Wie eine Gepardin strich sie an der Tanzfläche entlang und ließ ihren Luxuskörper schließlich auf einem Barhocker nieder. Die anderen Girls im ›Dixieland‹ bekamen lange Gesichter. Sie wußten genau: Wenn Ninotschka aufkreuzte, dann konnten sie einpacken.
Aber eins war den blond - oder rotgefärbten Schönheiten nicht bekannt. Dies würde der letzte Abend von Ninotschka Kostikowa in der russischen Hauptstadt sein.
Der Mann sah auf den ersten Blick gar nicht mal unsympathisch aus.
Das blondhaarige Mädchen mit dem blutroten Lippen schätzte ihn auf Mitte Fünfzig bis Anfang Sechzig, doch unter dem Maßanzug schien sich ein durchtrainierter Körper zu verbergen. Sein eisgraues Haar trug er in einem jugendlichen Kurzhaarschnitt. Sein kantiges Kinn wandte sich ihr zu wie der Bug eines Schiffs, das den Kurs wechselt.
Auf seinen dünnen Lippen erschien ein Lächeln.
Wenigstens hängt ihm die Zunge nicht bis auf den Boden wie den anderen Kerlen, dachte Ninotschka verächtlich. Dabei hatte sie alles getan, um eben diese Wirkung zu erzielen.
Unter ihrem Jäckchen im Boleroschnitt trug sie nur eine Lederkorsage, die ihre festen Brüste noch betonte. Das Oberteil war praktisch rückenfrei.
Der Eisgraue nickte ihr zu.
Jewgeni, der Barkeeper, stellte einen Cocktail vor das Mädchen auf die blankpolierte Theke. Einen ›Sidecar‹. Wie es sich für einen Nachtclub mit amerikanischem Namen gehört.
»Der Gentleman lädt dich ein«, sagte Jewgeni und deutete auf den Mann in dem teuren Anzug.
Die Oberlippe des Barkeepers wurde von einer häßlichen Narbe verunziert. Andenken an einen Bandenkrieg mit rivalisierenden Aserbaidschanern. Aber Jewgeni machte keine schmutzigen Geschäfte mehr, war jetzt sauber.
Soweit das im Moskauer Nachtleben überhaupt möglich war.
Ninotschka ließ ihren Charme sprühen. Als Folge davon erschien der Eisgraue so schnell auf dem Barhocker neben ihr, als ob Mr. Scott vom ›Raumschiff Enterprise‹ ihn dorthingebeamt hätte.
»Sie sind sehr großzügig, Mister.« Ninotschka sprach ihn auf Englisch an. Das tat man in diesen heißen Läden des Moskauer Zentrums, wo die Touristen mit den dicken Brieftaschen und die Russinnen in Miniröckchen einander trafen.
»Ich bin allein hier in Moskau. Und freue mich über jede Gesellschaft.«
Der Mann sprach englisch mit dem harten Akzent der Skandinavier.
Ninotschkas Lächeln gefror für einen Moment. Die Nachfahren der Wikingerwaren selbst für Nachtclub-Verhältnisse enorm trinkfest.
Mit anderen Worten: Sie soffen wie die Stiere!
Aber die blonde Schönheit hatte einen sechsten Sinn für ihre ›Kunden‹ entwickelt. Und sie spürte genau, daß dieser alte Knabe hier die Krönung ihrer russischen Karriere sein würde.
Der Eisgraue stellte sich als Ole Gröndal vor. Ein dänischer Geschäftsmann, der gerade eine vollautomatisierte Produktionsanlage an einen der neuen Moskauer Betriebe verkauft hatte.
Ninotschka hörte sich seine Geschichte an und heuchelte Interesse. Das beherrschte sie meisterhaft. In Wahrheit interessierte sie nur der Inhalt seiner Brieftasche.
Aber das würde er noch früh genug merken.
Gröndal kippte den Wodka wie ein Kolcho.senbauer. Dabei war ihm keine Wirkung anzumerken. Obwohl er das Zeug wie Wasser trank.
Ninotschka stellte sich auf eine lange Nacht ein und ließ sich von ihm Feuer geben. Sie rauchte nur amerikanische Zigaretten.
Im Fernsehen hatte sie gehört, daß in den USA selbst das Rauchen inzwischen völlig aus der Mode gekommen war. Das spielte für sie keine Rolle. Sie träumte trotzdem vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten.
Und schon am nächsten Morgen sollte ihr Wunsch Wirklichkeit werden. Mit Ole Gröndals Hilfe.
Obwohl er davon noch nichts ahnte.
Die Luft war grau vom Zigarettenqualm. Die Klimaanlage des ›Dixieland‹ kam nicht an gegen die Rauchschwaden.
Die Russin rutschte immer näher an ihr Opfer heran.
Ninotschka war wie eine Raubkatze. Ihr biegsamer Körper berührte den Mann immer wieder, zog sich dann sofort wieder zurück. Steigerte so sein Verlangen nach ihrer weißen, seidigen Haut immer stärker.
