Behr | Kommissar Wischkamp: Auf Herz und Nieren | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 184 Seiten

Behr Kommissar Wischkamp: Auf Herz und Nieren

Werne Krimireihe 3
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-95876-044-8
Verlag: Brighton Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Werne Krimireihe 3

E-Book, Deutsch, 184 Seiten

ISBN: 978-3-95876-044-8
Verlag: Brighton Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Als in Werne-Stockum eine männliche Leiche gefunden wird, ist der Tatverdächtige schnell ermittelt: Alles deutet auf einen ehemaligen Strafgefangenen hin. Doch dann wird die Freundin des Toten entführt und weitere Leichenfunde deuten darauf hin, dass dieser Fall weitaus komplexer ist, als zunächst angenommen - den Toten fehlen lebenswichtige Organe. Kommissar Wischkamps dritter Fall führt ihn in die Tiefen des illegalen Organhandels und zeigt, dass die Schwerkriminalität auch vor den Toren einer beschaulichen Kleinstadt nicht innehält. Doch dieses Mal steht nicht nur das Leben der entführten jungen Frau auf dem Spiel, auch Jens Wischkamp gerät im Zuge der Ermittlungen in immer größere Gefahr ...

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Der Mann, den Dr. Berger angerufen hatte, saß unbeweglich in seinem Sessel. Aber durch seinen Kopf schnellten die Gedanken auf der Suche nach Erklärungen. Breisbach war bisher immer zuverlässig gewesen. Vor ein paar Stunden noch hatte er ihm berichtet, dass alles nach Plan verlief und er sowohl Sabine Fröhlich als auch Armin Wiefels und die Medikamente und Formeln pünktlich in Hattingen abliefern würde. Telefonisch war Breisbach seitdem nicht mehr zu erreichen. Irgendetwas musste schief gegangen sein. Aber was?

Leicht abwesend schaltete er den Fernseher ein. Er wollte sich ein wenig ablenken, um wieder einen klaren Gedanken fassen zu können. Da sah er eine Unfallstelle und eine Reporterin, die in ein Mikrofon sprach. Er stellte den Ton lauter.

»Bei einem schweren Autounfall auf der A43 kam heute der Fahrer dieses Kleintransporters ums Leben. Als die Polizei eintraf, machte sie eine unglaubliche Entdeckung. Im Laderaum lag eine schwer verletzte junge Frau. Sie wurde sofort mit dem Rettungshubschrauber ins Bochumer Bergmannsheil gebracht. Nach ersten Erkenntnissen handelt es sich um eine vor einigen Tagen in Werne an der Lippe entführte Frau. Wie sie in diesen Transporter gekommen ist und warum sie entführt wurde, dazu wollte die Polizei im Augenblick noch nichts sagen.«

Der Sprecher des Nachrichtenmagazins bedankte sich für den Livebericht, aber das bekam der Mann nicht mehr mit.

Sabine Fröhlich war frei und Martin Breisbach war tot. Aber wo war Armin Wiefels? Wenn er noch lebte, was könnte er erzählen?

