Bennett | Erfülle meinen Traum von Liebe | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1821, 144 Seiten

Reihe: Baccara

Bennett Erfülle meinen Traum von Liebe


1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-7337-2045-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1821, 144 Seiten

Reihe: Baccara

ISBN: 978-3-7337-2045-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Zerzauste Haare, unordentliches Hemd und verzweifelter Blick: So hat Charlotte ihren Ehemann noch nie gesehen! In seinen Armen hält er ein Baby und fleht sie an, ihm zu helfen. Dabei hatte sie ihn verlassen, weil er ihre Träume von einer Familie nicht geteilt hat. Anthony war die Karriere wichtiger als ihr Glück! Nun soll sie drei Monate zu ihm nach Hause kommen, bis er die Vormundschaft für die Tochter seiner verstorbenen Schwester bekommt. Zögernd stimmt Charlotte zu - aber nur wegen des süßen Kindes! Dann macht sie eine Entdeckung, die ihre ganze Zukunft in Frage stellt ...



Jules Bennett, die ihren Jugendfreund geheiratet hat, ist Mutter von zwei Mädchen - und, natürlich, Autorin. Voller Tatkraft managt sie ihr Leben. Wenn sie sich erst einmal ein Ziel gesetzt hat, hält nichts sie davon ab, es zu erreichen. Davon kann ihr Mann ein Lied singen. Jules Bennet lebt im Mittleren Westen. Selbstverständlich steht ihre Familie im Mittelpunkt - und das Schreiben. Aber sie versteht sich auch als Expertin für Schuhe, Hüte und Handtaschen. Und sie ist fest überzeugt, dass ihr diese Modekenntnisse in ihren Romanen zu Gute kommen.

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1. KAPITEL

Ungläubig sah Charlotte Price von ihrem Mann, der schon bald ihr Exmann sein würde, zu dem schlafenden Baby auf seinem Arm.

„Anthony?“ Irritiert sah Charlotte den Mann an, den sie einst mit jeder Faser ihres Seins geliebt hatte und von dem sie sich heute nur noch trennen wollte. Ihr eigentliches Augenmerk galt in diesem Moment allerdings weniger ihm als dem kleinen Bündel in seinem Arm.

Der bekannte Hollywoodregisseur Anthony Price wirkte nicht besonders glücklich mit dem winzigen Mädchen, das in eine flauschige rosafarbene Decke gehüllt war, unter der lediglich eine schwarze Haarsträhne hervorlugte.

Anthonys Haare waren völlig zerzaust, und sein königsblaues Hemd war entgegen seiner Gewohnheit nicht bis oben hin adrett zugeknöpft – und was war denn das da auf der Schulterpartie seines Jacketts? Oh, ja, zweifellos Babyspucke, wie Charlotte mit einer gewissen Schadenfreude zur Kenntnis nahm. Mit Sicherheit hatte sein Jackett auch etwas abbekommen. Wenn sie nicht so perplex gewesen wäre, hätte Charlotte angesichts der Ironie der Situation am liebsten gelacht.

Ihr Ehemann mit einem Kind im Arm – wie sehr hatte sie sich immer Kinder von ihm gewünscht, doch er war zu keinem Zeitpunkt bereit dazu gewesen.

„Rachels Tochter“, stieß er heiser hervor.

Rachel. Anthonys Schwester war vor weniger als einer Woche bei einem Autounfall ums Leben gekommen und hatte ein acht Monate altes Mädchen zurückgelassen.

Charlotte wurde schwer ums Herz, als sie das entzückende Kind betrachtete, und sie stieß die Tür ein wenig weiter auf. „Bring sie herein, damit wir sie hinlegen können.“

Sie zeigte ihm den Weg durch die Wohnung ihrer besten Freundin, die gerade auf Weltreise war und bei der Charlotte übergangsweise untergeschlüpft war. So hatte sie die Ruhe, um ungestört über ihre Ehe nachzudenken. Bisher war sie immer wieder zu demselben Schluss gelangt: Ihr gemeinsames Leben mit Anthony Price war ein für alle Mal vorbei. Obwohl sie während ihrer Ehe alles versucht hatte, hatte sie schließlich erkennen müssen, dass ihr Mann sie niemals so lieben würde, wie sie es sich erträumte und verdient hatte.

