E-Book, Deutsch, 313 Seiten
Belle In deinen Schuhen
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7396-2386-3
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Gay Romance
E-Book, Deutsch, 313 Seiten
ISBN: 978-3-7396-2386-3
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Lukas erwartet nicht mehr viel vom Leben, obwohl er erst 24 ist. Sein Problem: er ist fett. Fetter jedenfalls, als man in der schwulen Szene sein darf. Deshalb vergräbt er sich auch lieber in seiner winzigen Wohnung vor dem Computer. Als er sich dann eines Tages doch aufrafft und einen Club besucht, endet das Ganze in einem Desaster aus Demütigung und Spott. Und als wäre das alles noch nicht schlimm genug, begegnet Lukas auf dem anschließenden Heimweg auch noch einem Typen im pinken Glitzerdress und mit blonder Langhaarperücke, der doch tatsächlich hartnäckig behauptet, er wäre (s)eine gute Fee! In bester Feenmanier will er Lukas einen Herzenswunsch erfüllen, aber das, was Lukas schließlich in schierer Verzweiflung von ihm erbittet, zieht weitere Kreise als geahnt ... (Anmerkung der Autorin: Mir ist bewusst, dass viele, durchaus zu Recht, die Bezeichnung 'Transe' als abwertend empfinden und deshalb nicht gerne sehen, wenn sie verwendet wird. Im vorliegenden Buch passiert genau das an einigen Stellen, allerdings aus gutem Grund. Ich versuche mich beim Schreiben, insbesondere bei Dialogen oder Gedankengängen der Protagonisten, in sie einzufühlen und ihr jeweiliges Befinden oder ihre Persönlichkeit auch in dem auszudrücken, was sie denken oder sagen. Und meiner persönlichen Erfahrung nach denkt man häufig genug anders, als man sich - und sei es nur aus Gründen der 'political correctness' - verbal äußert. Wenn also im vorliegenden Buch das oben angeführte Wort verwendet wird, geschieht das nicht abwertend, oder um transsexuelle Menschen zu verunglimpfen. Ich habe mir jedes einzelne Mal die Entscheidung nicht einfach gemacht und bitte daher um Nachsicht!)
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1.
Der Club war brechend voll. Zumindest hatte Lukas diesen Eindruck. Er war allerdings noch nie in einer Diskothek, einem Club oder Ähnlichem gewesen, deshalb hatte er keinen Vergleich. Was für seine Altersgenossen ein Ding der Selbstverständlichkeit war, ausgehen, tanzen, ungezwungen feiern und Leute treffen, war für ihn immer unmöglich gewesen. Er wusste nur zu gut, dass er nicht gerade dem gängigen Schönheitsideal entsprach, hatten ihn seine Schulkameraden doch jahrelang immer wieder nur zu gerne daran erinnert. Er war zwar groß, schleppte dafür aber auch ein beachtliches Gewicht in Form eines deutlich sichtbaren Bauches, kräftiger Schenkel und eines ausladenden Hinterteils mit sich herum, und völlig egal, welche Art von Diät er auch ausprobiert hatte, am Ende war er doch wieder bei seinem Ausgangsgewicht gelandet, oder sogar darüber. Zu allem Überfluss war er wegen seiner Kurzsichtigkeit auch auf eine Brille angewiesen und Kontaktlinsen kamen wegen einer ausgeprägten Hornhautverkrümmung als Alternative nicht in Frage. Bislang waren diese Dinge für ihn Grund genug gewesen, um Szenespielplätze, wie eben den Club, in welchem er sich jetzt befand, einen großen Bogen zu machen. Das und die Tatsache, dass er bis vor kurzem noch ungeoutet durchs Leben gewalz... - gegangen war. Heute Abend hatte er endlich seinen gesamten Mut zusammengekratzt, sich in ein dunkelrotes Hemd und eine schwarze Jeans gezwängt, die zwar am Bauch ein wenig zwickte, ansonsten aber gut passte und sich mit feuchten Händen und weichen Knien auf den Weg gemacht. Mehr als einmal hatte er unterwegs noch umkehren wollen, sich aber immer wieder erfolgreich zum Weitergehen überredet, indem er wie ein Mantra wiederholte, dass wer nicht wagte, auch niemals gewann. Er war vierundzwanzig, verdammt! Und er hatte es satt, dass die einzigen Kerle, die er jemals nackt zu sehen bekam, diejenigen in irgendwelchen Internetpornos waren! „Schluss damit!