Belle | Noah - Unsichtbare Ketten | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 295 Seiten

Belle Noah - Unsichtbare Ketten

Gay Romance
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7396-0423-7
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Gay Romance

E-Book, Deutsch, 295 Seiten

ISBN: 978-3-7396-0423-7
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Zehn Jahre hat Noah als Sklave in einem Bordell arbeiten müssen und ist darüber sogar zum Säufer geworden. Dann gelingt es seinem älteren Bruder, ihn freizukaufen. Doch Noah kann ihm dafür nicht danken, zu tief sind die seelischen Wunden, die er davongetragen hat. Stattdessen flüchtet er ohne zu überlegen. Sein Weg führt ihn hinaus aus der Stadt und im bald darauf einsetzenden Delirium auch weg von jeder gangbaren Straße, sodass es so aussieht, als würde die Wüste sein frühes Grab. Dass dem am Ende nicht so ist, verdankt er einem gütigen Schicksal, welches ihn zu Tu`al führt, einem Angehörigen der Almuran, nomadischer Wüstenbewohner. Dieser fühlt sich dem Kodex seines Volkes verpflichtet und nimmt sich darum des Jungen an. Er beschließt, Noah, die widerspenstige Kratzbürste, mit in sein Dorf zu nehmen, damit er sich dort erholen kann, bevor er seine Reise fortsetzt, denn auf sich allein gestellt wäre er in der Weite der Wüste verloren. Keiner der beiden rechnet allerdings damit, dass sie sich sehr schnell voneinander angezogen fühlen. Alles könnte ganz einfach sein, ist es aber nicht, denn Noahs Vergangenheit und der Kodex der Almuran, welcher Prostitution als eine der schwersten Sünden betrachtet, stellen schier unüberwindliche Hindernisse dar ... (Anmerkung der Autorin: Bei der vorliegenden Geschichte handelt es sich um ein Prequel zu 'Lauryn'. Wer es gelesen hat, wird Noah und auch Tu`al sicher wiedererkennen. Trotzdem sind beide Bücher unabhängig voneinander lesbar und stellen jeweils eine eigene, abgeschlossene Geschichte dar.)

