Beerbühl / Illner / Frambach | Friedrich Engels | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 432 Seiten

Beerbühl / Illner / Frambach Friedrich Engels

Das rot-schwarze Chamäleon
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-534-27299-0
Verlag: wbg Academic in Herder
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Das rot-schwarze Chamäleon

E-Book, Deutsch, 432 Seiten

ISBN: 978-3-534-27299-0
Verlag: wbg Academic in Herder
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das Lebenswerk eines revolutionären Denkers, interdisziplinär betrachtet Seit der Industriellen Revolution vor 200 Jahren gelten Technik, Arbeit und Kapital als entscheidende Bestimmungsgrößen des ökonomischen und sozialen Fortschritts von Gesellschaften. Der Autodidakt Friedrich Engels setzte sich gemeinsam mit Karl Marx kritisch mit den Auswirkungen der Industrialisierung für die Arbeiterschaft auseinander. Dank seiner gewandten Feder und seiner Fremdsprachenkenntnisse wurde Engels zu einem international beachteten Journalisten. Doch seine facettenreichen Beiträge werden bis heute oft vom langen Schatten des Karl Marx verdeckt. 12 Experten analysieren kenntnisreich die Biografie und die Schriften Friedrich Engels und laden zu einer Neubewertung des Verhältnisses zwischen Marx und Engels ein: - Würdigung des Lebenswerks eines der letzten universalistisch denkenden Theoretiker im 19. Jahrhundert - Posthume Veröffentlichung und fehlende Autorisierung: Historisch-kritische Bewertung der Schriften von Engels und Marx - Klassenkampf, soziale Frage und das Ende des Kapitalismus: Friedrich Engels als kommunistische Gallionsfigur Marx und Engels - eine Neubewertung ihres »Compagniegeschäfts« Welche Rolle spielte die Zusammenarbeit von Marx und Engels bei der Entstehung von Abhandlungen wie »Zur Kritik der politischen Ökonomie« und »Die Lage der arbeitenden Klasse in England«? Wie stark bearbeitete Engels Band 2 und 3 von »Das Kapital« nach, bevor er sie veröffentlichte? Seine Rolle als zweite Geige hinter dem großen kommunistischen Denker Karl Marx wird zunehmend hinterfragt. Die Beiträge im vorliegenden Buch tragen entscheidend dazu bei und lassen die verschiedenen Aspekte, Ursachen, aber auch Grenzen dieses graduellen Umwertungsprozesses erkennen.

Wilfried Nippel ist Professor für Alte Geschichte an der Humboldt-Universität Berlin Dr. Eberhard Illner, Historiker und Archivassessor, arbeitete im Bundesarchiv Koblenz, im Historischen Archiv der Stadt Köln und war Direktor des Friedrich Engels Haus / Museum für Frühindustrialisierung in Wuppertal von 2008-2018. Er organisierte Ausstellungen und Publikationen zur Sozial- und Kulturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts sowie zu Marx und Engels und ihrem Umfeld. Dr. Hans A. Frambach ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft - Schumpeter School of Business and Economics an der Universität Wuppertal. Seit 2003 ist er Professor für Mikroökonomische Theorie an der Universität Wuppertal, seit 2014 Leiter des Arbeitsbereichs Mikroökonomie und Geschichte des ökonomischen Denkens. Dr. Norbert Koubek ist Professor em. an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft -Schumpeter School of Business and Economics der Universität Wuppertal, insb. Innovation und Internationales Management. Er war Gründungsdirektor des Zentrums für Weiterbildung der Universität Wuppertal, Sprecher des Vorstandes der Schumpeter School Stiftung und ist seit 2020 Mitglied des Kuratoriums der Stiftung.
Beerbühl / Illner / Frambach Friedrich Engels jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


