E-Book, Deutsch, 302 Seiten
Belle Unverhofft kommt oft
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7396-0664-4
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Gay Romance
E-Book, Deutsch, 302 Seiten
ISBN: 978-3-7396-0664-4
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Nathan Rossdale ist ein nicht ganz gewöhnlicher Siebzehnjähriger. Nicht nur, dass er schwul ist und ausgerechnet in einer Kleinstadt namens French Lick zuhause, er denkt auch nicht im Traum daran, seine Homosexualität zu verstecken. Immerhin haben weder seine Familie noch seine Freunde ein Problem damit. Ganz anders sieht es dagegen bei Dylan Ruthledge aus. Niemand weiß viel über den verschlossenen Jungen, dafür machen bald fiese Gerüchte die Runde. Als sie einander begegnen, schlägt es bei Nathan ein wie der sprichwörtliche Blitz, nur leider hat er kein besonders glückliches Händchen im Umgang mit seinem Angebeteten. Er beißt also lange Zeit ziemlich auf Granit, obwohl er durchaus Grund zu der Annahme hat, dass Dylan am gleichen Ufer fischt wie er. Dass dieser sich ihm trotzdem zuerst eiskalt verweigert, kratzt mächtig an Nates Ego. Im Laufe der Zeit findet er aber heraus, dass mehr hinter Dylans scheinbar glatter, kühler Fassade steckt und nicht jeder so viel Glück hat, wie er selbst. Er möchte dem Anderen helfen, und nicht allein deshalb, weil er allmählich begreift, dass er sich ernsthaft in den Jungen mit den 'Karamellaugen' verliebt hat. Zu seiner nicht geringen Enttäuschung tragen Nates Bemühungen jedoch anfangs nur wenig Früchte. Er muss erkennen, dass Dylan in ihm nicht den Ritter mit schimmernder Rüstung sieht, und für sich entscheiden, ob seine Gefühle es wert sind, trotzdem am Ball zu bleiben.
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Ich meine, was soll das denn jetzt? Erstens ist er gerade mal acht verfickte Monate älter als ich und nicht acht Jahre, und zweitens kann er sich seine kryptischen Sprüche mal gepflegt sonst wohin stecken, wenn er nicht gleich eine anständige Erklärung hinterher schiebt! Oder meint er vielleicht, bloß weil er mir die eine oder andere Erfahrung voraus hat, kann er hier den Obermotz raushängen lassen? „Nun sag` schon!“, verlange ich dementsprechend ungehalten und er rückt ein Stückchen näher an mich ran. Er stand zwar vorher auch schon dicht vor mir, aber jetzt schiebt er sich so nah, dass ich seine Antwort problemlos verstehe, obwohl er plötzlich nur noch flüstert. „Ich meine ja nur“, raunt er, legt einen Finger unter sein rechtes Auge und zieht das Unterlid ein bisschen abwärts. „Man hört so einiges über Dylan. Ich hoffe, du weißt das?“ Also geht`s um diese Gerüchtesache? Mann, muss denn hier jeder darauf rumhacken? … Wie komme ich dazu, Dylan einfach so zu verteidigen und sei es auch nur vor mir selber? - Irgendwas scheint mit meinem Kopf echt nicht zu stimmen, denn plötzlich geht es mir mächtig gegen den Strich, dass Timothy ihm scheinbar unbesehen einfach so ein bestimmtes, nicht eben vorteilhaftes Etikett verpassen und ihn in eine Schublade stecken will, ohne einen zweiten Blick drauf zu werfen. Jedenfalls macht er eine bedeutungsvolle Miene und rückt wieder ab. „Kapiert?“, fragt er und ich starre ihn stumm an, weil ich gerade wirklich nicht weiß, was ich sagen soll. Ohne sich dessen bewusst zu sein, hat er gerade eine frische Ladung Wasser auf meine inneren Gebetsmühlen gekippt und die Gedankenspirale, die sich seit Samstagabend dreht und eben endlich mal für eine Weile angehalten hatte, wieder in Gang gesetzt. Na toll! Soll ich ihm deswegen nun dankbar sein, oder wütend? „Wovon sprichst du?