E-Book, Deutsch, 389 Seiten
Belle Ungebeten + Ungeplant
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7368-6518-1
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Schloss Falkenhorst Band I + II
E-Book, Deutsch, 389 Seiten
ISBN: 978-3-7368-6518-1
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Ungeplant: Jannis muss mitten im Jahr die Schule wechseln und kommt ins Internat Schloss Falkenhorst. Dort lernt er neue Freunde kennen, hat aber auch einen mehr als gewöhnungsbedürftigen Zimmergenossen. Gregor ist verschlossen, bis an die Grenze zur Feindseligkeit und Jannis von ihm anfangs einfach nur genervt. Allerdings merkt er bald, dass Gregor irgendein düsteres Geheimnis mit sich herumträgt und ist irritiert darüber, wie sehr seine Gedanken um diesen merkwürdigen Jungen kreisen. Verschiedene Vorfälle an der Schule bewirken, dass die beiden sich trotz aller Aversionen näherkommen und dann ... steht Jannis` Leben plötzlich Kopf! Ungebeten: Jannis und Gregor machen gemeinsam Urlaub und müssen sich nun erstmals außerhalb der Schule mit ihrer Beziehung und den damit verbundenen Widrigkeiten auseinandersetzen. Eifersucht ist im Spiel und stellt eine erste heftige Belastungsprobe dar. Zurück im Schulalltag sind die Turbulenzen aber noch längst nicht vorbei, denn ein neuer Schüler kommt in die Klasse, der kein Geheimnis aus seiner Homosexualität und seinem Interesse an Jannis macht. Oder ist es doch eher Gregor, für den sein Herz schlägt? Als Jannis dann plötzlich verschwindet beginnen die Ereignisse sich zu überschlagen, doch die Erklärung für alles ist völlig anders, als erwartet ... (Die beiden in diesem Buch enthaltenen Bände über das fiktive Internat Falkenhorst und seine Bewohner sind komplett überarbeitete und korrigierte Versionen der allerersten Bücher der Autorin und waren bis vor kurzem kostenlos auf der Seite bookrix.de eingestellt.)
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1.
Der erste Eindruck von meinem neuen Zuhause könnte kaum trübseliger sein. Ich sitze auf dem Beifahrersitz unseres Wagens und schaue aus dem Seitenfenster auf eine regennasse Landschaft. Wir sind bis jetzt etwa drei Stunden gefahren und mir kommt der Gedanke, dass ich mit jedem Kilometer nicht nur mein Zuhause, sondern auch mein altes Leben immer weiter hinter mir zurücklasse. Keine erbauliche Vorstellung. Hätte ich die Wahl gehabt, wäre ich nicht unterwegs zu einem Internat, sondern würde noch immer in meine angestammte Schule gehen und im Haus meiner Eltern leben. Aber diese Option habe ich nicht mehr. Meine Mutter hat meinen Vater verlassen. Sie ist jetzt mit einem anderen Kerl zusammen, lebt in den USA und hat in ihrem neuen Leben keinen Platz mehr für ihren Sohn. Und mein Vater ist, schon solange ich denken kann, mit seiner eigenen Firma mehr als ausgelastet. Er vertreibt Blitzschutzanlagen und macht selbst nach etlichen Jahren in dem Business das Meiste an Vertrieb und Buchhaltung selbst. Da bleibt kaum Zeit, sich um einen 17jährigen Jungen zu kümmern. Nicht, dass ich mir wahnsinnig viel aus seinem Kümmern machen würde. Ich bin seit jeher gewohnt, viel allein zu sein und habe die damit verbundene Freiheit immer sehr genossen, meinen Eltern aber zumindest nie wirklich Schwierigkeiten gemacht. Ich schätze, im Großen und Ganzen bin ich wohl ziemlich angepasst. Klar, Parties sind cool, Mädchen hin und wieder auch, aber Alkohol oder Drogen haben mich irgendwie nie gereizt. Vielleicht weil es mich immer schon angekotzt hat, wenn meine Eltern eine Party veranstalteten und zu vorgerückter Stunde die Damen in ihren Designerfummeln und die Schlipsträger, die sonst immer alle ach so korrekt