“, befahl er sich in Gedanken. „Mit so einer negativen Einstellung kannst du auch gleich wieder gehen!“ Entschlossen kämpfte er sich zur Bar durch, ignorierte tapfer die teils abschätzenden, teils offen verächtlichen Blicke, die ihn auf dem Weg durchs Gedränge streiften, biss die Zähne aufeinander und bestellte sich schließlich eine Cola light, als er endlich ganz vorne angekommen war. Der gestresste Barkeeper stellte das Gewünschte ohne jeden Kommentar vor ihm ab, kassierte und wandte sich dem nächsten Kunden zu. Lukas nippte dankbar an seinem Softdrink und wagte erste neugierige Blicke in die Runde. Männer! Männer, so weit das Auge reichte! Große, kleine, schmale, muskulöse, Jungs, die aussahen, als gingen sie noch zur Schule und Kerle, denen das Testosteron buchstäblich aus den Poren zu sickern schien. Schon allein für diesen Anblick hatte es sich doch gelohnt, den inneren Schweinehund besiegt zu haben und hergekommen zu sein! Lukas machte sich keine Hoffnung, irgendeinen Typen hier soweit beeindrucken zu können, dass er mit ihm in den Darkroom verschwand, dessen Zugang von hier zwar nicht zu sehen war, von welchem er aber aus dem Internet wusste. So realitätsfern war er nun auch wieder nicht. Abgesehen davon war er sich auch ziemlich sicher, dass er sein allererstes Mal mit einem Mann – sofern das überhaupt jemals passieren würde! - nicht in einem düsteren Raum voller anderer, ebenfalls fickender Kerle erleben wollte. In seinem Herzen war er bei allem Realitätssinn eben doch Romantiker. Dass es mehr als unwahrscheinlich war, dass seine romantischen Wunschträume sich jemals erfüllten, stand dabei auf einem völlig anderen Blatt. Vielleicht, wenn er irgendwann einmal so weit unten angekommen war, dass es ihn nicht mehr juckte, auf welche Art er ein wenig körperliche Zuwendung bekam, würde er es anders sehen, aber noch war es – war er! - nicht soweit. Vorläufig gab er sich einfach damit zufrieden, hier an der Bar zu sitzen und zu schauen. Die abfälligen Blicke ignorierte er so gut wie möglich und war froh, dass ihm dies wider Erwarten gut gelang. „Hallo Süßer!“, säuselte ihm plötzlich jemand ins Ohr und er zuckte so heftig zusammen, dass er ein wenig von seiner Cola verschüttete. Er drehte den Kopf und neben ihm stand … ein Adonis! Der Typ war groß und wirkte trainiert. Sein Sixpack war durch den Stoff des eng sitzenden, weißen Shirts deutlich zu erkennen. Eine blonde Struwwelfrisur und ein Gesicht wie aus einem Katalog für Männermodels vervollständigten das traumhafte Bild. Gerade verzog er die Lippen zu einem breiten Grinsen, doch in seinen strahlend blauen Augen stand dabei ein Ausdruck, den Lukas nur zu gut kannte und unwillkürlich zog er den Kopf ein. Wenn ihn in der Schule jemand aus der Clique der Coolen und Beliebten so angesehen hatte, war klar gewesen, worauf das hinauslief: maximale Demütigung. „Ich hab` mich gerade gefragt, ob du ganz allein hier bist!“ Der Blonde beugte sich wegen der lauten Musik ein wenig zu Lukas hinunter und sprach ihm laut ins Ohr. „Meine Kumpel da drüben“, er deutete mit einer Hand auf eine Gruppe junger Männer, die ein Stück entfernt standen und gespannt feixend zu ihnen herüberschauten, „die haben gemeint, dass du sicher schon vergeben und in festen Händen bist.