Entscheidungen mussten gefällt werden. Möglicherweise standen sie vor einer Katastrophe. Was jetzt zu tun war, dafür wollte er nicht allein verantwortlich sein. Bisher war immer alles glatt gelaufen. Die Polizei tappte absolut im Dunklen. Zwar hatten sie hin und wieder einen der Ärzte geschnappt, die für illegale Operationen eingesetzt worden waren, aber von denen konnte ja keiner was ausplaudern. Die wussten rein gar nichts. Vielleicht wusste auch Wiefels nichts. Aber wenn doch? Dann war die gesamte Organisation in Gefahr. Natürlich gab es Notfallpläne. Man musste ja schließlich immer damit rechnen, dass etwas Unvorhergesehenes geschah. Aber sollte er die Notfallmaßnahmen wirklich nur aufgrund dieses Fernsehberichtes einleiten? Nein, er würde sich Rückendeckung holen, soviel war schon mal sicher. Dr. Berger würde noch etwas auf einen Rückruf warten müssen. Er stand auf und griff nach dem Autoschlüssel. Sein Handy nahm er mit, denn in ungefähr dreißig Minuten würde er die SMS absetzen müssen, dass ein persönliches Treffen notwendig war. Er selbst würde ungefähr eine Stunde bis zum Treffpunkt brauchen. Sein Auftraggeber wollte 30 Minuten vorher informiert werden. Der Treffpunkt war ein abgelegenes Haus zwischen Lünen und Werne. Von der Straße aus war es kaum einzusehen. Er war einmal dort gewesen, kurz, nachdem er Dr. Berger rekrutiert hatte. Damals hatten sie darauf angestoßen, dass die Klinik ein Erfolg werden würde. Heute mussten sie darüber beschließen, ob man die Klinik aufgeben und an anderer Stelle von vorn beginnen sollte. Wer sein Auftraggeber war, das wusste er nicht. Bei diesem ersten und einzigen Treffen hatte er ihm nicht ins Gesicht sehen können. Eine helle Lampe, die direkt vor seinem Gesprächspartner stand, hatte das verhindert. Er hatte sich auch niemals gefragt, wer der Drahtzieher war. Die Idee, als man sie ihm vortrug, erschien ihm profitabel. Er verfügte über die notwendigen Kontakte und organisierte den Aufbau der Klinik. Auch für das Fußvolk wie Martin Breisbach und Armin Wiefels hatte er selbst gesorgt. Er bekam seine Anweisungen per SMS oder per e-mail. Er führte Telefonate, verhandelte mit den Patienten oder ihren Angehörigen, natürlich immer nur telefonisch. Ihn hatte noch niemand zu Gesicht bekommen, niemand außer Martin Breisbach und Armin Wiefels. Breisbach kannte er schon aus seiner Jugendzeit und Wiefels hatte er im Knast kennengelernt. Das lag schon Jahre zurück. Aber wenn Breisbach Armin erzählt hatte, wer er war, dann würde Wiefels zu einer Gefahr für ihn werden. Es wäre also wirklich das Beste, die Zelte hier im Raum abzubrechen. Er würde andere Möglichkeiten finden, nur musste er zuerst seinen Auftraggeber davon überzeugen, dass sie hier nicht mehr sicher waren. Er fuhr durch die dunkle Nacht, während ihm all diese Gedanken durch den Kopf gingen, und hätte fast vergessen, die Nachricht zu senden und um das Treffen zu bitten. Er sah auf die Uhr. Jetzt musste er trödeln. Er war schon viel zu nah dran. Das Ortseingangsschild von Lünen hatte er bereits hinter sich. Er fuhr an den rechten Straßenrand und wartete. In fünfzehn Minuten würde er weiterfahren. Hoffentlich war es noch nicht zu spät.

Kommissar Jens Wischkamp saß mit seiner Frau Silvie beim Frühstück, als sein Telefon klingelte. Im Display sah er, dass der Anruf von Stefan Dudek aus Bochum kam.

»Hallo, Jens. Unsere Ermittlungen beschränken sich immer mehr auf den Raum Hattingen. Der Tote aus dem Transporter wurde inzwischen identifiziert. Es handelt sich um Armin Wiefels, ein Kleinkrimineller mit ziemlich beschränktem Horizont. Der kann auf jeden Fall nur ein Handlanger gewesen sein. Trotzdem prüfen wir natürlich, mit wem er in der letzten Zeit Kontakt hatte. Heute früh wurde nahe der Henrichshütte in Hattingen in einem Waldstück eine männliche Leiche gefunden. Die Spuren am Fundort beweisen eindeutig, dass er von einem Auto überrollt worden ist, nachdem man ihm – wahrscheinlich mit der Autotür Nasen- und Jochbein gebrochen hatte. Die KTU hat inzwischen zweifelsfrei festgestellt, dass die Spuren zu dem Kleintransporter führen, in dem Sabine Fröhlich war. Ach ja, der Tote heißt Martin Breisbach und hat eine dicke Strafakte. Und er kannte Armin Wiefels. Wahrscheinlich haben die beiden gemeinsam sowohl den Mord in Werne begangen als auch Sabine Fröhlich entführt. Und sie waren auf dem Weg nach Hattingen, dorthin, wo wir die illegale Klinik vermuten. Ich hoffe, dass Hartmann uns weiterhelfen kann. Breisbach und Wiefels können uns ja nicht mehr zu den Hintermännern führen.«

»Stimmt, aber ich fürchte, Hartmann wird nicht allzu viel wissen. Aber wenn ihr euch sicher seid, dass diese Klinik in oder in der Umgebung von Hattingen sein muss, dann muss sich da doch etwas finden lassen. Ich meine, so ein Klinikbetrieb, in dem Transplantationen stattfinden, der muss ja auch irgendwie versorgt werden. Melde dich, wenn du was Neues hast.«

Dann legte Jens Wischkamp den Hörer auf. Nachdenklich starrte er aus dem Fenster und stand auf.

