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E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Bei Totschlag drücken Sie die #-Taste

Kurioses aus der Notrufzentrale
11001. Auflage 2011
ISBN: 978-3-492-95422-8
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kurioses aus der Notrufzentrale

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

ISBN: 978-3-492-95422-8
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ihr größter Vorteil ist gleichzeitig ihr größter Nachteil: Die 110 ist schnell gewählt, und so landen in der Polizeinotrufzentrale nicht nur Notfälle, sondern auch jede Menge Verirrte, Verwirrte und Verwöhnte: Autodiebe, denen das geklaute Auto geklaut wurde, Teenager, die von der Polizei nach Hause chauffiert werden wollen, ein Stalkingopfer, dessen skrupellose Peinigerin eine Katze ist ... Dialoge mitten aus dem Wahnsinn des Alltags. In seinem beliebten Blog berichtet der Autor, der seit 2003 in einer Leitstelle in Nordrhein-Westfalen arbeitet, seiner treuen Fangemeinde regelmäßig über die lustigsten Erlebnisse am Notruftelefon.

»Steel« arbeitet seit 2003 in einer Polizeinotrufzentrale am anderen Ende der 110 und möchte außerhalb seines Einsatzgebietes lieber anonym bleiben. In einem beliebten Blog berichtet er seiner treuen Fangemeinde regelmäßig über die lustigsten Erlebnisse am Notruftelefon.
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Die Polizei, dein Freund und Helfer in allen Lebenslagen


Nur zu gern werde ich der Rolle als »Freund und Helfer« meiner Mitmenschen gerecht, auch wenn man erfahrungsgemäß meist dann so tituliert wird, wenn ein anderer etwas von einem will. Manchmal aber – nach x Nachtschichten und Sondereinsätzen – könnte der Freund in allen Lebenslagen glatt seine Freundlichkeit vergessen. Da hilft oft nur Durchatmen – tief durchatmen. Schließlich weiß der Anrufer ja nicht, dass ich für zehn Städte verantwortlich bin. Er kann auch nicht ahnen, wer vor ihm angerufen und womöglich mit Geiselnahme, Suizid, Totschlag oder anderen Maßnahmen gedroht hat. Am Telefon herrscht in gewissem Maße Anonymität – ein Umstand, der einige Anrufer offenbar dazu bringt, die Silbe »Not« in »Notruf« geflissentlich zu ignorieren und frei von der Leber weg zu erzählen, was ihm so gerade durch den Kopf geht und wo in seinem Leben er denn gern einen Freund oder auch nur Helfer zur Seite hätte. Manchmal aber ist der Anrufer auch derart kreativ, dass es einem die Sprache verschlägt. Sie glauben es nicht? Schon mal was von Handysuchhunden gehört?

Gekotzt


»Polizeinotruf.«

Die Stimme einer jungen Frau: »Ja, hallo. Meine Mutter hat hier eben gekotzt, und der geht es nicht gut.«

»Aha. Soll ich Ihnen einen Krankenwagen schicken?«

»Nee, nee. Also, wir waren im Bus, und dann hat die angefangen zu kotzen. Und dann war ein Mann total unfreundlich, und mein Freund hat Stress mit dem gekriegt. So. Und dann hat der Busfahrer uns rausgeschmissen, weil meine Mutter alles vollgekotzt hat und mein Freund Stress mit dem Typen hatte.«

»Ja – und jetzt?«

Ungeduldig: »Ja – jetzt wollen wir nach Hause.«

Bestätigend: »Gute Idee, das halte ich auch für das Beste.«

Hoffnungsvoll: »Ja, kommen Sie vorbei und holen uns ab? Wir sind gerade am …«

Unterbrechend, stur: »Warum sollten wir Sie abholen?«

Beharrlich: »Na, meine Mutter hat doch gekotzt, und der Bus ist weg!«

»…«

Baggern


»Polizeinotruf.«

Eine Frau, um die fünfzig, resolut: »Ja, also, ich bin gerade in der Großküche. Drei Jugendliche sind mich hier am Anbaggern.«

»Was machen die?«

Ungeduldig: »Ja, die baggern mich an!«

Begriffsstutzig: »Aha. Was wollen die denn genau?«

»Ja … äh … ficken!«

Verblüfft, amüsiert: »Ficken? Aha. Wo sind die denn jetzt?«

»Na, hintenrum. Umweltschutz, denke ich mal so. Ich muss jetzt aber auch weiterkochen.«

Klick.