Doch warum war er heute ausgerechnet zu ihr gekommen? Durfte sie hoffen, dass er vielleicht doch noch ihre Beziehung retten wollte? Würde er einwilligen, die Paartherapie zu machen, von der sie gesprochen hatte?

Im Juni war sie von zu Hause ausgezogen und wohnte nun nahezu schon drei Monate hier. Während dieser Zeit hatten sie mehrmals miteinander telefoniert, wobei keiner von ihnen so recht gewusst hatte, was er sagen sollte. Vor einem Monat war er sogar zu ihr gekommen, um mit ihr zu sprechen, doch letztendlich waren sie dann im Bett gelandet. Kommunikation war in den neun Jahren ihrer Ehe stets ein Problem gewesen – der Sex hingegen nie. Die meiste Zeit, die sie allein verbracht hatten, waren sie nackt gewesen.

Allerdings war es unvermeidlich, dass sie endlich einmal miteinander sprachen – und dabei würde es nicht nur um das kleine Mädchen auf seinem Arm gehen. Für den kommenden Freitag hatte Charlotte nämlich einen Termin bei ihrem Anwalt vereinbart, um endlich die Scheidung in die Wege zu leiten.

„Ich habe Angst, sie hinzulegen. Sie hat den ganzen Weg hierher ohne Unterbrechung geschrien“, gestand Anthony leicht panisch. „Ich habe ihr ein Fläschchen gegeben, dann hat sie alles wieder ausgespuckt und noch lauter geweint – fast die ganzen drei Stunden während der Autofahrt. Erst vor zehn Minuten ist sie endlich eingeschlafen.“

Vorsichtig nahm Charlotte ihrem Mann das schlafende Kind aus dem Arm, legte es auf einen großen Sessel und stabilisierte mit einem Kissen seine Lage. Mit einem anderen Kissen, das sie neben das Mädchen legte, verhinderte sie, dass das Kind versehentlich herunterfallen konnte.

Danach lotste sie Anthony in die Küche, von wo aus sie das Baby im Blick hatte.

„Was geht hier vor, Anthony?“, flüsterte sie.

„Du musst mir mit Lily helfen.“

Was hatte das denn zu bedeuten?

„Oh, Anthony. Oh, mein Gott“, stieß sie hervor, als ihr allmählich klar wurde, war ihr Mann damit meinte. Er war keineswegs hierher zurückgekommen, weil er sie liebte und wieder zurückgewinnen wollte – sondern einzig und allein aus dem Grund, dass er ohne ihre Hilfe mit dem Baby nicht zurechtkam. Was für eine Ironie des Schicksals, dass er mit ihr Vater, Mutter, Kind spielen wollte, und in all den Jahren seine Karriere als Ausrede dafür verwendet hatte, keine eigenen Kinder haben zu wollen.

Sie wusste, dass sie vorsichtig sein musste, denn es war ihm immer wieder mit süßen Versprechungen und kostspieligen Geschenken gelungen, sie dazu zu bewegen, sich weiterhin auf diese unglückliche Ehe einzulassen. Denn sie hatte gehofft, dass seine Gefühle sich nach und nach verändern würden.

Allerdings war das Ergebnis stets dasselbe gewesen – sie blieb mit gebrochenem Herzen auf der Strecke und musste ein weiteres Mal erkennen, dass ihre Auffassungen von Liebe sich sehr voneinander unterschieden. Ironischerweise wusste sie, dass Anthony sie durchaus liebte – nur eben auf seine eigene Art und nie so sehr wie den nächsten Kinofilm, an dem er gerade arbeitete.

Doch dass er heute gekommen war und sie um Hilfe bat, sagte eine Menge aus. Dieser Mann zeigte normalerweise nie eine Schwäche, war von nichts und niemandem abhängig und hatte sich ihr gegenüber niemals so weit geöffnet, als dass er über seine Gefühle gesprochen hatte. Wenn sie alleine waren und Anthony ausnahmsweise mal nicht an die Arbeit dachte, hatten sie Sex. Sie wusste nicht, warum es so lange gedauert hatte zu erkennen, dass sie etwas Besseres verdient hatte – obwohl sie sich törichterweise noch immer nach seiner Liebe sehnte.

