Becker | Der Rathgeber vor bei und nach dem Beischlafe... | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 67 Seiten

Becker Der Rathgeber vor bei und nach dem Beischlafe...


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-95676-572-8
Verlag: OTB eBook publishing
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

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Gottfried Wilhelm Becker (* 22. Februar 1778 in Leipzig, † 17. Januar 1854 ebenda), auch Godefroy Becker, Guillaume Boulanger oder '*r' war Arzt und populärwissenschaftlicher Schriftsteller. Becker gehörte zur Gruppe der medizinischen Volksaufklärer des 18. und 19. Jahrhunderts. Sie folgten der in der Aufklärung verwurzelten allgemeinen Tendenz zur Popularisierung in den Wissenschaften und in der Medizin, mit der die Aufklärer die gesellschaftliche Exklusivität des Wissens beenden wollten. (Auszug aus Wikipedia)

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Erster Abschnitt
Der Rathgeber vor dem Beischlafe.
Schon vor dem Beischlafe soll dein Rath nöthig seyn? Auch vor ihm die Diätetik ihre Gesetze vorschreiben? Gewiß; wenn man auf die Wichtigkeit dessen achtet, bevor noch der Beischlaf überhaupt zu genießen ist; wenn man bei diesen Erinnerungen auf den einzelnen Moment des sich zu verschaffenden Genußes Rücksicht nimmt. In beiden Fällen wird so manches sich auffinden lassen, was für die Menschheit überhaupt, und für den Einzelnen gleich sehr wichtig ist. 1. Man suche nicht zu früh einen Genuß, der erst mit der völligen Reife der Organisation unsers Körpers verbunden seyn soll. Es ist unglaublich, wie sehr die Natur in der Ausbildung des letztern gehindert wird, wenn Triebe befriedigt werden, die noch lange hätten schlummern sollen. Alles kündigt in ihren Geschöpfen es an, daß das ganze erste Viertheil des Lebens dazu bestimmt seyn soll, den Körper auszubilden, daß erst der ganz Ausgebildete für die Erzeugung neu erwachen soll. So verschieden die Lebensdauer der einzelnen Thiergattungen ist, so sehr stimmen doch alle in diesem Punkte überein; und wenn der Mensch hier gleichsam vor der Zeit reif wird, so wird er es nur dem Scheine nach, er wird es nur auf Unkosten seiner Gesundheit, auf Unkosten der schwächlichen Nachkommen, die ihr, vielleicht elendes, physisches Daseyn einer Stunde der Uebereilung verdanken; und schnell rächt sich an ihm die Natur, die nie ihre Gesetze von einem Zerstörer ungestraft verachten und übertreten läßt. 2. Man sehe einen Mann, oder besser Greis, der schon im fünfzehnten Jahre im Schooße unkeuscher Buhlerinnen das verschwendete, was der reine Gatte dem Ehebette aufspart. Er wird nun in den Jahren durch Familienverhältnisse zu einer Heirath genöthigt. wo man in frühern Zeiten, in einem kraftvollen Zeitalter, erst in dieser Hinsicht eine dunkele Ahnung von dem Geheimnisse des erstem bekam, und er, der entkräftete, erschöpfte, aus Knochen und Haut zusammengesetzte Mann, für jeden Genuß, der ihm im keuschen Ehebette blühen konnte, schon abgestumpft ist. Man sehe eine Gattin, die schon in den Jahren Mutter wird, wo ihre Reize sich erst vollenden, ihre Körperkräfte den höchsten Grad erreichen sollten. Ihr zarter Körper kann nun den Beschwerden der Schwangerschaft nicht die Stirn bieten; er kann den Verlust an Säften, die Anstrengung nicht ertragen, welche mit der Niederkunft vereinigt sind; und so welken die Rosen schon, da sie noch nicht oder kaum der Knospe entblühet sind. Das widrigste Gerippe steht da, wo noch die blühendste