»???«

Positive Verstärkung


»Polizeinotruf.«

»Ich wollte mich nur ganz herzlich für die gute Zusammenarbeit bedanken. Vielen Dank und weiterhin alles, alles Gute.«

Klick.

Äh … Freut mich. Sie können ruhig öfter anrufen … :-)

Auf 40 runter


»Polizeinotruf.«

Eine männliche Stimme, leicht hektisch, etwas nuschelnd: »Guten Tach. An dem Haus hier nebenan, da sind so zwei Strahlungsanlagen. Die strahlen so stark, dass ich schon krank bin. Die Strahlen gehen ja überall durch, obwohl ich meine Wände schon präpariert habe.«

Interessiert. »Ach, sind das die beiden Anlagen in N-Stadt?«

»Ja, ganz genau. Die sind beide neu.«

Souverän. »Ja, stimmt. Die sind wohl noch nicht richtig eingestellt. Ich stelle die mal beide auf 40 runter, dann merken Sie nichts mehr davon.«

Überrascht: »Wie – Sie können das?«

Stolz: »Schon erledigt. Ich bin ja bei der Leitstelle für den ganzen Kreis. Wir haben hier die tollste Technik!«

Dankbar. »Ja – meine Kopfschmerzen lassen auch schon nach. Aber lassen Sie die Anlagen jetzt bitte auch auf 40! Nicht, dass Sie die wieder hochstellen!!!«

»Versprochen.«

»Jetzt schalt mal wieder auf 40 runter« war daraufhin eine ganze Weile lang in unserer Leitstelle ein geflügeltes Wort.

Ein Fall für die Suchhundstaffel


Sonntagmorgen, 6:27 Uhr

»Polizeinotruf.«

Eine männliche Stimme, leicht nuschelnd: »Hallo. Schicken Sie bitte mal schnell ein paar Kollegen zu mir.«

»Um was geht es denn bitte?«

»Ich hab mein Handy verloren.«

»Handy? Verloren?«

»Ja, sag ich doch. Ich hab das hier irgendwo verloren.«

Schmunzelnd: »Und nun sollen wir das für Sie suchen, oder was?«

Energisch: »Ich brauche sofort ein paar Leute, die mal die Straße ordentlich ausleuchten, mit Taschenlampen oder so, und am besten bringen Sie ein paar … äh … Handysuchhunde mit!«

Handysuchhunde. Na, der ist ja mal kreativ. Trotzdem muss ich das ablehnen. »Tut mir leid. Dies ist die Notrufzentrale, hier geht es um wirkliche Notfälle. Ich kann Ihnen keine Kollegen vorbeischicken.«

Genervt: »Boah, ey – sach mal. Wozu ist die Polizei denn überhaupt da?«

Böse Handwerker


»Polizeinotruf.«

Männliche Stimme, aufgeregt: »Das ist kein Notruf, sondern ein Hilferuf!«

Da ist Professionalität angesagt. »Bitte nennen Sie mir möglichst deutlich die Adresse und worum es sich bei diesem Hilferuf dreht.«

»Also, hier bei uns wird in einer Nachbarwohnung renoviert. Die Arbeiter schlagen ständig die Tür laut zu, wenn sie gehen. Dabei ist das gar nicht nötig – man kann die Türen hier nämlich auch leise schließen.«

Tief durchatmen. »Tja, dann sprechen Sie die Leute doch mal an!«

»Das habe ich bereits getan. Ich habe sogar ein Schild gemacht, auf dem steht: ›Wenn die Tür nicht leise geschlossen wird, rufe ich die Polizei.‹ Aber die lachen nur darüber.«

Gedacht: Tja, würde ich vielleicht auch, wenn ich nicht »die Polizei« wäre.

