Benning | Vortex – Das Mädchen, das die Zeit durchbrach | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 512 Seiten

Reihe: Vortex

Benning Vortex – Das Mädchen, das die Zeit durchbrach

Band 2
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7336-0304-5
Verlag: Fischer Kinder- und Jugendbuch Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Band 2

E-Book, Deutsch, Band 2, 512 Seiten

Reihe: Vortex

ISBN: 978-3-7336-0304-5
Verlag: Fischer Kinder- und Jugendbuch Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



»Die Vergangenheit kann man nicht ändern. Das hat er mir immer wieder gesagt. Aber ich muss es tun. Für ihn. Für uns. Sonst sind wir alle verloren.« Elaines Welt wurde von Vortexen erschaffen. Sie formten Städte aus Bäumen, Lagunen aus Licht - und Menschen, die mit Feuer, Luft, Wasser und Erde vermengt wurden. Elaine dachte, sie hätte diese Welt gerettet. Was ein Sieg für die Freiheit sein sollte, droht jedoch, zu einem furchtbaren Krieg zu werden. Als ihr Widersacher Varus Hawthorne seine Vortexläufer zurück in die Vergangenheit schickt, bleibt Elaine und Bale keine Wahl: Sie müssen ihnen folgen. Doch jede Zeit, in der sie landen, offenbart neue Geheimnisse. Bis Elaine etwas erfährt, was ihr Vertrauen zu Bale erschüttert und ihr klarmacht, dass ihre Liebe das Schicksal aller entscheiden wird ... Die fulminante Fortsetzung der Future-Fantasy-Trilogie!

 Anna Benning  wurde 1988 als jüngstes von drei Kindern geboren. Die Leidenschaft für Geschichten bestimmt seit vielen Jahren ihren Weg: Nach einem Studium der Literaturwissenschaft und Stationen als Buchrezensentin und Aushilfsbuchhändlerin arbeitete sie als Lektorin in einem Verlag. Eines Tages fasste sie sich ein Herz und brachte ihre eigenen Geschichten zu Papier. »To Tempt A God« ist der Auftakt ihrer dritten Trilogie.  Weitere Informationen zur Autorin unter www.annabenning.de und auf Instagram und TikTok unter annabenning.books
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1


Die Energie unseres Vortex brachte das Neonschild zum Flackern. Einmal, zweimal, dann war der Schriftzug wieder vollständig zu erkennen. Über einer Metalltür stand in fein geschwungenen Buchstaben: Aus dem Inneren des Gebäudes ertönte ein tiefer, regelmäßiger Bass.

»Ich hab kein gutes Gefühl bei der Sache«, murmelte ich und warf Bale einen missmutigen Blick zu, als er sich zu mir umdrehte.

»Du hast nie ein gutes Gefühl, wenn es mein Plan ist.«

»Das stimmt nicht«, log ich und biss mir auf die Unterlippe. Ich widerstand dem Bedürfnis, erneut über meine Schulter zu schauen, um sicherzugehen, dass wirklich niemand unsere Ankunft bemerkt hatte. Die Straßen waren völlig leer. Eigentlich sollte mich das nicht wundern, wir hatten die Gegend schließlich bis Mitternacht mehrere Stunden lang von unserem Posten auf dem Hochhausdach ausgespäht.

Nirgends war ein Vortexläufer zu sehen.

Es war sicher.

Da trat Bale näher an mich heran und warf mir ein Lächeln von der Sorte zu, die ich vor einigen Wochen noch hatte. Er beugte sich zu mir herab, bis unsere Lippen nur wenige Millimeter voneinander entfernt waren. »Alles wird gutgehen, Barbie. Wo bleibt dein Vertrauen?«

»Vertrauen hat nichts damit zu tun, dass es ein schlechter Plan ist.«

»Es ist ein Plan«, sagte Bale. Dann griff er nach meiner Hand und zog mich zum Eingang. »Du willst es bloß nicht zugeben.«

Ich seufzte. »Was, wenn es doch eine Falle ist?« Diese Frage hatte ich ihm bereits ungefähr hundertmal gestellt.