8 VORWORT
12 EINLEITUNG
Jürgen Herres
22 "MEINE UNSTERBLICHEN WERKE"
FRIEDRICH ENGELS ALS JOURNALIST UND PUBLIZIST
EIN ÜBERBLICK
Wilfried Nippel
48 ENGELS ÜBER MARX
BIOGRAPHIE ALS GESCHICHTSPOLITIK
Günther Chaloupek
68 FRIEDRICH ENGELS, VICTOR ADLER UND
DER AUSTROMARXISMUS
Eberhard Illner
104 MENSCH UND MASCHINE
TECHNIKVORSTELLUNGEN BEI FRIEDRICH ENGELS,
KARL MARX UND ERNST KAPP
6 INHALT Kurt Möser
146 "THE GENERAL" ALS ADMIRAL
FRIEDRICH ENGELS UND DIE DEBATTEN UM SEEKRIEG
UND SEETAKTIK
James M. Brophy
188 DAS "GELOBTE LAND"?
FRIEDRICH ENGELS, DIE VEREINIGTEN STAATEN UND
DIE ZUKUNFT DES KAPITALISMUS
Werner Plumpe
216 DIE VERWANDLUNG DER WELT
FRIEDRICH ENGELS UND DIE ENTWICKLUNG DER PRODUKTIV KRÄFTE
IN DER ZWEITEN HÄLFTE DES 19. JAHRHUNDERTS
Margrit Schulte Beerbühl
250 DIE REVOLUTIONIERUNG DER ARBEIT
FRIEDRICH ENGELS UND DER WANDEL DER ARBEITS VERHÄLTNISSE
IN MANCHESTER UND LONDON
Hans Frambach
278 DAS ÖKONOMISCHE DENKEN SEINER ZEIT
FRIEDRICH ENGELS UND DAS SPANNUNGSFELD ZWISCHEN
SCHÖPFUNG UND ZERSTÖRUNG
Heinz D. Kurz
322 "DER FRIEDRICH, DER FRIEDRICH, ..."
ENGELS, MARX UND DIE KRITIK DER POLITISCHEN ÖKONOMIE
Regina Roth
352 REPARATURFALL KAPITAL?
FRIEDRICH ENGELS UND DIE HERAUSGABE DER
BÄNDE 2 UND 3 DES KAPITAL VON KARL MARX
Norbert Koubek
372 ARBEIT UND UNTERNEHMEN
HISTORISCHE UND AKTUELLE TENDENZEN
Jürgen Kocka
383 FAZIT
ENGELS IN SEINER ZEIT
389 ANHANG
390 ZUR GESCHICHTE DER EDITIONEN DER SCHRIFTEN
VON KARL MARX UND FRIEDRICH ENGELS
392 LITERATUR
392 Forschungsliteratur
398 Historische Texte
400 ANMERKUNGEN
431 BILDNACHWEIS


Paul Friedrich Meyerheim, Lokomotiv-Montagehalle Borsig, 1873.

EINLEITUNG


Seit der Industriellen Revolution vor 200 Jahren gelten Technik, Arbeit und Kapital als entscheidende Bestimmungsgrößen des ökonomischen und sozialen Fortschritts von Gesellschaften. Zwar hat es schon immer in der Weltgeschichte der Zivilisation Technik gegeben, spätestens seitdem der Mensch Werkzeuge entwickelt hat und Feuer entzünden konnte. Auch ist Arbeit immer schon das konstitutive Element des Menschen gewesen, um in der Auseinandersetzung mit der Natur überleben zu können. Und verschiedenste Formen von Kapital kamen in unterschiedlichsten Hortungs- und Austauschzusammenhängen zu allen Zeiten vor, in denen Menschen miteinander in Beziehungen traten. Am Ende dieser Entwicklungen, die sich mit Attributen wie evolvierend, dynamisch und irreversibel beschreiben lassen, steht unter anderem das, was wir heute im allgemeinen Sinne als „Kapitalismus“ bezeichnen, verstanden als ein ökonomisches und soziales Universalsystem des Ausnutzens von Gewinnchancen durch produktiven und spekulativen Kapitaleinsatz zu Zwecken der Reinvestition und Konsumption. In dieser Interpretation hat der „Kapitalismus“ so gut wie alle Gesellschaften der Welt in den vergangenen 200 Jahren stärker geprägt als sämtliche Wirtschafts- und Gesellschaftsordnungen zuvor. Von der Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit des Kapitalismus hängt es ab, ob und inwieweit er gegenwärtige und künftige Herausforderungen wird bewältigen können. Karl Marx und Friedrich Engels gaben dieser Produktionsform bereits 1848 noch während seiner Entwicklungsphase keine Zukunft und suchten dies theoretisch zu begründen. Offen ist, ob sie an der Vorstellung eines notwendigen Zusammenbruchs des Kapitalismus wirklich bis zum Schluss festhielten.