„Ich bin der nächste Verwandte“, sagte er mit belegter Stimme. „Wir sind ihre einzige Familie, Charlie.“

So hatte er sie schon damals auf dem College genannt, doch im Laufe der Zeit war der Charme des Kosenamens ihrer Meinung nach verloren gegangen. „Moment mal. Was meinst du damit, wir sind ihre einzige Familie?“

„Rachel hat uns in ihrem Testament als Vormund bestimmt, falls ihr etwas zustoßen sollte. Die Kleine ist das Ergebnis einer Kinderwunschbehandlung mit einem anonymen Samenspender, also ist der Vater nicht auffindbar.“

Charlotte stützte sich auf dem Küchentresen ab. Ein Baby, ein Ehemann – davon hatte sie immer geträumt. Doch das war vor der Zeit gewesen, bevor sich die Regenbogenpresse über sie hergemacht, ihr Mann ihre Träume zerstört und ihre Hoffnungen zunichte gemacht hatte. Das war vor der Zeit gewesen, bevor sie schwanger geworden und eine Fehlgeburt erlitten hatte, während Anthony irgendwo einen Film gedreht und sie mit ihrem Schmerz allein gelassen hatte. Sie hatte ihm nie davon erzählt.

„Wir können dieses Kind nicht großziehen, Anthony.“ Sie nahm sich fest vor, stark zu bleiben, obwohl die Erfüllung ihrer Träume plötzlich zum Greifen nah zu sein schien. „Wir leben getrennt.“

„Daran erinnerst du mich jedes Mal, wenn ich anrufe“, murmelte er. „Sieh mal, ich habe genauso viel Angst wie du, aber wir haben keine Wahl. Rachel war meine einzige Schwester. Das verstehst du doch bestimmt.“

Oh, nein, er würde sie bestimmt nicht dadurch herumkriegen, indem er sie an ihre Zwillingsschwester erinnerte, die sie im Alter von zehn Jahren verloren hatte.

„Es geht nicht darum, dass ich es nicht verstehe. Du weißt, dass ich das tue. Aber einige Dinge sind eben nicht möglich, Anthony.“

Sie hatte keine Ahnung, was als Nächstes geschehen würde. Die ganze Angelegenheit kam ihr völlig surreal vor. Sie hatte den Abstand bitter nötig, um endlich ein normales Leben führen zu können und nicht ständig an den Schmerz erinnert zu werden, den sie zwangsläufig in Anthonys Gegenwart empfand. Und jetzt bat er sie darum, mit ihm weiterzuleben und gleichzeitig die Mutterrolle für ein unschuldiges Kind zu übernehmen. Vielleicht hätte sie mit ihren Kinderwünschen etwas vorsichtiger umgehen sollen.

Nervös strich sie sich durchs Haar. „Hast du gewusst, dass sie uns als Vormund vorgesehen hatte? Hat sie dich denn nicht gefragt? Du hast mir nie etwas gesagt.“

Anthony schüttelte den Kopf. „Ich habe es nicht gewusst. Vor ein paar Jahren hatten wir uns mal darüber unterhalten, dass wir uns gegenseitig als Vormund für unsere Kinder eintragen lassen wollten, aber danach hat Rachel nie wieder ein Wort darüber verloren. Und jetzt gehört Lily zu uns – zumindest wird sie das nach dem Gerichtstermin in neunzig Tagen.“

„Was soll ich deiner Meinung nach tun, Anthony?“, fragte Charlotte. „Du erwartest doch wohl hoffentlich nicht von mir, dass ich so mir nichts, dir nichts heile Familie mit dir spiele, oder? Das werde ich nämlich auf keinen Fall tun.“

„Wir haben keine Wahl“, widersprach er und sah zu Lily hinüber. „Im Testament steht, dass wir die Vormundschaft für sie übernehmen, und offiziell gelten wir immer noch als verheiratet. Und in neunzig Tagen wird das Gericht uns ganz offiziell als Vormund bestätigen. Gib mir einfach nur diese neunzig Tage – das ist alles, worum ich dich bitte. Lass nicht zu, dass man sie mir wieder wegnimmt. Nach der Frist können wir immer noch entscheiden, wie es weitergehen soll. Und wer weiß, vielleicht lösen wir bis dahin ja auch noch unsere Probleme.“

Charlotte mochte es nicht, wenn man versuchte, sie zu manipulieren – und erst recht hatte sie nicht vor, sich von dem Mann, der ihre Ehe...



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