Beckett | Zurück in deine starken Arme | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 130 Seiten

Reihe: Digital Edition

Beckett Zurück in deine starken Arme


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7515-0674-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 130 Seiten

Reihe: Digital Edition

ISBN: 978-3-7515-0674-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ausgerechnet ihr Ex! Tracy hat Jahre gebraucht, um über die Trennung von Dr. Ben Almeida hinwegzukommen. Doch nur er kann ihr jetzt im Kampf gegen eine gefährliche Epidemie im Dschungel helfen. Wenn es bloß nicht immer noch so sinnlich zwischen ihnen knistern würde!

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1. KAPITEL

Tracy Hinton fiel nicht in Ohnmacht.

Zwar drehte sich ihr fast der Magen um, als ihr der Todesgeruch in die Nase stieg, aber sie riss sich zusammen.

Als Schutz legte sie eine Gesichtsmaske an. „Wie viele sind es?“

„Sechs Tote bisher, aber der größte Teil des Dorfes ist betroffen.“ Pedro, einer der Mitarbeiter ihrer mobilen Klinik, zeigte auf das schlichte Backsteinhaus links von ihm, wo eine gespenstisch reglose Gestalt zusammengekrümmt auf der Veranda lag. Ein paar Meter weiter sah man noch eine Leiche auf dem Erdboden. „Sie sind schon seit einigen Tagen tot. Was immer es gewesen ist, es hat sie schnell erwischt. Sie haben noch nicht mal versucht, ein Krankenhaus zu erreichen.“

„Wahrscheinlich waren sie zu schwach dafür. Außerdem ist das nächste Krankenhaus dreißig Kilometer entfernt.“

Piauí, einer der ärmsten Bundesstaaten Brasiliens, war anfälliger für verheerende Infektionskrankheiten als die wohlhabenderen Regionen. Vielen Bewohnern dieser abgelegenen Dörfer standen als Transportmittel lediglich Fahrräder oder ihre eigenen Beine zur Verfügung. Ein dreißig Kilometer langer Marsch war selbst für junge und gesunde Leute hart, und Autos stellten einen Luxus dar, den sich kaum jemand leisten konnte.

Erst nachdem Tracy die Leichen untersucht und ein paar Proben entnommen hätte, wäre sie dazu imstande gewesen, die Ursache für diese Todesfälle festzustellen. Das nächste diagnostische Krankenhaus lag fast hundertsiebzig Kilometer weit entfernt. Auf jeden Fall musste sie einen Bericht über eine mögliche Epidemie an die zuständigen Behörden schicken.

Und das bedeutete, sie würde es mit Ben zu tun haben.

Kopfschüttelnd fragte Pedro: „Glaubst du, dass es das Denguefieber ist?“

„Nein, diesmal nicht. Der Mann da drüben hat ein bisschen Blut auf seinem Hemd, aber ansonsten kann ich aus dieser Entfernung nichts weiter erkennen.“ Sie schaute hinüber zu dem grob gezimmerten Pferch, wo mehrere Schweine sich kreischend über den Futtermangel beschwerten. „Ich denke eher an eine Lepto.“

Pedro zog die Brauen zusammen. „Leptospirose? Aber die Regenzeit ist doch schon vorbei.“

Die dürren Zweige und der harte Lehmboden rund um das Haus bestätigten seine Aussage. Die glühende Hitze, die jede Luftfeuchtigkeit verdampfen ließ, war so drückend, dass sie Tracys Übelkeit noch verstärkte. Durch die Nähe zum Äquator sanken die Temperaturen in diesem Teil Brasiliens während der Trockenzeit nur selten unter achtunddreißig Grad. Die tödliche Hitze würde immer schlimmer werden, bis schließlich der Regen zurückkam.

„Sie haben Schweine.“ Mit dem Unterarm schob Tracy ihre feuchten Haarsträhnen aus der Stirn.

