Beck | ZUM MITTELPUNKT DER ERDE | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 336 Seiten

Reihe: Mittelpunkt der Erde

Beck ZUM MITTELPUNKT DER ERDE

Roman
überarbeitete Ausgabe
ISBN: 978-3-95835-581-1
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, Band 1, 336 Seiten

Reihe: Mittelpunkt der Erde

ISBN: 978-3-95835-581-1
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Tief unter der Erde, jenseits der tiefsten bekannten Höhlen, liegt eine verborgene Welt. Eine alte Frau in einem russischen Gefängnis hütet dieses Geheimnis ... festgehalten in einem über fünfhundert Jahre alten Manuskript, welches den Weg zum sagenumwobenen Mittelpunkt der Erde weist. Sie weiß, dass diese Welt real ist. Denn vor fünfzig Jahren war sie selbst mit einem Team dorthin aufgebrochen - und kehrte als Einzige zurück. Nun führt der Höhlenforscher Mike Monroe ein Team in die tiefste bekannte Höhle der ehemaligen Sowjetunion. Er folgt den Hinweisen einer verrückten alten Frau und den Worten einer mysteriösen Aufzeichnung, welche die Basis für Jules Vernes weltberühmte Abenteuergeschichte bildeten. Doch die grauenhaften Dinge, die dort unten auf ihn warten, drohen nicht nur seinen Verstand zu kosten, sondern auch sein Verständnis der Evolution und der gesamten Welt auf den Kopf zu stellen ... Bestseller-Autor Greig Beck, der mit seiner 'Primordia'-Trilogie bereits Arthur Conan Doyles 'Vergessene Welt' in unsere Zeit transportierte, entführt den Leser nun in die mystische unterirdische Welt eines Jules Verne - voller Wunder, Gefahren und atemloser Abenteuer.

Greig Beck verbrachte seine Jugend hauptsächlich mit Surfen an den Stränden von Australien, bevor er seine Karriere als Informationstechniker startete, die ihn um die ganze Welt führte. Diese Begeisterung hat er nie ganz verloren, auch wenn er sich mittlerweile hauptsächlich dem Schreiben widmet. 2010 erschien mit 'Beneath the Dark Ice' der erste Band seiner Alex-Hunter-Reihe, die immer wieder in den Bestseller-Rängen bei Amazon.com zu finden ist. Seine Romane wurden mittlerweile in über zehn Sprachen übersetzt. Heute lebt der australische Autor mit seiner Frau, seinem Sohn und seinem riesigen deutschen Schäferhund ins Sydney.
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Kapitel 1


Die fünf Höhlenforscher schlürften Kaffee, den sie auf einem kleinen tragbaren Kerosin-Ofen gekocht hatten. Mehr als einhundert Stunden, knapp vier Tage also, hatte es gedauert, bis sie diesen Ort, der 1905 Meter unter der Erdoberfläche lag, erreicht hatten. Noch heute würden sie bis auf 2197 Meter vorstoßen, bis zum tiefsten Punkt der weltweit tiefsten Höhle.

»Allmählich wird es wärmer«, meinte Dimitri Burkin und starrte in die Finsternis.

Katja Bebikow nickte. Ihr fiel auf, wie getrieben Dimitri und alle anderen wirkten. Der Aufenthalt in einer Umgebung ewiger Nacht hatte ihren Schlaf massiv gestört. Und die knapp bemessenen Ruhezeiten, die ihnen vergönnt waren, waren nicht besonders regenerativ. Durchschnittlich achtzehn Stunden pro Tag hatten sie damit zugebracht, nach unten zu klettern, zu rutschten oder sich abzuseilen. Gefühlt waren sie mindestens seit vier Monaten in dieser Höhle.

»Zum Glück sind wir nicht unter der Sahara oder über einem Geothermalgebiet«, sagte Katja. »In manchen Höhlen steigt die Temperatur alle dreißig Meter um ein Grad. Inzwischen wäre es auf diesem Tiefenniveau dort heiß genug, um uns bei lebendigem Leib gar zu kochen.«

»Aber warum nimmt hier die Temperatur zu?«, fragte Alexi Domnin, das jüngste Mitglied der Gruppe. Im normalen Leben arbeitete er als Mathematiker. »Vielleicht doch wegen geothermaler Aktivität?«

»Dieses Höhlensystem ist alt, sehr alt sogar. Es existiert seit Milliarden von Jahren. Geothermik als Ursache ist also vernachlässigbar.«

Georgi Azarov grinste. »Vielleicht sind wir knapp oberhalb der Hölle.«

Katjas Schwester, Lana, seufzte. »Irgendwie ist das Nachdenken über die Hölle hier unten wesentlich grusliger als daheim.« Sie hob das Kinn. »Ihr wisst schon, dass die Woronja-Höhle auch als Teufelshöhle bezeichnet wird?«

