sehen konnte, nur ich sie. Ich hatte gehofft, danach wäre ich frei, könnte aus der Zwischenwelt entfliehen, alles hinter mir lassen, alles vergessen.« Sie seufzte. »Aber so war es leider nicht. Ihr nur die Adresse zu geben hat nicht gereicht.«

Maja runzelte die Stirn. »Was hättest du denn tun sollen?«

»Ich weiß es nicht.« Anke sah ratlos aus. »Das kann mir niemand sagen. Ich muss es selbst herausfinden. Vielleicht muss ich dir erst helfen, damit ich weitergehen kann. Wohin auch immer.«

»Aber wenn die Adresse nicht reicht? Wenn ich auch hierbleiben muss?« Majas Stimme klang fast wie die eines ängstlichen Kindes.

»Dann haben wir wohl eine sehr lange gemeinsame Zeit vor uns.« Anke schien sich wieder gefangen zu haben. Sie warf Maja einen fast flirtenden Blick zu. »Fändest du das so furchtbar?«

Maja musste über Ankes Gesichtsausdruck lachen. »Es ist besser, als allein zu sein«, antwortete sie. »Als ich zuerst auf diesem weißen, endlos scheinenden Weg lief und niemand da war, habe ich mich sehr verloren gefühlt. Als du dann auftauchtest, war ich wirklich...



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