E-Book, Deutsch, 420 Seiten
Bekker / Baeumer Zwei Selfkant-Thriller: Niederrhein-Mörder
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7368-7407-7
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Cassiopeiapress Sammelband
E-Book, Deutsch, 420 Seiten
ISBN: 978-3-7368-7407-7
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Der Umfang dieses Ebooks entspricht 455 Taschenbuchseiten. Dieses Ebook beinhaltet folgende zwei Romane: Kaffee, Kunst und Kaviar Mercator, Mord und Möhren Nach Alfred Bekker's NIEDERRHEIN-KILLER jetzt NIEDERRHEIN-MÖRDER! Zwei Selfkant-Krimis in einem Band: Kaffee, Kunst und Kaviar Mercator, Mord und Möhren Die beiden Krimis von Alfred Bekker mit Albert Baeumer sind auch einzeln lieferbar. DER INHALT ENTSPRICHT DEN 400 TEXTSEITEN DER PRINT-ORIGINALAUSGABEN. NICHT ENTHALTEN SIND DIE GRAFIKEN DES PRINT-ORIGINALS. KAFFEE, KUNST UND KAVIAR Es geht um ein unbekanntes Dürer-Bild, eine Leiche im Betonpfeiler, deren Zeigefinger auf ein Graffitto deutet und einen wiedergeborenen Künstler. Ein Krimi aus der Selfkant-Region, dem westlichsten Zipfel Deutschlands. Elben- und Drachenerde-Autor Alfred Bekker schrieb zusammen mit Albert Baeumer unter dem Titel »Kaffee, Kunst und Kaviar - Letzte Ausfahrt Selfkant« bereits den zweiten Thriller einer Serie, in der reale Personen die Hauptrollen spielen. Im Mittelpunkt der blutigen Handlung steht der real existierende Lokalreporter Georg Schmitz - aber auch zahlreiche Nebenfiguren sind echten Personen nachempfunden und tragen ihre tatsächlichen Namen, wofür sie sich beim Verlag beworben haben. Zum Krimi MERCATOR, MORD UND MÖHREN: Was hat eine Möhre mit dem Rätsel um den Mercator-Stein in der Gemeinde Gangelt zu tun, wo vor fast 500 Jahren einst der Kartograph Gerhard Mercator einen Längen- und und einen Breitengrad sich kreuzen ließ? Und warum sterben plötzlich in Gangelt Menschen eines unnatürlichen Todes? Reporter Georg Schmitz ermittelt.
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Kapitel 1
Ein kühler Wind blies zwischen den Brückenpfeilern hindurch und setzte etwas in Bewegung, dessen schepperndes Echo sich unheimlich in dieser Abgeschiedenheit anhörte. „Du müsstest den Hund mal richtig erziehen!“ „Jetzt meckerst du auch noch herum!“ „Ist doch wahr! Wenn man pfeift, müsste er kommen. Und zwar sofort!“ „Ja, ja ...“ „Habe ich nicht recht?“ „Seitdem ich dir den Hof überschrieben habe, hast du anscheinend immer recht!“ „Ach, Quatsch, was hat das denn damit zu tun!“ Jens Termeulen war ein kräftiger, breitschultriger Mann mit rötlichem Haar und vielen Sommersprossen. Er war Bauer, fünfunddreißig Jahre alt und hatte durch seine Beteiligung an der Fernsehsendung „Bauer sucht Frau“ eine kurzzeitige überregionale Berühmtheit erlangt. Im Selfkant hingegen hatte er sich einen Namen als Skatspieler gemacht und früher sogar in der Birgdener Spitzenmannschaft gespielt. Sein Vater, Rudolf Termeulen, war genau doppelt so alt wie er. Beide sahen sich sehr ähnlich, bis auf den Umstand, dass das Haar des Vaters inzwischen nur noch an ein paar Stellen rot und ansonsten schon sehr grau war. „So’n Hund muss man richtig erziehen. Dann läuft der auch nicht weg!“, grummelte Vater Termeulen. „Aber inzwischen traut sich ja schon der Postbote nicht mehr auf den Hof, weil dieser bissige Köter ihn vertreibt!“ „Ach komm, Vater, jetzt übertreibst du aber!“ „Ist doch wahr!“ „Zwei Stunden suchen wir die Töle jetzt schon. Das hätte alles nicht sein müssen!“ „Ja, ja ...“ „Ja, wirklich!