»Dann sind wir sofort wieder draußen«, versicherte er. »Wenn es das kleinste Anzeichen dafür gibt, dass er nicht der ist, für den wir ihn halten, verschwinden wir.«

Ich spürte, wie ich allmählich ruhiger wurde. »Versprochen?«

Bales Lächeln wurde sanfter. »Versprochen.«

Ein letztes Mal seufzte ich. Dann ließ ich mich von ihm durch die Tür ins ziehen.

Denn tief in mir drin spürte ich, dass Bale recht hatte: Früher oder später mussten wir uns aus Sanktum herauswagen. Nur so hatten wir eine Chance, unseren Plan umzusetzen. Andererseits … Ich wusste, wie sehr sich das Leben in den verbliebenen Megacitys verändert hatte. Ich wusste, wie stark sie die Außenmauern in den letzten zwei Monaten abgesichert hatten und wie akribisch jeder Bezirk überwacht wurde. Und ich wusste, dass das Kuratorium überall auf der Welt nach Bale und mir suchen ließ.

Ausgerechnet jetzt zurück nach New York City zu kommen war völliger Wahnsinn.

Aber wenn es um Balian Travers ging, war ich wahnsinnige Aktionen ja inzwischen gewohnt.

Hinter der Eingangstür führte eine Treppe hinab in einen schummrigen Raum. Schon auf den ersten Blick war mir klar: Der Club war nicht das, was ich erwartet hatte. Überhaupt war es eher eine Art Pub. Ein winziger, unspektakulärer und ziemlich gammeliger Pub. Sowohl am Tresen als auch an den paar billigen Sperrholztischen, die im Raum verteilt standen, saß keine Menschenseele, und der Bass, den ich von draußen gehört hatte, drang noch immer leise zu uns.

Der Wirt, ein beleibter Mann mit Halbglatze und Schürze, warf uns lediglich einen flüchtigen Blick zu. Ich sollte erleichtert sein, dass er uns nicht erkannte, aber in mir kam sofort das Misstrauen hoch: Gab er nur vor, uns nicht zu kennen? Unsere Gesichter, oder besser gesagt unsere waren überall in den Städten zu sehen, auf riesigen Leuchtreklamen, in den Medienkanälen – Himmel, sie hatten sogar die Transportbahnen mit Hologrammen von uns zugekleistert!

Doch der Wirt wirkte ungefähr so interessiert, als wären wir Stammkunden, die bloß ihr tägliches Feierabendbier trinken wollten.

»Hey, John«, sagte Bale im Vorbeigehen und steuerte dann zielstrebig eine Tür an, auf der eine Figur mit Zylinder und Gehstock abgebildet war. stand auf dem Schild darunter.

»Soll ich hier … warten?«, fragte ich perplex und blieb stehen.

Aber Bale zog mich weiter. »Nein. Komm mit.«

Also folgte ich ihm in die Herrentoilette, die … eben eine Herrentoilette war. Sechs Kabinen reihten sich aneinander, an der Wand gegenüber hingen alte Waschbecken.

Bale lief zur letzten Kabine, und ich ging unschlüssig hinterher. Als ich ihn eingeholt hatte, klopfte er gerade auf eine Fliese hinter dem Spülkasten. Wenige Sekunden später ertönte ein Geräusch von der Wand links von uns.

Ich zuckte zusammen. Ein Teil der Wand setzte sich knarzend in Bewegung. Ein Schiebemechanismus! Bale drückte die Fliesenverkleidung zuerst etwas nach vorne und dann nach rechts. Dahinter kam eine weitere Treppe zum Vorschein, und nun drang der Bass und die dazugehörige Musik in voller Lautstärke zu uns.

