Below | Winterglück im Café am Meer | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 272 Seiten

Reihe: Muschelkettenversprechen

Below Winterglück im Café am Meer

Roman | Die Nordseeinsel Norderney in der Weihnachtszeit: stürmisch, ursprünglich und voller Wärme
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8437-3676-3
Verlag: Ullstein Ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman | Die Nordseeinsel Norderney in der Weihnachtszeit: stürmisch, ursprünglich und voller Wärme

E-Book, Deutsch, Band 1, 272 Seiten

Reihe: Muschelkettenversprechen

ISBN: 978-3-8437-3676-3
Verlag: Ullstein Ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wenn der Zauber der Muscheln dein Herz berührt Mit Muschelketten besiegelten Helena und Fenja vor langer Zeit ihr Versprechen: immer füreinander da sein! Als Konditorin Helena nun den Hilferuf ihrer Kindheitsfreundin erhält, zögert sie keine Sekunde und macht sich auf nach Norderney. Was als kurzer Freundschaftsdienst beginnt, weckt vergessene Träume. Die salzige Brise und Fenjas Bruder Jannik bringen Helenas Herz zum Flattern. Plötzlich steht sie vor einer Entscheidung: dem Traum vom Café auf dem Festland oder einem Neuanfang auf der Insel, die sie verzaubert hat. Doch vielleicht muss Helena gar nicht wählen - manchmal schmeckt das Leben am besten, wenn man alle Zutaten mischt! Der bewegende Auftakt der Muschelkettenversprechen-Serie

Christin-Marie Below, Jahrgang 1993, wohnt in Kassel. Hin und wieder findet man sie aber auch auf Norderney, wo sie vor Ort recherchiert. Als Tochter der Autorin Andrea Russo (Anne Barns) wuchs sie umgeben von Geschichten und Büchern auf.
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Kapitel 1


Der süß-würzige Duft von gebackenen Äpfeln, Zimt und Vanille liegt schon in der Luft, als sich ein weiteres, sehr weiches Aroma hinzugesellt. Ich rühre mit dem Holzlöffel in der Pfanne und schaue zu, wie die Butter braun wird und Bläschen wirft. Winzige kupferfarbene Körnchen sammeln sich am Pfannenboden, geröstete Milcheiweiße, die der Butter ihren nussigen Geschmack geben. Noch ein Moment, dann ist sie perfekt: nicht zu hell, nicht zu dunkel. Schnell nehme ich die Pfanne vom Herd und schütte die Butter in die bereitstehende Schüssel. Es ist die Geheimzutat, die meinem Apfelkompott seine besondere warme Note gibt.

Zufrieden atme ich kurz durch, bevor ich mich auf den Stuhl setze und meine Werke auf dem Küchentisch begutachte: eine große Schüssel Kompott. Und sechs Laibe Apfelbrote, kleine, goldbraune Kunstwerke, die ich für meine Lieben backe, so wie jedes Jahr. Für meine Mutter, meine Oma, meine Tante Jette, meine Freundin Nicki, Max – und für mich. Kleine kulinarische Geschenke zum ersten Advent.

Ich schaue skeptisch zum Fenster. Es ist viel zu warm für diese Jahreszeit. Gestern ist das Thermometer auf vierzehn Grad geklettert, und heute wird es nicht anders sein. Grauer Nieselregen fällt schon den ganzen Morgen vom Himmel. Schnee wäre mir lieber, aber der lässt wohl noch auf sich warten. Wenn er überhaupt fällt.

Hinter mir knarrt die Tür. Ich höre das Rascheln von Papier, dann Max’ noch verschlafene Stimme. »Morgen.«

»Morgen.« Ich drehe mich um und lächle meinen Mitbewohner an. Er steht gegen den Türrahmen gelehnt. Sein dunkles Haar ist zerzaust, in der einen Hand hält er ein paar Bögen Papier.

Er fängt laut an zu singen: »In der Weihnachtsbäckerei … Wie geht das noch gleich weiter?«

»Irgendwas mit Kleckerei«, antworte ich und wundere mich mal wieder darüber, wie gut gelaunt Max von einer Sekunde auf die andere sein kann. Und das, obwohl er anscheinend gerade erst aufgestanden ist. Er trägt die dunkelblau-rot karierte Pyjamahose und dazu ein langärmliges graues Rippshirt. Seine Füße stecken in den Fleece-Pantoffeln, die ich ihm zum Geburtstag geschenkt habe.

