E-Book, Deutsch, 192 Seiten
Behrens Fightclub
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7307-0781-4
Verlag: Die Werkstatt
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Einblicke in die geheime Kampfsportszene
E-Book, Deutsch, 192 Seiten
ISBN: 978-3-7307-0781-4
Verlag: Die Werkstatt
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Fightclub: Exklusive Einblicke in eine geheime Welt
Der Hinterhof einer Lagerhalle, aufgetürmte Autoreifen, improvisierter Boxring: Inmitten eines ausgewählten Publikums werden Kämpfer aufeinander losgelassen, die sich vermöbeln sollen, bis einer nicht mehr stehen kann. Worum es geht? Nicht um Trophäen. Nicht um Geld. Einzig um Respekt und Anerkennung.
Die Faszination der Fightclubs
Investigativjournalist Henning Behrens begibt sich auf eine spannende und riskante Reise in die geheimen Fightclubs Deutschlands. Er trifft auf Anführer der Szene, darunter auch die erste Frau in einem Fightclub, und spricht mit Kämpfern über ihre Motivation und das, was ihnen die Kämpfe geben. Protagonisten wie der 19-jährige Leon oder der ehemalige Elite-Soldat James kommen zu Wort, um zu erzählen, warum sie sich dieser gefährlichen Leidenschaft hingeben.
• Exklusiver Einblick in eine Kampfsportszene, die sonst streng geheim agiert
• Interviews und Originaltöne von Protagonisten der Fightclubs, darunter die erste Frau im Fightclub.
• Authentische und packende Erzählweise: lehrreich wir eine Dokumentation, geschrieben wie ein Thriller!
Authentische Erzählungen und riskante Recherchen
Die Kämpfe der sogenannten Streetfighter werden gefilmt und bei YouTube tausendfach geklickt. Henning Behrens verschafft in seinem neuen Buch exklusiven Einblick in die geheime Welt der deutschen Fightclubs. Er begleitet die Kämpfer und beleuchtet ihre Motivationen. Mit packenden Erzählungen und vielen O-Tönen nimmt Behrens die Leser mit auf eine fesselnde Reise in eine verborgene und faszinierende Kampfsportszene.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
KAPITEL 1
Der Auftrag!
Wie es dazu kam, dass ich inmitten Hooligans und Schlägern der Türsteherszene stehe
Diese Geschichte beginnt mitten in Köln. Ich gehe durch eine der zahlreichen Einkaufsstraßen in der Nähe des Doms. Zwischen dem Opernhaus und der Hohestraße entschließe ich mich, bei einem Bäcker einen Kaffee zu holen. Und hier kommt Sascha Winkel als Chef der Agentur Flimmerecke.tv ins Spiel. Ein erfolgreicher und guter Journalistenkollege, den ich als quirligen Praktikanten in Erinnerung behalten habe. Damals, so 2007, war ich bei einem kleinen Regionalsender als Reporter im Einsatz. Und schon wenige Monate später hatte ich das Amt des Nachrichten-Moderators inne. Als Nachfolger für meinen Reporterjob kam ein Praktikant infrage, und der stellte sich fälschlicherweise zuerst bei mir vor, vermutlich, weil ich tatsächlich einen Anzug trug und dadurch vielleicht wie der Chef aussah.
Ich habe ihn an den Redaktionsleiter verwiesen, aber so kannte ich Sascha Winkel bereits, als er kurze Zeit später als Reporter startete. Schnell überzeugte er mit großartigen Interviews und Live-Schaltungen, hatte tolle Ideen, die sich auch noch gut umsetzen ließen.
Das passte einfach und eines Tages saßen Sascha und ich bei mir im Büro und sprachen über die Umsetzung eines Themas. Wir überboten uns gegenseitig mit immer neuen Ideen. Schnelle Schnitte, starke Bilder – immer angetrieben von dem Wunsch, die Zuschauer zuhause auf jeden Fall bei uns zu halten, sie nicht wegzappen zu lassen. Wir waren kreativ, lachten viel und hatten beide das Bedürfnis, irgendwie aufzufallen. Wir wollten besser und interessanter sein als die Sender, die es schon viel länger gab als unseren kleinen TV-Sender mitten in Düsseldorf. Zwar wurden wir nicht besser als die etablierten Sender, aber wir wurden wahrgenommen. Eine Zeit lang jedenfalls. Unsere Zuschauerzahlen stiegen sogar in den messbaren Quotenbereich. Ein echter Erfolg. Und so hatten wir etwas, für das es sich lohnte, morgens früh aufzustehen und abends spät ins Bett zu fallen. Der Boulevard-Journalismus gefiel Sascha noch besser als mir, denn er wechselte zu einem der großen TV-Sender – unmittelbar nachdem ich den Sender ebenfalls verlassen hatte.