“ Ein taxierender Blick wanderte über Lukas` Körper. „Ich habe ihnen aber gesagt, dass das unwichtig ist! Es gibt doch genug von dir, dass auch mehr als ein Mann damit glücklich werden kann! Richtig?“ Er nahm einen Schluck aus seiner Bierflasche, die er lässig zwischen die Finger geklemmt hatte und grinste triumphierend in Richtung seiner Freunde, als Lukas auf der Suche nach einer Fluchtmöglichkeit vom Hocker glitt. „Was denn, was denn?“ Der Blonde fasste ihn am Arm. „Willst du etwa schon gehen? Wir haben uns doch gerade erst bekannt gemacht!“ Nun kam einer aus der Gruppe zu ihnen herüber. Auch er war jung und attraktiv, auch er grinste, doch es wirkte mehr wie ein Zähnefletschen. „Steffen, jetzt komm` endlich wieder rüber! Wie lange willst du noch mit diesem Fettwanst rumspielen?“ Sein Blick war gemein, der Tonfall verächtlich. „Ich frag` mich echt, wieso die so was wie den“, er machte eine Kopfbewegung in Lukas` Richtung, „überhaupt hier reinlassen! Eine Zumutung ist das! Ein Schwabbel wie der parkt seinen Arsch doch am besten vor der Glotze und stopft sich da mit Cola und Chips voll, anstatt anderen Leuten mit seinem Anblick den Feierabend zu vermiesen!“ Der Blonde, der Lukas zuerst angesprochen hatte, lachte laut los, dann packte er seinen Begleiter am Arm und gemeinsam wanderten sie wieder zurück zu ihrer Clique, welche alsbald in der Menge verschwand. Lukas stand da, wie vom Donner gerührt, seine Füße schwer wie Blei und scheinbar mit dem Boden verwachsen. Einige der Umstehenden, die alles mitbekommen zu haben schienen, kicherten und warfen ihm mehr oder weniger verstohlene Blicke zu. Trotz der lauten Musik glaubte Lukas immer wieder gezischelte Sätze zu verstehen. „Recht haben die!“ „Die fette Sau soll sich verpissen!“ „Der arme Kerl!“ „Was will der überhaupt hier?“ „Eher sterbe ich, als dass ich so einen Fettsack anfasse!“ Und dergleichen mehr. Sein Gesicht fühlte sich heiß an und er wagte nicht, den Blick vom Boden zu heben. Rasch stellte er seine Cola auf dem Tresen ab und kämpfte sich durch die Menge Richtung Ausgang. Je näher der kam, umso schneller drängte Lukas voran und weil er dabei kaum auf seine Umgebung achtete, kam es, wie es kommen musste – er stolperte, über die eigenen Füße, oder die eines Anderen, völlig egal, das Ergebnis blieb dasselbe - und knallte der Länge nach unelegant zu Boden. Mit einem erstickten „Uff!“, prallte er auf, schlug sich dabei das Kinn an, dass seine Zähne schmerzhaft aufeinander klickten und konnte trotzdem nur daran denken, wie peinlich das jetzt wieder war. Auch das noch! Als ob die erlittene Demütigung noch nicht genug für einen Abend gewesen wäre! Hastig rappelte er sich wieder hoch, drückte die verrutschte Brille zurück auf die Nase, ignorierte das pochende Kinn und stürmte weiter. Nur raus aus diesem verdammten Club! Dann war es endlich geschafft, er stand draußen und atmete mit hektischen Zügen die frische Nachtluft ein. Tränen drückten von innen gegen seine Lider, aber er kämpfte dagegen an. Er würde dem Ganzen nicht noch die Krone aufsetzen, indem er jetzt anfing zu heulen! Hier, wo ihn alle, die noch vor dem Club herumlungerten, sehen und auslachen konnten! Heulen konnte er noch genug, wenn er zuhause war, allein, unter seiner Bettdecke, darin hatte er schließlich Übung! So schnell er konnte, ohne direkt zu rennen, ließ Lukas den Club hinter sich und enterte keine fünf Minuten später eine S-Bahn, die zufällig gerade an der nächsten Haltestelle anhielt und in seine Richtung fuhr. Ohne links oder rechts zu schauen, ging er durch bis ganz nach hinten und drückte sich dort in die äußerste Ecke der Sitzbank. Während...




