E-Book, Deutsch, 188 Seiten
Belle Hinter den Spiegeln
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7396-2816-5
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Gay Fantasy Romance
E-Book, Deutsch, 188 Seiten
ISBN: 978-3-7396-2816-5
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Durch einen schweren Unfall wird Kai komplett aus der Bahn geworfen. Er kehrt seiner Familie den Rücken, bricht sein Studium ab und jobbt stattdessen als Barkeeper in einer Diskothek. Ein Jahr später hat er das Geschehene zwar noch längst nicht wirklich verarbeitet, aber dass er nun plötzlich immer wieder ein und denselben merkwürdigen Fremden in seinem eigenen Garderobenspiegel zu sehen glaubt, kann damit ja wohl kaum zusammenhängen, oder? Richtig mysteriös wird es jedoch, als der Unbekannte eines Nachts leibhaftig vor Kai an der Bar auftaucht und ihn kurz darauf in eine fremde Welt entführt. Eine Welt, in der es nicht nur Dämonen und Vampire gibt, sondern auch Werwölfe. Und einen solchen muss Kai nun töten, denn nur dann wird sein Entführer ihn zurück in seine eigene Welt bringen ...
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Durch den Spiegel
Kai verließ die U-Bahn und machte sich missmutig auf den Weg zu seiner Arbeitsstätte. Es war Hochsommer, und trotz der späten Stunde der Himmel noch nicht ganz dunkel. Nur weit drüben, im Osten, glich er einem samtenen, blauschwarzen Tuch, auf welchem, glitzernden Edelsteinen gleich, Sterne blinkten, klein und fern. Die Nacht war warm, und viele Menschen waren unterwegs, wie an einem Samstagabend nicht anders zu erwarten. Praktisch alle schienen gute Laune zu haben, und die Straßen der Stadt waren erfüllt von Autolärm und Stimmengewirr. Er fühlte sich wie gerädert, denn sein Schlaf war erfüllt gewesen von wirren Träumen. Der junge Mann, den er in seinem Garderobenspiegel zu sehen geglaubt hatte, war darin ebenso vorgekommen, wie der Unfall von vor einem Jahr. Seine toten Freunde hatten nach ihm gegriffen und ihm vorgeworfen, dass er sie nicht gerettet hatte. Doch so groß seine Angst vor ihnen im Traum auch geworden war, und so sehr er es auch versuchte, war es ihm nicht gelungen aufzuwachen. Als Ergebnis hatte ihm sein Spiegelbild am Nachmittag tiefe Augenringe präsentiert, und er fühlte sich kein bisschen, als hätte er neun Stunden am Stück geschlafen. In der Disco angekommen verstaute er seine Umhängetasche und seine Jacke im Schrank des Personalraums und ließ die gutmütigen Witze eines Kollegen stumm über sich ergehen. Der merkte jedoch rasch, dass Kai an diesem Abend nicht zum Scherzen aufgelegt war und verzog sich bald Richtung Gastraum. Als er die Tür öffnete, wurden die wummernden Beats kurz lauter und dann wieder leiser. Gleich darauf folgte ihm Kai und tauchte dankbar in das Gemisch aus hämmernden Rhythmen und flackernden Lichtern ein, in dem sich jedoch bislang nur wenige Tänzer tummelten. An der Bar dagegen herrschte bereits reger Betrieb, und eine Weile hatten er und sein Kollege alle Hände voll zu tun. Erst als sich mit Fortschreiten des Abends die Tanzfläche mehr und mehr füllte, wurde es ein klein wenig ruhiger.
