E-Book, Deutsch, Band 3, 336 Seiten
Reihe: Mittelpunkt der Erde
Beck DIE FLUCHT VOM MITTELPUNKT DER ERDE
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95835-850-8
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, Band 3, 336 Seiten
Reihe: Mittelpunkt der Erde
ISBN: 978-3-95835-850-8
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Greig Beck verbrachte seine Jugend hauptsächlich mit Surfen an den Stränden von Australien, bevor er seine Karriere als Informationstechniker startete, die ihn um die ganze Welt führte. Diese Begeisterung hat er nie ganz verloren, auch wenn er sich mittlerweile hauptsächlich dem Schreiben widmet. 2010 erschien mit 'Beneath the Dark Ice' der erste Band seiner Alex-Hunter-Reihe, die immer wieder in den Bestseller-Rängen bei Amazon.com zu finden ist. Seine Romane wurden mittlerweile in über zehn Sprachen übersetzt. Heute lebt der australische Autor mit seiner Frau, seinem Sohn und seinem riesigen deutschen Schäferhund ins Sydney.
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Kapitel 4
Jane Baxter stand auf dem Podium und fühlte sich nach zwei Jahren Pause vom Unterrichten sofort wieder wie zu Hause.
, dachte die Biologielehrerin, die nach ihrem Besuch in der riesigen Welt im Mittelpunkt der Erde ihren Doktor in Evolutionsbiologie gemacht hatte – ihr Geheimnis und ihr Kreuz, das sie zu tragen hatte.
Aber das Vermächtnis ihrer Reise lebte in ihr weiter, und sie zog unwillkürlich den Kragen ihres Hemdes ein wenig höher, um die Hautkrebs-Läsionen zu verbergen, die sich an ihrem Hals gebildet hatten. Sie befanden sich auch auf ihrem Rücken und waren nach Ansicht der Onkologen unbehandelbar, aggressiv und würden sie schließlich auffressen, genau wie die alte Russin Katya Babikov.
Sie spürte ein Ziehen im Magen, da sie wusste, dass es Mike Monroe noch viel schlechter ging als ihr. Es schien so, als ob ihre Neugier oder Dummheit einen hohen und schrecklichen Preis gehabt hatte.
Jane verdrängte die morbiden Gedanken und atmete den beruhigenden Geruch von altem Holz, Bodenreiniger und Whiteboard-Marker ein. Das war genau das, was sie jetzt brauchte, um sich von dem Blatt abzulenken, das sie und Mike bekommen hatten.
Jane lächelte, als sie hörte, wie die Schüler begannen, den Saal zu füllen. Es war eine Mischung aus Gemurmel, Husten, Lachen, schlurfenden Füßen und Büchern, die auf die Schreibtische geknallt wurden. Einige waren voller Enthusiasmus, andere träge, und wieder andere waren nur hier, um ein paar zusätzliche Credits für die Universität zu bekommen oder um nach einer anstrengenden Nacht eine zusätzliche Stunde Schlaf zu kriegen.
Doch es spielte keine Rolle, sie liebte sie trotzdem alle und hatte das Ganze vermisst. Der Job war mehr als eine Belohnung, denn er war sicher und sie fühlte sich geborgen. In gewisser Weise war er psychologisches Jod, mit dem sie ihre seelischen Wunden versorgen konnte.
Es war mittlerweile ein Jahr her, dass sie und Mike aus der Gadime-Höhle im Kosovo geklettert waren. Alle, die mit ihnen gereist waren, waren verloren gegangen, und zwar auf brutale Weise. Über Harris und Ally, die nie wieder aufgetaucht waren, schwebte immer noch ein großes Fragezeichen. Aber sie mussten tot sein. Das mussten sie einfach.
Sie und Mike waren jetzt ein Paar, und anfangs hatten sie ihre Geschwüre mit den Resten der Salbe des roten Volkes eingerieben, die er aufbewahrt hatte, und es hatte funktioniert. Aber als ihnen die Salbe ausging, kam der Krebs zurück, und zwar größer und noch hungriger nach mehr von ihrem Fleisch.