“ „Kann ich dir eigentlich noch irgendetwas recht machen?“ So vor sich hinschimpfend erreichten sie die Brücke, die über die neue B 56 n geführt wurde. Nun war allerdings die Brücke eher fertig geworden als das betreffende Stück Bundesschnellstraße. Jens Termeulens Blick schweifte über die weit ausgedehnten, im frühen Sonnenlicht schimmernden Felder. In der Ferne sah er weitere Brücken, die seltsam bizarr anmuteten, weil die darunterführende B 56 n noch fehlte. Diese neue Selfkant-Trasse würde mehrere, bis dahin benachbarte Dörfer voneinander trennen. Die mächtigen Planierraupen hatten tiefe Furchen durch die Landschaft gezogen, sodass die Baustelle ein wenig einer bizarren Mondlandschaft glich. Unter der Brücke hatte sich der Hund, er hörte auf den besonders originellen Namen Rex, schon einmal verkrochen. Was zwischen den Betonpfeilern so interessant sein mochte, lag auf der Hand oder besser gesagt, es klebte am Beton, denn zurzeit war das Gebiet ein Eldorado für Hundehalter. „Rex!“, rief Jens Termeulen im Befehlston. Er kam sich immer lächerlich vor, wenn er streng klingen wollte. Vielleicht hörte der Hund auch deswegen nicht auf ihn. Aber irgendwie war der strenge Befehlshaber einfach keine Rolle, in der er sich wohlfühlte. „Rex!“, rief er noch einmal und nun etwas lauter. Ein aufgeregtes Bellen war zu hören. „Das ist er!“, meinte Jens‘ Vater überzeugt, und seiner Stimme war die Erleichterung anzumerken. Sie fanden ihn hinter einem der Betonpfeiler. Die Sonne schien schräg unter die Brücke. Die Pfeiler warfen lange Schatten, und in eine dieser dunklen Zonen war Rex, ein reinrassiger, aber unerzogener deutscher Schäferhund, gekrochen. Irgendetwas an dem Pfeiler interessierte ihn. Er schnüffelte, kratzte, knurrte ... Etwas Betonstaub rieselte zu Boden. „Rex, nun komm endlich!“ Die beiden Männer gingen näher an den Hund heran. Jens versuchte ihm die Leine anzulegen, was das Tier sich erst nicht gefallen lassen wollte. „Wirst du wohl!“ „Du, Jens ...“ „Hilf mir lieber mal, anstatt nur herumzumeckern!“ „Jens, sieh dir das mal an!“ Der erschrockene Tonfall ließ Jens hochschauen, und er erstarrte ebenso wie sein Vater. Die beiden Männer wurden bleich und fast so grau wie der Beton, aus dem die Pfeiler gegossen worden waren. „Das gibt’s doch nicht!“, murmelte Vater Termeulen völlig fassungslos. Jens schluckte. „So etwas“, dachte er laut, „gibt es doch eigentlich nur in richtigen Horrorfilmen.“
„Letzte Ausfahrt Selfkant“, seufzte der etwas füllige Mann mit dem sympathisch wirkenden Gesicht. Seine gelockten Haare waren dunkelblond, der Schnauzbart ebenfalls. Die randlose Brille sorgte dafür, dass der verschmitzt wirkende Blick seiner Augen gut zur Geltung kam. Er wirkte nicht nur verschmitzt, er hieß auch noch so. Georg Schmitz, von seinen Freunden und Bekannten einfach nur „George“ genannt, passierte mit seinem VW Lupo die Ortsausfahrt von Geilenkirchen in Richtung Gillrath. Dabei schaltete er routinemäßig den Radiosender „100,5 DAS HITRADIO“ ein, der eine Mischung aus aktueller Musik und lokaler Berichterstattung brachte. Für George sozusagen die Konkurrenz aus dem Äther. Der Reporter lächelte. Im Zweifel bin ich trotzdem meistens schneller als die Kollegen vom Radio, dachte er. George war im gesamten Westzipfel des Dreiecks Aachen, Heinsberg, Geilenkirchen und darüber hinaus gewissermaßen eine Institution; ein rasender Reporter, der für die hiesigen Tageszeitungen und Wochenblätter schrieb. Er verfügte über ein