Nicht so ruhig, dass sie die Hände hätten in den Schoß legen können, doch jetzt blieb auch einmal Zeit für ein kurzes Scherzwort zu einem Stammgast, oder einen kurzen Flirt zwischendurch. Aber die Tatsache, dass er keine Zeit hatte, sich mit seinen Traumbildern zu beschäftigen, oder an den Unfall zu denken, wirkte auch entspannend auf Kai, und nach einer Weile merkte er, dass seine Laune sich deutlich gebessert hatte. Wann er das erste Mal das Gefühl hatte, beobachtet zu werden, konnte er nicht sagen, doch irgendwann wurde das kribbelnde Unbehagen so stark, dass er in der Bewegung innehielt und sich umsah. Er ließ die Blicke über das Gewimmel der Gäste schweifen, sah aber zunächst nichts und wollte es schon als Einbildung abtun, da fiel sein Blick auf eine Gestalt ganz in der Nähe, und ihm stockte der Atem. In etwa fünf Metern Entfernung, an eine Säule gelehnt stand niemand anderer als der junge Mann, den er am Morgen in seinem Garderobenspiegel gesehen hatte und blickte ihn unverwandt an. Im nächsten Moment schüttelte Kai innerlich den Kopf über seine Gedanken und schaute weg. Der Mann aus seinem Spiegel? Das war doch verrückt. So etwas gab es doch gar nicht! Er hatte sich am Morgen aus Übermüdung etwas eingebildet, dann schlecht geschlafen, und nun sah er Gespenster, so einfach war das! Oder? Er blickte noch einmal kurz hinüber und registrierte, dass der Fremde sich nicht vom Fleck bewegt hatte. Na gut, zugegeben, er sah seinem Hirngespinst wirklich ähnlich, bis hin zu den langen, hellblonden Haaren.
Aber zumindest seine Kleidung war völlig anders. Er trug eine dunkle Hose, darüber ein weißes Shirt, eine kurze dunkelgraue Jacke und, trotz der sommerlichen Witterung, auf dem Kopf eine schwarze Strickmütze. Keine Spur von einem geschnürten Hemd, Umhang, Schaftstiefeln oder gar einer Stichwaffe! Vermutlich war es also nur die unerwartete Ähnlichkeit, die Kai spontan an sein Trugbild vom Morgen erinnert hatte, nichts weiter … Jetzt löste er sich von der Säule und kam zur Bar herüber. Kai errötete - hatte er den Typen etwa angestarrt?
Hastig wandte er sich dem nächsten Gast zu, der bereits ungeduldig darauf wartete, eine Bestellung aufgeben zu können und vermied es bewusst, sein Gesicht in die Richtung des Blonden zu drehen. Doch genau der schob sich kurz darauf in sein Blickfeld und bestellte ein Bier. Aus irgendeinem Grund konnte Kai ihn nicht ansehen, spürte aber trotzdem, dass er aufmerksam gemustert wurde. Was wollte der Kerl denn von ihm? War er schwul, oder was? Nun, selbst wenn, Kai war es nicht, also war es vermutlich besser, einfach so zu tun, als hätte er nichts bemerkt.
Doch als er das Bier vor den Fremden hinstellte, fasste der plötzlich nach Kais Hand und fragte: „Wann hast du hier Feierabend?“ Im ersten Moment konnte Kai nicht antworten, so überrascht war er, doch dann riss er seine Hand weg und fauchte: „Ich wüsste nicht, was dich das angeht!“ Einige der Umstehenden schmunzelten und taxierten den Blonden mit abschätzigen Blicken, doch der schien das entweder nicht zu bemerken, oder es störte ihn tatsächlich nicht. Er verzog keine Miene, schaute Kai noch einen Moment durchdringend an, dann griff er sich wortlos sein Bier und verließ die Theke. Kai sah ihm nach, wie er seinen Beobachterposten an der Säule erneut einnahm und machte sich wieder an die Arbeit. Doch seine gute Laune war verflogen, und es fiel ihm schwer, sich zu konzentrieren. Alle Augenblicke flatterte sein Blick hinüber zu dem Fremden, jedes Mal in der