Kurz bevor Mike sie verlassen hatte, hatte Jane eines Morgens vor ihrem Ganzkörperspiegel gestanden und sich untersucht. Bekleidet konnte sie den Krebs vergessen, denn sie und Mike waren beide noch körperlich stark, aber nackt erinnerte ihre Haut sie an einen Anzug, in den die Motten eingedrungen waren und winzige Löcher im Stoff hinterlassen hatten.
Mike hatte ihren Blick bemerkt, reumütig gelächelt und gesagt: ».«
, hatte sie erwidert, es aber sofort bereut, denn er hatte nur versucht, ihre missliche Lage mit Humor zu erhellen. Doch es war schrecklich, weil es so wahr war, und sie hasste es.
, hatte er zu ihr gesagt. Dann hatte er sie angefleht, mit ihm in seine Hütte zu kommen, um dort von der Natur umgeben zu sein, und nicht von Beton, Glas, Smog und schreienden Stimmen. Sie hatte sich nicht dagegen gewehrt, weil sie es verstanden hatte, aber sie war nicht mit ihm gegangen. , dachte sie nun.
Jane rieb sich eines der Geschwüre an der Schulter, seufzte und schenkte ihren Vorlesungsunterlagen ein schiefes Lächeln, als sie diese zusammenstellte. Es kam ihr so vor, als würden Schmetterlinge in ihrer Magengrube kribbeln, und sie atmete mehrmals tief durch
, verlangte sie von sich selbst, . Also holte sie tief Luft und überflog den Titel auf der ersten Seite: .
Ihr biologischer Hintergrund und das, was sie durchgemacht hatte, zwangen sie dazu, eine Expertin zu werden … das war die Art, wie sie ihre Dämonen austrieb … durch eine Art Exorzismus im Hörsaal. Sie sprach darüber, als wäre es ein Laborexperiment, tat so, als wäre es jemand anderem passiert, und schaffte so eine Distanz zwischen den schrecklichen Ereignissen und der neuen Jane Baxter, die sie heute erschaffen wollte.
Sie schaute auf ihre Uhr: 14:01 Uhr. .
Jane klopfte auf das Rednerpult, um den Raum zum Schweigen zu bringen und blickte auf die Reihen jugendlicher Gesichter – sehr viele Gesichter – ein volles Haus. Es mussten hundertfünfzig Leute sein. Das Interesse an ihrem Thema war äußerst erfreulich.
Janes Vortrag befasste sich mit dem Gigantismus, der durch die Evolution hervorgerufen wurde, und konzentrierte sich auf die riesigen Meerestiere von heute und die aus der Vergangenheit unserer Welt, und wie die Evolution immer eine Nische mit dem Rohmaterial füllt, das sie finden kann.
Sie begann: »Am Anfang war das Meer. Nur das Meer.« Sie drückte auf die Tasten, um einen Stummfilm auf die Leinwand hinter sich zu projizieren. »Lassen Sie mich Sie in die Vergangenheit entführen … in die warmen Gewässer der Devon-Periode, vor etwa vierhundert Millionen Jahren.«
Das Bild auf dem Bildschirm zeigte zunächst grellen Sonnenschein auf einer endlosen Wasserfläche, bevor es nach unten abtauchte, wo Vorhänge aus Licht in die seichten Tiefen reichten.
»Es war warm, fast dreißig Grad, und es gab keine polaren Eiskappen, sodass der Meeresspiegel viel höher war als heute. Die Ozeane waren größer als zu jeder anderen Zeit. Unsere Erde war tatsächlich eine Wasserwelt.«
Das Video lief weiter, als ob sie durch das Wasser gleiten würden. Jane blickte kurz auf und sah, wie sich das blaue Leuchten des Bildschirms auf den jugendlichen Gesichtern spiegelte.
