Becker / Weiß / Klewer | Alpträume in Norwegen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 125 Seiten

Becker / Weiß / Klewer Alpträume in Norwegen


1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-946309-42-0
Verlag: Yellow King Productions
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 125 Seiten

ISBN: 978-3-946309-42-0
Verlag: Yellow King Productions
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Irgendwann in den 1920ern: Paul Anderson, seines Zeichens Privatdetektiv, reist unter der Tarnidentität Rick Fairwell nach Norwegen, um die Ermittlungen an einem obskuren Skiunfall aufzunehmen. Die Zugfahrt endet jedoch in einer Katastrophe, welche zahllose Menschenleben fordert und so nimmt das Unglück seinen Lauf. Zusammen mit der jungen Italienerin Matilde Visconti, die er unterwegs kennengelernt hat, gerät er immer weiter in ein undurchsichtiges Netz aus okkulten Andeutungen. Während Andersons Psyche unter der Belastung zunehmend bricht und den darunter schwelenden Wahnsinn freisetzt, holen ihn schließlich die Sünden seiner Vergangenheit ein. Max P. Beckers Erstlingswerk Alpträume in Norwegen ist ein rätselhafter Roman der düsteren Phantastik, welcher die Leser Stück für Stück der Realität entzieht, bis Mythen und Trauma miteinander verschmelzen und sich der Horror Stephen Kings mit David Lynchs fragmentarischem Erzählstil zu einem stimmigen Ganzen vereinigt. Die Identitäten der Protagonisten sind gesprungene Masken, die Wirklichkeit ein formbares Konstrukt: ihr Schicksal eine unentrinnbare Tragödie.

Geboren in Duisburg im kalten Januar 1996, verpflichtete Max P. Becker sich schnell dem Abgründigen von H.P. Lovecraft über Stephen King zu David Lynch. Sein Leitmotiv ist das Kreisverhältnis zwischen Verstand und Wahnsinn, Schicksal und Zufall, Realität und Fiktion. Seine Romane spielen üblicherweise in der örtlichen wie zeitlichen Ferne und bewegen sich im Horror- und Thriller-Bereich.
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Zielgruppe


Für Fans von Stephen King, Hp.P. Lovecraft und David Lynch aber auch alle anderen die sich für Psycho-Thriller, Horror und dunkle Phantastik interessieren.

Weitere Infos & Material


2. Kapitel: Rick


Der beißende Geruch von Erbrochenem reißt mich aus dem Schlaf. Meine Augen brennen in ihren Höhlen; im Sichtfeld tanzen purpurne Flecken. Ich habe vergessen, die Vorhänge zu schließen. Mein Körper, nicht länger gefühllos, hat heute Morgen endlich begriffen, dass eine Hetzjagd durch den Zug die Muskeln strapaziert. Alles schmerzt. Überhaupt am Leben zu sein, ist ein beunruhigendes Gefühl. Weitaus erschreckender erscheint mir jedoch, nicht mehr zu wissen, warum.

Zufrieden stelle ich fest, dass Hasans und mein Gepäck vom bärtigen Fahrer ins Zimmer gebracht worden ist. Ich mutmaße, dass es so ausgemacht war. Ich krame nach meiner Sonnenbrille, setze sie auf, öffne das Fenster und lasse frische Luft herein.

Ich nehme die Cognacflasche vom Tablett und wiege sie in meiner Hand; sie klebt. Ich schäme mich für meinen Blackout (), und prompt verstärken sich meine Kopfschmerzen. Die Flasche entgleitet mir und poltert zu Boden.

Schwerfällig, als hätte ich eine der bemerkenswertesten Denkaufgaben meines Lebens gelöst, setze ich mich auf die Bettkante.

„Matilde …“ Ich habe keine Kontrolle über meinen Körper, der sich anfühlt, als werde er durch Zementblöcke ans Bett gefesselt. Ich weiß nicht, wie lange ich dort sitze. Aber es muss eine ganze Weile sein; gelegentlich vernehme ich auf dem Flur Stimmen von Hotelgästen, die zum Frühstück eilen. Irgendwie schaffe ich es, ins Bad zu wanken. Meine Finger tasten nach dem Spiegelbild und machen mir die Unzulänglichkeit der Wirklichkeit bewusst. Was ist real? Fragmente meiner Träume schneiden sich in meine Erinnerungen. Namen, Zahlen, Worte, Gedanken fließen … mir wird zum ersten Mal vollends bewusst, wie fragil das alles ist. Wie konstruiert.

