Behjat | Frauen und Revolution | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 272 Seiten

Behjat Frauen und Revolution


1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-446-28357-2
Verlag: Hanser, Carl
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 272 Seiten

ISBN: 978-3-446-28357-2
Verlag: Hanser, Carl
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Revolution hat ein weibliches Gesicht: Shila Behjats lebendige Reportage zeigt, was die Welt vom Mut der Frauen lernen kann - ein Aufruf zum Feminismus der Stärke!
Vom Iran bis Belarus, von Fridays for Future bis zu den großen Diskriminierungsdebatten - Revolutionen und gesellschaftliche Wandlungsprozesse haben heute oft ein weibliches Gesicht. Ausgehend von den mutigen Frauen im Iran fragt die vielfach ausgezeichnete Journalistin Shila Behjat nach den Besonderheiten weiblichen Protests. Aus Gesprächen mit den Anführerinnen der Bewegungen entsteht eine lebendige Reportage, die zeigt: Auch unter widrigsten Umständen sind Frauen schon lange nicht mehr nur Opfer, sondern Protagonistinnen der Geschichte. Ist es längst angebrochen, das weibliche Zeitalter? 'Frauen und Revolution' ist ein engagiertes Plädoyer - für ein neues Frauenbild, einen Feminismus der Stärke und weibliche Solidarität, die keine Ländergrenzen kennt.

Shila Behjat, 1982 geboren, ist Journalistin, Publizistin und Moderatorin mit deutschiranischen Wurzeln. Sie studierte Jura in Hamburg und Paris, war Korrespondentin in London, lebte als freie Journalistin in Indien und berichtete für das Frauenportal Aufeminin.com über Gleichstellung in der EU. Als Kulturredakteurin bei ARTE verantwortet sie Dokumentationen und neue Formate. 2024 erschien ihr vieldiskutiertes Debüt Söhne großziehen als Feministin.
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Prolog — You are entering a female era


Diese Erzählung beginnt in Saqqez bei Jina, in Karadsch bei Sarina, in Minsk bei Olga, bei Lina in Khartum, bei Wiktoria in Warschau. Und gleichzeitig gehört sie allen, die jetzt, 2025, dieses Buch zur Hand nehmen.

Oft stehen die Namen von Jina und den anderen stellvertretend für das Unrecht, das Frauen angetan wird, durch die systematische Entrechtung im Iran oder im Sudan, durch Beschneidung von Freiheits- und Frauenrechten in Polen oder Belarus. Doch sie sind auch ein Zeugnis dafür, dass Frauen neu in die Geschichte hineingeschrieben werden müssen, und führen uns vor Augen, dass in den letzten Jahren ein neues Kapitel aufgeschlagen wurde — von Frauen, deren Mut und Engagement ein ganzes Buch zu füllen imstande sind. In einer erstaunlichen, symbiotischen Gleichzeitigkeit haben sich die Protagonistinnen dieses Buchs, nicht selten unter Gefahr für ihr Leben, aufgeschwungen, um für Demokratie und Frauenrechte einzustehen. Als ihre Beobachterin und Chronistin möchte ich hier ihre Geschichten erzählen.

In einer Zeit, in der Autokratien auf dem Vormarsch sind, in der Demokratien unterwandert und ausgehöhlt werden, in der bereits Erstrittenes gerade für Frauen plötzlich wieder auf dem Spiel steht, treibt mich ihr unermüdlicher Einsatz jeden Tag aus dem Bett, um zu schreiben, morgens um vier entstehen diese Zeilen. Hass, Unmenschlichkeit, Aggressionen und Kriege reichen in diesen Jahren tief hinein in das Leben und den Alltag so vieler Menschen. An unzähligen Orten scheint die Welt zu brennen, brennt sie tatsächlich, denn neben Krieg und Terror ist nicht zu vergessen: Wir zerstören gerade auch unseren Planeten, und mit ihm unsere Lebensgrundlage.

