E-Book, Deutsch, 414 Seiten
Becnel Das Leuchten der Pfefferblüten
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-96148-171-2
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman: Eine abenteuerliche Liebesgeschichte auf einer traumhaften Insel im 19. Jahrhundert!
E-Book, Deutsch, 414 Seiten
ISBN: 978-3-96148-171-2
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Rexanne Becnel ist gefeierte Autorin zahlreicher historischer Liebesromane. Während mehrerer Aufenthalte in Deutschland und England in ihrer Jugend begeisterte sie sich so sehr für mittelalterliche Geschichte, dass sie Architektur studierte und sich für den Denkmalschutz mittelalterlicher Gebäude einsetzt. In ihren Bestseller-Romanen haucht sie der Geschichte auf ganz andere Art neues Leben ein. Sie lebt glücklich verheiratet in New Orleans. Bei dotbooks erscheinen Rexanne Becnels Romane »Das Herz der Lady«, »Die Sehnsucht des Lords«, »Das Verlangen des Ritters« (auch als Sammelband erschienen), »Das Herz des Lords«, »Der Pirat und die Lady«, »Das wilde Herz des Ritters«, »Die Töchter von Sparrow Hill«, »In den Armen des Edelmanns«, »Rosecliff - Der Ritter und die zarte Lady«, »Rosecliff - Der Ritter und die schöne Rächerin« und »Rosecliff - Die Ritter und die stolze Geisel«. Bei dotbooks erscheint außerdem der Sammelband »Gefangen«, der die drei Teile der Rosecliff-Saga in einem eBook vereint.
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Kapitel eins
London, England, 1844
Das offizielle Speisezimmer von Diamond Hall war der Raum in der Londoner Residenz ihrer Eltern, den Eliza am wenigsten mochte. Er war zu höhlenartig, zu überladen. Und an diesem besonderen Abend war der Raum trotz der vielen guten Wünsche, die man ihr entgegenbrachte, viel zu übervölkert.
Auf der anderen Seite der polierten Mahagonitafel mit dem funkelnden Arrangement aus kostbarem Silber, Kristall und Porzellan sah sie, wie ihr Vater verstohlen Michael anschubste, und einen Moment später erhob sich der jüngere Mann gehorsam. Alle Augen wandten sich ihm erwartungsvoll zu. Und warum auch nicht? Michael Geoffrey Johnstone, einziger Erbe des Earl of Marley und selbst Viscount Cregmore, hatte eine natürliche Ausstrahlung, die ihm Aufmerksamkeit sicherte, wohin er auch ging. Unterstützt wurde sein Auftreten noch durch die breiten Schultern, die goldblonden Haare und ein Profil, das Eliza an die zahlreichen griechischen Statuen erinnerte, die sie studiert hatte. Jedermann hörte zu, wenn er sprach. Ihr Vater zitierte ihr gegenüber ständig Michaels Ansichten zu irgendwelchen Themen. Ihr jüngster Bruder Perry ahmte die Art nach, wie Michael seine Haare kämmte und seine Krawatte band, während ihr ältester Bruder LeClere sowohl seinen Gang als auch seine Art zu sprechen imitierte. Das hätte für ein junges Mädchen ausgereicht, um Kopfschmerzen vorzutäuschen und sich in ihr Zimmer zurückzuziehen. Nur konnte sie das heute abend nicht tun. Es war ihr Geburtstag. Alle waren gekommen, um mit ihr zu feiern, und sie mußte erfreut wirken.
»Auf Miss Eliza Victorine Thoroughgood ...«
»Die bald Lady Cregmore sein wird«, warf LeClere von seinem Platz weiter unten an der Tafel ein.
»Genau«, fügte Perry hinzu. »Meine große Schwester soll mich nicht länger herumkommandieren. Statt dessen soll sie lieber Sie herumkommandieren«, meinte er und lachte Michael an.