»Ja, klar. Außerdem gibt es Teufelsberge und alle möglichen anderen Plätze, an denen angeblich eine Pforte zur Hölle verborgen ist. Weltweit müssen es Tausende sein. Der Teufel ist von dem ganzen Verkehr vermutlich ziemlich genervt, den die Leute verursachen, die ständig raus- und reinrennen.« Georgi schlürfte einen Schluck Kaffee. »Heute kommen wir jedoch in den Himmel. Dort wird es so wundervoll sein, wie die antiken Maya prophezeit haben.«

»Oder wir stoßen auf ein gut ausgebautes Kellergewölbe«, scherzte Katja, wischte ihren Becher aus und verstaute diesen zusammen mit dem Kerosinofen in ihrem Gepäck. Dann zog sie ihr Notizbuch heraus und fertigte einen Eintrag an.

»Bis jetzt haben sich die Aufzeichnungen von Arkadi Saknussoff als verlässlich erwiesen«, schärfte Georgi den anderen ein. »Und deshalb werden wir auch den Durchgang entdecken, den er beschrieben hat.«

Katja liebte die Art und Weise, wie Georgis Augen fasziniert strahlten, sobald er von jenem Forscher, Gelehrten und Alchimisten des fünfzehnten Jahrhunderts sprach. Ihr Freund hatte sich etwas vom Enthusiasmus eines Kinds bewahrt und in solchen Momenten brannte dieser wie ein Feuer in ihm. Ohne Resultat hatte er über einen Zeitraum von mehreren Jahren versucht, Saknussoffs schriftlichen Nachlass zu ergattern. Dabei hatte er die Hälfte seines Vermögens ausgegeben; und unter Garantie würde er morgen wieder das Gleiche tun.

Vor einigen Monaten lachte ihm endlich das Glück. Auf einer Auktion in Moskau kam ein einzigartiges Saknussoff-Manuskript unter den Hammer. Der Anbieter dachte, es handele sich dabei um einen Roman. Georgi dagegen hatte bei der Durchsicht des Versteigerungsobjekts sofort erfasst, dass er die akribische Beschreibung einer Route zum Inneren der Erde vor sich hatte. Letztendlich blätterte er zu dessen Kauf eine Summe auf den Tisch, für die er ein kleines Königreich hätte erwerben können. Anfänglich schüttelten alle die Köpfe, als Georgi behauptete, in dem Buch stünde die Wahrheit. Doch nun hatte sie ihre Expedition eines Besseren belehrt.

»Saknussoff schrieb, dass der Zutritt unter einem See liegt.« Georgi erhob sich. »Wir bekommen es also vermutlich mit einer Art Einlaufschacht zu tun.«

Katja nickte. Ein Einlaufschacht bedeutet im Zusammenhang mit einem Höhlensystem einen gefluteten Stollen. Meistens entstanden diese unterhalb statischer Senken, in denen sich im Laufe der Jahre Wasser gesammelt hatte, das nach unten durchsickerte. Manche davon waren Verbindungen zu unterirdischen Flüssen oder Seen. Und in seltenen Fällen wurden sie unregelmäßig von Wasser durchspült, weshalb sie außerhalb dieser Periode trockenen Fußes passierbar waren. Die genaue Ursache dieses Phänomens konnte bis heute niemand erklären.

»Also sollten wir uns auf einen Tauchgang vorbereiten«, fuhr Georgi fort. »Wir werden die Ersten sein, die dieses Wagnis eingehen.«

Katja schüttelte den Kopf. »Die Zweiten, um genau zu sein.«

Georgi runzelte die Stirn. »Saknussoff ist hier unten nie getaucht. Vor fünfhundert Jahren gab es keine Ausrüstung dafür. Hm?«

Sie kicherte. »Du hast recht. Wir werden bestimmt etwas ganz Besonderes finden.«

Georgi klopfte den Staub von seiner Kleidung. »Okay, Kinder der ewigen Nacht. Weiter geht’s.«

Beim Aufstehen stöhnte Katja. Obwohl sie eine geübte Höhlenkletterin war, fehlte ihr nach so langer Zeit in vollständiger Schwärze das Sonnenlicht. Ihnen blühten mindestens zwanzig Stunden Schufterei, in denen sie sich durch Gänge und Tunnel kämpfen mussten, die immer undurchdringlicher wurden, bevor sie nach einem Nadelöhr in eine Felskammer vom Format einer Kathedrale mündeten. Nachlässigkeit konnten sie sich zu keiner Sekunde leisten, egal wie erschöpft sie sein mochten. Manche der Klippen hier unten fielen über hundert Meter senkrecht ab. Und selbst ein gebrochenes Bein bedeutete so fern von der Erdoberfläche möglicherweise ein Todesurteil, zumindest falls man sich eine Infektion einfing. Es würde ein zähes, qualvolles Sterben sein.