„Ich bin sicher, dass etwas auf uns zukommt“, hat Matilde gesagt. Ich glaube ihr; eine Stimme in meinem Inneren aber widerspricht:

Auf dem Weg zum Frühstück entfährt mir ein hysterisches Lachen.

Im Frühstücksraum angekommen nehme ich mir gedankenverloren einen Zimtkringel aus einem Korb und mache mich heißhungrig über das Buffet her. Nervennahrung! Trotz meiner Anwandlung von Heiterkeit denke ich immerzu an die junge Italienerin … und an das, was uns bevorstehen könnte.

Ich kehre mit vollbeladenem Teller zu einem der freien Tische zurück, und während einer der Kellner vorbeieilt, schnipse ich mit dem Finger.

„Guten Morgen, min herre, mein Name ist Torben, was …“

„Entschuldigen Sie“, unterbreche ich ihn. „Haben Sie vielleicht ein Hausmittel gegen Kopfschmerzen? Es war eine lange Nacht …“ Ich zwinkere ihm mehrdeutig zu, und sein Gesichtsausdruck verrät mir, dass er zumindest seine eigene Vorstellung davon hat, was ich meine.

„Selbstredend. Ich bringe Ihnen gleich die Tabletten und ein Glas Was- …“

Ich hebe abwehrend die Hand und nehme zur Kenntnis, dass sie von kaltem Schweiß überzogen ist. Wenigstens zittert sie nicht! „Könnten Sie mir …“ Ein verschmitzter Ausdruck huscht über mein Gesicht.

„Wodka, Whiskey, Gin?“, fragt der Kellner, ohne mich ausreden zu lassen. „Branntwein, Cognac, Rum? Oder hochprozentigen Selbstgebrannten? Gar einen Absinth? Womit darf ich dienen, Mr. Fairwell?“

Am Rande bemerke ich, dass er meinen Namen kennt. Und ist da etwas Verächtliches in seiner Stimme?

Statt Verwunderung auszudrücken, bilden meine Lippen nur die Worte: „Einen Cognac … bitte!“

Torben nickt: „Sehr wohl, min herre“, und macht sich daran, meinen Wunsch zu erfüllen. Mir kommt in den Sinn, die Lodge sei ein Ort, an dem jeder Wunsch wahr wird. Ich lehne mich zurück und reibe mir die Schläfen. Durch die getönten Gläser meiner Sonnenbrille erkenne ich, wie weitere Gäste den Saal betreten.

Ich muss aufpassen, nicht aus meiner Rolle zu fallen. Dafür benötige ich keine Bühne.

*

Sie zog sich einen ihrer Jagdanzüge an, der sie sehr maskulin wirken ließ. Der Riss in ihrem Inneren knirschte, und da war die Kluft, die ihre Faust ins Spiegelbild gerissen hatte. Sie schwebte nach unten, hörte schon von weitem die Stimmen. Im Frühstückssaal erschienen ihr die Geräusche ihrer Umgebung viel zu laut. Sie wünschte sich Stille, Einsamkeit, wäre am liebsten geflohen. Stattdessen holte sie sich dunkles Brot (, notierte sie) und Butter vom Buffet.

Sie bemerkte Rick. Sein Gesicht war bleicher als sonst, eingefallen, krank.

, dachte sie, während sie sich an einen freien Tisch setzte. Irgendwie drängte es sie zu ihm, und zweifellos erwartete er, dass sie ihm Gesellschaft leistete. Sie traute sich nicht, weil sie nicht wusste, wie er über die vergangene Nacht dachte. Außerdem hatte sie es sich fest vorgenommen.

Kaum begann Matilde zu essen, da beobachtete sie, wie Rick sich mit Verschwörermiene an einen Kellner wandte, woraufhin dieser mit einem beflissenen Nicken davoneilte. Wohl ahnend, um was es ging, sah sie ihn vor ihrem geistigen Auge erneut außer Kontrolle geraten. Ohne zu registrieren, was sie tat, verließ sie ihren Platz und stapfte zu ihm hinüber. Mit einer Stimme, die nichts Gutes verhieß, zischte sie: „Buongiorno“, und zum Kellner, der eben noch eine Bestellung an einem der anderen Tische entgegennahm, sagte sie: „Mr. Fairwell hat sich anders entschieden! Er hätte gerne ein Glas kühles Wasser.“