Inmitten genau dieses Klimas sind binnen fünf Jahren an vier verschiedenen Orten dieser Erde Demokratiebewegungen auf den Plan getreten, an deren Spitze Frauen stehen — im Iran und in Belarus, in Polen und im Sudan. Und diese Frauen stellen sich nicht nur gegen Autokraten und Diktatoren, die, wie Anne Applebaum, Trägerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels von 2024, in schreibt, »in ihrer Gleichgültigkeit gegenüber Kritik aus dem Ausland (…) ohne jede Scham zu brutaler Gewalt« greifen.1 Die Bewegungen, die diese Frauen anführen, bieten darüber hinaus eine Vision an, wie die Welt stattdessen aussehen könnte. Ihrer Vision liegt die Erkenntnis zugrunde, dass auch die bestehenden Demokratien verwundbar sind, wie wir es in Deutschland oder den USA gerade erleben, und dass in einer sich rasant verändernden Welt universelle Werte wie Freiheit und Sicherheit, Rechte und Pflichten in einer solidarischen Gemeinschaft neu mit Leben gefüllt werden müssen.

Zu Recht wurde in den vergangenen Jahren mit der Vorstellung aufgeräumt, der Blueprint für die Demokratie läge im Westen, wo auch immer dieser ist, beginnt und endet. Die Idee der Demokratie ist eine universelle, eine, nach der mündige Bürger:innen weltweit streben. Dabei geht es in erster Linie um Teilhabe an Entscheidungen über ihr Leben und das ihrer Nachfahren, um Vertrauen auf Rechte und Pflichten, die für alle gleichermaßen gelten, um die Möglichkeit, das eigene Leben in Freiheit und Sicherheit zu gestalten, und ein gewisses Maß an festgeschriebener gesellschaftlicher Solidarität. Gleichzeitig wird deutlich, dass sie in demokratisch orientierten Staaten von heute nicht derart universell aufgesetzt wurde, im Gegenteil. Auch wenn die Demokratie mit dem Gedanken, es gehe um den Willen des Volkes, eingeführt wurde, so sind ihre Schöpfer doch ein sehr homogener Kreis von Menschen gewesen. Die überwiegend weißen Männer, die die Grundlagen der Demokratie geschaffen, sie in Gesetze und Strukturen gegossen haben, haben damit unweigerlich eine spezifische Version von Demokratie geprägt. Die Idee der Demokratie ist universell. Doch man kann wohl sagen, dass sie zu jedem Zeitpunkt praktisch mit Leben gefüllt werden muss. Und dass sie in einer Zeit, in der sich alles um sie herum gewandelt hat, auf diese Änderungen reagieren muss, damit ihre Vision sich nicht auf eine begrenzte Kohorte von Menschen verengt.

Wir befinden uns inmitten einer demokratischen Rezession und erleben, so scheint es, einen Siegeszug des autokratischen Modells. 2023 lebten, erstmals seit Mitte der 1990er-Jahre, wieder mehr Menschen in geschlossenen Autokratien (2,2 Milliarden) als in liberalen Demokratien (1 Milliarde).2 Doch dort, wo Demokratie in Bedrängnis gerät, finden sich immer wieder bemerkenswerte Formen der Verteidigung demokratischer und freiheitlicher Werte. Die Errungenschaften der Demokratie werden in diesen Tagen infrage gestellt, doch je mehr das geschieht, desto mehr Menschen führen sich vor Augen, was sie ihnen bedeutet. »Demokratie muss verteidigt werden«, diesen Satz habe ich in den 1980er- und 1990er-Jahren, zur Zeit jenes, man kann vielleicht sagen, männlich-weiß geprägten »Exportschlagers Demokratie«, nie gehört. Heute fällt er immer wieder. In Berlin versuchten Gegner:innen der Corona-Regeln zwar analog dem Sturm auf das Kapitol in den Deutschen Reichstag einzudringen. Doch zugleich demonstrierten Menschen millionenfach gegen die Angriffe auf die Demokratie und die »Remigrationspläne« der AfD.

