Benne | Die Stunde der Helden (Fantasy Roman) | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 340 Seiten

Benne Die Stunde der Helden (Fantasy Roman)


2. Auflage 2015
ISBN: 978-3-945493-22-9
Verlag: Mantikore-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 340 Seiten

ISBN: 978-3-945493-22-9
Verlag: Mantikore-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



'Die meisten Helden sind Narren - tote Narren, die sich für ihren Ruf einen Dreck kaufen können.' Huk, Wim und Dalagar sind in den düsteren Nordlanden als 'die Helden' bekannt. Deshalb ist der junge Geschichtensammler Felahar begeistert, als er sich ihnen als Chronist anschließen darf, um aus erster Hand von ihren Taten zu berichten. Enttäuscht muss er feststellen, dass ihr Alltag weniger heldenhaft ist, als gedacht. Doch dann hält das Schicksal ein Abenteuer für das Quartett bereit, bei dem jeder von ihnen beweisen muss, ob er zum wahren Helden taugt. 'Erfrischend anders als viele übliche Fantasyromane' - NeueAbenteuer.com 'Sollten sich vor allem eingefleischte Rollenspieler nicht entgehen lassen' - Fantasyguide.de 'Jörg Benne gelingt es immer wieder, sein Publikum in den Bann zu ziehen' - Phantastik-News 'Mir gefiel die Geschichte aus dem Land Nuareth. Es gibt viele überraschende Wendungen, humorvolle Momente und ein überraschendes Ende.' - Phantastischer Bücherbrief 'Ein gut geschriebener Fantasy-Roman, der bis zum Schluss unterhaltsam bleibt.' - Ringbote.de

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1


Junaksruh. Ein passender Name für die kleine Ansammlung von Häusern, die ich im Dämmerlicht vor mir in der Wildnis liegen sah. Bis vor einigen Stunden hatte ich noch nie von dieser Ortschaft gehört, ein Wegweiser an einer Kreuzung hatte mich hergeführt. Verglichen mit meiner Heimatstadt Kela weit im Westen war Junaksruh allenfalls ein Nest, aber die letzten Nächte hatte ich in noch kleineren Siedlungen oder gar allein in der Wildnis verbracht – sowohl vor Kälte als auch vor Angst schlotternd. Daher erschien mir das Licht aus den Fenstern des Dorfes in der hereinbrechenden Dämmerung wie eine Verheißung von Zivilisation inmitten der wilden Nordlande.

Eine gefährliche Gegend – nicht wenige hatten mich einen Narren genannt, als ich meine gut bezahlte, sichere Stellung als Schreiber am Gericht von Kela aufgab, um ganz allein in die Nordlande aufzubrechen.

Mittlerweile war ich sogar geneigt, meinen Kritikern recht zu geben. Damals hatte ich in meinem Leichtsinn nur die Schultern gezuckt über ihre düsteren Prophezeiungen, nach denen ich entweder von Räubern gemeuchelt oder von Wildtieren zerfleischt werden würde. Mittlerweile hätte ich noch Verhungern und Erfrieren als mögliche Ursachen für ein vorzeitiges Ableben hinzugefügt.

Zwar weilte ich noch unter den Lebenden, aber es war schwer zu sagen, wer ein traurigeres Bild abgab, mein Nobo oder ich. In den letzten Tagen bockte die Reitechse selbst dann gelegentlich, wenn ich sie nur hinter mir herzog, und sie weigerte sich beharrlich, mich zu tragen. Dabei hatte ich seit meinem Aufbruch aus Kela ein wenig an Leibesfülle verloren – nicht zuletzt, weil ich sowohl mit meinen Vorräten als auch mit meiner Barschaft seit einigen Tagen haushalten musste. Aber in den kargen Hügeln fand auch die Echse nur ein paar kümmerliche Gräser oder etwas Moos und war daher auch nicht mehr im Vollbesitz ihrer Kräfte.