Gesagt: »Dann sprechen Sie am besten einen Verantwortlichen an.«

»Aha. Ja, dann muss ich wohl erst mal mit meinem Vermieter reden, um von dem die Telefonnummer zu erfahren.«

»Okay, dann machen Sie das.«

»Gut, ich bedanke mich. Tschüss.«

Fünf Minuten später.

»Polizeinotruf.«

»Ja, ich bin es noch mal. Ich hatte eben wegen der Türenknallerei angerufen.«

Seufz. »Ja, ich erinnere mich.« O ja, das tue ich …

»Also, ich habe jetzt meinen Vermieter angerufen. Der hat nur gesagt, ich könne ihn mal am Arsch lecken, und hat aufgelegt.«

Lieber Vermieter, ich danke dir sehr für diese Inspiration … ;-)

Altweiberfastnacht I


»Polizeinotruf.«

Ein alter Mann kräht mich an. »Jaaaaa … Können Se ma kommen?«

Offenbar rufen nicht nur Kinder, sondern auch Angetrunkene gern mal bei uns an, um uns den Tag zu versüßen. Ich bleibe ernsthaft. »Kommt darauf an. Worum geht es denn?«

Er kräht weiter. »Jaaaaa … Hier steht ein Lkw.«

Es klingeln weitere Notrufe. Gib Gas, alter Freund. »Ja, und was ist mit dem Lkw?«

»Jaaaa … der steht hier auf dem Bürgersteig.«

»Aha. Und jetzt können Sie nicht daran vorbei.«

»Neeee, neeee … Das ist es nicht. Ich kann daran vorbei.«

Ruhig bleiben. »Ja, aber?«

»Ich kann das Kennzeichen gerade nicht sehen … Moment.«

Grrr. »Sagen Sie doch erst mal, wo das Problem ist, bitte!«

»Ich habe mit dem Fahrer gesprochen. Der sagt, er fährt gleich wieder weg.«

Da klingeln immer noch Notrufe, die auch auf mich warten. Drängend: »Ja, das ist doch super. Dann ist doch alles klar, oder?«

»Jaaa … Moment noch. Ich muss näher ran – ich kann das Kennzeichen nicht erkennen.«

»Ist auch egal. So dringend muss ich es gar nicht wissen. Aber ich muss jetzt schnell auflegen, da wollen noch andere Leute mit mir sprechen, okay!?«

»Jaaa … ach wissen Se, ich bin auch ein wenig betrunken. Soll ich nach Hause gehen?«

»Ja, bitte!«

»Also dann … machen Se’s gut.«

»…«

Altweiberfastnacht II


»Polizeinotruf.«

Eine Frau mittleren Alters, leicht säuselnd: »Das ist aber kein Notruf.«

»So.«

»Aber ich will schon lange etwas sagen.«

»Na, dann mal schnell raus damit!«

»Hier auf der Y-Straße, da treiben sich oft Typen rum – das ist nicht die wahre Freude. Fahren Sie ruhig mal öfter vorbei.«

Altweiberfastnacht III


»Polizeinotruf.«

Eine Männerstimme. Aggressiv, provozierend: »Na, sind Sie schön am Feiern, hm!?«

»Wir?«

»Ja, klar. Genau Sie. Feiern Sie schön?«

»Joah, so kann man das auch nennen.«

»Das denke ich mir. Sie haben es schön, hm?«

»Ja, danke der Nachfrage.«

»Wo kann man denn jetzt noch so feiern, hmmmmm?«

»Überall da, wo sich ein paar nette Menschen finden, würde ich sagen.«

»Ach. Vielleicht schauen Sie trotzdem mal am P-Platz in M. vorbei. Falls Sie dann mal doch Zeit haben. Da randalieren nämlich welche. Das stört mich ganz schön.«

Aus Prinzip


Gespräch eines Kollegen im Nachtdienst:

Ein älterer Mann. »… Musik viel zu laut. Das kann so nicht sein. Ich möchte, dass Sie sofort herkommen und für Ruhe sorgen. Eine Unverschämtheit, so...



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