Viele Jahre später traf ich Sascha wieder. Bei einem Termin im Grugabad in Essen. Es war Sommer und brüllend heiß. Wir fielen uns kurz in die Arme, lachten und quatschen. Er berichtete mir, er wäre als Korrespondent viel in Deutschland und im Ausland unterwegs gewesen. Ich erzählte ihm, dass ich Reportagen mache und hier und dort mal investigativ arbeiten würde und für welchen Sender ich vor Ort war. Sascha stutzte kurz und grinste. Dann ging er den Fünf-Meter-Sprungturm hoch, blieb mitten auf der Leiter stehen und schaute hoch zum Absprungbrett, wo ein Kameramann stand. Sascha und sein TV-Team warteten auf den Absprung eines der Jungs, die sich vor der Kameralinse profilieren wollten. So oder so ähnlich hatten wir das auch vor. Es war ein komisches Gefühl. Zwar hatten wir uns aus den Augen verloren, aber wir beide mochten uns. Es war, als wären wir lange Freunde gewesen, obwohl ich fast zehn Jahre älter bin als er. Sicher, weil wir immer sehr respektvoll auf Augenhöhe miteinander gearbeitet hatten.
Es sollte nun nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir uns trafen, denn jetzt stand ich in dieser Bäckerei, die genau zwischen der Kölner Hohestraße und dem Dom liegt. Ich bezahlte meinen Coffee to go, als mich ein Typ auf dem Weg zur U-Bahn fast umrempelte. Sascha! Wir freuten uns wie kleine Kinder. Er erzählte mir, dass er jetzt mit seiner eigenen kleinen Produktionsfirma vielen Sendern Themen anbieten würde. So könnte er Arbeitsplätze schaffen und seine Jobs breiter streuen. Das beeindruckte mich mal wieder. Er war zweifelsohne ein Stratege. Ein wenig zugenommen hatte er auch, was der Aufgabe des Leistungssports geschuldet war. Er war Basketballer. Und das nicht unerfolgreich. Er war im Kader und spielte erfolgreich in der NRW-Liga. Da ich selbst Sportler bin, wusste ich, dass die Pfunde kommen, wenn man keinen Leistungssport mehr betreibt. Ich erwartete nach dem großen Hallo der Begrüßung nun eine nette Verabschiedungsfloskel, wurde aber überrascht: „Hör mal“, sagte er, „hast du noch ein paar freie Tage, an denen du für uns arbeiten könntest?“ Tatsächlich hatte ich nur einen Dreiviertelvertrag und deshalb durchaus Zeit für andere Aufträge. Das sagte ich ihm und wir trennten uns erst mal.
Ich habe seiner Frage nicht viel Bedeutung beigemessen. Schließlich sind wir in Köln, da war ich es gewohnt, dass schnell mal Dinge gesagt werden, die dann nicht so gemeint sind. Man nimmt sich eben selbst nicht so ernst. Sascha ist aber kein Kölner. Das hatte ich vergessen. Nach einigen Tagen klingelte mein Handy. Sascha engagierte mich für die Agentur. Erst kleine Aufträge, bei denen ich bloß Material drehen sollte, um dies dann in der Redaktion abzugeben. Klassisches Zuarbeiten. Dann folgte die erste Anfrage, einen investigativen Film zu drehen. Ich sollte dem Plastikmüll auf die Spur kommen. Wohin geht er? Was wird daraus gemacht, und ist das Mülltrennsystem wirklich so durchdacht wie behauptet? Der Film wurde zur besten Sendezeit gezeigt und konnte gute Quoten verzeichnen. Nach dem Müllskandal, bei dem ich Plastikmüll mit Trackern verfolgen ließ, entstand bei den Kunden von Sascha ein guter Ruf. Die Aufträge wurden mehr.
Ich wurde vom kleinen Reporter zum Terrier. Also zu einem, der immer mit etwas Spannendem in die Redaktion zurückkommt. Das gefiel auch Sascha. Eines Morgens, es war Sommer, fragte er mich:
„Henning, kannst du noch mal was Investigatives für uns machen?“
„Und worum geht’s“, fragte ich.
