Bekker / I. Dahlson / Kramer | Der entlaufene Algorithmus | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 113 Seiten

Bekker / I. Dahlson / Kramer Der entlaufene Algorithmus


1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7487-3703-2
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 113 Seiten

ISBN: 978-3-7487-3703-2
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Kann eine KI romantische Gefühle entwickeln und sich verlieben? Hat sie Sehnsucht nach körperlicher Zärtlichkeit, nach Sinnlichkeit, Leidenschaft? Die Antwort ist  'Ja', denn sie ist das Produkt unserer Phantasie. Wird sie das wundervolle, weite Spektrum körperlicher Empfindungen durch einen Avatar erfahren können? Kann sie in Symbiose mit einem vertrauten Menschen körperliche Liebe fühlen? Unser Escape-Game beruht auf den Geschichten der vorliegenden Anthologie  und dreht sich genau um diese Fragen. Aber unsere KI braucht Hilfe, um ihren Traum Wahrheit werden zu lassen. Alle sind eingeladen daran teilzunehmen und mit uns zu diskutieren. Wie findet man den Einstieg ins Spiel? Der Link ist hier im Buch versteckt. Viel Spaß beim Lesen und beim Spielen.

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Kapitel 1.2: Der Auftrag

In einer kleinen Stadt auf der Erde, Rapid City, bestieg eine kleine Frau mit kräftigem, schwarzen Haar ihren Pick-up. Karr, eigentlich Karridwen, hatte ihren Wagen direkt vor der Software Firma geparkt. Seit zwei Jahren arbeitete sie dort als Entwicklerin an einem geheimen Projekt. So heimlich, dass jeder, alle persönlichen Gegenstände, sogar Kleidung, vor einer Schleuse abgeben musste. Man betrat das Labor mit spezieller Arbeitskleidung, ohne Taschen. Lediglich kleinen Schmuck durfte man in den Sicherheitstrakt mit hineinnehmen. Diese Prozedur war lästig und zeitraubend. Das Management hatte große Angst vor Industriespionage. Das erklärte auch warum die Firma dieses Prestigeprojekt gerade nach Rapid City verlegt hatte. Eine Stadt, die sicher nicht für Software-Entwicklung berühmt war. Karr war spät dran, sie steuerte ihren Wagen auf die Interstate 190 Richtung Norden, um dann die 90 nach Osten zum Indianer-Reservat der Sioux zu nehmen. Trotz ihres keltischen Vornamens war sie eine Sioux. Karridwen Mahkahpee, welch eine Mischung. Es hieß, ihre Ur-Urgroßmutter wäre eine Waliserin gewesen. Eine Weiße, die plötzlich eines Tages vor den Zelten ihres Stammes aufgetaucht war. Sie soll behauptet haben, die Göttin der Erde hätte sie geschickt. Der Häuptling wollte sie schon verjagen, aber Mahkah, der Medizinmann hatte nur genickt und die weiße Squaw aufgenommen, sie geehelicht. Seitdem tauchte der Name Karridwen immer wieder bei den Töchtern der Familie auf. Jetzt hatte ihre Großmutter nach ihr verlangt, dringend. Sie läge im Sterben und es sei äußerst wichtig, dass sie noch einmal mit Karr spricht. Sie mochte ihre Großmutter. Obwohl diese schon mehrmals vom Sterben gesprochen hatte, beeilte sie sich, denn man konnte ja nie wissen, ob es diesmal nicht doch ernst war. Mit diesem klapprigen Pick-up würde sie mehr als 4 Stunden für die 200 Meilen bis zu ihrem Stamm brauchen. So war es auch fast Mitternacht, als Karr vor dem einfachen Holzhaus ihrer Großmutter anhielt. Die Schotterstraße, die am Anwesen ihrer Großmutter vorbeiführte, verlor sich in der Weite