Schönheit entzücken könnte wenn die Entwicklung und Befriedigung von Trieben nicht Statt gefunden hätte, welche noch Jahre lang ungestört hätten schlummern sollen. [Fußnote: Sehr richtig bemerkt ein Schriftsteller darüber: »Man hat behaupten wollen, daß es gut wäre, wenn Mädchen frühe Mütter würden. Ihre Bauchmuskeln, Becken. Knochen und Geburtstheile. sagt man sind noch weich, dehnen sich noch leicht aus. ihre Schwangerschaft und Niederkunft muß also minder beschwerlich seyn als bei Erwachsenen. Minder beschwerlich mag sie wohl seyn, aber auch desto gefährlicher, denn die schnellsten und leichtesten Geburten sind gerade die gefährlichsten. Ueberdies ist die leichteste Geburt schmerzhaft genug, um ein Mädchen von 16-18 Jahren Couvulsionen zu bringen, und die Sterbelisten beweisen, daß eben so viel Gebährende mit 16 18, als mit 43-45 Jahren sterben. Diejenigen, welche an den Folgen eines zu frühen Gebährens gestorben sind, kommen hier nicht in die Rechnung, und doch machen sie bei weitem den größten Theil aus. Wenn ferner diese jungen Mütter auch das seltene Glück haben, ihr erstes Kind auf die Welt zu bringen, so sind doch ihre nachfolgenden Schwangerschaften gewöhnlich eine Reihe von Mißfällen, Blutstürzen, und ihre Gesundheit ist selten ohne weißen Fluß. Ihre Geburtstheile werden bei der ersten Schwangerschaft so sehr ausgedehnt, geschwächt und erschlafft, daß sie sich nie wieder in der Folge zusammen ziehen, und eine Frucht durch neun Monate ernähren und austragen können. Wie kann man von einem Mädchen, das seine Kräfte noch zu eignem Wachsthum, zu eigner Ausbildung braucht, wie kann man von so einem Mädchen erwarten, daß sie ohne Nachtheil ein Kind in ihrem Leibe durch neun Monate von diesen Säften ernähren, und durch zwölf Monate oder länger an ihren Brüsten stillen soll? Wie kann man ein gesundes, starkes Kind von einer Mutter erwarten, die selbst noch Kind ist? Andere empfehlen auch wohl frühere Ehen als Vorbauungsmittel gegen Ausartung des Geschlechtstriebes! Ein Vorschlag, der eben so ungereimt ist. als es ungereimt wäre, wenn man einen Selbstmörder umbringen wollte, damit er sich nicht selbst umbrächte.« »Die Blütezeit eines Mädchen fällt in ihr 18 bis 20stes Jahr: in diesem Alter sind alle ihre Reize aufgeblüht, entfaltet, ihr Wuchs ist vollendet, ihr Busen in seiner Reife, ihre Geburtstheile haben sich entwickelt und verlieren nicht so leicht durch den Beischlaf und das Gebähren ihre Muskelkraft; sie hat Stärke genug, den Umarmungen des Mannes mit einem Kind zu lohnen, dem sie ganz Mutter werden kann.«] 3. Man glaubt, daß das erste Erwachen des Zeugungstriebes auch auf die Befriedigung desselben einen Anspruch giebt. Gewiß ist es, daß dieser Schluß richtig wäre, wenn wir ganz im Zustande der Natur lebten; wenn wir durchaus nicht hier auf die Einwirkung so mancher Dinge Rücksicht nehmen müßten, die gleich sehr zu seiner zu frühen Entwicklung, als zu seiner bedeutenden Heftigkeit, beitragen können. Nahrung und Kleidung, Lektüre und üppige Bilder, selbst Beispiel und unbedachte Wortspiele, alles vereinigt sich, diesen Trieb früher zu wecken, als es der Fall seyn würde, wenn statt des erhitzenden Weines einer heißen Zone, reines Wasser: statt fremder Gewürze, die Früchte unserer Gärten; statt der Lektüre schlüpfriger Romane und wollustatmender Gedichte, Arbeitsamkeit und Fleiß da wäre. Daher kommt es, daß das Erwachen dieses Triebes nicht auch den Zeitpunkt anzeigt, wo die Entwickelung des Ganzen seine Endschaft erreicht hat; daher kommt es, daß ihn nach seinem Erwachen gleich zu befriedigen, nichts, als das Uebel, das schon vorhanden ist, mit einem neuen noch vermehren heißt. 