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Tu`al
          Er sah es kommen, legte noch rasch seine Pfeife weg und streckte die Arme aus, doch es war zu spät. Schwer prallte der Junge auf ihn und riss ihn um, sodass Tu`al sich rücklings auf dem sandigen Höhlenboden wiederfand, Noahs schmalen Körper auf sich. Nur ein paar Sekunden lag der still, dann begann er zu zappeln und sich zu winden und kämpfte sich mit hochrotem Kopf in die Höhe. „Tut mir leid! Das … das war keine Absicht!“, nuschelte er und raffte die dünne Decke wieder an sich. Der Benvashedan stützte sich auf die Ellbogen und sah zu dem Jungen auf, wie der sichtlich verlegen um seine Fassung kämpfte. „Tja, bis gerade eben war deine Ansprache noch ziemlich beeindruckend!“, meinte er trocken und konnte nicht verhindern, dass ein Grinsen um seine Mundwinkel zuckte. Noah dagegen verfärbte sich noch etwas mehr und wandte sich mit einem misslaunigen Murmeln ab. Nachdem er sich wieder in die Decke gewickelt hatte, setzte er seinen Weg fort und stapfte etwas steifbeinig, aber mit hoch erhobenem Kopf zum Ausgang, durch welchen er gleich darauf ins Freie verschwand. Kopfschüttelnd folgte der Mann aus der Wüste ihm mit seinen Blicken, ehe er sich zur Gänze wieder aufrappelte und den Sand von seiner Kleidung klopfte. Anschließend reinigte er seine Pfeife und verstaute sie bei Tabak und Zunder in der Satteltasche. Wenn er ehrlich zu sich selbst war, hatte es ihm nicht schlecht gefallen, Noahs schlanken Körper auf sich zu fühlen. Der Kleine war zwar fast schon nervtötend trotzig und aufsässig, aber - zumindest nett anzusehen. Und mehr als das … Tu`al gehörte zu den Männern, die das eigene Geschlecht dem anderen vorzogen, doch bei den Almuran war das kein Problem. Niemand störte sich daran, wenn zwei Männer oder zwei Frauen ein Paar bildeten und als solches auch zusammenlebten. Sie unterschieden einzig zwischen Bruad`ar, also Männern und auch Frauen, die ausschließlich das eigene Geschlecht begehrten und Derad`ar, Personen, die sich für beides erwärmen konnten. Tu`al selbst zählte sich zu Ersteren, hatte er doch noch niemals eine Frau oder ein Mädchen mit anderen Gefühlen als denen bloßer Sympathie angesehen. Er wusste, dass sein Volk mit dieser Einstellung in der Welt zwar nicht völlig allein stand, aber dass es eben doch Völker und Länder gab, wo ein Mann nicht zeigen durfte, wie es um sein Herz bestellt war, wenn er einen anderen Mann liebte. Mancherorts musste man ja sogar um sein Leben fürchten, sollte man es wagen, sich darüber hinweg zu setzen und offen zu seinen Gefühlen zu stehen. Etwas was unter den Almuran stets für Kopfschütteln und Unverständnis sorgte. Die meisten Völker, die Tu`al kannte, glaubten an Almur als den Schöpfer allen Lebens, also auch der Menschen. Wenn er aber alle Menschen erschuf, wieso sollte er dann manche von ihnen verachten, bloß weil sie eben in diesem Punkt anders waren? Er hatte sie doch so gemacht! Und wenn Almur alle Menschen gleichermaßen liebte, so wie sie waren – wieso sollte es dann richtig sein, wenn Menschen ihre Artgenossen bloß ihrer Gefühle wegen verfolgten und verdammten? Das wollte ihm einfach nicht in den Kopf. Als er noch ein Junge an der Grenze zur Mannbarkeit gewesen war, mit achtzehn Jahren, hatte er für drei Jahre seinen Clan verlassen müssen und in einer weit entfernten Stadt gelebt. Dort hatte man ihn Lesen, Schreiben und einige andere Dinge gelehrt, die sein Vater für den zukünftigen Clanführer für wichtig hielt. Er hatte dort aber auch die Ansichten anderer Völker kennengelernt, denn in seiner Schule mischten sich eine Menge Nationalitäten. Sie besaß einen guten Ruf, der über die Landesgrenzen hinaus bekannt war und viele wichtige Familien schickten ihre Sprösslinge dorthin. Und hier hatte Tu`al erst so richtig schätzen gelernt, wie offen und frei seine eigenen Leute in manchen Dingen dachten und lebten. In diesen drei Jahren hatte er am eigenen Leib erfahren, wie es sich anfühlte, wegen seiner Vorliebe für Männer beschimpft und drangsaliert zu werden. Es waren allerdings nur vergleichsweise wenige Schüler gewesen, die meinten, ihn schikanieren zu müssen, den weitaus meisten war es gleichgültig, ob einer ihrer Kameraden nun Männer bevorzugte oder Frauen. Und auch die Lehrer vertraten eine offen liberale Einstellung, immerhin befand man sich in einem Land, wo gleichgeschlechtliche Beziehungen zwar nicht offiziell anerkannt, aber doch geduldet waren und keinerlei Repressalien von offizieller Seite nach