Michael zwinkerte Perry zu, und ein Lächeln spielte um seine sinnlichen Lippen. Er bewegte sich geschickt auf gesellschaftlichem Parkett, und so wartete er, bis das leise Lachen der Gäste verebbt war, bevor er fortfuhr. »Auf meine liebste Eliza anläßlich ihres neunzehnten Geburtstags. Herzlichen Glückwunsch!«
Er hob sein mit einem Goldrand verziertes Weinglas und trank es aus. Dann lächelte er sie direkt an. »Nächstes Jahr werde ich versuchen, ein ebenso vergnügtes Fest zu Ihrem zwanzigsten Geburtstag auszurichten, Eliza. Aber dann wird es in Ihrem Haus stattfinden.« Er ließ seinen klaren Blick über die Gästeschar gleiten. »Sie sind alle herzlich dazu eingeladen.«
Elizas Kopfschmerzen waren vorher schon schlimm genug gewesen. Die Erwähnung ihrer Hochzeit mit einem der begehrtesten und bestaussehenden Junggesellen im gesamten britischen Königreich verursachte ein schlimmes Hämmern in ihren Schläfen. In dem nun folgenden Trubel – noch mehr Trinksprüche, die Schar der Diener, die die Gläser erneut mit Champagner füllte, und die zahlreichen Stimmen, die mit zunehmendem Alkoholgenuß immer ausgelassener wurden – geriet Eliza beinahe in Panik. In ihrem Kopf hämmerte es und ihr Atem ging stockend. Trotz ihrer guten Gesundheit in der letzten Zeit fürchtete sie, jeden Moment einen ihrer Anfälle zu bekommen. Sie warf ihrer Mutter einen verzweifelten Blick zu.
Trotz der Entfernung über die schier endlos lange Tafel verstand Constance Thoroughgood den Ausdruck auf dem Gesicht ihrer Tochter. Ohne ihr anmutiges und heiteres Lächeln zu verlieren, gab sie dem Majordomus ein Zeichen, und als dieser läutete, stand sie auf. »Ich glaube, die Damen werden sich für ein paar Minuten zurückziehen. Mr. Thoroughgood?«
Gerald Thoroughgood trank den Rest seines Champagners und stand dann ebenfalls auf, während er sich den Mund mit seiner bestickten Leinenserviette abtupfte. »Sehr gut, meine Liebe. Meine Herren, lassen Sie uns in den Rauchsalon hinübergehen. Ich habe ein paar sehr gute Zigarren von den Westindischen Inseln.«
Wenn Eliza sich auch vorher über Perry geärgert hatte, so war sie doch außerordentlich dankbar, daß er es war, der ihr von ihrem Stuhl aufhalf, und nicht Michael. Sie fürchtete, wenn der perfekte Michael Johnstone ihren Arm genommen hätte, hätte ihre Lunge ihre kläglichen Möglichkeiten überschritten, und sie wäre auf der Stelle erstickt.
Weshalb hatten ihre Eltern nur darauf bestanden, sie mit einem solchen Mustermann zu vermählen? Ja, oberflächlich betrachtet, paßten sie beide gut zusammen aufgrund ihrer sozialen Stellung und ihres Reichtums. Aber er sah unglaublich gut aus, umwerfend gut. Und auch wenn sie recht attraktiv war – zumindest hatten das ihre früheren Verehrer geschworen –, so reichte sie doch kaum an Michaels Standard heran. Zudem war er klug, geistreich und jeder gesellschaftlichen Herausforderung gewachsen. Egal in welcher Situation – auf der Jagd, im Spielzimmer, bei der Verwaltung des Familienbesitzes oder bei einer Sitzung im Oberhaus –, Michael beherrschte jedes Feld. Sie wußte das, weil ihre Eltern und Brüder – und jeder Verwandte – sie ständig darauf hinwiesen.
Im Gegensatz dazu war sie eine scheue und in sich zurückgezogene kleine Maus. Sie war zufrieden damit, zu lesen oder zu sticken. Sie fiel nicht auf, war nicht einmal amüsant. Ihre Cousine Jessica Haberton entsprach diesen Vorstellungen viel eher als sie. Weshalb Michael ihr den Hof machte und nicht Jessica, würde sie niemals verstehen.
Zunächst war sie natürlich geschmeichelt gewesen, als er ihr seine Aufmerksamkeit zugewandt hatte. Während der Saison hatte er jedes Fest besucht, das sie besuchte, und so oft mit ihr getanzt, wie noch schicklich war. Er hatte sie zumindest einmal pro Woche aufgesucht und ihr sorgfältig ausgewählte Geschenke mitgebracht, darunter einen emaillierten Fingerhut, ein graviertes Nadeletui und ein Nadelkissen, das mit winzigen Muscheln verziert war. An diesem Punkt, als seine Absicht deutlich wurde, hatte ihre Panik begonnen. Wenn sie Michael heiratete, würde sie seine verschiedenen Häuser führen müssen, seine zahlreichen Freunde und Geschäftspartner unterhalten und im Prinzip dieselbe Rolle in seinem Leben ausfüllen müssen, die ihre Mutter für ihren Vater spielte. Nur in größerem Rahmen.