„Ja, aber Lepto verursacht normalerweise keine Blutungen.“

„In Bahia schon.“

Pedro hob die Brauen. „Du glaubst, es handelt sich um die Lungenvariante?“

„Vielleicht.“

„Willst du Proben nehmen oder erst mal zu einem der anderen Häuser gehen?“

Sie zog ihr Handy aus der Gesäßtasche ihrer Jeans. Kein Empfang. „Funktioniert dein Handy?“

„Nein.“

Sie seufzte. „Dann müssen die Gewebeproben warten, bis wir zurückkommen. Ich möchte nicht riskieren, dass wir womöglich lebende Patienten infizieren. Und vielleicht kommen wir ja auch in Reichweite eines Mobilfunkmasts, sobald wir höhergelegenes Terrain erreichen.“

Benjamin Almeida drückte sein Auge an das Objektiv des Mikroskops und drehte an der Feineinstellung, bis das Bild scharf wurde und der rosafarbene Fleck deutlich zu sehen war. Gramnegative Bakterien. Er nahm den Objektträger heraus, ließ ihn durch das Digital-Mikroskop laufen und notierte die Ergebnisse.

„Ben?“, erklang plötzlich die zögernde Stimme seiner Assistentin von der Tür her.

Er hielt einen Finger hoch, während er auf das Computersignal wartete, dass der Bericht an den behandelnden Arzt im Tropeninstitut von Piauí gesendet worden war. Dessen Dienstzimmer befand sich zwar nur wenige Schritte entfernt im Hauptgebäude des Krankenhauses, aber Ben hatte keine Zeit, selbst hinzugehen. Er zog die Latexhandschuhe aus, warf sie in den Mülleimer und desinfizierte seine Hände.

„Ja, was gibt’s?“ Er blickte auf. Allmählich machte sich die Zwölf-Stunden-Schicht bemerkbar. Doch er musste noch zwei weitere Objektträger bearbeiten, bevor er für heute Schluss machen konnte.

„Hier ist jemand, der Sie sprechen möchte.“ Mandy trat von der Tür zurück. Der entschuldigende Tonfall in ihrer Stimme war nicht zu überhören.

„Wenn es Dr. Mendosa ist, sag ihm, ich habe ihm den Bericht gerade gemailt. Es ist eine bakterielle Infektion, kein Parasit.“

Da erschien eine Frau neben Mandy, und Ben stockte unwillkürlich der Atem. Ein Schock durchzuckte ihn. Glücklicherweise saß er noch auf seinem Hocker.

Tiefschwarzes Haar, wie immer mit einer Spange zusammengehalten, hohe Wangenknochen und ein langer, schlanker Hals. Die grünen Augen, in denen ein besorgter Ausdruck lag, begegneten seinem Blick offen und direkt. Sie reckte das Kinn noch etwas höher, während sie einander ansahen.

Was, zum Teufel, macht sie denn hier?

Die Frau rückte den Riemen einer blauen Isoliertasche an ihrer Schulter zurecht und trat einen Schritt auf ihn zu. „Ben, ich brauche deine Hilfe.“

Sein Kiefer war angespannt. Fast genau dieselben Worte hatte sie vor vier Jahren zu ihm gesagt. Kurz bevor sie ihn verlassen hatte. Er schluckte rasch, in der Hoffnung, dass seine Stimme seine Gedanken nicht verraten würde. „Wobei?“

„Irgendwas passiert gerade in São João dos Rios.“ Sie klopfte auf ihre Tasche, und ihre Worte überschlugen sich. „Ich habe Proben mitgebracht, die du dringend analysieren musst. Je früher, desto besser. Ich muss unbedingt wissen, warum die Leute dort plötzlich …“

„Langsam. Ich habe keine Ahnung, wovon du sprichst.“

Tracy biss sich auf die Lippen. „Es gibt eine Epidemie in São João dos Rios. Bisher sind sechs Leute gestorben. Die Militärpolizei ist schon unterwegs, um das Dorf abzusperren.“ Sie streckte die Hand aus. „Ich wäre nicht gekommen, wenn es nicht wirklich wichtig wäre.“

Ben wusste, dass das stimmte. Als er sie das letzte Mal gesehen hatte, hatte sie das Haus verlassen, um nie wieder zurückzukehren.

