E-Book, Deutsch, 214 Seiten
Belle Vor allen Dingen
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7396-4732-6
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Gay Fantasy Romance
E-Book, Deutsch, 214 Seiten
ISBN: 978-3-7396-4732-6
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Lon und Kai sind endlich wieder vereint, doch bereits nach der ersten gemeinsamen Nacht ziehen finstere Wolken auf. Zu unterschiedlich sind ihre Vorstellungen von der Zukunft, und als der Jäger seinen Geliebten vor den Kopf stößt, wirft dieser ihn wütend aus der Wohnung. Zwar kühlen beide Streithähne rasch wieder ab, doch bis dahin ist bereits eine dritte Partei auf der Bildfläche erschienen, die noch eine Rechnung zu begleichen hat. Lon wird entführt und schneller, als beide gedacht hätten, stecken sie erneut in einem wüsten Abenteuer auf Leben und Tod. (Das vorliegende Buch ist die Fortsetzung zu 'Hinter den Spiegeln'. Zwar ist es möglich, beide Bücher unabhängig voneinander zu lesen, dennoch ist es dem Verständnis förderlich, den ersten Band zu kennen.)
Autoren/Hrsg.
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Jäher Fall
„Was hattest du gesagt, wann Yu wieder hier sein wollte?“ Kai reckte den Hals, um auf die Ziffern seines Radioweckers zu spähen. Es war noch sehr früh, keine fünf Uhr, doch Lon und er hatten während der Nacht noch so gut wie kein Auge zugemacht. Zu sehr hatte es sie nach einander verlangt, als dass sie die Nacht mit so profanen Dingen wie Schlaf hätten vergeuden wollen. Lediglich zu Phasen kurzen Dösens hatte es gereicht, ehe die Lust aufeinander sie erneut übermannte. Lon, der blonde Dämonenjäger aus einer fremden Welt, lag neben Kai und rückte jetzt noch dichter an ihn heran. Mit der Nasenspitze strich er über dessen Nacken, ehe er einen Kuss darauf hauchte und mit rauer Stimme erwiderte: „Keine Ahnung. Irgendwann am Morgen hat sie gesagt. Und das da“, er hob einen Arm und deutete nachlässig Richtung Fenster, vor dem sich das erste Morgenlicht abzeichnete, „das ist noch kein Morgen! Also komm` wieder her.“ Lächelnd wandte Kai sich ihm zu und ließ sich erneut in einen tiefen und verlangenden Kuss verwickeln. Sie waren beide bereits mehrere Male gekommen im Laufe der kurzen Spätsommernacht, trotzdem spürte er, wie er binnen kurzem erneut hart wurde. Lons Duft stieg ihm in die Nase, unter seinen Fingern fühlte er das geschmeidige Spiel trainierter Muskeln, darüber glatte Haut, nur hier und dort unterbrochen von wulstigen Narben. Stöhnend ergab er sich ihrem gemeinsamen Verlangen und schlief anschließend, eng an Lon geschmiegt, endlich ein. Als er das nächste Mal aufwachte, fand er sich allein in seinem Bett und die andere Hälfte der Matratze kalt. Er fuhr hoch und schaute sich panisch um. War Lon etwa schon wieder fort? Einfach so? Ohne Abschied? Das würde er doch nicht tun, oder? Ein gedämpfter Fluch und ein Rumpeln aus dem Badezimmer ließen ihn erleichtert aufseufzen. Er schwang die Beine aus dem Bett und ging den Geräuschen nach. Als er die Tür zu der kleinen Nasszelle aufstieß, blinzelte er zunächst verblüfft, dann grinste er. Ganz offensichtlich war der Jäger mit der Bedienung der Wasserhähne etwas überfordert gewesen. Kein Wunder – in seiner Welt existierte so etwas nicht. Dort holte man Wasser aus Brunnen oder fließenden Gewässern. Hier hatte er es zwar geschafft, das Wasser aufzudrehen, doch beim Versuch den Wasserfluss wieder zu stoppen, ganz offenbar in die falsche Richtung gedreht und es dann mit der ihm eigenen Ungeduld tatsächlich übertrieben. Nun hielt er den Griff der Armatur in der Hand und starrte fluchend darauf. Als er Kai bemerkte, runzelte er die Stirn noch etwas mehr und schnauzte ungehalten: „Was ist das für ein beschissener Kram? Könnt ihr euer Wasser nicht von draußen holen, so wie wir das auch machen? Was habt ihr davon, wenn es zwar bis in eure Häuser fließt, aber dann nicht wieder aufhört?“ Kopfschüttelnd kam Kai vollends ins Bad, bückte sich und drehte als Erstes den Zulauf unter dem Waschbecken ab, nahm Lon dann den Griff aus der Hand und schraubte ihn mit ein paar Drehungen an seinem Platz fest. Anschließend öffnete er das Absperrventil wieder und demonstrierte seinem Jäger dann die Funktion der Armatur. „Siehst du? Ganz einfach!