Es war erst kurz nach Mitternacht, als die Blondhaarige ihn soweit hatte. Er wollte weg aus dem ›Dixieland‹. Aber in Begleitung von Ninotschka natürlich.
»Ich weiß ein lauschiges Plätzchen«, behauptete das russische Girl und versenkte dann ihr Zungen bei einem sinnlichen Kuß weit in Gröndals Mundhöhle. Der Däne keuchte, als ob er gerade einen Tausend-Meter-Lauf hinter sich hätte. »Dort haben wir Ruhe. Aber das kostet 200 Dollar.«
Mit einer beinahe gelangweilten Geste drückte der Geschäftsmann die beiden Scheine in die Hand der Blonden. Er glaubte, damit wäre für ihn der Abend gelaufen.
Und das war er auch wirklich.
Aber anders, als es sich Ole Gröndal vorstellte.
Engumschlungen traten der Skandinavier und die Russin hinaus in die kühle Moskauer Frühlingsnacht. Überall auf den breiten Boulevards der russischen Hauptstadt kreuzten Taxis. Legale und illegale. Es dauerte keine Minute, bis sie eins davon geentert hatten.
Ninotschka gab dem Fahrer Anweisung, Richtung Taganka zu fahren. Gröndal begann damit, sie wie wild abzuknutschen.
Das Mädchen spielte ihm Leidenschaft vor. Doch innerlich fragte sie sich, ob er wirklich schon besoffen genug war. Das war bei diesen verflixten Skandinaviern immer so schwer einzuschätzen.
Aber egal, beruhigte sich die Russin. Es wird ja heute das letzte Mal sein…
Der Taxifahrer hielt in der Nähe eines heruntergekommenen Wohnblocks. Murrend kassierte er den Fahrpreis in Rubel. Die russische Währung verlor von Tag zu Tag mehr an Wert. Ninotschka gab ihm als Trost den dreifachen Betrag. Schon bald würde sie keine Rubel mehr brauchen.
Gröndal ließ seine Hand nicht von ihrem Hintern, während das ungleiche Paar durch ein Hinterhof labyrinth schritt. Ihr Ziel, das sie auch schließlich erreichten, war eine düstere und feuchte Wohnung.
Der Däne schwankte noch nicht einmal.
Ninotschka nagte zweifelnd an ihrer Unterlippe. War er überhaupt nennenswert betrunken?
Aber jetzt war es zu spät. Nun gab es kein Zurück mehr.
Das Mädchen schloß die Tür des schmuddeligen Apartments auf. Ihr Begleiter lockerte schon im Flur den Schlips und öffnete den Gürtel seiner Hose.
Schnell lief Ninotschka ihm ins Schlafzimmer voraus. Dort befand sich neben dem luxuriösen Doppelbett auch ein mindestens ebenso wichtiges Möbel.
Der Kühlschrank.
Selbstverständlich befanden sich darin neben anderen Spirituosen auch einige Flaschen Wodka. Der teuersten Marke. Andere Kunden bevorzugten französischen Cognac oder amerikanischen Whisky. Für die Russin machte es keinen Unterschied. Ihre Spezial-Mixtur wirkte in allen Schnäpsen.
Immer heftiger ging ihr der Däne an die Wäsche. Seine Hände schoben sich unter ihre Korsage, die Finger tasteten nach den Brustwarzen. Er blies seinen Wodkaatem in ihr Ohr.
»Ich habe schrecklichen Durst!« flötete Ninotschka. »Noch einen letzten Drink, bevor wir…?«
Und sie kniff vielsagend ein Auge zu.
Das ließ sich der Geschäftsmann nicht zweimal sagen. Während er weiter die Hüllen fallen ließ, goß ihm das Girl einen dreistöckigen Wodka ein.
Niemand hätte bemerken können, wie Ninotschka mit flinken Fingern auch noch das starke Betäubungsmittel Klofelin in sein Glas schüttete.
Für sich selbst bereitete sie einen Campari mit Orangensaft.
Schon im Nachtclub hatte sie kaum Alkohol getrunken. Jewgeni wußte genau, wie er die Gläser zu füllen hatte. Dafür bekam er ja seine Provision.
In Gröndals Augen glomm die Lust. Ob auf Ninotschkas Luxuskörper oder auf den russischen Schnaps, war schwer zu sagen. Wahrscheinlich auf beides.
Mit einem einzigen Zug kippte er sich das Glas mit dem eisgekühlten Wodka hinter die Binde.
Dann machte er sich am Reißverschluß von Ninotschkas Minirock zu schaffen. Zentimeter für Zentimeter zog er ihn herab, legte immer mehr von ihren spitzenbesetzten Dessous frei und…
Er kam nicht mehr dazu, das Mädchen nackt zu sehen.
Das Klofelin killte seinen Kreislauf wie ein Insektenspray die Mücken.
Wie leblos sank der Geschäftsmann zu Boden.
Sofort begann das Mädchen mit dem Fleddern. Ein Pfiff drang über ihre sinnlichen Lippen.
5.000...