Bell | Der Polarbären-Entdeckerclub 1 – Reise ins Eisland | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 336 Seiten

Reihe: Polarbären-Entdeckerclub

Bell Der Polarbären-Entdeckerclub 1 – Reise ins Eisland


1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7336-5004-9
Verlag: Fischer Kinder- und Jugendbuch Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1, 336 Seiten

Reihe: Polarbären-Entdeckerclub

ISBN: 978-3-7336-5004-9
Verlag: Fischer Kinder- und Jugendbuch Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein wildfremdes Land voller phantastischer Kreaturen entdecken! Die Junior-Forscher Stella, Beanie, Shay und Ethan dürfen endlich ihre erste Expedition mit dem legendären Polarbären-Entdeckerclub antreten. Doch als eine Eisbrücke unter ihnen einstürzt, werden sie von der Gruppe getrennt und sind plötzlich in Eis und Schnee auf sich allein gestellt. Wie sollen die abenteuerlustige Schneewaise Stella, der ängstliche Halbelf Beanie, der mysteriöse Wolfsflüsterer Shay und der hochnäsige Ethan aus dem verfeindeten Meereskraken-Club das nur überstehen - wo doch gruselige Frostelfen, gesetzlose Schneeräuber und fleischfressende Kohlköpfe hinter jeder Eisscholle lauern? Den Kindern bleibt nichts anderes übrig, als sich zusammenzuraufen sich und den Gefahren zu stellen. Denn so unterschiedlich sie auch sind: Dass sie einander brauchen, wird ihre größte Stärke sein! Band 1 des großen phantastischen Abenteuers voller wundersamer Welten und magischer Entdeckungen! Mit zahlreichen Illustrationen von Iacopo Bruno Bei Antolin gelistet Alle Bände der Serie: »Der Polarbären-Entdeckerclub. Reise ins Eisland« (Band 1) »Der Polarbären-Entdeckerclub. Insel der Hexen« (Band 2)

Alex Bell hat einen Abschluss in Jura, doch neben Delphintrainerin war Schriftstellerin schon seit ihrer Kindheit ihr Traumberuf. Sie wurde 1986 geboren und ist Autorin mehrerer Romane und Kurzgeschichten sowohl für Erwachsene als auch für Kinder. Sie lebt in Hampshire, England.
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1. Kapitel


Stella Starflake Pearl wischte Eisblumen vom Turmfenster und blickte finster in den Schnee hinaus. Eigentlich hätte sie bester Laune sein müssen, denn morgen hatte sie Geburtstag. Und noch toller als Geburtstage fand sie eigentlich nur Einhörner. Trotzdem wollte sich die Vorfreude nicht recht einstellen. Schuld daran war Felix, der sich weiter hartnäckig weigerte, Stella auf seine Expedition mitzunehmen. Sosehr Stella auch gebettelt und gefleht, geschmeichelt, gedroht und getobt hatte – alles vergeblich. Ihr wurde ganz übel bei der Vorstellung, wieder bei Tante Agatha zurückgelassen zu werden. Die konnte nämlich gar nicht gut mit Kindern umgehen und war auch oft sehr verwirrt im Kopf. Einmal hatte sie Stella zum Beispiel einen Kohlkopf als Schulimbiss mitgegeben. Nicht etwa Schokodinos, Marshmallows oder irgendwas anderes Leckeres – nein, einzig und allein einen idiotischen nutzlosen Kohlkopf. Doch damit nicht genug: Tante Agatha wuchsen auch noch Haare aus der Nase. Und Stella konnte nicht anders, als wie gebannt darauf zu starren, wenn sie der Tante gegenüberstand.

Schon als Stella noch klein gewesen war, hatte sie davon geträumt, Entdeckerin zu werden – oder, genauer gesagt, Seefahrerin. Sie tat kaum etwas lieber, als Landkarten und Weltkugeln zu studieren, und ein Kompass war für sie das Wunderbarste auf der Welt. Nur Einhörner fand sie, wie gesagt, noch wunderbarer.