“, stelle ich mich gleich darauf doof, denn vielleicht kann ich ihm ja doch noch ein paar Infos über Dylan entlocken, die mir helfen, mich in meinem Gefühlslabyrinth wenigstens ein bisschen besser zu orientieren. Wenn Dylan echt eine Schlampe ist und es mit jedem treibt, dann können mir seine Karamellaugen, sein süßer Knackarsch und seine wundervollen, schlanken Hände nämlich mal gepflegt gestohlen bleiben! … Oder? … „Na, du weißt schon?“ Timothy hebt die Schultern und unterbricht meine Nabelschau. „Es heißt, dass er … naja, manche Dinge eben … wie soll ich sagen – ziemlich locker sieht?“ Ich starre ihn nur stumm und fragend an und er fährt fort: „Mann, ich rede von Sex, Nate! So viel ich gehört habe, macht Dylan mit so ziemlich jedem rum, der ihn danach fragt. Das ist nicht gerade das, was man einen guten Ruf nennt, meinst du nicht auch? Willst du dich echt auf so jemanden einlassen?“ „Weißt du denn da was Konkretes? Oder sind das alles nur Gerüchte?“, bohre ich hartnäckig nach. Er hebt die Schultern. „Was Konkretes?“ Ein gutmütiges Grinsen blüht auf seinem Gesicht. „Nee, ich bin ja wohl nicht der Homo von uns beiden. Wundert mich eh, dass du noch nichts davon gehört hast bis jetzt. Die halbe Schule tratscht doch schon darüber.“ „Ja, super!“ Schnaubend verdrehe ich die Augen. „Ich bin aber nun mal keiner von denen, die andauernd irgendwo rumhängen und tratschen, falls du`s noch nicht bemerkt hast! Und nur so nebenbei – ich hab` durchaus davon gehört. Mich interessiert aber viel mehr, ob da was Wahres dran ist! Opfer von blödem Getratsche bist du doch schneller als du 'Arschloch' sagen kannst! Also, weißt du nun was oder nicht? Und von wem hast du die Story überhaupt?“ Noch einmal zuckt er die Achseln. „Naja, von verschiedenen Leuten. Ich glaub`, als Erste hat mir Olive davon erzählt.“ „Olive? Du meinst Olive Saunders?“ Timothy nickt. Großartig. Olive ist – zumindest wenn man mich fragt – dasParadebeispiel dafür, wie sehr das Äußere eines Menschen doch über seinen Charakter täuschen kann. Sie sieht so harmlos aus, lieb und süß, mit ihren schulterlangen, braunen Schnittlauchlocken und ihrem zuckersüßen Lächeln. Aber in Wirklichkeit ist sie eine falsche Schlange wie sie im Buch steht und ein fürchterliches Schandmaul noch dazu. Vor ein paar Monaten war sie eine Weile mit Timothy zusammen – solange bis Daniel sie ihm weggeschnappt hat. Allerdings war sie dann auch bei Erbsenhirn Stottlemeyer ziemlich schnell wieder abgemeldet, soweit ich mich erinnere und hat danach Gift und Galle gegen ihn gespuckt. Ziemlich unschön. Der unweigerlich folgende Versuch, reumütig zu Timmy zurück zu kehren ist auch fehl geschlagen und für eine Weile war mit ihr echt nicht gut Kirschen essen. Naja, wie auch immer, das sei nur mal so nebenbei erwähnt … „Ist dir vielleicht schon mal der Gedanke gekommen, dass da auch gar nix dran sein könnte? Dass ihm vielleicht … keine Ahnung – irgendjemand bloß einen reinwürgen wollte oder so, hä? Muss es da sein, dass du auch noch ins gleiche Horn stößt? Sowas hätte ich gerade von dir nicht erwartet! Echt nicht!“, werfe ich Timothy jetzt ziemlich heftig an den Kopf und er schaut mich irritiert an. „Jetzt komm` mal wieder runter, Nate, ja? Scheiße, was machst du denn hier für eine Welle wegen dem Kleinen?