Benjamin | Literaturkritische Schriften | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 524 Seiten

Benjamin Literaturkritische Schriften


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-0706-7
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 524 Seiten

ISBN: 978-3-8496-0706-7
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Chronologisch sortiert bietet dieser Band eine große Auswahl seiner bedeutendsten Schriften aus den Jahren 1912 bis 1940.

Benjamin Literaturkritische Schriften jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


W(ladimir) I(ljitsch) Lenin, Briefe an Maxim Gorki 1908 – 1913.

Mit Einleitung und Anmerkungen von L. Kamenew. Wien: Verlag für Literatur und Politik 1924. 126 S.

Die Briefe, welche Lenin in den Jahren 1908 bis 1913 an Gorki gerichtet hat, liegen den deutschen Lesern jetzt in einem kleinen Bande vor, zu dem Kamenew das Vorwort geschrieben hat. Darin sagt er: "Es gibt viel weniger Dokumente, die Hunderten und Tausenden Menschen die Möglichkeit geben, an Lenins Persönlichkeit, an die Grundzüge seiner geistigen Erscheinung heranzutreten, als solche, die ihn als Gelehrten, führenden Politiker schildern. Es gibt ihrer nur sehr, sehr wenige. Unter diesen seltenen Dokumenten sind die Briefe an Gorki wohl die wichtigsten." Wer hieraus aber folgern würde, es seien nicht auch diese Briefe durch und durch politisch, der würde sehr irren. Denn passionierend sind sie gerade dadurch, daß das politische Gepräge in ihnen die menschlichsten Beziehungen bestimmt. "Privat" und "öffentlich" stoßen ja nicht aneinander wie Schlafzimmer und Ordination in einer Arztwohnung, sondern sind ineinander eingebaut. Wo das Privateste sich öffentlich begibt, kommen dann auch die öffentlichen Dinge privat zur Entscheidung und führen damit eine physische, politische Verantwortung herauf, die etwas ganz anderes als die metaphorische moralische ist. Es haftet die Privatperson für ihre öffentlichen Akte, weil sie in ihrer jeden voll zur Stelle ist. Revolutionen statuieren immer diese Haftbarkeit (wo nicht noch härtere) und mit Lenin kam dieser Typ der Verantwortung als Diktatur des Proletariats weithin sichtbar zur Geltung. Es wohnt jedoch in Lenins diktatorischer Unerbittlichkeit ein so unablenkbarer Sinn für das Wirkliche, daß diese Briefe stellenweise bei all ihrem Schroffen die Süßigkeit von großer Epik haben. Lenin muß mit dem Dasein im reinen gewesen sein und sein Haß gegen die herrschende Ordnung viel inniger dessen dialektischen Frieden, dessen "schöpferische Indifferenz" umfangen haben als manch anderer mystische Liebe.

Theoretisch ist Lenins Stellungnahme gegen Gorki im Atheismusstreit der Hauptgehalt dieser Briefreihe. Sie wenden sich in den vehementesten Ausfällen gegen sozialreligiöse Bewegungen, wie sie unter dem Namen der "Gotterschaffung" eine Zeitlang vor allem von Lunatscharski in Rußland propagiert wurden. Gorki scheint ihnen nicht ohne Sympathie gegenüber gestanden zu haben. "Nun, ist es denn nicht grauenhaft, was da bei Ihnen für eine Sache herauskommt?" schreibt ihm daraufhin Lenin. Diese Drastik findet in allen Briefen sich wieder, ob sie an Gorkis Einsiedelei auf Capri aus Genf, Bern, Krakau oder Paris sich richten – aus Paris, wo Lenin dann später Märchen wahr werden ließ und, wie Giraudoux schön gesagt hat, unter allen Versprechen, die Großmütter wohl kranken oder verträumten Kindern machen, eines zumindest, und ein einziges, war eingelöst worden. Und das kraft Lenin und Trotzki. "Denn mit Brot bedienten einen im Restaurant Großneffen Puschkins und die Enkelinnen Iwans des Schrecklichen reichten das Salz." Wenn aber Persönliches durchbricht, und die Besorgnis für das körperliche Wohlergehen Gorkis laut wird, dann kommt in Lenin selber etwas Großmütterlich-Gewaltiges mit fast erschreckender Autorität zum Vorschein. "Danach zu urteilen, daß Sie eine Ziege haben..., ist Ihre Stimmung gut und Ihre Geistesverfassung die richtige und Ihr Leben normal."

Nicht als private Zeugnisse eines "Genies" im Sinne bürgerlicher Geschichtsschreibung sind diese Briefe zu lesen. Jede undialektische Konstruktion der Individualität – und die bürgerliche ist eine solche – muß fallen. Die dialektische aber kristalliert sich um die Verantwortung. Einzig und weit ist die Person nicht in der Fülle dessen, wie sie lebt – sie reicht, soweit der Kreis der Dinge sich dehnt, für welche sie haftet: haftbar gemacht werden muß, nicht haftbar sich fühlt. Größe im Sinne des historischen Materialismus bestimmt sich an dem Maße, in welchem die "Indifferenz" der Person "schöpferisch" durch Verantwortung wird. So gesehen sind diese Briefe, in welchen Freundschaft unter dem Diktat politischer Verantwortung sich zeigt, ein neues Zeugnis für Lenins Größe.

1927



Einige ältere und neuere Neudrucke

Marsilio Ficino, Briefe des Mediceerkreises aus Marsilio Ficino's Epistolarium. Aus dem Lateinischen übersetzt und eingeleitet von Karl Markgraf von Montoriola. Berlin: Axel Juncker Verlag (1925) 276 S.