Mittels historisch-kritischer Aufbereitung bisheriger Verlaufswege und theoretischer Erklärungsmuster der im kapitalistischen System aufgetretenen Entwicklungen sowie Aufnahme der nicht geringen Erkenntnisse von Zeitgenossen – durchaus mit Engels und Marx kontrastierend –, soll mit dem vorliegenden Band zu einem besseren Verständnis auch gegenwärtiger Problemlagen beigetragen werden. Aufgerufen werden Fragen, wie sich Technik, Arbeit und Kapital in der Geschichte des ökonomischen Denkens und insbesondere an der Schwelle zum „Kapitalismus“ europäischer Prägung, also im „langen 19. Jahrhundert“ zwischen etwa 1780 und 1914, als zentrale Kategorien entwickelt haben, wie sich deren Verhältnis zu- und untereinander real dargestellt hat und wie es von aufmerksamen Beobachtern in jener Zeit aufgefasst und verstanden worden ist. Die damals neu auftauchenden Probleme zeitversetzter Entwicklungen und massiver konjunktureller Schwankungen während der Aufbruchsphase in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert stellten die Zeitgenossen vor immense Herausforderungen. Im Versuch, Antworten zu finden, griffen viele – wie es den Usancen der Zeit entsprach – auf Theorien zurück, die der Kameralistik, den Staatswissenschaften oder der Philosophie David Humes wie auch Georg Wilhelm Friedrich Hegels entlehnt waren.

Der Journalist und spätere Textilkaufmann Friedrich Engels (1820-1895) setzte sich bereits in jungen Jahren prägnant und meinungsstark mit jenen Kernfragen globaler Entwicklung auseinander. Der Mann aus der Praxis hatte sein Wissen autodidaktisch erarbeitet. Er war zwar kein guter Redner, aber dank seiner gewandten Feder und seiner Fremdsprachenkompetenz wurde er zu einem international beachteten Journalisten. Seine eigenständigen und facettenreichen Beiträge, die bis heute vom langen Schatten von Karl Marx verdeckt werden, reichen in geradezu enzyklopädischer Breite von literarischen zu historischen, von militärwissenschaftlichen zu technischen, von anthropologischen zu naturwissenschaftlichen und nicht zuletzt von politischen hin zu ökonomischen Schriften.

Im Mittelpunkt des Überblickbeitrags von Jürgen Herres steht ein unscheinbares Blatt Papier, dem der 70-jährige Friedrich Engels den ironischen Titel gab und auf dem er seine zahlreichen Publikationen über vielfältige Themen auflistete. Schon als Kaufmannslehrling hatte er begonnen, Gedichte und Berichte zu veröffentlichen. Sein Buch 1845 befeuerte die Diskussion um die soziale Frage und ihre ökonomischen Ursachen. Er war ein halbes Jahrhundert ungemein produktiv und rangiert in dem von der UNESCO herausgegebenen „Index Translationum“ (Liste übersetzter Literatur) unter den ersten fünfzig Bestseller-Autoren der Welt. Seine Schriften sowie jene zu Lebzeiten nicht veröffentlichten Manuskripte, wie z. B. die später zur zusammengefassten Entwürfe, sollten nicht zu kohärenten „Werken“ vereindeutigt werden.

Seit vielen Jahrzehnten bewegt die Forschung das sogenannte „Marx/Engels Problem“ und damit die Frage, in welchem Maße Friedrich Engels als Sachwalter und Vertrauter von Karl Marx durch seine popularisierenden Schriften wie etwa und insbesondere nach dessen Tod am 14. März 1883 mit der Herausgabe der Bände 2 und 3 des dafür gesorgt hat, dass sich eine zugespitzt modifizierte und damit nicht mehr autorisierte Fassung der von Marx unbestimmt hinterlassenen Theorieelemente in der Rezeption der Werke von Marx hat verbreiten können. Engels war – vor dem Hintergrund, dass einige uns heute bekannte Schriften zu Ende des 19. Jahrhunderts noch gar nicht veröffentlicht oder dem Publikum als solche bekannt waren – der Dreh- und Angelpunkt für die Marx-Rezeption durch die erste Generation marxistischer Theoretiker und Politiker. Wilfried Nippel wird zu dieser zentralen Frage heutigen Verständnisses der Werke von Marx und Engels aus quellenkritischer Sicht Einsichten eröffnen, die für nicht wenige „Marxologen“ unserer Tage überraschende Tatsachen bieten.