Die Leute, die in diese unwirtliche Gegend mit den langen, harten Wintern kamen, waren ein besonderer Menschenschlag. Wagemutige Siedler, die mit ihren Familien freies Land finden und urbar machen wollten, ohne einem Adligen einen Großteil ihrer Ernte und die erste Nacht mit ihren Töchtern überlassen zu müssen. Dafür waren sie bereit, viele Widrigkeiten in Kauf zu nehmen.

Mich reizte indes nicht die Aussicht auf ein eigenes Stück Land. Hier, an der Grenze der zivilisierten Welt, in der ein Siedler genauso schnell seine Freiheit wie den Tod finden konnte, hier erhoffte ich mir neue Geschichten für mein Kompendium von Abenteuern, mit dem ich mir als Poet einen Namen machen wollte. Immerhin hatte man mir schon seit meiner Jugend ein Talent für das Erzählen von Geschichten nachgesagt.

Beim Verfassen immer neuer Protokolle bei Gericht war ich bereits in meiner Fantasie auf Reisen gegangen, hatte die Welt erkundet und echte Helden getroffen. Irgendwann war ich so gelangweilt von meinem Alltag und so geblendet von meiner Fantasie, dass ich tatsächlich meinen Beruf als Schreiber aufgab und meine Reise in die Nordlande antrat.

Wie lange war das her? Ich sah zum Abendhimmel auf. Über mir zogen die drei Brüder ihre Bahnen. Banyak, der kleine Mond, lugte wie meistens kaum über den Horizont, Vejan und Xajan, im letzten Sonnenlicht nur blass zu erkennen, waren einander schon recht nahe. Vejan hatte seinen Bruder beinahe eingeholt, würde ihn in ein oder zwei Tagen verdecken und dann vor ihm fliehen, bis die Jagd der Brüder nach einer Dunkelnacht ohne Mondlicht von Neuem begann. Als ich vor einer Mondjagd aufgebrochen war, hatte es beinahe dieselbe Konstellation gegeben, fast dreißig Tage war ich also bereits unterwegs. Ich schüttelte den Kopf über meinen Leichtsinn.

Angetrieben von der Aussicht auf Wärme und etwas zu essen trottete ich über den schlammigen Pfad nach Junaksruh. Selbst der Nobo schien geneigt, sich aus eigenem Antrieb zu bewegen, wenngleich er mit dem schwindenden Sonnenlicht rasch träge wurde und seine beiden kräftigen Beine weniger geschmeidig als sonst bewegte. Ich wünschte, es gäbe noch andere Reittiere, die wechselwarmen Echsen waren für diese Gegend einfach nicht geschaffen.

Wie um meine Hoffnungen zu bestärken, wehte mir schon am Eingang des Dorfes der Duft von gebratenem Fleisch entgegen, und das Wasser lief mir im Munde zusammen. Es schien mir, als hätte ich seit Wochen keine frisch zubereitete Mahlzeit mehr bekommen.

Ich schleppte mich und meinen Nobo also bis zur Dorfschenke, die den wenig einfallsreichen Namen trug. Ein Stallbursche wollte mir mein Reittier abnehmen, doch ehe ich es ihm überließ, prüfte ich das Gepäck und sandte den Göttern ein kurzes Dankgebet. Trotz des Sturzregens der letzten Stunden waren meine Papiere trocken geblieben. Ich nahm den ledernen Rucksack an mich und trat in den Schankraum.

Dämmeriges Licht von einigen Kerzen, Gelächter und von Rauch und dem Geruch vieler Menschen geschwängerte Luft empfingen mich. Am Tresen gab es einige freie Hochstühle und ich setzte mich auf einen. Ich schälte mich aus meinem tropfnassen Mantel und legte ihn auf den Stuhl neben mich.

Der eine oder andere Dörfler maß mich mit unverhohlener Neugier, vielleicht waren auch misstrauische Blicke darunter. Meine Kleider mochten feucht und verdreckt sein, doch dass sie von edlerer Herkunft waren als die mehrfach geflickten Hosen der Dörfler, konnte niemandem entgehen. Meine Statur – manch einer nennt mich beleibt, ich bevorzuge wohlgenährt – fiel ebenfalls auf, denn die Siedler hier arbeiteten hart und ernteten oft nicht viel, daher waren sie meist von schlankem, drahtigem Körperbau. Die Leute verloren aber rasch das Interesse an mir und nahmen ihre Gespräche wieder auf.