sich zogen. Trotzdem war es nichts, woran sich Tu`al gern erinnerte. Mittlerweile lebte er im Frieden mit sich selbst, vermisste allerdings manchmal einen festen Partner an seiner Seite. In seinem Dorf gab es sonst keine Männer wie ihn und ein Bordell aufzusuchen, wie es die Männer in der Stadt tun konnten, wenn der Druck zu groß wurde, kam allein schon wegen der großen Entfernung nicht in Frage. Darüber hinaus war dies allerdings auch eine Sache, der die Almuran mehr als kritisch gegenüberstanden: Prostitution. Ein Mensch, gleich ob Mann oder Frau, der sich selbst dermaßen gering achtete, dass er sich für Geld feilbot, verwirkte ihrer Anschauung nach jeglichen Anspruch auf Selbstbestimmung und machte sich damit selbst zum Sklaven. Er war gewissermaßen kein Mensch mehr in den Augen der Wüstenbewohner und besaß weder Ehre noch eine Seele, denn die überantwortete er mit seinem Tun freiwillig dem Teufel. Eine größere Sünde gab es nicht in den Augen der Almuran. Tu`al hatte jedoch lange genug in der Stadt gelebt, um zu wissen, dass es nicht immer so einfach war. Viele, wenn nicht die meisten, der Frauen und Männer, die in den Bordellen arbeiteten, hatten niemals eine andere Wahl gehabt. Sie waren Sklaven und besaßen lediglich den Status einer Ware. Noah hatte es ja eben mit ganz ähnlichen Worten beschrieben. Und er hatte auch gesagt, dass er noch keine elf Jahre alt gewesen war, als er seinen ersten Kunden bedienen musste. So gesehen, war seine, Tu`als, Bemerkung wirklich reichlich taktlos gewesen … Der Wüstenkrieger überschlug kurz im Kopf, was der Junge noch alles gebrüllt hatte und folgerte, dass Noah demnach etwa zwanzig Jahre alt sein musste, allerhöchstens einundzwanzig. Seufzend stieß er den Atem aus. In diesem Alter hatte er selber ganz andere Dinge im Kopf gehabt, war mit seinen Freunden aus der Schule allabendlich durch die Tavernen gezogen und hatte es sich gut gehen lassen. Und in den Jahren davor war er einfach nur ein Junge gewesen, so wie alle anderen seiner Altersgenossen unter den Almuran ebenfalls. Er reckte den Kopf. Wo blieb Noah eigentlich? Er hatte sich hoffentlich nicht doch noch allein auf den Weg gemacht und irrte jetzt draußen in der Wüste herum? Tu`al verfluchte sich, dass er nicht gleich daran gedacht hatte, als der Junge aus der Höhle gestürzt war und stemmte sich in die Höhe. Gleich darauf trat er ins Freie und schaute sich um. Mit einem leisen erleichterten Aufatmen bemerkte er Noah nicht weit entfernt auf dem Boden sitzend, mit dem Rücken an die Felsen gelehnt.
Langsam näherte er sich und ließ sich dann neben dem Jungen nieder, achtete aber darauf, genügenden Abstand zwischen ihnen beiden zu lassen, damit er sich nicht bedrängt fühlte. Eine Weile schwiegen sie, bis sich Tu`al räusperte und meinte: „Es tut mir leid, Noah. Ich habe unüberlegt gesprochen und entschuldige mich dafür.“ Noah wandte ihm das Gesicht zu und musterte ihn argwöhnisch. „Machst du dich jetzt über mich lustig? Oder sagst du das, weil du mich selber flachlegen willst?“, fragte er. Tu`al blinzelte überrascht. „Was? Wie kommst du denn darauf?“ Noah hob die Schultern. „Wäre der Gedanke wirklich so abwegig? Du hast mich in der Wüste aufgesammelt, mir das Leben gerettet, mich sogar gewaschen und gefüttert! Ich habe nichts, was ich dir dafür geben könnte, also was soll ich da denken? In meiner Welt tun Menschen solche Dinge nicht umsonst!“ Für einen Augenblick war Tu`al sprachlos. „Nun, in meiner Welt tun sie es sehr wohl“, erwiderte er dann. „Also sei unbesorgt. Ich will nichts von dir! Aber ich hätte mich selbst beschämt, hätte ich das Leid eines anderen Menschen gesehen und nicht alles in meiner Macht Stehende getan, um es zu lindern.“ Die Furche zwischen Noahs Brauen vertiefte sich. „Im Ernst?“ Seiner Stimme war anzuhören, dass er nicht überzeugt war. Tu`al nickte ernsthaft. „Ich habe eine Zeitlang in der Stadt gelebt, auch wenn das schon eine Weile her ist“, erklärte er. „Also weiß ich durchaus, wie es dort zugeht. Zehn Jahre ist das jetzt her, aber ich schätze, allzu viel hat sich da nicht verändert.“ Noah lachte unfroh auf. „Ach so? Dann warst du ja sicher auch oft genug in den Bordellen zu Gast, was?“ „Nein. Ich habe kein einziges davon jemals von innen gesehen“, erklärte der Almuran, doch Noah warf grinsend den Kopf zurück. „Ach komm! Du verarschst mich! - Ein junger Kerl, weit weg von zuhause! Und ich soll dir glauben, dass du nicht ein einziges Puff aufgesucht...



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