E-Book, Deutsch, Band 2, 324 Seiten
Reihe: Die geheimnisvolle Insel
Beck ODINS HERZ - Die geheimnisvolle Insel 2
überarbeitete Ausgabe
ISBN: 978-3-95835-877-5
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Abenteuer, Fantasy
E-Book, Deutsch, Band 2, 324 Seiten
Reihe: Die geheimnisvolle Insel
ISBN: 978-3-95835-877-5
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Greig Beck verbrachte seine Jugend hauptsächlich mit Surfen an den Stränden von Australien, bevor er seine Karriere als Informationstechniker startete, die ihn um die ganze Welt führte. Diese Begeisterung hat er nie ganz verloren, auch wenn er sich mittlerweile hauptsächlich dem Schreiben widmet. 2010 erschien mit 'Beneath the Dark Ice' der erste Band seiner Alex-Hunter-Reihe, die immer wieder in den Bestseller-Rängen bei Amazon.com zu finden ist. Seine Romane wurden mittlerweile in über zehn Sprachen übersetzt. Heute lebt der australische Autor mit seiner Frau, seinem Sohn und seinem riesigen deutschen Schäferhund ins Sydney.
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Kapitel 1
Lin Bao parkte seinen Truck und stieg aus. Es war eine lange und staubige Fahrt gewesen, und obgleich er als Leiter der paläontologischen Abteilung des Chinesischen Paläozoologischen Museums in Peking viele schwer zu findende und extrem gefährliche Orte auf der ganzen Welt besucht hatte, gefiel es ihm nicht, so nah an der nordkoreanischen Grenze zu sein.
Die Nordkoreaner waren allem und jedem gegenüber so misstrauisch, dass sie dafür bekannt waren, aufs Geratewohl auf Menschen zu schießen, die zu nahe kamen. Ihre Einstellung lautete sehr wohl Oder sogar
Bao sah sich um. Der Tag war heiß, und er spürte augenblicklich, wie ihn die Sonne im Nacken brannte. Er setzte seinen breitkrempigen Hut auf, einen australischen Akubra, der beste, der während der letzten zehn Jahre sein Gefährte gewesen war. Er war ein Geschenk von einem Archäologenkollegen bei einer Dinosaurierausgrabung in Lightning Ridge gewesen.
»Ah.« Er entdeckte die Ausgrabungsstätte und ging hinüber.
Auf halbem Weg wurde er von Wu Jintao empfangen, Ausgrabungsleiter und die Person, die ihn persönlich zu dieser Ortsbegehung eingeladen hatte. Seine kryptischen, aber verlockenden Hinweise auf das, was er entdeckt hatte, waren unwiderstehlich gewesen. Und während er sich näherte, war das Lächeln des jungen Mannes so breit und hell wie der Sonnenschein.
Bao winkte zurück. Er wusste, warum er eingeladen worden war: Das Museum konnte Fördergelder bewilligen, falls es Projekte der kulturellen Investition für würdig hielt, und wenn die Ergebnisse wichtige Exemplare hervorbrachte, hatte das Museum als erstes Anrecht darauf.
»Sie haben uns also gefunden?« Jintaos Grinsen wurde breiter, und er wischte sich eine seiner staubigen Hände an der Hose ab und strecke sie aus.
Als Bao dem jungen Mann die Hand schüttelte, spürte er die rauen Schwielen. dachte er. Er war ein arbeitender Manager, kein universitätsgelehrter Kerl, der wenig mehr tat, als Geschäfte zu leiten.
»Ja, Sie waren leicht zu finden«, sagte Bao. »Nur aus der Stadt raus und tausend Meilen weiter.« Er lachte leise, zeigte dann aber zum Horizont. »Irgendwelche Probleme mit den Nachbarn?«
Jintao drehte sich halb um und grunzte. »Sie sind da und schauen ständig zu. Aber sie haben uns nicht unmittelbar gestört.«
»Gut. Aber seien Sie vorsichtig. Die sind unberechenbar und trauen niemandem. Wenn die glauben, dass Sie etwas im Schilde führen, sind sie verpflichtet, Sie zu bombardieren«, antwortete Bao. »Nun, wofür haben Sie mich den ganzen Weg hierher geschleppt?«
»Etwas.« Er drehte sich um. »Etwas Tolles.«
Jintao führte Bao den Hügel hinauf. Oben angekommen sah er die Männer und Frauen, Dutzende von ihnen, die wie eingespielte Wanderameisen am Hang arbeiteten, effizient und unermüdlich gruben und tonnenweise Stein und Erdreich in Körben wegtrugen.