Zum Glück singt er nicht weiter. Max hat viele Talente. Er kann einem Ei in einem Rutsch den Kopf abschlagen, ohne dass auch nur ein Tropfen Eigelb danebenläuft. Er kocht die beste Lasagne der Welt, mit selbst gemachter Béchamelsauce, perfekt gewürztem Tofu und einem Hauch Muskat, den er mit der Würde eines Alchemisten über die Soße streut. Er weiß, wo man mitten in der Nacht noch Eis herbekommt, wenn seine Mitbewohnerin vor Liebeskummer nicht schlafen kann. Und: Max hat einen grünen Daumen. Einen richtig grünen. Er bringt sogar Basilikum aus dem Supermarkt dazu, länger als zwei Wochen zu überleben und richtig groß zu werden. Und das ist, wie ich finde, eine botanische Hochleistung.

Aber singen? Nein! Seine Stimme rutscht irgendwo zwischen schief und schräg hin und her, als würde sie selbst nicht genau wissen, welchen Ton sie treffen soll.

Er summt das Lied weiter, aber auch das klingt so schief, dass ich lachen muss.

Max seufzt gespielt beleidigt. »Ich wollte Rockstar werden, als ich klein war.«

»Und ich Seehundjägerin«, antworte ich trocken.

Er sieht mich entsetzt an. »Was bitte?!«

»Keine Sorge, ich wollte sie nicht erschießen. Seehundjäger sind keine Jäger im klassischen Sinn. Das sind Aufseher, die sich um den Schutz und die Betreuung von Seehunden kümmern, besonders um verletzte, kranke oder verwaiste Tiere, die am Strand gefunden werden.«

Max blinzelt. »Also eher Robbenretterin mit Lizenz?«

»Genau. Ich wollte mit Gummistiefeln durchs Watt laufen, Heuler retten, ihnen Namen geben und in die Aufzuchtstation nach Norddeich bringen.«

»Ich vergesse immer, dass du eigentlich ein Inselkind bist«, sagt Max.

»Ja.« Ich seufze. »Das geht mir erschreckenderweise auch so. Aber darüber will ich mir jetzt lieber keine Gedanken machen. Ich bin froh, dass es mir gerade wieder einigermaßen gut geht.« Ich zeige auf die Brote. »Eins ist übrigens für dich.«

Max kommt schnuppernd näher und beugt sich über meine Apfelbrote. »Sind da Rosinen drin?«

»In deinem natürlich nicht, das habe ich mit getrockneten Aprikosen gebacken.«

»Mmh«, macht er. »Können wir es gleich probieren?«

»Klar. Willst du dazu einen Tee? Ich habe grünen in der Thermoskanne.«

Er rümpft die Nase und geht zum Wasserkocher. »Erst mal Kaffee.«

»Ich nehme auch noch einen.«

»Seit wann bist du wach?«, fragt Max.

Prompt muss ich gähnen. »Seit halb sechs.«

Er schüttelt den Kopf. »Du hast freiwillig vor Sonnenaufgang den Ofen angeschmissen? An einem Sonntag?«

»Heute ist der erste Advent, ich will die Brote später noch verschenken. Davon mal ganz abgesehen, hast du deinen Kaktus mal regelmäßig pünktlich um Mitternacht gegossen, weil er sich dann besser fühlt«, kontere ich. »Und dann hast du mit ihm meditiert.«

»Stimmt.« Er grinst. »Aber nur, weil ich in irgendeiner Zeitschrift beim Friseur gelesen habe, dass man nachts ein besserer Kanal für gute Energie ist.« Er zuckt mit den Schultern. »Er hat danach drei neue Triebe bekommen. Zufall? Ich glaube nicht.«

Ich lache leise und schüttle den Kopf. »Du bist der einzige Mensch, den ich kenne, der einem Kaktus emotionale Stabilität schenken will.«

Wir grinsen beide, und für einen Moment ist der graue Nieselregen da draußen vergessen. In der Küche duftet es nach Apfel, Zimt und Butter – und nach ein bisschen erfrischendem Unsinn.