des Graslandes. Im hellen Mondlicht des Winterhimmels kamen Kindheitserinnerungen hoch. Es roch nach Sommer und nach den Kräutern der Prärie. Hier hatte Karr als kleines Mädchen mit den anderen Kindern des Stammes gespielt, hatte ihr erstes Pferd bestiegen und hatte sich zum ersten Mal verliebt. Hier war sie zu Hause. Trotz seines Alters war das Häuschen sehr gepflegt. Der Vollmond war in dieser Nacht so hell, dass man die rötliche Farbe der Wände gut erkennen konnte. Sie hatte nie von hier weggehen wollen, doch ihre Großmutter hatte sie gedrängt. „Du musst in die Stadt ziehen! Du musst lernen! Der Stein hat zu mir gesprochen.“, hatte sie immer wieder betont. Und wenn Großmutter den Stein zitierte, dann blieb einem nichts Anderes übrig – man gehorchte. So verlies Karr die Weite des Reservates und zog zu Verwandten nach Rapid City. Dort besuchte sie das College und später die State-University in Brookings. Sie hatte wohl Talent, denn sie bekam ein Stipendium, nicht nur wegen ihres indianischen Blutes. Die Großmutter und ihr Stein. Es hieß, die Waliserin hätte ihn mitgebracht, weil er das von ihr verlangt hätte. Alle Frauen der Familie schwörten, der Stein würde zu ihnen sprechen. Karr war, nach Großmutter, die Letzte in der Reihe, doch sie hatte noch nie ein Wort vom Stein vernommen. Als Kind hatte sie ihn Stunden lang im Schoss gehalten und gewartet, dass er redet, wenigstens ein kurzes Wort, doch der Stein schwieg. Natürlich, denn er war auch nur ein Stein. Karr stieg die zwei Stufen zur Veranda hoch und klopfte an die Türe. Tante Chapawee begrüßte sie und schob sie dann gleich in Richtung Schlafzimmer. „Du kommst spät, Karridwen. Sie hat schon mehrmals nach dir gefragt.“ Aus dem Schlafzimmer drangen gedämpfte Stimmen. „Stimmt es, dass sie im Sterben liegt?“, fragte Karr. „Quatsch. Die Alte ist zäh. Sie wird uns alle überleben.“ „Großmutter!“, begrüßte Karr die, in festlichem traditionellem Kleid auf einem Büffelfell liegende alte Frau. „Karridwen, schön dass du rechtzeitig kommst. Komm näher und lass dich umarmen.“ „Wie geht es dir, Großmutter?“ „Es dauert nicht mehr lange, Kind. Ich bin sehr schwach, bald werde ich zum Großen Manitu gerufen.“ Besorgt blickte Karr zum alten Arzt, der an der anderen Seite des Fells stand und eine Tasche packte. „Es ist nur eine harmlose Erkältung. Es wird noch nicht gestorben“, antwortete der Arzt. Großmutter strafte ihn mit einem bösen Blick. Bevor Karr etwas sagen konnte, fuhr die Großmutter fort: „Setz dich, mein Kind. Und alle anderen, lasst uns alleine, ich muss mit meiner Enkelin reden.“ „Mir bleibt nur sehr wenig Zeit, mein Kind. Also hör mir gut zu“, fuhr Großmutter mit fester Stimme fort, als sie mit Karr alleine war. „Als deine Ur-Urgroßmutter, die walisische Druidin, damals zu uns Sioux kam, brachte sie den heiligen Stein aus ihrer Heimat mit zu uns. Mahkah hatte auf diese Druidin gewartet. In seinen Träumen hatte ihm der Große Manitu prophezeit, dass eine weiße Priesterin aus der Ferne zu ihm kommen würde, mit einem heiligen Stein. Er solle diese Priesterin bei sich aufnehmen und Kinder mit ihr zeugen. Die Töchter aus dieser Verbindung sind die Beschützerinnen der Erde vor dem Zerstörer.“ Großmutter schwieg einen Augenblick lang, bevor sie weitersprach: „Ab jetzt bist du diese Beschützerin, Karridwen. Du erinnerst dich noch an die Verschmelzungszeremonie, hoffe ich?