»Ein großes Team«, bemerkte Bao.
»Ja. Und ein sehr gutes Team, aber auch ein teures.« Jintao nickte in ihre Richtung. »Und deshalb sind Sie hier. Zum Zeitpunkt unserer größten Entdeckung sind wir am Rand unserer Reserven. Wir brauchen weitere Gelder.«
»Wir werden sehen«, antwortete Bao unverbindlich.
Der erste Halt war bei einem großen Zelt im Camping-Stil und der heißen Brise, die die Tuchwände flattern ließ und an den Seilen zerrte, die von Metallheringen festgehalten wurden. Jintao schob die herabhängende Zeltklappe des Eingangs mit einem Arm zurück und hielt sie offen, damit Bao eintreten konnte.
Im Inneren, mit einem Laken bedeckt, lag etwas auf dem Boden, das um die dreieinhalb Meter lang war und um die anderthalb breit. Und das war alles.
Jintao schob seinen Hut zurück und die Kordel um seinen Hals hielt ihn fest. Er wischte sich mit dem Unterarm über die Stirn, hinterließ einen braunen Streifen im Schweiß, und näherte sich. Er ging in die Hocke, die Finger gefaltet, und sah zu Bao hinauf.
»Sie wissen, was die K-P-Grenze ist, nicht?«, fragte er.
»Natürlich«, antwortete Bao brüsk. »Das ist die zweieinhalb Zentimeter dicke Tonschicht, auch als Kreide-Paläogen-Grenze oder K/T-Grenze bekannt, die den Übergang von der Zeit der Dinosaurier, der Kreide, zur nachfolgenden post-dinosaurischen Zeit, dem Paläogen, bildet.«
»Perfekte Beschreibung.« Jintao lächelte. »Sie stimmt mit einem der größten Massenaussterben in der Erdgeschichte überein, als vor sechsundsechzig Millionen Jahren ein massiver Asteroid einschlug und siebenundfünfzig Prozent aller lebenden Spezies, alle Dinosaurier eingeschlossen, vernichtete. Im Prinzip finden wir unter der K-P-Grenze Dinosaurierknochen. Und darüber nichts.« Er lächelte wieder. »Bis jetzt.«
Jintaos Brauen zogen sich zusammen. »Sie wollten wissen, was so wichtig war, dass ich Sie gebeten habe, hier raus zu kommen.« Er sah auf. »Das war deswegen.« Er schlug das Laken zurück.
Baos Stirn runzelte sich, während er auf den Stein und das, was darin eingeschlossen war, hinunter starrte.
»Ist das …« Er kniff die Augen zusammen. »… Ist es echt?«
»Ja«, antwortete Jintao und legte eine Hand neben das, was im Stein war. Er zeichnete es mit den Fingern nach. »Ich glaube, dieses Ding war zur Zeit der Dinosaurier hier, hat sie aus dem Feld geschlafen und sie dann überlebt.« Er nickte. »Und sie vielleicht sogar ausgerottet.«
»Ich halte das für eine ungewöhnliche Annahme«, spottete Bao.
»Vielleicht«, entgegnete Jintao. »Aber wissen Sie, was der größte Zahn eines Karnivoren war?«
Bao antwortete augenblicklich. »Ah, ja, der kam von einem Megalodon und war um die neunzehn Zentimeter lang. In der Wüste von Ocucaje in Peru gefunden.«
»Das ist korrekt. Aber der größte je dokumentierte Zahn eines prähistorischen Landkarnivoren gehörte einem T-Rex und war sage und schreibe dreißig Zentimeter lang! Obwohl dieses Maß die Zahnwurzel einschließt, der freiliegende Teil des Zahns war also fünfzehn Zentimeter lang.«
Er breitete die Hände über dem Stein aus. »Aber die Länge dieses Dings beträgt etwa einen Meter.«
»Unmöglich«, flüsterte Bao und streckte die Hand aus, um es mit den Fingerspitzen zu berühren.