»Zu Beginn des Devon gab es noch kein Leben an Land. Aber unten, in den riesigen Ozeanen, explodierte die Vielfalt der Lebewesen. Und auch wenn es nur wenige Raubtiere gab, gediehen diese Lebewesen und wurden groß. Doch irgendwann reagieren die Raubtiere darauf, indem sie ebenfalls groß wurden, um die anderen Lebewesen erbeuten zu können.«
Der Film zeigte nun einen Trilobiten, der sich mit seinen vielen spindeldürren Beinen über den sandigen Meeresboden bewegte. Dann zog ein Schatten über ihn hinweg.
Die gepanzerte Kreatur kauerte sich zusammen, als sie die Bedrohung spürte, aber es nützte nichts. Riesige Klauen packten sie vom Meeresgrund und hielten sie fest, bevor sie sich in sie hineinkrallten und das Wasser mit einem Nebel aus Blut und Fleischfetzen füllten.
Die Kamera fuhr zurück und zeigte einen riesigen, gepanzerten Gliederfüßer, der wie eine Mischung aus Spinne, Hummer und Skorpion aussah.
»Eines der ersten Super-Raubtiere, das auf unserem Planeten gelebt hat – der Eurypterus , der riesige Seeskorpion.«
Jane hielt inne, um die und abklingen zu lassen.
»Er war 2,70 Meter lang und auf Schnelligkeit ausgelegt. Er hatte große, sechsundvierzig Zentimeter lange Klauen mit eingebetteten Zähnen, um seine Beute packen zu können, sowie den nach vorne gerichteten stereoskopischen Blick eines Jägers. Das Devon war eine Zeit, in der Gliederfüßer die Welt beherrschten.«
»Dann haben wir ja Glück, dass es nicht gehalten hat, hm?«, kam eine Stimme aus dem Publikum.
»In der Tat, das haben wir.« Sie blickte auf, aber die Gesichter lagen im Dunkeln. Sie fuhr fort: »Das Devon war auch eine Zeit des massiven Wandels der Lebensformen.«
»Adaptive Strahlung.« Wieder diese Stimme. Sie klang zu erwachsen für einen Studenten.
»Ja, ein Begriff, der explosive und vielfältige Veränderungen beschreibt. Leben explodierte in den Meeren, dann besiedelten Pflanzen das Land, und schließlich entwickelten sich überall auf der Welt Knochenfische. Anschließend folgten die Tiere, Gliederfüßer und Tetrapoden und verließen die Ozeane.«
Sie lächelte reumütig. »Die Gliederfüßer hatten einen Vorsprung, aber die Fische entwickelten effizientere Lungen und wurden zu Amphibien. Dann lernten sie, trockene Eier zu legen, die nicht im Wasser ausgebrütet werden mussten. Danach wurden sie immer größer. Es war Spiel, Satz und Sieg für die Gliederfüßer, die damit die anderen auf den zweiten Platz zurückgedrängt hatten.«
»Aber stellen Sie sich vor, wenn sie gewonnen hätten – die Arthropoden meine ich – wie die Welt dann jetzt aussehen würde. Können Sie sich das vorstellen? Ich denke, es wäre eine sehr beängstigende und gefährliche Welt.«
Sie blickte auf und suchte die Reihe ab, aus der die Stimme gekommen war. Dort befand sich eine überdurchschnittlich große Gestalt, aber das Gesicht war immer noch nicht zu erkennen. Sie würde noch einmal nachsehen, wenn das Licht wieder angeschaltet wurde.
»Fahren wir fort.« Sie drückte auf die Tastatur, um den Film weiterlaufen zu lassen. »Die Ozeane haben uns die ersten Giganten geschenkt.«
Auf dem Bildschirm waren ein paar wippende Ammoniten zu sehen, aufgerollte Muscheln mit großen Augen und Tentakeln, die aus dem offenen Ende herauswuchsen. Dann tauchte etwas...