hervorragendes Netz von Informanten und Zuarbeitern. Wenn irgendwo etwas Außergewöhnliches geschah, traf er nicht selten zusammen mit der Polizei, den Rettungskräften oder der Feuerwehr am Tatort ein, und man konnte sich immer wieder nur wundern, wie er die Neuigkeiten quasi mit dem Wind zu wittern schien. „Letzte Ausfahrt Selfkant“, murmelte George noch einmal. Ihm gingen dabei viele Dinge durch den Kopf. Er dachte an „Letzte Ausfahrt Brooklyn“, einen Roman von Hubert Selby. Ihn zu lesen, dafür hatte er bisher keine Zeit gehabt. Schließlich war er Lokalreporter und nicht fürs Feuilleton zuständig. Den Film hatte er aber gesehen und die Kritiken der Kollegen vom Ressort Kultur gelesen. Ein deprimierender Film in einer bedrückenden Umgebung. Liebende Menschen in unglücklichen Zeiten, so hatte es ein Kritiker formuliert. Wer sich umbringen wollte und noch nicht den richtigen Mut gefunden oder sich in die richtige Stimmung gebracht hatte, dem war er wärmstens ans Herz zu legen. Aber die deprimierenden Stadtlandschaften aus dem heruntergekommenen Brooklyn der Fünfzigerjahre hatten nichts mit der freundlichen Weite des Selfkants zu tun. Während die Bilder des städtischen und menschlichen Verfalls aus dem fernen Amerika mahnten, wie unerbittlich die Zeit voranschritt, so ließen einen die Burganlagen von Gangelt oder Millen eher darüber nachdenken, ob die Zeit überhaupt verging oder ob sie nicht vielleicht irgendwann im Spätmittelalter oder der frühen Neuzeit stehen geblieben war. Ohne die Autos und den Asphalt auf den Straßen, ohne die modernen Gebäude hätte man sich in die Zeiten von Albrecht Dürer oder Gerhard Mercator zurückversetzt fühlen können, in denen die Grafen von Jülich-Berg über das Land geherrscht hatten, und die Pest im Aachener Land die Kaiserwahl von Karl V. für Monate verzögerte. Und doch, der Selfkant und Brooklyn hatten etwas gemeinsam: eine letzte Ausfahrt. So wie in New York die mehrspurigen Expressways Stadtviertel durchschnitten und undurchlässiger waren als manche Staatsgrenze, so durchzog die B 56 n den Selfkant. Von Heinsberg aus sollte sie sich eines Tages bis zur niederländischen Grenze ziehen und den Durchgangsverkehr durch die kleinen Ortschaften verringern. Aber noch war die Lücke zwischen der niederländischen A 2 und der A 46 bei Heinsberg nicht geschlossen. Immer wieder wurden neue Teilstücke für den Verkehr freigegeben. Insofern schob sich die „letzte Ausfahrt Selfkant“ jeden Tag ein Stück weiter in Richtung der niederländischen Grenze. George sollte eine kleine Reportage über die Fortschritte an der sich ständig verlagernden Baustelle machen. Aber das war nicht der eigentliche Grund dafür, dass er jetzt in den Selfkant fuhr. Auf seinem Programm standen noch ein Bericht über eine Ausstellung und Vortragsveranstaltung lokal bekannter Künstler sowie die Recherche über die gestohlene Bronzegans, dem Wahrzeichen Gangelts. Und dann gab es da noch eine Fahrerflucht mit Todesfolge, die bis heute nicht richtig aufgeklärt war, bei der George noch mal nachhaken wollte. Kleinkram eben. Nichts Spektakuläres wie im letzten Jahr, als Georg Schmitz ein paar Tage im Mercator-Hotel von Gangelt verbracht hatte, um Urlaub zu machen, und ausgerechnet in dieser Zeit ein brutaler Mörder in dem kleinen, mittelalterlich geprägten Ort sein Unwesen getrieben hatte. Aus dem Urlaub war daraufhin natürlich nicht mehr viel geworden. So ein außergewöhnliches Ereignis verlangte danach, dass George seine besonderen...