»Und doch ist er hier.« Jintao stand langsam auf, den Blick weiter nach unten gerichtet. »Aber von welcher Kreatur kann er gekommen sein? Nichts dergleichen wurde je im Fossilbericht aufgezeichnet.«
»Ein wahres Monster«, sagte Bao leise. »Wie muss es wohl ausgesehen haben?«
»Ein Monster, ja, das muss es gewesen sein.« Jintao wandte sich dem Museumsdirektor zu. »Und das bringt mich zur zweiten Sache, die ich Ihnen zeigen wollte.« Er zog seinen Hut wieder auf.
»Es gibt noch etwas?« Baos Augenbrauen gingen in die Höhe.
»Oh ja. Nennen wir es das große Ganze. Haben Sie Lust auf eine kurze Klettertour?« Er lächelte geheimnisvoll.
Bao schnaubte, als er ebenfalls aufstand. »Machen Sie Witze? Nachdem ich das gesehen habe, würde ich zum Mond laufen. Gehen Sie vor.«
Die zwei Männer machten sich zu einem staubigen Pfad neben der Ausgrabung auf. Obwohl die Sonne gnadenlos auf die beiden herabbrannte, machte es Bao überhaupt nichts aus, da sein Verstand noch um den Anblick des einzigartigen und verblüffenden Fossils kreiste. Er konnte sich nicht vorstellen, von was für einer Art Tier es gekommen war, aber seine Größe war derart bemerkenswert, dass es etwas Atemberaubendes sein musste.
Die beiden unterhielten sich während Ihres Aufstiegs. »Aus welcher Strata kam das Fossil?«, fragte Bao.
Jintao grunzte. »Die meisten Dinosaurierfossilien stammen aus den Schieferschichten, die auf das Mesozoikum datiert werden, zwischen den Perioden Kreide und Paläogen, also vor rund zweihundertvierundfünfzig und fünfundsechzig Millionen Jahren. Dieses kommt aus einem Schieferlager über der K-P-Grenze. Nach dem Aussterben.«
»Was? Unmöglich. Zu dieser Zeit gab es keine Land-Leviathane. Die waren alle verschwunden.« Bao runzelte die Stirn. »Es sei denn, es war eine unentdeckte Spezies aus dem Meer.« Er war fasziniert.
»Leviathan? Ja, das ist ein angemessener Bezug. Und ich glaube nicht, dass diese Form aquatisch war. Wir sind uns noch nicht ganz sicher, was es war«, antwortete Jintao. »Wir brauchen weitere Ausgrabungen. Und Forschungen.«
»Und da komme ich ins Spiel, ?« Bao lächelte leicht.
Jintao berührte seinen Hut und nickte ein Mal. »Ich denke, diese Kreatur hatte einen Rückzugsort. Irgendwo, wo sie überleben konnte, als der Asteroid einschlug. Dann tauchte sie wieder auf.«
»Jede Menge Fragen«, sagte Bao. »Liefern Sie mir Antworten.«
»Ich habe einige. Hier entlang.« Jintao ging lächelnd voraus.
Die beiden Männer gingen weiter, und sie brauchten noch zwanzig Minuten, bis sie einen ebenen Pfad erreichten, von dem man die Ausgrabungsstätte überblicken konnte. Weit unten drängten sich die Arbeiter in der Fossilschicht, und Jintao holte eine silberne Pfeife aus seiner Tasche, mit der er laut und schrill pfiff.
Die Arbeiter hörten auf, als hätten sie den Sirenengesang erwartet, und machten Platz. Dann trat Jintao vor und streckte einen Arm aus, zeigte auf die Ausgrabung hinunter. Er bewegte ihn langsam von einer Seite zur anderen.
»Erblicken Sie das Monster.«
Bao trat vor und beobachtete, wie die Grabenden beiseitetraten und die gesamte Ausgrabung enthüllten. Und er sah das Fossil, das auf deren Oberfläche...




