E-Book, Deutsch, 306 Seiten
Belle Lauryn
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7368-0035-9
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Gay Fantasy Romance
E-Book, Deutsch, 306 Seiten
ISBN: 978-3-7368-0035-9
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Lauryns Leben scheint klar vorgezeichnet. Als erster Sohn des Burgherrn von Olgurslad erwartet ihn dessen Nachfolge und damit ein weitgehend sorgenfreies Dasein. Doch es kommt alles anders ... Als Lauryn zwölf Jahre alt ist, wird Olgurslad von Söldnern überfallen und dem Erdboden gleichgemacht. Er selbst wird dabei entführt und in eine Existenz als Sklave gezwungen, die ihn Jahre später in Zyrions Bordell führt. Dort begegnet er Caleb, Nummer Eins unter den Prostituierten des Hauses und als Einziger ein freier Mann, denn er hat sich selbst freigekauft. Zunächst verachten sie sich gegenseitig, denn ebenso sehr wie Lauryn entschlossen ist, sich nicht in die Prostitution zwingen zu lassen, so wenig kann Caleb anfangs begreifen, dass der Junge sich gegen sein Los sträubt. Ungewollt nähern sie sich dennoch mit der Zeit aneinander an, lernen einander zu verstehen und mehr ... Doch die Vergangenheit schläft nicht und holt Beide noch einmal ein.
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Lauryn
Die Sonne schien warm von einem makellos blauen Himmel und ließ einen würzigen Duft nach Kräutern und fruchtbarer, feuchter Erde in die Nase des Jungen steigen. Es war Sommer im Nordland, und der zeigte sich wie jedes Jahr in all seiner verschwenderischen Fülle. Die wilde Schönheit der Ebenen war nie prachtvoller, als während dieser kurzen Jahreszeit, und Mensch und Tier genossen Wärme und überreichliches Nahrungsangebot in vollen Zügen. Die Nächte waren hell, denn die Sonne verschwand nicht mehr unter der Horizontlinie, entschädigte die Bewohner des Nordens damit für die langen Wochen immerwährender Dunkelheit in den Tiefen der kalten und schneereichen Winter. Für einen zwölfjährigen Jungen hielt die Umgebung der Festung natürlich eine Menge Abenteuer und Geheimnisse bereit. Als Sohn des Burgherrn genoss er ja auch so manche Freiheit, die seinen Altersgenossen verwehrt war, strolchte durch Heidekraut und Haine voller niedriger Kiefern und krüppliger Fichten, fischte in den eiskalten Bächen, die aus dem fernen Gebirge herabströmten und jagte nach Kaninchen und Rebhühnern, während die anderen Jungen seines Alters, die in Olgurslad lebten, noch ihrer Arbeit nachgehen mussten. Für gewöhnlich wurde es später Nachmittag oder gar Abend, bevor Omri und Tjaerk, die am ehesten so etwas waren, wie seine Freunde, endlich Feierabend hatten und ihm für ein paar wenige kostbare Stunden Gesellschaft leisten durften. Auch heute war der Junge wieder allein unterwegs. Schon früh war er aufgewacht und nach einem raschen Frühstück der Aufsicht seiner Amme, wie so oft, entwischt. Leise war er in den Stall geschlichen, hatte sein Pony gesattelt, und kaum eine halbe Stunde nachdem er das Bett verlassen hatte, jagte er bereits südwärts über die Ebene, tief über den Hals seines Tieres gebeugt. Der Sommerwind fuhr ihm in die blonden Haare und er hatte das Bedürfnis laut zu juchzen, so frei und lebendig fühlte er sich dabei. Er erreichte die Kuppe eines niedrigen Hügels und zügelte sein Pony. Sich im Sattel hochreckend schaute er sich