Eliza war stolz auf ihr Zuhause und verschönerte es gerne, aber sie war keine gute Unterhalterin. Ihre Mutter hingegen schon. Sie zog Menschen mühelos an und besaß das Talent, daß sich in ihrer Gegenwart jeder wohl fühlte. Aber Eliza wußte, daß sie selbst das nicht konnte. Sie hatte nicht einmal eine Ahnung, wie sie das anstellen könnte.
Und außerdem war sie auch noch krank. Ihr ganzes Leben hatte sie gekränkelt.
Oh, warum mußte sie Michael heiraten? Warum mußte sie überhaupt jemanden heiraten? Sie würde viel lieber zu Hause bleiben, wenigstens noch ein paar Jahre.
»Ist alles in Ordnung, mein Liebes?« fragte ihre Mutter, während sie Elizas Arm nahm und sie zum Salon führte. »Kannst du richtig atmen?«
»Wenn ich nur eine Minute allein sein könnte«, murmelte Eliza, und ihre Stimme klang zittrig und dünn.
Ohne weiteren Kommentar führte ihre Mutter sie in das Schlafzimmer, das für Eliza in diesem Geschoß des riesigen Hauses eingerichtet worden war. Sie spürten, daß sie noch nicht kräftig genug war, um regelmäßig die Treppe hinaufzugehen. Zu anstrengend für ihre Lunge, sagten sie. Es könnte einen ihrer Anfälle von Kurzatmigkeit verursachen, warnten sie. Aber Eliza würde lieber die Mühe des Treppensteigens auf sich nehmen als die Unbilden, Michael zu heiraten.
»Clothilde, würdest du bitte ein Dampfzelt vorbereiten?« sagte Constance, nachdem sie die Türen hinter sich geschlossen hatten. »Wenn ich einfach nur ihr Kleid öffne und ihre Handgelenke und ihren Hals bade. Schnell. Wir haben nur ein paar Minuten.«
Constance Thoroughgood sah ihre Tochter mit sanften braunen Augen an. »Eliza, du darfst dich nicht so aufregen. Es ist doch nur eine Geburtstagsparty.«
»Ja, Mama«, antwortete Eliza gehorsam. Aber sie lehnte ihren Kopf zurück an die goldverzierte Couch und schloß die Augen. »Ich versuche es«, fügte sie hinzu, und ihre Stimme wurde noch schwächer.
Die gewünschte Wirkung trat ein. Ihre Mutter legte ihre Finger auf Elizas Handgelenk und zählte still die Herzschläge ihrer Tochter. »Kannst du jetzt besser atmen? Langsam. Und zähle deine Atemzüge, wie Dr. Smalley es geraten hat. Beruhige dich. Es ist nur eine Geburtstagsfeier«, wiederholte sie, aber dieses Mal klang sie nicht so überzeugend.
Eliza nutzte die Gelegenheit. »Ich weiß, daß es nur ein Fest ist. Aber Michael ... die Hochzeit ... oh, Mama, bitte sprich noch einmal mit Papa.« Eliza öffnete die Augen und sah ihre Mutter flehend an. »Bitte sag, daß du versuchen willst, ihn umzustimmen.«
Nach einem Moment runzelte Constance die Stirn. »Laß uns allein, Clothilde.« Nachdem das Mädchen gegangen war, ergriff Constanze Elizas Hände. »Es ist deine Pflicht zu heiraten. Du weißt das. Dein Vater hat sich große Mühe gemacht, jemanden zu finden, der so gut ist wie Michael. Sanft und gebildet. Jemand, dessen Stammbaum durch unsere finanziellen Mittel ergänzt wird.«
»Ja, Michael ist sicher in jeder Hinsicht perfekt«, gab Eliza bitter zu.
»Ich verstehe dich nicht, meine Tochter. Du benimmst dich, als sei das ein Makel.«
Eliza stützte sich auf den crème- und goldfarbenen Kissen des Ruhesofas auf und schwang ihre Beine herum, so daß ihre Füße auf dem antiken Aubusson-Teppich standen. »Er ist perfekt und ich ... ich bin im Vergleich dazu jämmerlich.«
»Eliza! Das stimmt einfach nicht. Du bist reizend. Jeder Mann wäre glücklich, dich zu heiraten.«
Sie lächelte ihre Mutter...