Der ab Ende 1849 in England lebende Friedrich Engels hat immer wieder aus dem Exil heraus versucht, auf die sozialistischen und sozialdemokratischen Parteien auf dem Kontinent Einfluss zu nehmen, mit mehr oder minder großem Erfolg. In den 1880/1890er Jahren begleitete Engels den in Österreich von Victor Adler beschrittenen Weg der sozialdemokratischen Bewegung. Günther Chaloupek verdeutlicht die Argumente und Positionen von Engels, um der 1889 gegründeten sozialdemokratischen Arbeiterpartei einen pragmatischen und programmatischen Weg zu einem sozialistischen Österreich zu eröffnen.

Carl Eduard Biermann, Borsig’s Maschinenbau-Anstalt zu Berlin, 1847.

Nach herrschendem Denkmuster stellte sich die Industrialisierung als eine durch technische Erfindungen ausgelöste „Revolution“ dar, obwohl es sich hier genauer betrachtet um die Realisierung bereits vorhandener Inventionen in Form von Innovationen handelte. Dieser mannigfache Wandel in Bereichen wie der Energieversorgung, der Rogstoffgewinnung, der Materialbearbeitung und Herstellungstechnik, der Mobilität und des Transportwesens, der Kommunikation, der Chemie oder Pharmazie wurde als „Siegeszug der Technik“ überwiegend positiv aufgenommen und führte zu einer Neujustierung des Verhältnisses von Mensch und Maschine. Es konstituierte sich Ingenieurtechnik als Grundlagenwissenschaft mit der Folge, dass in England bereits früh Konzepte einer Theorie der Technik entwickelt wurden. Mit Anleihen bei den damals aktuellen Wissenschaftstheorien, dem Empirismus und dem Positivismus, skizzierte Engels Ansätze einer Technikanthropologie, die sich durchaus vom Maschinenverständnis des Hegelianers Karl Marx unterschied, der nach eigenem Bekunden nur geringe technische Sachkunde aufzuweisen hatte, nichts desto trotz im zur Explikation der Entwicklung der Produktivkräfte ein neues theoretisches Mensch-Maschine Verhältnis zu definieren hatte, das die technische Modernisierung reflektierte. Eberhard Illner vergleicht die Technikvorstellungen bei Friedrich Engels, Karl Marx und Ernst Kapp, dem weder Marx noch Engels bekannten Zeitgenossen und Begründer der Technikphilosophie in Deutschland.

Ein heute fast vergessenes, aber dennoch – und gerade in Engels’ Selbstsicht – wichtiges Feld publizistischer Betätigung waren die militärtechnischen und militärwissenschaftlichen Artikel von Engels. Er betrachtete Krieg in seinen verschiedensten Formen und Werkzeugen nie als isoliertes Phänomen in der Geschichte, sondern stets im politischen, ökonomischen und technischen Kontext. Die Formen der Kriegführung eröffneten Engels nicht nur Einsichten in die Gesellschaftsstruktur der Parteien, sondern auch in die enge Verzahnung von Rüstungstechnik und Wehrverfassung, so dass nicht wenige detaillierte und scharfsinnige Analysen entstanden, die den Autodidakten zu einem anerkannten Fachmann machten. Kurt Möser ordnet vor dem Hintergrund des tiefgreifenden Wandels der Flottenkonzeptionen der großen Seemächte zwischen 1860 und 1890 an...


Wilfried Nippel ist Professor für Alte Geschichte an der Humboldt-Universität Berlin

Dr. Eberhard Illner, Historiker und Archivassessor, arbeitete im Bundesarchiv Koblenz, im Historischen Archiv der Stadt Köln und war Direktor des Friedrich Engels Haus / Museum für Frühindustrialisierung in Wuppertal von 2008-2018. Er organisierte Ausstellungen und Publikationen zur Sozial- und Kulturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts sowie zu Marx und Engels und ihrem Umfeld.

Dr. Hans A. Frambach ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft - Schumpeter School of Business and Economics an der Universität Wuppertal. Seit 2003 ist er Professor für Mikroökonomische Theorie an der Universität Wuppertal, seit 2014 Leiter des Arbeitsbereichs Mikroökonomie und Geschichte des ökonomischen Denkens.

Dr. Norbert Koubek ist Professor em. an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft -Schumpeter School of Business and Economics der Universität Wuppertal, insb. Innovation und Internationales Management. Er war Gründungsdirektor des Zentrums für Weiterbildung der Universität Wuppertal, Sprecher des Vorstandes der Schumpeter School Stiftung und ist seit 2020 Mitglied des Kuratoriums der Stiftung.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.