Während der Trupp durch einen niedrigen Stollen robbte, schob jeder Einzelne von ihnen seine Sauerstoffflasche vor sich her. Die Rucksäcke hatten sie mit einem Seil an der Taille befestigt und zogen sie nach.

Als es wieder genug Bewegungsfreiheit gab, rappelte Georgi sich auf und lief ohne seine Ausrüstung zu einem Tümpel, der rund fünfzehn Meter durchmaß. Das Wasser war so still, dass es wie eine Glasscheibe anmutete. »Seit Jahrhunderten ist kein Mensch hier gewesen.« Er ging in die Hocke und fischte ein Thermometer aus seiner Hüfttasche. Nun tauchte er es in die glasklare Flüssigkeit. Einige Sekunden später verkündete er: »Siebenundzwanzig Grad. Hat jemand Lust auf ein warmes Bad?«

»Die Wanne ist recht mickrig. Passen wir da überhaupt alle rein?«, fragte Lana und stemmte die Hände in die Hüften.

Georgi grinste. »Scheint so. Ich wette, unter der Wasseroberfläche gibt es Felsenriffe, die größere Hohlräume verdecken. Die Riffe dürften etwa in zwei Metern Tiefe anfangen. Wenn wir die Schmutzpartikel auf ihrer Oberseite nicht aufwirbeln, müsste das Wasser sauber bleiben.«

Katja öffnete ihren Rucksack. »Wir sollten trotzdem die Taucheranzüge verwenden. Für den Fall, dass es hier Thermokline mit scharfen Übergängen von warmen zu eiskalten Temperaturen gibt. Wenn du in einen davon reinschwimmst, kriegst du einen Schock und deine Muskeln verkrampfen. Also streift euch die Anzüge über, Leute.«

Es dauerte zehn Minuten, bis alle die Schwimmanzüge trugen und die Atemgeräte überprüft hatten. Sie hatten keine Schwimmflossen dabei, da sie nicht damit rechneten, längere Strecken schwimmen zu müssen. Also hatten sie darauf verzichtet, um ihr Gepäck so leicht und kompakt wie möglich zu halten.

Katja stellte ihren Rucksack – wie alle anderen auch – an eine der Höhlenwände. Bevor sie sich auszog und ihre Kleidung darauf ablegte, holte sie eine Handlampe aus dem Gepäck, mit deren Hilfe sie ihre Tauchmaske und den Schnorchel inspizierte. Als sie umgezogen war, vergewisserte sie sich, dass die wasserdichten Verschlüsse ihres Rucksacks ordnungsgemäß saßen.

Während sie sich in Geduld übte, bis die anderen dieselbe Tätigkeit abschlossen, fror sie an den Füßen und ihre Waden prickelten. Sie zitterte und es schien ihr, als würde die Luft um sie herum neblig. Spielte ihr die Wahrnehmung aufgrund ihrer Erschöpfung einen Streich oder geschah dies tatsächlich? Oder …

»Erdbeben!«, schrie sie.

Dieses eine Wort auf einer Höhlenexpedition ausgerufen, stellte das Äquivalent zu »Hai!« beim Meerestauchen dar.

Alle starrten sie entgeistert an, in Erwartung dessen, was als Nächstes geschehen würde.

Von der Decke rieselte Staub. Die Vibration des Untergrunds löste ein kitzliges Gefühl in ihren Beinen aus. Es gab nichts, das sie hätten tun können. Keinen Ort, an den sie flüchten konnten. Also beteten sie, während sie froren.

Der erste ernstzunehmende Stoß dröhnte wie anrollender Donner, als er durch die Höhle hallte. Dann ertönte ein weiteres Geräusch von unten her. Ein Geräusch wie das Splittern von Eis. Zunächst war es aus der Tiefe zu hören, dann überall um sie herum.

Die Felsschichten in diesem Gebiet hatten ein phänomenales Alter und sollten deshalb stabil sein. Aber das hieß nicht, dass hier keine Erdbeben auftraten. Oberirdisch mochten solche Stöße kaum mehr Wirkung, als ein laues Lüftchen hervorrufen. Hier unten, in fast zweitausend Metern Tiefe, konnten sie eine Katastrophe auslösen.

Abrupt fiel Stille auf die Höhle und die Bewegung des Gesteins stoppte.

»War’s das?«, fragte Dimitri flüsternd und ließ...



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