Max gießt heißes Wasser auf das Pulver in der French Press. Kurz darauf sitzen wir uns gegenüber am Tisch. Ich schneide zwei dicke Scheiben ab und schmiere Butter darauf. Sie schmilzt langsam und zieht goldene Spuren in das noch lauwarme Apfelbrot.

»Mmh«, macht Max noch einmal. Dann genießen wir einen Moment schweigend und kauend.

Es schmeckt, wie es duftet: süß und würzig, nach Zimt, Apfel, Aprikosen und ein bisschen nach Kindheit. Für einen Moment fühlt sich alles einfach richtig an.

»Wow«, nuschelt Max schließlich mit vollem Mund. »Das ist nicht nur Essen. Das ist … Nahrung für die Seele.«

Nachdem wir jeweils eine zweite Scheibe verputzt haben, zeige ich auf die Papiere, die Max auf den Tisch gelegt hat. »Für die Uni?«

Er nickt und seufzt im nächsten Moment theatralisch. »Ich arbeite gerade an einem Essay über emotionale Arbeit und soziale Rollen. Und ich komme einfach nicht weiter. Alles, was ich schreibe, klingt unprofessionell. Ich fühle überhaupt nichts dabei.« Max rauft sich die Haare. »Vielleicht habe ich mich doch für den falschen Studiengang entschieden.«

Ich nippe an meinem Kaffee. Max verliert sich manchmal zwischen den Theorien und Begriffen, den Fußnoten und Fragezeichen. Aber wenn er zweifelt, dann nicht, weil ihm etwas egal ist, sondern weil es ihm egal ist.

Ich stelle meine Tasse ab und sehe ihn an. »Vielleicht brauchst du keinen anderen Studiengang, sondern einfach nur einen anderen Blickwinkel.«

»Du meinst, es ist wie beim Basilikum? Wenn man von unten gießt, wächst er plötzlich?«

»Genau«, sage ich. »An der Wurzel, da wo die Frage steckt, nicht da, wo du dich in den Antworten verlierst.«

Max zieht eine Augenbraue hoch. »Tiefgründig. Und das um neun Uhr morgens und obwohl du schon seit dreieinhalb Stunden wach bist.«

»Seit vier«, korrigiere ich ihn. »Ich habe noch ein wenig gelesen, bevor ich aufgestanden bin.«

»Wie machst du das nur? Ich kenne keinen Menschen, der so wenig Schlaf braucht wie du.«

Ich zucke mit den Schultern. »Keine Ahnung, da ist wohl irgendeine innere Uhr in mir.« Sie weckt mich immer um die etwa gleiche Uhrzeit.

Während ich aufstehe, um Tee zu holen, spüre ich ein leises, angenehmes Ziehen im Bauch. Wie ein Faden, der sich langsam wieder aufrollt, nachdem er lang und wirr am Boden lag. Nachdem mein Freund mich vor vier Monaten verlassen hat, war da nur Leere. Nicht nur das Wetter war dunkel. Doch jetzt habe ich das Gefühl, dass es endlich wieder hell wird in mir. Auch wenn da noch immer ein kleiner Knoten in meiner Brust ist, weil ich Julius trotz allem manchmal noch sehr vermisse. Kurz blitzt er in meinen Gedanken auf. Sein ernster Blick, als er mir gesagt hat, er könne das nicht mehr mit uns. Dass er mich noch liebe, aber eben nicht mehr als Frau. Die gemeinsame Arbeit im Restaurant habe uns als Paar entzweit. Mein Vorschlag, ich könne mir einen anderen Job suchen, um unsere Beziehung zu retten, hat er nur mit einem »Zu spät« und einem müden Lächeln abgetan und mir damit den Boden unter den Füßen weggezogen. Ich konnte einfach nicht verstehen, warum er, wenn er doch noch Gefühle für mich hat, nicht um uns kämpft, uns keine Chance gibt, etwas zu ändern.

Es hat drei Tage gedauert, bis ich...



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