Eigentlich hätte es ihn nicht überraschen sollen, dass sie noch immer das Land durchstreifte, um Infektionsherde zu bekämpfen. Nichts hatte sie jemals davon abhalten können. Weder er noch der Gedanke an ein Zuhause und eine Familie. Nicht einmal das neue Leben, das sie in sich getragen hatte.

Wider besseres Wissen streifte er ein frisches Paar Handschuhe über. „Brauche ich eine Atemschutzmaske?“

„Ich glaube nicht. Wir haben OP-Gesichtsmasken benutzt, um die Proben zu entnehmen.“

Ben nickte, zog eine Gesichtsmaske über und reichte auch Tracy eine. Er war froh, dass die Maske die weichen roséfarbenen Lippen verbergen würde, die er so gern geküsst hatte. Er hob den Blick und schalt sich dafür, dass ihre strahlend grünen Augen noch immer die Macht besaßen, seinen Herzschlag zu beschleunigen.

Dann räusperte er sich. „Irgendwelche Symptome?“

„Die Gemeinsamkeit scheint eine Lungenblutung zu sein, vielleicht aufgrund einer Lungenentzündung.“ Sie gab ihm die Tasche. „Leider wurden die Toten bereits eingeäschert.“

„Ohne Autopsie?“ Ben beschlich ein ungutes Gefühl.

„Das Militär hat mir erlaubt, einige Proben zu entnehmen, bevor die Leichen weggeschafft wurden. Die Regierungsbeamten haben auch Proben genommen, um ihre eigene Analyse durchzuführen. Ich muss dokumentieren, dass ich alles zerstört habe, nachdem du mit deiner Arbeit fertig bist.“ Tracy senkte die Stimme. „In deinem Wartezimmer steht ein Wachposten, der dafür sorgen soll, dass der Befehl ausgeführt wird. Bitte, hilf mir bei dieser Sache. Du bist der beste Epidemiologe hier in der Gegend.“

Als er einen Blick zur Tür warf, sah er den bewaffneten Beamten der Polícia Militar, der in dem anderen Raum an der Wand lehnte. „Das war früher mal nicht das, was du an mir am meisten geschätzt hast.“

Wieder biss sie sich auf die Lippen. „Weil du deinen Job als Waffe gegen mich eingesetzt hast.“

Sie hatte recht, aber nicht einmal davon hatte sie sich zurückhalten lassen.

Bens Assistentin, die sie von der Tür her beobachtete, kam herein, zog sich ebenfalls eine Gesichtsmaske über und stellte sich neben ihn. Nervös schaute sie zu dem Wachposten hinüber.

„Lässt er uns hier wieder weg?“, fragte sie auf Portugiesisch.

Tracy wechselte von Englisch in die Landessprache. „Falls sich herausstellt, dass es sich um eine gewöhnliche Lungenentzündung handelt, wird das kein Problem sein.“

„Und wenn nicht?“

Ben presste den Mund zusammen bei dem Gedanken, zusammen mit Tracy für unbestimmte Zeit in seinem Labor eingesperrt zu sein. „Wenn nicht, werden wir wohl eine Weile hierbleiben müssen.“ Er ging zur Tür, um mit dem Wachposten zu sprechen. „Wir haben die Gewebeproben noch nicht geöffnet. Meine Assistentin hat eine Familie, und ich möchte, dass sie nach Hause gehen kann, bevor wir anfangen.“

Aus genau diesem Grund hatte er darauf bestanden, dass sein Arbeitsbereich getrennt vom Hauptgebäude untergebracht war. Dieses Nebengebäude war klein genug, um das Ganze im Fall einer durch Tröpfcheninfektion übertragenen Epidemie abschotten zu können....



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