vergeblichen Hoffnung, er möge endlich gegangen sein. Die Stunden vergingen in bleierner Langsamkeit, und allmählich spürte er einen wachsenden Groll in sich. Wollte der Kerl nicht endlich mal verschwinden? Was sollte er machen, wenn er Feierabend hatte und der Typ war immer noch da? Kai schnaubte leise vor sich hin und schüttelte den Kopf. Na was wohl? Das Gleiche wie immer! Er würde sich doch von diesem Arschloch nicht seinen Feierabend verderben lassen! Er tanzte jede Nacht hier, bis die Disco schloss, und das würde er auch heute tun, basta! Schließlich war es soweit, seine Schicht war zu Ende, und bei einem letzten Seitenblick stellte er zu seiner Erleichterung fest, dass der Blonde seinen Beobachterposten offenbar verlassen hatte. Auch sonst war er nirgends zu sehen und Kais Stimmung hob sich schlagartig. Wieso hatte er sich überhaupt von so einer Lappalie derart irritieren lassen? Er betrat die Tanzfläche und begann sich im Rhythmus der Musik zu bewegen. Schon bald hatte er alles vergessen, was ihn beunruhigt hatte und ließ sich mitreißen. Doch nach einer Weile forderte die Natur ihr Recht, und er kehrte widerwillig in die Realität zurück. Mühsam bahnte er sich einen Weg durch die Tänzer und ging zur Toilette. Noch immer war seine Laune ungetrübt, und er summte leise vor sich hin, während er am Pissoir stand. Erst als er beim Händewaschen aufschaute und im Spiegel hinter sich den Blonden sah, schrak er zusammen und fuhr herum. War der Typ ihm etwa heimlich gefolgt? Was hatte er vor? Wollte der was von ihm? Vor Kais geistigen Auge spulten sich alle möglichen Schreckensszenarien ab, von Raub und Misshandlung, bis Vergewaltigung und Mord. Der Blick des Fremden war nicht dazu angetan, ihn zu beruhigen, wirkte düster und nichts weniger als harmlos. Gehetzt schaute Kai sich um, doch so unwahrscheinlich es schien, sie waren tatsächlich völlig allein im Raum. Sein Gegenüber schüttelte sachte den Kopf und sagte: „Wir sind ungestört. Für die nächsten fünf Minuten wird niemand diesen Raum betreten. Das ist nicht lange, und deshalb werde ich mich kurz fassen. Ich bin Lon, ein Jäger, und du bist mein Pendant. Ich stamme nicht von hier, und normalerweise wären wir uns auch nie begegnet, aber so wie die Dinge liegen, brauche ich deine Hilfe. Du musst mich begleiten und zwar sofort, denn ich habe nicht mehr viel Zeit.“ Kai riss die Augen auf. Was erzählte der Spinner da? Nicht von hier? Ein Jäger? Begleiten ...? War der Kerl irre? Doch der Andere ließ ihm keine Zeit zum Nachdenken. Mit einem raschen Schritt war er bei ihm und fasste ihn am Arm. „Komm!“, sagte er, als wäre es selbstverständlich, dass Kai tat, was er verlangte. Aber der wehrte sich gegen den Griff und hielt sich mit einer Hand am Waschbecken fest. „Moment mal! Was soll denn das werden? Ich kenne dich nicht und werde auch ganz bestimmt nirgends mit dir hingehen! Lass` mich gefälligst los!“ Mit genervter Miene verstärkte der Blonde seinen Griff, und Kai sog zischend die Luft ein, denn die Finger um seinen Bizeps schienen aus Eisen zu bestehen. Dennoch widersetzte er sich weiterhin, zerrte am Arm des Blonden, und so rangelten sie miteinander, bis der Fremde plötzlich ein Messer zog und es Kai vors Gesicht hielt. „Für solche Mätzchen habe ich jetzt keine Zeit und auch keine Geduld. Wenn ich sage, dass du mitkommst, dann kommst du mit! Verstanden?“, zischte er wütend und gefährlich leise. Kai erstarrte angesichts des blanken Stahls vor seiner Nase und sagte auch nichts mehr. Er...