taten, unter Alkoholeinfluss die Hemmungen verloren und ihre wahren Gesichter zeigten. Aber wie auch immer, jedenfalls bin ich nicht übermäßig begeistert, als ich den ersten Blick auf das Internat "Falkenhorst" werfen kann, in dem ich die nächsten beiden Jahre bis zum Abitur verbringen soll. Mein Vater meint eben, hier bekäme ich nicht nur eine erstklassige Schulbildung, die mir, wie er sich ausdrückt, später mal Tür und Tor öffnen kann, sondern außerdem den in meinem Alter noch dringend benötigten „Familienanschluss“. Dass ich nicht lache! Unterwegs hat er zwar nochmal versucht, mir die Schule schmackhaft zu machen, indem er mir die verschiedenen Vorzüge in den höchsten Tönen anpreist, aber angesichts meiner immer einsilbigeren Antworten ist er schließlich verstummt. Ich habe natürlich gemerkt, dass dieses Schweigen auf ihm lastet, aber das ist mir so was von egal. Er hat mich aus meinem Zuhause gerissen und von meinen Freunden getrennt, also habe ich auch wenig Lust, ihm die Situation erträglicher zu machen. Seit wir die Autobahn verlassen haben, sind wir zunächst durch ein ausgedehntes Waldgebiet gefahren, nur unterbrochen von einer Handvoll kleiner, verschlafener Dörfer. Dann erreichten wir eine kleine Stadt, nett anzusehen, mit vielen Fachwerkhäusern, aber natürlich kein Vergleich mit meiner Heimatstadt Frankfurt. Hier wird wohl nie so richtig was los sein, registriere ich im Hinterkopf - noch ein Minuspunkt auf meiner mentalen Liste. Kurz nachdem wir das Städtchen hinter uns gelassen haben, führt die Landstraße in einer langgezogenen Kurve um ein weiteres Waldstück herum, und noch während ich denke, dass mir dieses ganze Grün allmählich auf die Nerven geht, kommt vor uns die Schule in Sicht. Zumindest nehme ich an, dass sie es ist.Ich habe schon auf dem Prospekt, den mein Vater angeschleppt hat, gesehen, dass es sich um ein altes Schloss handelt, aus groben Steinen erbaut und mit ein paar moderneren Nebengebäuden, die in jüngerer Zeit entstanden sind. Umgeben ist das ganze Areal von einer hohen Mauer, in die insgesamt vier Türme eingebettet sind und eine breite Toröffnung, durch die wir gleich darauf in einen großen Hof fahren. Es ist mittlerweile später Nachmittag und trotz des schlechten Wetters sind eine Menge Schüler und Schülerinnen auf dem Gelände. Alle tragen Schuluniformen und im Geist verdrehe ich die Augen bei dem Gedanken, dass ich ab morgen auch so was anziehen muss. Natürlich werde ich begafft, und hier und da sehe ich auch Köpfe, die zusammengesteckt werden. Aber das ist mir eigentlich ziemlich egal. Ich habe mich bisher noch nie sonderlich darum geschert, was andere von mir halten. Nicht dass ich es darauf anlege, als Freak zu gelten, das nun auch nicht gerade, aber ich habe mich nie geistig oder seelisch verrenken mögen, um überall die erste Geige zu spielen und trotzdem eine Menge Freunde gehabt. Das alles geht mir noch durch den Kopf, als ich mein Gepäck aus dem Kofferraum nehme, weil ich mich natürlich trotzdem frage, wie sich das hier entwickeln wird. Ich komme mitten im Schulhalbjahr und vermute mal, die Meisten haben ihre ersten Kontakte bereits geknüpft. Aber okay, ändern kann ich es eh nicht, da muss ich jetzt eben durch! Mein Vater kommt um den Wagen herum und greift beim Gepäck mit zu, weil ich allein nicht alles tragen kann. „Ich verstehe ja wirklich nicht, warum du das hier unbedingt mitnehmen musstest“, sagt er mit gerunzelter Stirn, als er meine Staffelei hochnimmt. „Meinst du nicht, du solltest dich allmählich mal mit den wichtigen Dingen des Lebens befassen? Wenn du später die Firma übernimmst, wird dir dieses Gekritzel nicht gerade hilfreich sein.