Und überhaupt: Wenn sie nicht dazu bestimmt war, Entdeckerin zu werden – weshalb hatten die Feen ihr dann einen zweiten Vornamen gegeben? Jeder wusste doch, dass nur Entdecker drei Namen besaßen. Von Felix hatte sie ihren Nachnamen bekommen, Pearl, aber da ihm kein vernünftiger Vorname eingefallen war, hatte er die Feen um Rat gefragt. Was vermutlich ein Glücksfall gewesen war, denn Felix hatte eine ausgeprägte Vorliebe für sehr sonderbare Namen wie Mildred, Wilhelmina oder Barbaretta. Die Feen hatten sich schließlich für zwei Namen entschieden: Stella und Starflake, was hieß und ganz sicher bedeutete, dass Stella dazu bestimmt war, Entdeckerin zu werden.

Jetzt hockte sie sich auf die kleine Bank im Turmfenster, zog die Beine an und legte das Kinn auf die Knie. Es wurde allmählich dunkel draußen, und Felix würde bestimmt bald nach ihr suchen, um ihr das Dämmerungsgeschenk zu überreichen. Das war ein alter Brauch bei ihnen beiden: Am Vorabend ihres Geburtstags durfte Stella bereits ein Geschenk aufmachen. Doch heute war sie so wütend und enttäuscht, dass sie nicht mal Lust auf Geschenke hatte. Deshalb hatte sie sich ins Türmchen verkrochen. Wenn sie sich auf der Sitzbank zusammenkauerte, konnte sie vom Korridor aus nicht gesehen werden.

Es war nur etwas unpraktisch, dass Gruff sich auch mit Vorliebe im Türmchen aufhielt. Weshalb er dann prompt angetapert kam und seine Nase in ihre Taschen steckte, um dort vielleicht Kekse aufzustöbern. Mrs Sap, die Haushälterin, war alles andere als begeistert gewesen, als Felix eines Tages ein verwaistes Eisbärenkind mitgebracht hatte. Doch Gruff, der kleine Bär, wäre sonst gestorben. Er hatte seine Eltern verloren und hätte überdies mit seiner verkrüppelten Pfote niemals in freier Natur überleben können. Stella fand es großartig, einen Eisbären im Haus zu haben, auch wenn Gruff sie beim Kuscheln manchmal fast erdrückte. Eisbären sind nämlich auch schon als Jungtiere erstaunlich riesig.

Stella kramte einen Fischkeks aus ihrer Tasche und hielt ihn Gruff hin. Ganz behutsam nahm der Eisbär ihn zwischen die Zähne und zermalmte ihn dann glücklich. Dabei bekam Stella einen Regen aus Krümeln und Eisbärensabber ab. Das machte ihr aber nichts aus, denn daran war sie gewöhnt. Doch leider hatte Gruff nun ihr Versteck verraten, und so wurde sie kurz darauf von Felix entdeckt.

»Ah, hier bist du«, sagte er und trat zu ihr. »Ich hab überall nach dir gesucht.« Stella schaute auf und betrachtete Felix’ Gesicht. Für sie war es das liebste Gesicht auf der Welt – das erste, das sie zu Beginn ihres Lebens gesehen hatte. Denn wie Gruff war auch Stella eine Schneewaise. Hätte Felix sie nicht als Baby gefunden, wäre sie wohl in Schnee und Eis gestorben, einsam und alleine. Stella war bislang nie jemandem begegnet, der wie sie aussah: schneeweiße Haare, perlweiße Haut, Augen, so klar und blau wie Eissplitter. Die meisten Menschen, die sie kannte, hatten rosafarbene Haut, aber Stellas Haut war von Kopf bis Fuß weiß wie eine Perle. Was sie immer schon gestört hatte – vor allem, weil sie ihrem Adoptivvater kein bisschen ähnlich sah.