4. Sehr wahr sagt ein ziemlich vergessener Schriftsteller über diese Materie [Fußnote: May's (in Heidelberg, vor einigen Jahren) Medizinische Fastenpredigten II. Thl. S. 16, 17.] : »Nicht die erste Erscheinung des männlichen Saamens und Zeugungsvermögens, nicht der hervorkeimende Federbart eines Jünglings, sondern die ganze vollkommene Ausbildung seines ganzen Körpers, die völlige Entwickelung seiner Seelenkräfte waren der Maaßstab, wonach die alten Gesetzgeber die zum Heirathen nöthige Reife bestimmten. Lykurgus verbot den Jünglingen, sich vor dem 37. Jahre zu verehelichen, um aus einem vollkommenen reifen Saamen gesunde und kraftvolle Kinder zu erzielen, welches er für das größte Glück des gemeinen Wesens hielt. - Nichts war nach dem Geheimniß des Cäsars und des Tacitus bei unsern deutschen Voreltern verächtlicher, als wenn ein Jüngling schon im 20sten Jahre in dem Umgange mit dem weiblichen Geschlechte Fortschritte gemacht hatte. Bei ihnen wußte man von unreiner Liebe nichts, und an den ehelichen Früchten sähe man deutliche Spuren der reifen kraftvollen Eltern. - Durch unsere heutige ausgeartete Lebensart erhält freilich der männliche Saame mehr Schärfe [Fußnote: Oder besser, er wird früher abgesondert, und zeigt so auch früher seine Thätigkeit. An Schärfe ist hier nicht zu denken, und ich verstehe nicht, was sich Herr May darunter vorstellt.] , aber nicht deshalb geschwindere Reife. Hierdurch werden zwar die Begattungstriebe voreiliger, als es ehedem bei den deutschen Jünglingen geschah, welche in ihrer Erziehung weniger verzärtelt wurden; allein die volle Mannskraft des reifen Saamens erscheint selten vor dem dreißigsten Jahre, so wie die Seelenkräfte gemeiniglich auch erst in diesen Jahren zur vollkommenen Reife gedeihen [Fußnote: Um fünf Jahre hat sich Herr D. May nun freilich verrechnet In dieser Hinsicht hatte nun aber freilich die Regierung des Breisgau's vor einigen Jahren nicht übel gehandelt, gesetzlich die Heirathen vor dem 25sten Jahr zu verbieten Ueberhaupt aber ist zu hoffen, daß frühreife Ehen jetzt viel seltener werden, da im größten Theile Europa's das Conserptionssystem und Landwehrsystem dies zur natürlichen Folge haben muß, möchte nur auch der frühreife außereheliche Beischlaf seltener werden, der bei unser laxen Moral, durch die großen Armeen u.s.f. desto mehr begünstigt wird!] .« 5. Gesetzt auch, der angeführte Schriftsteller hätte den Termin etwas zu weit hinaus geschoben, den man für die Befriedigung des Zeugungstriebes als schicklich annehmen darf; gesetzt auch, daß man dem Manne schon das 20ste bis 24ste, dem Weibe das 18 bis 22ste Jahr als den frühesten schon sicher anweisen kann; so ergiebt sich doch augenscheinlich daraus: daß die ungemein frühen Ausschweifungen, die sich beide Geschlechter jetzt so sehr gewöhnlich zu Schulden kommen lassen, in jeder Hinsicht gleich sehr ihnen und ihren künftigen Sprößlingen schaden; so wie sich auch sicher annehmen läßt, daß spätere Liebe auch immer, bei völlig entwickelter Mannbarkeit, die einzige ist, von der sich für Gegenwart und Zukunft beseligende Folgen äussern können. Mit Recht singt Bürger von einem solchen: Wem Wollust nie den Nacken bog
Und der Gesundheit Mark entsog.
Dem steht ein stolzes Wort wohl an.
Das Heldenwort: Ich bin ein Mann. Mit Recht wird...



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