nach allen Seiten um und atmete tief den warmen Atem des Sommers ein. Von hier ging der Blick in unglaubliche Fernen, egal wohin man sah. Im Norden und Osten begrenzten die weißen Gipfel der Schneeberge die Sicht, im Süden und Westen dagegen erstreckte sich so weit das Auge reichte nur die überwiegend flache Steppe. Vereinzelt sah man die dunklen Tupfen kleinerer Baumgruppen, oder das helle Blinken eines Flusses, aber ansonsten störte nichts die vielfältigen Grün- und Brauntöne, die sich scheinbar wahllos abwechselten, bis zum Horizont. Der Junge runzelte die Stirn. Ein flüchtiges Glitzern, das eindeutig nicht von Wasser stammte, hatte seine Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. In südlicher Richtung hatte es aufgeleuchtet, und er kniff seine Augen gegen die Helligkeit der Sonne zusammen, weil er sehen wollte, was es war. Erneut blinkte es hell auf und gleich darauf noch einmal, diesmal ein wenig seitlich von der Stelle, wo er es zuerst wahrgenommen hatte. Bei Ifrith - was war das? Zuerst erkannte er nichts, doch dann, gleichsam als würde sich seine Sicht plötzlich scharfstellen, sah er dunkle Punkte, die sich bewegten. Viele davon, sehr viele sogar. Er wischte sich über die Augen, strengte sie noch mehr an, und schließlich erkannte er, was es war: Reiter, ein großer Trupp, der sich schnell in seine Richtung bewegte, und das immer wieder aufscheinende Glitzern war nichts weiter als Spieglungen des Sonnenlichts auf blankem Metall – Schilde, Speerspitzen, Helme – Waffen! Er war zwar erst zwölf Jahre alt, aber der Sohn eines Burgherrn, und er wusste sofort, was das bedeutete. Diese Reiter kamen nicht in friedlicher Absicht! Und er hatte sie als Erster gesehen! Ruckartig riss er sein Pony herum und gab ihm die Sporen, dass es einen protestierenden Laut ausstieß und die Ohren anlegte. Aber darauf konnte er jetzt keine Rücksicht nehmen. Er musste so schnell wie möglich zurück und seine Leute warnen! Die Strecke schien ihm endlos. Hatte er sich wirklich so weit von der Festung entfernt? Er war doch kaum eine halbe Stunde weit geritten! Unendlich langsam wuchsen die trutzigen Palisaden vor ihm in die Höhe, als er, im Schneckentempo, wie ihm schien, näher heran kam. Draußen vor den Toren waren die Bauern der umliegenden Höfe bei der Arbeit, und im Vorbeireiten schrie er ihnen seine Warnung zu. Verdutzt sahen sie auf, blickten sich um und waren unschlüssig. Sie sahen keine Gefahr, die war noch viel zu weit weg, aber er zügelte sein Tier, gestikulierte und schrie so lange, bis sie verstanden, ihre Gerätschaften liegenließen und sich stattdessen daranmachten, sich und ihre Familien in der Festung in Sicherheit zu bringen. Als der Junge das sah, stieß er seinem Pony erneut in die Weichen und preschte weiter. Laut rufend zog er die Aufmerksamkeit der Wächter am Eingang auf sich und einer von ihnen, Lars, wie er erkannte, löste sich aus dem kühlen Schatten des Tores und kam ins Freie. „Was schreit Ihr so, junger Herr? Habt Ihr einen Wichtel gefangen?“ grinste er, doch im selben Augenblick wurde über ihren Köpfen ein Ruf laut. „Reiter! Ein großer Trupp! Bewaffnet! Von Süden!