E-Book, Deutsch, 316 Seiten, Web PDF
Becker / Reimer Vom Kindergarten bis zur Hochschule
1. Auflage 2009
ISBN: 978-3-531-92105-1
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Die Generierung von ethnischen und sozialen Disparitäten in der Bildungsbiographie
E-Book, Deutsch, 316 Seiten, Web PDF
Reihe: Humanities, Social Science (German Language)
ISBN: 978-3-531-92105-1
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Mit Beiträgen von Birgit Becker, Nicole Biedinger, Jörg Dollmann, Christian Hunkler, Marita Jacob, Irena Kogan, Cornelia Kristen, David Reimer, Tobias Roth, Zerrin Salikutluk, Steffen Schindler, Volker Stocké, Nicole Tieben und Felix Weiss
Zielgruppe
Professional/practitioner
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Etappen in der Bildungsbiographie. Wann und wie entsteht Ungleichheit?.- Etappen in der Bildungsbiographie. Wann und wie entsteht Ungleichheit?.- Beginn des Kindergartens und Übergang in die Grundschule.- Ethnische Unterschiede bei der Kindergartenselektion: Die Wahl von unterschiedlich stark segregierten Kindergärten in deutschen und türkischen Familien.- Frühe ethnische Bildungsungleichheit: Der Einfluss des Kindergartenbesuchs auf die deutsche Sprachfähigkeit und die allgemeine Entwicklung.- Übergang in die Sekundarstufe.- Schulbezogenes Sozialkapital und Schulerfolg der Kinder: Kompetenzvorsprung oder statistische Diskriminierung durch Lehrkräfte?.- Sekundäre Effekte der ethnischen Herkunft: Kinder aus türkischen Familien am ersten Bildungsübergang.- Schulformwechsel in der Sekundarstufe.- Wer nutzt die Durchlässigkeit zwischen verschiedenen Schulformen? Soziale Selektivität bei Schulformwechseln und nachgeholten Schulabschlüssen.- Übergang in die Ausbildung und die Hochschule.- Auf die „richtigen“ Kontakte kommt es an! Soziale Ressourcen und die Bildungsaspirationen der Mütter von Haupt-, Real- und Gesamtschülern in Deutschland.- Ethnische Unterschiede beim Zugang zu Ausbildung und Erwerb von Ausbildungsabschlüssen.- Soziale Ungleichheit und differenzierte Ausbildungsentscheidungen beim Übergang zur Hochschule.- Nachholen von Bildungsabschlüssen.- Soziale Selektivität beim Hochschulzugang – Veränderungen der Zugangssequenzen zur Hochschule im Kohortenvergleich.
(S. 179-180)
1 Einleitung
Bildungsabschlüsse sind in modernen Gesellschaften zu einem wesentlichen Bestimmungsfaktor für die Lebenschancen von Individuen geworden. Verschiedene Bildungswege schaffen ganz unterschiedliche Voraussetzungen für zukünftige Statuspositionen und die damit verknüpften Privilegien wie beispielsweise höheres Einkommen, Prestige oder entsprechende Lebensqualität. Für einen erfolgreichen Übergang in den Arbeitsmarkt stellen Schul- bzw. Ausbildungsabschlüsse entscheidende biographische Weichenstellungen dar. Geringe bzw. fehlende Qualifikationen wirken sich dahingehend aus, dass der Zugang zu einem Großteil der Berufe und die sich daraus ergebenden gesellschaftlichen Positionen verwehrt bleiben.
Ein wichtiger Punkt bei der Erklärung der Unterschiede beim tatsächlichen Erwerb der schulischen und beruflichen Qualifikationen ist das Aspirationsniveau der Jugendlichen bzw. ihrer Familien bezüglich der schulischen und beruflichen Ziele. Der Begriff der Aspiration wird nach Lewin et al. (1944) als Anspruchsniveau, das ein Individuum für sich selbst oder für andere setzen kann, verwendet. Dabei sind Aspirationen keine statischen, sondern dynamischen Konstrukte, die aufgrund von erlebten Erfolgen und Misserfolgen adaptiert werden können.
In Abhängigkeit davon, ob Aspirationen auf Hoffnungen und Zukunftswünschen aufbauen oder sich auf Gedanken und Überlegungen stützen, was im Rahmen des Realisierbaren liegt, spricht man von idealistischen bzw. realistischen Aspirationen. Realistische Aspirationen ergeben sich aus der Berücksichtigung von Restriktionen, die das Erreichen der idealistischen Aspirationen beschränken, womit (fast) immer gilt, dass die idealistischen Aspirationen höher als die realistischen sind (Haller 1968). Bezogen auf Migranten wird berichtet, dass die Bildungsaspirationen in den Migrantenfamilien häufig höher sind als bei den Einheimischen (Brinbaum/Cebolla-Boado 2007; Kao/Tienda 1998; Van de Werfhorst/Van Tubergen 2007).
Als eine mögliche Erklärung wird der überdurchschnittliche Optimismus der Migranten vorgeschlagen (Kao/Tienda 1995). Schließlich ist die Hoffnung auf ein besseres Leben oft das, was diese Personen dazu führt, ihr Heimatland zu verlassen und das Glück in anderen Ländern zu suchen (Vallet 2005). Die Tatsache, dass es der Elterngeneration oftmals nicht gelingt, ihre Träume zu verwirklichen, führt dazu, dass die hohen Aspirationen der Migranten auf ihre Kinder übertragen werden. Alternativ wird argumentiert, dass Migranten häufig nicht ausreichend über das Bildungssystem und dessen Anforderungen in dem neuen Land informiert sind und daher dazu tendieren, die Leistungen und den Fortschritt ihrer Kinder zu überschätzen (Relikowski et al. 2008).