Felix war weder besonders gutaussehend noch vornehm, und er trug auch keinen Schnauzbart oder Koteletten, wie das zurzeit in Mode war. Hauptsächlich deshalb, weil Felix fand, es gäbe einhundertvierunddreißig spannendere Arten, seine Zeit zu verbringen, als sich um die Pflege von Gesichtsbehaarung zu kümmern. Zu diesen einhundertvierunddreißig interessanten Beschäftigungen zählte auch, Listen von spannenden Tätigkeiten zu erstellen.

Felix’ Nase war ein bisschen krumm, aber Stella liebte die Lachfältchen, sein goldbraunes Haar, das meist ein wenig zu lang war und sich am Kragen kringelte – und seinen Mund, der immerzu lächeln wollte. Für düsteres Stirnrunzeln hatte Felix gar nichts übrig. Damit verschwende man nur gute Muskelkraft, fand er.

Stella hielt Felix für einen ganz besonderen Menschen. Dass er Feenforscher war, trug natürlich auch dazu bei. Feen sprachen äußerst selten mit Menschen, aber Felix schätzten sie sehr. Wenn er in den Sommermonaten aus dem Haus ging, hockte so gut wie immer eine Fee auf seiner Hutkrempe oder seiner Schulter und säuselte ihm etwas ins Ohr. Deshalb war es Stella völlig einerlei, ob Felix mit ungekämmten Haaren, zweierlei Socken oder falsch geknöpftem Hemd herumlief. Außerdem konnte er Hochrad fahren, beherrschte Zaubertricks mit Spielkarten und faltete zauberhafte kleine Vögel aus Papier – so jemand konnte ja nur Stellas Lieblingsmensch sein!

»Zeit fürs Dämmerungsgeschenk«, verkündete er jetzt und hielt eine weiße Schachtel mit einer etwas schiefen rosa Schleife hoch.

Stella musste sich sehr anstrengen, um den Satz hervorzubringen, doch es gelang ihr. »Ich will es nicht«, sagte sie und starrte dann zum Fenster hinaus.

»Nun, das kann ich kaum glauben«, erwiderte Felix und versuchte Gruff beiseitezuschieben, der jetzt neben dem Fenstersitz auf dem Boden lag. Aber einen Eisbären dazu zu bringen, sich zu bewegen, ist etwa so, als versuche man einen Berg zu versetzen. Deshalb kletterte Felix schließlich über Gruff hinweg und ließ sich auf dem Fenstersitz gegenüber von Stella nieder.

»Ich würde dich doch sofort mitnehmen«, sagte Felix, »wenn Mädchen bei Expeditionen zugelassen wären.«

»Es ist total ungerecht, dass Mädchen nicht Entdecker werden können!«, gab Stella zurück. »Gemein und total idiotisch ist das!«

Sie zitterte am ganzen Körper vor Wut über so viel Ungerechtigkeit. Seit jeher hatte Stella Felix’ Berichten gelauscht, wenn er von seinen Expeditionen zurückkehrte, und diese Geschichten immer geliebt. Aber irgendwann will ein Mädchen schließlich auch eigene Abenteuer erleben, anstatt sich immer nur die von anderen anzuhören.

Viele Entdecker nahmen ihre Söhne zu ihren Forschungsreisen mit. Sogar Stellas Freund Beanie durfte bei dieser nächsten Expedition seinen Onkel begleiten, den berühmten Insektenforscher Benedict Boscombe Smith. Beanie war so alt wie Stella, aber ein halber Elf und deshalb ganz anders als die Kinder an der Schule. Er konnte alles Mögliche nicht ausstehen, darunter dämliches Gequassel, bissige Bemerkungen, Händeschütteln, Umarmungen und Haareschneiden. Beanie verabscheute alles, was mit körperlicher Berührung verbunden war.