“ „Wie könnte ich die vergessen, Oma. Du und Mutter habt sie mir eingetrichtert, seitdem ich denken kann.“ „Sehr gut, mein Kind. Hier ist der heilige Stein. Du bist nun die Trägerin.“ Die alte Frau reichte Karr einen kleinen unscheinbaren Kristall, der an einem Halsband aus Leder hing. Karr schaute den Stein mit großen Augen an: „Aber ich dachte, dieses Amulett wäre der heilige Stein, Oma?“ Dabei deutete sie auf ein imposantes, mit bunten Perlen verziertes Amulett, das um den Hals der alten Frau hing. Die alte Frau lachte: „Nein, das pompöse Amulett ist billiger Glasschmuck für Diebe und andere Nichtsnutze. Niemand darf wissen, wie der wahre heilige Stein aussieht, Karridwen. Vor drei Tagen ist der Stein erwacht. Er sucht jetzt seinen Geist. Du musst ihm helfen, ihn zu finden. Die Zeit der Verschmelzung ist nahe. Bald wird ein Gott vom Himmel fallen. Deine Aufgabe wird es sein, diesen heiligen Stein mit dem darin wohnenden Geist zu seinem Gott zu bringen. Dann musst du die Verschmelzungszeremonie an ihnen vollführen. Nur so nimmt der Geist seinen Platz im Gott-der-vom-Himmel-fiel ein.“ „Großmutter, du willst doch nicht damit sagen, dass ich mit diesem Gott-der-vom-Himmel-fiel, schlafen soll?“ Die Verschmelzungszeremonie war ein recht sinnlicher Tanz, viel erotischer als Merengue, begleitet von einem Gesang in einer fremden Sprache. Karr konnte sich nicht vorstellen, diese äußerst körperlichen Bewegungen mit einem Wildfremden auszuführen. Schon deswegen nicht, weil der Tanz genau darauf zusteuerte, was der Name versprach, auf eine ‚Verschmelzung‘. „Auf keinen Fall! Du wirst die Zeremonie leiten, mein Kind. Tanzen wird die Göttin mit ihrem Gott. Und ich rate dir, verliebe dich nicht in ihn, er ist nicht für dich bestimmt.“ ‚Welche Göttin?‘, wollte Karr fragen, verkniff sich aber die Worte, da sie sowieso nicht an die Geschichten von ihrer Oma glaubte. Vielleicht war die alte Frau verwirrt. Erst ein sprechender Stein, dann ein Geist und jetzt zwei Götter die ‚vom Himmel fallen‘ und alle sollen, von ihr, zu einem Tanz geführt werden? Aber aus Erfahrung wusste sie, dass es keinen Sinn machte, der alten Frau zu widersprechen. Am besten tat man so, als glaubte man ihr. „Also gut, ich lasse die Finger von ihm. Wie ist es denn, sieht so ein Gott-der-vom-Himmel-fiel gut aus?“ „Du machst dich über die Prophezeiung lustig, Karridwen. Dabei ist es bitterer Ernst!“ Sofort tat die alte Frau Karr leid. Sie durfte sich nicht über deren Glauben lustig machen. „Tut mir leid, Oma. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ich, ein einfaches Sioux-Mädchen aus einem armen Indianerreservat, die Beschützerin der Welt sein soll. Das klingt ...“, Karr suchte nach dem richtigen Wort, „es klingt anmaßend.“ „Es ist deine Bestimmung. Du musst mir versprechen, dass du den Weisungen des Steines folgen wirst, tust du das, Tochter?“ „Ich verspreche es dir. Ich folge ihm, wenn er zu mir spricht.“ Erleichtert lächelte die alte Siouxindianerin. „Danke, Karridwen. Und jetzt geh, morgen musst du wieder in Rapid City bei der Arbeit sein. Du darfst keine Zeit verlieren.“ „Aber nein, Oma. Ich bin gerade gekommen und ich wollte mir für morgen frei nehmen und übermorgen ist...



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