“ Eine Glocke wurde angeschlagen, und gleich darauf strömten die Soldaten der Festung aus ihrer Unterkunft. Lars schaute hoch, sah die Karawane der Bauern herankommen, die nun, als die Alarmglocke ertönte, ins Laufen verfielen und bedeutete ihm, ins Innere der Festung zu verschwinden. „Geht zu Eurer Mutter, junger Herr! Das hier ist nichts für Kinder, und sie wird euch um sich wissen wollen, wenn die Leute erst alle hier sind!“ sagte der Wächter, und der Junge beeilte sich, zu tun, wie ihm geheißen. Als er im Hof von seinem Pony sprang und das Tier rasch zum Stall führte, wo ein Knecht es ihm abnahm, traten eben der Burgherr und seine Gemahlin durch das Läuten der Glocke alarmiert aus dem Haupthaus. Sigurd, sein Vater war ein großer, breitschultriger Mann, wenn auch nicht mehr der Jüngste. Sein schulterlanges, blondes Haar war von eisgrauen Strähnen durchzogen und im Nacken zu einem Zopf gebunden. Seine Erscheinung strotzte vor Kraft und Entschlossenheit, und auch in seinem Gesicht fand sich diese wieder. Eine hohe Stirn, kräftige Wangen- und Kieferknochen, sowie ein Kinn, an dem man hätte Stahl schmieden können, verrieten viel über die innere und äußere Stärke dieses Mannes. Wer ihn gut kannte, bescheinigte Sigurd Olgursson allerdings auch einen Hang zur Sturheit, und vielleicht wirkte seine Gemahlin da als willkommener und nötiger Ausgleich. Lynda Olgursson war ebenfalls blond, jedoch sehr viel zierlicher und feingliedriger als ihr Gatte. Ihre Züge wirkten fein gemeißelt, und selbst ohne jeden Schmuck hätte sie wohl so manche Edeldame oder gar eine Prinzessin im vollen Hofstaat mühelos neben sich erblassen lassen können. Sie stand neben ihrem Gatten und stemmte die eine Hand dabei in den Rücken, denn sie trug schwer an ihrem zweiten Kind, das in Kürze zur Welt kommen sollte. Auf den Gesichtern des Paares malte sich bei beiden die gleiche Sorge, und Sigurd beeilte sich, die Treppe hinunter und zum Ausguck hinüber zu kommen, um sich selbst ein Bild der Lage zu machen. Der Junge sah ihm kurz nach und wünschte sich sehnsüchtig, ihn begleiten zu dürfen. Er war immerhin kein kleines Kind mehr und hatte sogar ein eigenes Schwert! Doch ein Ruf seiner Mutter holte ihn auf den Boden der Tatsachen zurück, und er beeilte sich, zu ihr hinauf zu kommen. Die Bauern strömten durchs Tor, und kaum war der Letzte drinnen, wurde es geschlossen und verrammelt. Sechs Soldaten waren nötig, um die schweren Flügel zu bewegen, und dieser Anblick ließ Zuversicht in das Herz aller Beobachter strömen. Zwar war die Festung aus Holz gebaut, immerhin war Stein ein seltener und nahezu unerschwinglicher Baustoff, hier oben im Norden, aber die äußeren Palisaden befanden sich in hervorragendem Zustand, stark und massiv, und würden sich nicht so einfach einreiten lassen. Oben auf der Treppe angelangt ergriff der Junge die ausgestreckte Hand seiner Mutter, die ihn ins Innere des Hauses scheuchte, während sie gleichzeitig bereits ihre Magd herbeirief. Inka war ein grobknochiges, energisches Mädchen und eilte aus dem Winkel herbei, von dem aus sie über ihre schwangere Herrin gewacht hatte. Lynda hatte sie vor zwei Jahren aus den Händen ihres gewalttätigen Vaters befreit und das Mädchen dankte es ihr mit absoluter Ergebenheit. Nun erteilte ihre Herrin ihr mit sicherer Stimme ein paar Aufträge und nach einem kleinen Knicks eilte die Magd hastig davon. Sich umwendend rief Lynda als Nächstes weitere Bedienstete herbei. Sie war selbst auf einer Festung geboren und aufgewachsen und wusste, was in einer Situation wie dieser von...