“ „Und wann habe ich jemals gesagt, dass ich die Firma übernehme?“, halte ich aggressiv dagegen. Das ist auch so ein Thema zwischen uns. Allerdings ist es noch nie zu einem wirklichen Streit darüber gekommen. Ich schätze, mein Vater geht einfach davon aus, dass ich schon irgendwann „zur Vernunft kommen werde“, wenn ich älter bin. Deshalb will er wohl unsere Beziehung nicht zusätzlich belasten und schweigt. Er kann mit „meinem Gekritzel“ wie er es immer nennt, nun mal so gar nichts anfangen. Im Alter von fünf Jahren habe ich das Malen für mich entdeckt. Seither habe ich unzählige Skizzenbücher gefüllt und mein Zimmer mit eigenen Zeichnungen regelrecht tapeziert. Aber erst mein Kunstlehrer in der achten Klasse hat mein Talent wirklich ernst genommen und ist mit mir in Kunstausstellungen und Galerien gegangen. Er hat mir neue Techniken beigebracht und mich ermutigt, auch ungewöhnliche Ideen in die Tat umzusetzen. Meine Eltern sehen das alles leider mit anderen Augen. Für meinen Vater ist meine Malerei eher ein Ärgernis, sollte ich doch nach seinem Dafürhalten mehr Interesse an praktischen Dingen, wie zum Beispiel der Firma und allem was damit zusammenhängt, zeigen. Und meine Mutter hat zwar jedes meiner Bilder immer gelobt, aber so, als wäre ich fünf Jahre alt und in einer Art und Weise, dass ich oft das Gefühl hatte, sie macht es nur, um meine Gefühle nicht zu verletzen, wäre aber insgeheim froh, ich würde den Kinderkram endlich sein lassen. Auf jeden Fall habe ich mich vor meiner Abreise mit Farben, Pinseln, Skizzenbüchern und Ähnlichem eingedeckt, denn ich beabsichtige, auch hier meinem Hobby Nr. Eins weiterhin nachzugehen. Mit den Gepäckstücken beladen wenden wir uns dem Haupteingang zu und stehen gleich darauf in einer gigantischen Eingangshalle. Uns gegenüber führt an beiden Seiten je eine gigantische, steinerne Treppe zu einer Galerie hinauf. Ich sehe auch dort oben Köpfe und höre Stimmen und Gelächter, die zu uns herunter schallen. Die hohe Decke wird von unzähligen, wuchtigen Säulen getragen und vor uns befinden sich eine Menge Schüler, die sich zum Teil in ein paar Sitzgruppen lümmeln, welche in dem riesigen Raum verstreut stehen. Wieder drehen sich zahlreiche Köpfe in meine Richtung und ich werde abschätzend gemustert. Weil einige wirklich süße Girls dabei sind, gebe ich mich cool und desinteressiert, doch als ich im Kielwasser meines Vaters dem hinteren Ausgang zustrebe, fällt mir doch etwas ins Auge. In einer der hintersten Sitzgruppen sitzt ganz allein ein Schüler, den ich etwa auf mein Alter schätze. Er hat ein Buch im Schoß und scheint völlig darin versunken zu sein. Von seinem Gesicht sehe ich nicht viel, weil ihm schwarze Haare wirr in die Stirn fallen. Die Krawatte seiner Schuluniform ist gelockert und sitzt schief, und der oberste Knopf seines Hemdes steht offen. Eine seiner Hände liegt in dem aufgeschlagenen Buch und ich bemerke, dass seine Finger lang und schlank sind, so wie ich mir die Finger eines Pianisten oder anderen Künstlers vorstelle. Richtige Künstlerhände eben. Wir gehen direkt an ihm vorbei und als wir auf gleicher Höhe sind, hebt er kurz den Kopf und schaut zu mir herüber. Das schmale Gesicht mit der geraden Nase könnte gutaussehend genannt werden, wäre nicht der Mund zu einem schmalen Strich zusammengezogen und würde er nicht so finster aus der Wäsche schauen. Seine Augen sind von einem intensiven, dunklen Blau und der Blick den er mir daraus zuwirft, ist kühl, fast schon feindselig. „Na, toll!“, schießt es mir durch den Kopf. „Da komme ich gerade erst an und hab` schon einen Fan!“ Mit diesem ironischen Gedanken trete ich durch die breite Tür am...