“, blafft er angepisst zurück. „So hab` ich das doch gar nicht gemeint! Aber immerhin kennen wir uns seit ´ner Ewigkeit und ich will eben nicht dass dir irgendwas passiert! Was, wenn an den Gerüchten doch was dran ist – meinst du vielleicht, dann mache ich mir keine Vorwürfe, wenn ich dich einfach so in die Falle tappen lasse? Also muss ich es dir doch wenigstens sagen! Was wär` ich denn sonst für ein Freund?“ Na prima – jetzt ist er auch sauer. Hab` ich ja toll hingekriegt! Ich scheine heute echt ein Händchen für die subtilen Zwischentöne zu haben? „Ja. Entschuldige. Hast ja recht“, nuschle ich kleinlaut. „Ich hab`s auch nicht so gemeint, okay?“ Er atmet tief ein und aus und sagt: „Geschenkt.“ Danach schweigen wir uns eine Weile an, aber schließlich knufft Timmy mich gutmütig in die Seite. „Was du da eben gesagt hast, ist aber auch nicht ganz falsch gewesen. Bis heute hab` ich mir darüber, ob dieses blöde Geschwätz wahr ist, kaum Gedanken gemacht. Natürlich – es kann sein, dass jemand das mit Absicht in Umlauf gebracht hat, um ihm zu schaden, aber – keine Ahnung? Ich kenne ihn nicht, bloß vom Sehen. Ich hab` mich nur auf der Party gewundert, dass er so an Daniel klebte und der sich das auch hat gefallen lassen. Aber weißt du - wenn dir so viel an ihm liegt, rede doch mal in Ruhe mit ihm.“ Ich kann nicht verhindern, dass mir ein erneutes Schnauben entkommt. „Mit ihm reden, ja? - Super Idee! Glaub` mir, ich würde echt gern mal in Ruhe mit ihm reden! Nur leider er nicht mit mir! Du hast es ja gerade gesehen!“ Timothys Brauen wandern gen Haaransatz. „Wie jetzt?“ „Na, wie ich es sage – er geht mir aus dem Weg!“ „Habt ihr euch gestritten, oder was?“ War ja klar, dass er das wissen will. Würde ich an seiner Stelle vermutlich auch fragen. Ich winde mich und zermartere mir das Hirn nach einer Antwort, die Timmy zufrieden stellt, aber nicht preisgibt, wie das alles angefangen hat. Denn dann würde er sich unter Garantie entweder über mich scheckig lachen oder mir erklären, dass ich mir das selbst eingebrockt habe. Das weiß ich aber selber, muss es nicht erst aus seinem Mund hören und begnüge mich deshalb mit einem vagen: „Njein.“ Jetzt grinst er und wiederholt meine verbale Meisterleistung: „Njein? Was soll das denn heißen?“ „Das heißt … was es heißt, okay? Dylan will nicht mit mir reden und fertig! Er kann mich eben nicht ab, okay?“ Zum Glück erlöst mich die Schulglocke von weiteren Fragen. Allerdings wird mir jetzt, wo ich eigentlich zurück in den Unterricht müsste bewusst, dass meine Blase gewaltig drückt. Logisch – ich musste ja auch den unwillkommenen Retter spielen, anstatt meinen körperlichen Bedürfnissen nachzugeben! Kurz horche ich in mich hinein, erkenne aber sehr schnell, dass ich das keine weitere Doppelstunde aushalten werde. Der Kaffee vom Frühstück verlangt nachdrücklich, wieder in die freie Wildbahn entlassen zu werden.
Dazu kommt, dass als Nächstes Mathematik auf dem Stundenplan steht. Bei Mr. Matsumoto. Angeblich ist er japanischer Abstammung, aber ich glaube viel eher, der Mann ist ein Roboter oder sowas. Er verzieht keine Miene, während er unterrichtet und seine äußere Erscheinung wirkt so zugeknöpft und überkorrekt, dass ich fest überzeugt bin, er geht nach Schulschluss überhaupt nicht nach Hause, sondern bloß an seine Ladestation, wo er die Nacht damit zubringt, seine Akkus aufzuladen. Viel wichtiger ist aber die Tatsache, dass er keinen Schüler während seines Unterrichts wegen so etwas Banalem wie Druck auf der Blase das...