»Ich fahre nach Bochum. Ich will noch mal mit dieser Bardame reden. Irgendwie müssen wir an den Typen ran, der Gajewski gewarnt hat. Vielleicht hat der Informationen über die Köpfe der Bande. Irgendwas muss er ja wissen, sonst hätte er nicht bemerkt, dass Gajewski in Gefahr ist.«

Er beugte sich zu seiner Frau hinunter und küsste sie auf die Stirn.

»Ich rufe dich nachher an. Was machst du heute?«

»Ich bin wahrscheinlich den ganzen Tag im Laden. Ich muss noch ein paar Fotobücher fertigmachen und nachmittags habe ich einige Porträtaufnahmen zu machen. Bis heute Abend, Liebling.«

Jens Wischkamp verließ das kleine Haus an der Landwehrstraße in Werne. Im Auto wählte er die Nummer des Kommissariats. Kurz informierte er die Kollegen über die neuen Erkenntnisse, die Stefan Dudek ihm mitgeteilt hatte. Dann machte er sich auf den Weg nach Bochum. Bei der Gelegenheit wollte er dann auch gleich einen Abstecher zum Krankenhaus machen. Vielleicht war Sabine Fröhlich ja vernehmungsfähig. Er hoffte sehr, dass die junge Frau keine bleibenden Schäden durch den Unfall zurückbehalten würde. Sie hatte schon genug gelitten.

Jens Wischkamp hatte Mary aus dem Schlaf geklingelt. In einem verschlissenen Morgenmantel, ungeschminkt und mit dicken Tränensäcken unter den Augen saß die Bardame ihm in ihrem kleinen Wohnzimmer gegenüber.

»Herr Kommissar, ich habe Pitter schon eine ganze Weile nicht mehr in der Roten Marlene gesehen. Ich wüsste auch nicht, wie ich ihn erreichen soll.«

»Dann wird uns nichts anderes übrig bleiben, als ihn zur Fahndung auszuschreiben. Aber auch dazu benötigen wir Ihre Hilfe. Sie können uns doch sicher eine genaue Beschreibung geben, nicht wahr. Dann könnte unser Zeichner ein Phantombild erstellen, das würde die Fahndung erheblich erleichtern.«

»Fahndung? Aber wieso denn? Ich meine, er hat doch gar nichts verbrochen.«

»Nein, so weit ich weiß, hat er das nicht und selbst wenn, wäre es ja nicht das, was uns interessiert. Wir brauchen ihn als Zeugen. Ganz offensichtlich verfügt dieser Mann doch über Informationen, die uns vielleicht zu dieser Bande von Kriminellen führen können.«

Mary wirkte unentschlossen. In ihren Kreisen, da verpfiff man niemanden an die Bullen. Jens sah, wie es in ihrem Gesicht arbeitete.

»Sehen Sie, Mary. Wir haben nur mit Mühe verhindern können, dass eine junge Frau getötet wurde, damit man ihr das Herz herausnehmen kann. Und mit diesem Herzen wäre ein siebenjähriges Mädchen dann ebenfalls gestorben. Illegale Transplantationen sind ein schwerwiegendes Verbrechen. Und hier schrecken die Täter nicht einmal davor zurück, Menschen zu töten, um an die Organe zu kommen. Auch Gajewski hat man alles entfernt, was sich nur irgendwie zu Geld machen lässt. Und Gajewski, das war doch ein Freund von Ihnen, oder nicht? Wollen Sie denn nicht auch, dass wir diesen Verbrechern endlich das Handwerk legen können?«

»Na schön, ist ja schon gut, Herr Kommissar. Was soll ich also machen.«

»Ziehen Sie sich etwas an, ich...



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