“, sagte er und grinste noch immer. Doch die Falte zwischen Lons Brauen vertiefte sich nur noch weiter, während dieser die Arme vor der Brust verschränkte und die Lippen zusammenkniff. Er murmelte etwas Unverständliches, dann wandte er sich ab und musterte die winzige Duschkabine. Kai, der seinen sturen Liebsten kannte, neigte sich an ihm vorbei und erläuterte ungefragt auch dieses Wunderwerk der Sanitärtechnik, ehe er das Bad verließ und sich daranmachte, ein Frühstück vorzubereiten. Er warf einen raschen Blick zur Uhr, während er Kaffee aufsetzte und Brotscheiben in den Toaster steckte. Es war bereits nach zehn Uhr am Vormittag. Vermutlich würde Yu jeden Moment auftauchen. Nach Lons üblichen Maßstäben gemessen, war der Tag schon weit fortgeschritten und wenn er davon geredet hatte, dass seine dämonische Begleiterin 'irgendwann am Morgen' zurückkommen wollte, dann war sie eigentlich schon überfällig. „Naja, oder eben rücksichtsvoll“, dachte er schmunzelnd. Trotzdem war es sicher besser, wenn er sich allmählich etwas anzog, anstatt nackt und noch immer von den inzwischen angetrockneten Spuren der letzten Nacht bekleckert, durch die Wohnung zu turnen. Versonnen lächelnd ribbelte er eine der Krusten von seinem Bauch und schaute dann über die Schulter. Ob Lon noch duschte? Einen Moment später öffnete er die Badezimmertür und schlüpfte zu dem Jäger unter den Wasserstrahl. Es war eng, aber Lon protestierte nicht. „Na?“, grinste er stattdessen breit. „Schon Sehnsucht nach mir?“ „Arroganter Arsch!“, erwiderte Kai das Grinsen. Nur Sekunden später rutschte es ihm aus dem Gesicht, als Lon ihn in seine sehnigen Arme riss und verlangend küsste. „Wieso? Mir hast du auch wahnsinnig gefehlt“, raunte er. Eine knappe halbe Stunde verließen sie gemeinsam das von Wasserdampf buchstäblich geschwängerte Bad. Der Toast war zwar inzwischen kalt, dennoch schien es Kai, als hätte er nie ein köstlicheres Frühstück an einem schöneren Morgen genossen. Draußen schien die Sonne und durch das geöffnete Fenster drang außer dem üblichen Verkehrslärm auch Vogelgezwitscher herein. Lon setzte sich jedoch nicht gleich, sondern trat ans Fensterbrett, stützte die Hände auf den Rahmen und beugte sich hinaus, spähte aufmerksam nach allen Seiten und sah schließlich mit nachdenklicher Miene hinauf zur Sonne. „Was ist?“ Kai schluckte einen Bissen seines Marmeladentoasts und spülte mit einem großen Schluck Kaffee nach. „Yu“, knurrte Lon, als erklärte das bereits alles. „Yu?“, wiederholte Kai und als er keine weitere Erläuterung bekam: „Was ist mit ihr?“ „Sie ist nicht hier.“ Seufzend stellte Kai die Tasse ab. „Offensichtlich. Und weiter?“ „Sie wollte am Morgen wieder hierher kommen und jetzt ist es fast Mittag!“ Lon wandte sich ihm zu. „Sie mag eine nervtötende, rechthaberische Göre sein, aber für gewöhnlich ist sie zuverlässig. Wenn sie sagt, dass sie am Morgen kommt, dann kommt sie am Morgen und nicht mittags!“ Kai überlegte. „Vielleicht hat sie sich ja verlaufen?“, gab er zu bedenken, doch Lon schüttelte den Kopf. „Unwichtig“, wischte er den Einwand beiseite. „Yu kennt dich. Sie bräuchte nur ein Portal zu öffnen und könnte direkt hier vor uns heraus spazieren! Irgendwas muss sie aufgehalten haben!“ „Meinst du?“ Kai war skeptisch. „Yu ist noch jung und das erste Mal hier in unserer Welt. Könnte doch sein, dass sie einfach die Zeit vergessen hat.“ Lon schüttelte den Kopf. „Nicht Yu“, sagte er. „Wenn sie etwas will, was ich nicht will, macht sie mir die Hölle heiß und schwafelt mir die Ohren blutig, bis ich nachgebe, aber an getroffene Vereinbarungen hält sie sich.“ Kai musste grinsen. „Du gibst ihr nach?“, vergewisserte er sich. „Warum hast du das bei mir nie getan?“ Lon zuckte die Achseln. „Vermutlich weil du nicht hartnäckig genug gewesen bist?“, gab er zurück. „Aber das tut jetzt nichts zur Sache. Die Frage ist doch – wo steckt sie?“ Als wäre es eine Antwort auf seine Frage, ertönte plötzlich ein leises Knistern, dann gab es ein dumpfes 'Fump' und mitten im Raum erschien eine kreisrunde Öffnung in der Luft, aus der im nächsten Augenblick Yu zu ihnen hereinstolperte. Kichernd torkelte sie auf die beiden Männer zu, die bei ihrem Erscheinen aufgesprungen waren, und Kai fing das Mädchen auf, ehe es über die eigenen Füße fallen konnte. „Yu?“, fragte er verblüfft und wölbte die Brauen. Die Kleine roch wie eine komplette Schnapsfabrik, ihre blonden, inzwischen etwas über schulterlangen Haare, waren völlig zerzaust und ihre Augen glasig. „Kai!“, jubelte sie, dann sprang sie ihn an, wickelte ihre langen, dünnen Arme und Beine um ihn, dass er unter dem Ansturm ins Taumeln geriet und sich rückwärts auf seinen Stuhl fallen ließ. Wie ein nasser Sack plumpste Yu auf ihn und presste ihm mit ihrem Gewicht im ersten Moment schmerzhaft die Luft aus dem Brustkorb, ehe sie sich, noch immer kichernd, wieder aufrichtete und die Haare aus der Stirn pustete. „Was für ´ne Nacht!“, seufzte sie. „Eure Welt ist der Wahnsinn! Geil! Abgefahren! Und die Kerle hier!“ Ein erneutes Kichern. „Mann, sind die dämlich! Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so satt war! Dein Süßer hier“, sie zeigte auf Lon, „der lässt mich ja nicht an sich ran!“ Sie hielt kurz inne und schaute zwischen Lon und Kai hin und her, ehe sie dreckig grinsend fortfuhr: „Aber du – dir muss doch heute Morgen echt ganz...