»Du hast vollkommen recht«, erwiderte Felix. »Es ist nicht gerecht und idiotisch. Eines Tages wird sich das auch sicher ändern. Doch leider wandelt sich die Welt oft nicht so schnell, wie wir uns das wünschen.«

Stella starrte jetzt angestrengt nach draußen auf den Schnee, um Felix nicht in die Augen schauen zu müssen. »Ich dachte, Regeln sind dir egal«, sagte sie schließlich und nagte an ihrer Lippe.

Tatsächlich hatte Felix immer behauptet, es sei okay, gegen Regeln zu verstoßen; bei manchen sollte man das sogar regelmäßig tun, weil es gut sei für die Gesundheit. Als Tante Agatha erklärt hatte, sie bräuchten unbedingt eine Frau im Haus, damit Stella eine anständige Erziehung bekäme, hatte Felix sich immer dafür eingesetzt, dass Stella dennoch auf ihrem Einhorn übers Gelände galoppieren, in der Bibliothek ein Fort aus Büchern bauen oder Luftballontiere knoten durfte, anstatt sich mit nervtötender Stickerei herumplagen zu müssen.

»Es gibt jedoch Regeln, gegen die man niemals verstoßen darf«, hatte Felix stets betont. »Zum Beispiel, dass man lieb und gütig sein und andere so behandeln soll, wie man selbst behandelt werden möchte. Aber ob man nun für wunderlich gehalten wird, weil man anders ist als andere – das spielt keine große Rolle im Weltenplan.«

»Es würde ja niemandem schaden, wenn ich an der Expedition teilnehmen würde, nicht wahr?«, brachte Stella vor, um sich Felix’ eigene Gedanken zunutze zu machen. »Und wenn andere Leute es komisch finden, dass ein Mädchen bei einer Expedition dabei ist, ist das doch deren Problem, nicht meines.«

Felix seufzte und legte das Geschenk auf die Sitzbank zwischen ihnen. »Mein Liebes, ich wünschte, es wäre so einfach. Aber ich bin nicht verantwortlich für die Regeln im Polarbären-Entdeckerclub.« Er schob das...


Bell, Alex
Alex Bell hat einen Abschluss in Jura, doch neben Delphintrainerin war Schriftstellerin schon seit ihrer Kindheit ihr Traumberuf. Sie wurde 1986 geboren und ist Autorin mehrerer Romane und Kurzgeschichten sowohl für Erwachsene als auch für Kinder. Sie lebt in Hampshire, England.

Bruno, Iacopo
Iacopo Bruno, geboren 1964, illustrierte bereits über 300 Buchcover für Kinder und Erwachsene, darunter die Reihen 'Ulysses Moore' und 'Harry Potter'. Er lebt als Designer und Illustrator in Mailand, Italien.

Alex BellAlex Bell hat einen Abschluss in Jura, doch neben Delphintrainerin war Schriftstellerin schon seit ihrer Kindheit ihr Traumberuf. Sie wurde 1986 geboren und ist Autorin mehrerer Romane und Kurzgeschichten sowohl für Erwachsene als auch für Kinder. Sie lebt in Hampshire, England.
Iacopo BrunoIacopo Bruno, geboren 1964, illustrierte bereits über 300 Buchcover für Kinder und Erwachsene, darunter die Reihen 'Ulysses Moore' und 'Harry Potter'. Er lebt als Designer und Illustrator in Mailand, Italien.

Alex Bell hat einen Abschluss in Jura, doch neben Delphintrainerin war Schriftstellerin schon seit ihrer Kindheit ihr Traumberuf. Sie wurde 1986 geboren und ist Autorin mehrerer Romane und Kurzgeschichten sowohl für Erwachsene als auch für Kinder. Sie lebt in Hampshire, England.
Iacopo Bruno, geboren 1964, illustrierte bereits über 300 Buchcover für Kinder und Erwachsene, darunter die Reihen »Ulysses Moore« und »Harry Potter«. Er lebt als Designer und Illustrator in Mailand, Italien.



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