Saschas Antwort: „Fightclub.“
„Wie Fightclub?“
Ich sollte herausfinden, wo sich ein geheimer Fightclub befand, ob es in Deutschland so was überhaupt gibt, und ich sollte versuchen, dort reinzukommen. Die Redaktion des Senders, der den Auftrag erteilt hatte, hatte festgestellt, dass Videos von den Kämpfen auf YouTube tausendfach geklickt werden. Ich sagte zu.
Was folgte, war gründliche Recherche. Bevor es losgehen konnte, musste ich natürlich zuerst herausfinden, wer überhaupt dahintersteckte, hinter diesem Fightclub. Und: ob das überhaupt ein so großer Hype war, wie man mir erzählte. Immer wieder kommt es nämlich auch vor, dass Kollegen einer Ente von Megahype und so aufsitzen. Auf der anderen Seite sind viele der Planer in den Redaktionen schon lange nicht mehr draußen gewesen und wissen gar nicht, wie es ist, Filme zu drehen oder wie realistisch es ist, von jemandem, der eigentlich nicht ins Fernsehen möchte, ein Interview zu bekommen. Ich atmete also tief durch, setzte mich auf die Couch und überlegte. Das hier war für mich eine reale Chance. Ich musste das irgendwie hinbekommen. Dranbleiben – das ist meine journalistische Grundhaltung. Immer schon gewesen. Egal, wie oft ich vor den Kopf gestoßen wurde.
Ich hatte einen Film gemacht, in dem es um Menschenhändler ging. Ich zeigte, wie junge Frauen von Osteuropa über Berlin bis nach Düsseldorf geschleust wurden, um hier an Bordelle verkauft zu werden. Ich hatte den letzten Überlebenden von Schindlers Liste in Köln ausfindig gemacht. Und nicht zuletzt war Sascha womöglich ein Film von mir über einen Mann aufgefallen, der die Anschläge vom 11. September überlebt hatte. Er traute mir also Recherche und Umsetzung dieses Films über den geheimen Fightclub zu.
Inside Fightclub wurde für mich zum Arbeitstitel. Ich wusste allerdings nicht, ob ich darüber mit irgendwem sprechen durfte, und beschloss, nur meinem Bruder davon zu erzählen. Es müsste ja jemand in der Lage sein, mich zu suchen, sollten die Jungs wirklich gefährlich werden. Und ich musste sie selbst auch erst mal finden. Ich fing an, das Netz nach Prügelvideos zu durchforsten.
Tatsächlich ließen sich die Videos, von denen mir am Telefon erzählt wurde, schnell finden. Ich stieß auf zwei Clubnamen. Respect of the Streets und Kings of the Streets. Der zweite Club hatte seine Homebase allerdings in Schweden. Damit schied er aus und es blieb nur: Frontière – Respect of the Streets übrig. Doch damit gab es natürlich noch nichts, was ich Sascha hätte mitteilen können. Es fehlte der Kontakt zur Gruppe. Ich stieß auf ein Video, auf dem im Hintergrund ein Tattoo-Laden zu sehen war. Ich gab den Namen des Studios in die Suchmaske ein. Kein Treffer. Dann nahm ich eine alte abgelaufene Klicktel-CD-ROM, die ich mal gekaufte hatte. Nachdem das klassische Telefonbuch abgeschafft worden war, hatten viele ihre Nummer und Anschrift nicht mehr zur öffentlichen Nutzung freigegeben. Aber auf den alten Telefonbuch-CDs sind sie noch gespeichert. Ich hatte Glück. Es gab noch eine Nummer. Ich wählte die Nummer des Tattoo-Ladens. Ein Anschluss in Leipzig. „Ja?“, klang es aus dem Telefon. Ich sagte, wer ich bin und dass ich einen Kontakt zum Fightclub Frontière suchen würde.
„Die wollen mit der Presse nichts zu tun haben“, erwiderte die Stimme. Nachdem ich meinem unbekannten Gesprächspartner klargemacht hatte, dass ich wissen möchte, was sie antreibt, und ihn überzeugen konnte, dass ich nichts über sie berichten würde, das nicht wahr wäre, antwortete er mir: „Ich schreibe deine Nummer auf. Dann bekommst du einen Anruf. Viel Glück.“ Aufgelegt.
Anschließend verbrachte ich viel Zeit damit, mir Gedanken zu...