An der Spitze dieser Bewegungen zur Verteidigung der Demokratie stehen heute vor allem Frauen. In den USA, in Brasilien und in Indien mobilisieren sie sich in prodemokratischen Protesten und zivilgesellschaftlichem Engagement. In Georgien stehen sie nach den allem Anschein nach unfreien Parlamentswahlen ganz vorn, stellen sich den Wasserwerfern entgegen, wringen ihre Haare aus und gehen wieder in Stellung. Die Präsidentin Salome Surabischwili stemmt sich mit Vehemenz gegen Wahlbetrug, gegen Russifizierung — und damit auch gegen den steten Abbau von Freiheitsrechten. Im Iran, in Belarus, in Polen und im Sudan, den vier Ländern, die hier im Zentrum stehen sollen, führen sie die Bewegungen an. »Dieses Muster ist auffällig, vor allem angesichts der Tatsache, dass Frauen in Wahlen und politischen Spitzenpositionen eigentlich noch immer unterrepräsentiert sind«, schreiben Saskia Brechenmacher, Erin Jones und Özge Zihnioglu 2023 in einem Bericht für die Carnegie-Stiftung für Internationalen Frieden.3 Doch »der Großteil der politischen Analyse bezog sich bisher auf die Gründe und Symptome der demokratischen Erosion«, so die drei Autorinnen weiter. Das Phänomen, dass in vielen Fällen Frauen die treibende Gegenkraft sind, war bisher kaum Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtung.

Es sind interessante Formen von Gleichzeitigkeit, die sich hier erkennen lassen. Frauen führen politische Bewegungen zum Schutz freiheitlicher Werte an und sind in vielen Ländern der Welt nach wie vor politisch unterrepräsentiert oder gar unterdrückt. Und diese von Frauen geführten Bewegungen formieren sich in verschiedenen, weit voneinander entfernten Ländern und Gesellschaften rund um den Globus. Nur wenn wir uns diese Simultanität vor Augen führen, ist es möglich, die Bedeutung der Ereignisse wirklich zu verstehen. Im Iran rufen die Frauen bei ihren Protesten »Frau, Leben, Freiheit«. In Belarus »Freiheit, Gleichheit, Schwesterlichkeit«. Im Sudan formen die Mitglieder der »Sudanese Feminist Sisterhood« die Finger zum Victory-Zeichen. Das Victory-Zeichen, das Herz und die zum Widerstand in die Luft gereckte Faust sind wiederum das Triptychon der Revolution in Belarus. »Nicht Opfer, Kriegerinnen. Das sind Frauen heute«, sagt die iranische Frauenrechtlerin Masih Alinejad. Olga Shparaga, eine belarussische Philosophin und Autorin, nennt es »Revolution mit weiblichem Gesicht«.

Wagt man sich an diese Bilder, diese Botschaften heran, dann ist der Resonanzraum unschwer zu erkennen, den es gibt, den es immer schon gab. Und dann besteht auch kein Zweifel daran, dass die Frauenbewegung in eine neue Phase eingetreten ist, in der sie untrennbar mit dem Kampf für die Demokratie verknüpft ist. Dass es diesen Frauen nicht nur um die Rechte von Frauen als unterdrückter »Minderheit« geht, sondern um die Verteidigung und Stärkung von Freiheitsrechten für alle. Dass ihr Widerstand eine neue Qualität bekommen und eine neue Dimension erreicht hat. Dass die fünfte Welle des Feminismus da ist.

Die -Reporterin...


Behjat, Shila
Shila Behjat, 1982 geboren, ist Journalistin, Publizistin und Moderatorin mit deutschiranischen Wurzeln. Sie studierte Jura in Hamburg und Paris, war Korrespondentin in London, lebte als freie Journalistin in Indien und berichtete für das Frauenportal Aufeminin.com über Gleichstellung in der EU. Als Kulturredakteurin bei ARTE verantwortet sie Dokumentationen und neue Formate. 2024 erschien ihr vieldiskutiertes Debüt Söhne großziehen als Feministin.



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