Rick starrte sie fassungslos an. „Matilde“ Seine Stimme klang hohl. Ihm schien plötzlich einzufallen, dass er aufstehen könnte, um ihr einen Platz anzubieten. Sogar ein unbeschwertes Lächeln krampfte sich um seine Lippen, wie ein Wurm, der seinen Kopf aus einem Kadaver reckte. „Setz dich zu mir! Bitte.“ Mit seiner Hand deutete er auf einen Stuhl. „Hast du dich von der Reise erholen können?“

Matilde legte den Kopf schief. Hatte er etwa die vorangegangene Nacht vergessen? „Ich glaube, ein Cognac um halb Neun ist keine gute Idee, meinst du nicht?“ Wie immer stierte er wahrscheinlich einen Deut an ihrem Blick vorbei und glaubte, sie denke bei seiner Sonnenbrille nicht daran!

In diesem Moment trat auch schon der Kellner an den Tisch: „Ein Wasser, min herre?“ Vielleicht hielt er ihren Auftritt für einen Scherz oder einen Ehekrach. , dachte sie. „Die Dame hat recht. Achten Sie auf Ihre Gesundheit. Ich wünsche einen guten Appetit und einen angenehmen Aufenthalt in der Juvasshytta Lodge.“ Er ging mit einem vieldeutigen Lächeln.

Hinter Ricks Rücken betraten Ragnar und Olaf den Gastraum der Lodge. Matilde beobachtete, wie sie gleichzeitig die Hand hoben. Diesmal grinste Ragnar nicht, sondern erweckte einen todernsten Eindruck. Plötzlich stand die Zeit still, all das Raunen der Menschen verstummte, und einzig seine Stimme drang zu ihrem Ohr vor: „… dort treffe ich dann all jene Menschen meiner Ahnenreihe. Von Beginn an. Sie rufen bereits nach mir. Sie bitten mich, meinen Platz zwischen ihnen einzunehmen. Hinter den Toren von Walhalla, wo die tapferen Männer für alle Ewigkeit … leben.“

Rick reagierte nicht. Er schien Ragnars Worte nicht gehört zu haben. Die Szene wirkte surreal. Auf einmal drehten sich die beiden Männer um und verschwanden ohne ein weiteres Wort. Torben brachte das Glas Wasser.

fragte sie sich.

„Rick“, flüsterte sie und rüttelte ihn sanft am Arm. „Zwei Männer warten auf mich, ich habe sie gestern nach den Befragungen angeheuert, weil sie mir helfen sollen. Sie helfen mir, Hans zu bestatten … bei einem Gletscher. Ich habe es ihm versprochen.“ Matilde war sich nicht mehr sicher. Es spielte keine Rolle. „Aber bevor ich gehe …“ Sie senkte den Blick. „Du solltest wissen, dass du heute Nacht bei mir warst, völlig betrunken. Du hast mich mit deinem Revolver bedroht … Ich hoffe, du erinnerst dich. Deswegen dachte ich, es wäre besser … du würdest jetzt nichts trinken. Aber weißt du was?“ Rick nahm einen Schluck aus dem Glas und schluckte die Tabletten, die daneben auf dem Tisch lagen. Die Sonnenbrille verhinderte, dass sie einschätzen konnte, welche Gefühle er ihr gegenüber in diesem Moment hegte. „Kein Mensch hat das Recht, jemand anderem vorzuschreiben, wie er sein Leben führen sollte. Ich … ich weiß, was von mir verlangt wird. Ich muss es tun. Dann werden …“ Sie fing an, leicht zu zittern. „… dann werden auch die Stimmen in meinem Kopf beerdigt sein.“

„Ich? Ich soll in Zimmer gewesen sein?“ Rick überging den zweiten Teil ihrer Rede einfach. „Ich weiß nicht, Matilde … bist du sicher, dass du das nicht bloß geträumt hast? Ich habe dich letzte Nacht schreien gehört,...


Becker, Max P.
Geboren in Duisburg im kalten Januar 1996, verpflichtete Max P. Becker sich schnell dem Abgründigen – von H.P. Lovecraft über Stephen King zu David Lynch. Sein Leitmotiv ist das Kreisverhältnis zwischen Verstand und Wahnsinn, Schicksal und Zufall, Realität und Fiktion. Seine Romane spielen üblicherweise in der örtlichen wie zeitlichen Ferne und bewegen sich im Horror- und Thriller-Bereich.



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