Der Wirt, ein Mann in mittleren Jahren mit abgetragenen, fleckigen Kleidern und einem Spültuch über der Schulter, trat auf mich zu, hob aber nur fragend die Brauen, statt das Wort an mich zu richten.

Nun, übermäßige Gastfreundschaft hatte ich auch nicht erwartet. Schon im letzten Dörfchen war der Empfang recht kühl ausgefallen. Zu viele zwielichtige Gestalten, die auf der Flucht vor den Obrigkeiten der südlichen Reiche waren, trieb es in den freien Norden. Die Leute hier taten daher gut daran, Neuankömmlingen mit Argwohn zu begegnen.

Ich kramte in meiner Geldbörse und förderte die letzte Krone zutage. Die Mundwinkel des Wirtes zuckten leicht, als ich das Geldstück vor ihm auf die Theke legte. »Bier, Essen und ein Zimmer für die Nacht«, bestellte ich und rang mir trotz meiner Erschöpfung ein Lächeln ab.

Der Wirt brummte irgendetwas, die Krone verschwand in seiner Hosentasche und kurz darauf hatte ich einen Krug Würzbier und zwei Silbermünzen als Wechselgeld vor mir. Nachdem ich in den letzten Tagen nur abgestandenes Wasser aus meinem Schlauch getrunken hatte, erschien mir das Bier köstlich, wenngleich es wohl kein besonders gutes Gebräu war. Ich kippte den halben Krug in einem Zug herunter und wischte mir danach mit einem zufriedenen Seufzer den Schaum aus dem Schnurrbart. Als mir kurz darauf auch noch ein Teller mit Brei, köstlichem Fleisch und Soße serviert wurde, war ich für einige Minuten einer der zufriedensten Menschen auf der Welt.

Nach dem Mahl genoss ich eine Weile das Gefühl des Sattseins, lehnte mich an den Tresen und ließ meinen Blick durch die Schenke schweifen.

An einem Ecktisch tuschelten drei Frauen, gut ein Dutzend Männer saß an den übrigen Tischen. Die meisten schienen nur wenig älter als ich mit meinen knapp fünfundzwanzig Wintern, sicher hatte keiner von ihnen vierzig oder mehr gesehen. Alte Menschen zog es meist nicht in die Wildnis und wenn doch, überlebten sie in der Regel nicht lang.

Ob diese Leute mir Quell für neue Geschichten sein würden? Nun, zuerst würde es andersherum laufen, schon meiner fast leeren Geldbörse wegen. Es war Zeit, mir meinen Lebensunterhalt zu verdienen, auch wenn mir eher danach zumute war, meine feuchten Kleider abzulegen und mich unter einer Decke zu wärmen. Doch bei Tag würden diese fleißigen Männer und Frauen ihrer Arbeit nachgehen, die Muße, Geschichten zu lauschen und welche zu erzählen, hatten sie nur am Abend.

Ich zupfte also meine klammen Gewänder zurecht, erhob mich von meinem Stuhl und räusperte mich übertrieben laut. »Liebe Leute«, hob ich an und spürte, wie die Blicke aller Anwesenden zu mir wanderten. »Ich möchte mich vorstellen: Mein Name ist Felahar von Brickstein, Barde aus Kela. Ich bin den weiten Weg gekommen, um euch mit Geschichten zu unterhalten, die ich gesammelt habe. Möchtet ihr eine Geschichte hören?« Mit einem auffordernden Lächeln sah ich in die Runde. Im letzten Dorf hatten sie mein Angebot ausgeschlagen, deshalb war meine Reisekasse nun aufgebraucht. Wenn auch diese Leute keine Geschichten hören wollten, hatte ich ein Problem.

Schweigen. Meine Hände wurden feucht. »Wie wäre es mit einer Geschichte von Piraten auf hoher See? Oder von einer glorreichen Schlacht?«, legte ich nach. Ich...



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