Die Meinung dieser Ausgabe ist nicht leicht zu ergründen. Denn unter denen, welche für dies Sammelwerk Ficinos interessiert sind, gibt es gewiß nicht viele, die nach einem andern Text als dem lateinischen des Originals Bedürfnis tragen. Und wenn zu diesen wenigen der Referent sich zählt und somit vorab dankbar für ein solches Unternehmen eingenommen ist, macht dessen Ausführung ihn wieder ratlos. Seit Jahren haben Übersetzer wie Wesselski, wie Hefele mit großem Glück gezeigt, daß mittelalterliches Latein sich treu in eine deutsche Fassung übertragen läßt, deren Schönheit gerade darin besteht, daß die Syntax des Urtexts hindurchschimmert. Für den vorliegenden Band läßt der Grundsatz der "getreue(n) Wiedergebung... des Humanistenlateins" nur seiner sprachlichen Fassung (nicht seinem Sinn) nach vermuten, wessen sich der Leser zu gewärtigen hat. Ein dürres, schikanöses Ostermann-Deutsch macht dieses Buch zu einer verkappten Sammlung von Übersetzungsaufgaben. Man fühlt mit seinen Sätzen Mitleid, möchte sie aus diesem Deutsch, in das man sie gepfercht hat, befreien, und lateinische Heimatluft ihnen zurückgeben. Wer aber das kann, schlägt das Buch gar nicht erst auf. Dazu kommt, daß eine heutige Ausgabe dieser Briefe sogar im Original, geschweige denn in einer Übersetzung, nach einem eingehenden Kommentar ruft, der ihr das Relief gibt, ohne welches sich allzu vieles als erbauliche Banalität liest, was einst vielleicht ein Ausfall oder eine Stichelei gewesen ist. Lebendig ist an diesem Buche nur die sachliche, ausführliche, höchst belehrende Einleitung. Der Umschlag aber – rund heraus – eine Schande: das niederträchtigste Ornamentengezücht, das je auf einem Buch zu sehen gewesen ist.

Karl Wilhelm Jerusalem, Aufsätze und Briefe. Hrsg. von Heinrich Schneider. Heidelberg: Verlag von Richard Weißbach 1925. 246 S.

Auf gefällige Weise erneuert eine typographisch höchst einleuchtende Ausgabe der "Aufsätze und Briefe" das Andenken von C. W. Jerusalem. Bekanntlich war er seines Freitodes wegen das Urbild des "Werther". Die "Aufsätze" sind Übungen eines jungen Mannes über die Tagesfragen des philosophischen Rationalismus vor 150 Jahren. Aber wie schön halten nicht Vor- und Nachwort von Lessing diese unbestimmten Arbeiten seines jungen Freundes beisammen. Die Lessingschen Zusätze an ihrem ursprünglichen Ort wiederzufinden, der unvergleichlich heiteren Kindlichkeit dieses gereiften Deutsch sich erfreuen zu können, ist höchst anziehend. Und wer da will, sieht über diesem sauberen Büchlein den Geisterkampf Goethes und Lessings: des Schwärmers und des Denkers um das blasse Nachbild dieses jungen Toten hin- und herschwanken.

Otto Deneke, Lessing und die Possen 1754.

Heidelberg: Verlag von Richard Weißbach 1923. 80 S. (Stachelschriften. Hrsg. von G.A.E. Bogeng. Neuere Reihe. 1.)

Johann Friedrich Schink, Marionettentheater.

Hrsg. von K.W. Herrmann. Heidelberg: Verlag von Richard Weißbach 1925. 224 S. (Stachelschriften. Hrsg. von G.A.E. Bogeng. Neuere Reihe. 2.)

Der renommierte Historiker der Bibliophilie Dr. jur. Bogeng gibt bei Weißbach eine Reihe von alten Streitschriften heraus, deren bisher in vorzüglicher Ausstattung zwei vorliegen. Im ersten Bändchen behandelt Otto Deneke (berühmt durch seine hervorragende Sammlung deutscher Literatur) Lessing und die "Possen". Cimelien aus seinem Besitz gaben Deneke Veranlassung zu einer lichtvollen Darstellung des sehr kuriosen Streites, der in den Anfängen der Lessingschen Schriftstellerei zwischen dem großen Autor und einem Anonymus – eben dem Verfasser der "Possen" – sich abspielte. Wie manierlich und elegant da auf bloßen Titelblättern eine Polemik sich ausspinnt, mag man nachlesen. – Erheblich massiver ist das zweite Pamphlet der Reihe, Schinks "Marionettentheater", das 1778 als Protest gegen das Geniewesen ans Licht trat. Nicht witzlos, doch mit der ganzen Heftigkeit eines Apostaten verfaßt, den noch dazu die Geschichte ins Unrecht gesetzt hat. Literarhistorisch sind die beiden Stücke des Bandes "Hanswurst von Salzburg mit dem hölzernen Gat" – der Titel selbstverständlich auf den "Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand" gemünzt – und "Der Staupbesen", sehr interessant. Der Grobianismus des 16. Jahrhunderts präsentiert sich im Aufputz des Rokoko.

C(arl) G(ustav) Carus, Reisen und Briefe. Ausgewählt von Eckart von Sydow. 2 Tle. Leipzig: E. Haberland (1926). 224 S., 285 S. (Das Wunderhorn. 33/34, 35/36.)

Wenn "das Grundprinzip der Klassik in der Vollendung und das der Romantik in der Unendlichkeit liegt, so darf man den Sachverhalt der Problematik von Carus' Leben bildlich so umreißen, daß man sagt, Carus habe in seiner Art beide vereinigt, indem er auf sein heimliches Grunderlebnis der romantischen Unendlichkeit...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.