Langsam wurde mir klar, was das hier sollte. Der Raum oben war lediglich eine Tarnung. Das war gar nicht dieser alte, gammelige Pub – der eigentliche Club befand sich darunter.

Bale warf mir ein schiefes Lächeln zu und deutete die Treppe hinab. »Du musst jetzt ganz stark sein.«

»Ich glaube nicht, dass mich noch irgendetwas überraschen kann.« Immerhin lebte ich seit einigen Wochen in einer geheimen, illegalen Stadt, in der es hauptsächlich vermengte Menschen gab. Nicht nur Grunder, sondern auch Wirbler, eine Schwimmerin und sogar einen Halbzünder.

Was auch immer da unten auf mich wartete, würde mich kaum umhauen.

Bale zuckte mit den Schultern und lächelte auf diese spezielle Bale-Art, die mir sofort das Gefühl gab, er wüsste mehr als ich – und als würde er diesen Zustand sehr genießen. »Sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt.«

Je tiefer wir hinabstiegen, desto lauter drang die Musik an meine Ohren. Elektronische Klänge schoben sich zwischen den Bass – Klänge, wie ich sie noch nie gehört hatte. Sie kamen mir irgendwie schwermütig und fast ein wenig bedrohlich vor. Gleichzeitig wurde die Dunkelheit des Treppenhauses von wilden Farben erhellt. Flackernde Lichter, die im Takt der Musik an die Wände projiziert wurden. Rot und Grün und Blau und Gelb – und alle Mischfarben dazwischen.

Nach und nach konnte ich mehr von dem Club sehen: schwarz vertäfelte Wände, schwarze Böden, alles so glänzend, dass sich die bunten Lichter perfekt darin spiegelten. Verschiedene Sitznischen, die zum Teil durch Hologramm-Vorhänge vom Rest des Raumes abgeschirmt waren, umrahmten eine Tanzfläche, auf der sich unzählige Vermengte teilweise eng umschlungen zu den Klängen der Musik bewegten.

Da versperrte mir eine große, stämmige Frau den Weg. Mit ihren kurzen roten Haaren, den knolligen Ohren und den rot glimmenden Augen war sie ganz klar eine Zünderin. Und die Türsteherin, ihren Muskelbergen nach zu urteilen.

Als Bale an ihr vorbeilief, tätschelte sie ihm kurz die Schulter. Als ich jedoch dasselbe versuchte, verschränkte sie die Arme.

»Keine Läufer im «, bellte sie und deutete auf meine Uniform. Dort, wo früher das Convectum geprangt hatte – das Symbol des Kuratoriums – war nun ein anderer Aufnäher angebracht: ein Blitz auf einem Blatt, das Zeichen des Sanktums friedlicher Rebellion. Aber das schien die Zünderin kaum gnädiger zu stimmen.

»Sie ist keine Läuferin mehr«, sagte Bale und griff wieder nach meiner Hand. »Und sie ist mit mir hier.«

Die Türsteherin drehte sich um und musterte Bale. Dann machte sie mir widerwillig Platz. »Aber sorg dafür, dass sie auch bei dir bleibt, Balian«, stieß sie scharf hervor. »Wenn sie alleine rumläuft, gibt’s Ärger.«

Ich schluckte, während ich mich von Bale in den Raum hineinziehen ließ.

Natürlich vertraute die Zünderin Bale. Für die Vermengten war er ein Held; derjenige, der dem Kuratorium den Rücken gekehrt und viele von ihnen aus den Zonen befreit hatte.

Mich dagegen … mich kannten die meisten nur von dem Tag, als das Kuratorium mich zur Vortexläuferin ernannt hatte.

»Es war doch keine gute Idee, die Uniformen anzuziehen«, murmelte ich, als wir die ersten Blicke auf uns zogen.

»Wir gehen in einen Club voller Vermengter, die dich nicht kennen«, sagte Bale. »Es ist mir egal, ob sie dich für eine Vortexläuferin halten. Die Uniform rettet dir im Zweifelsfall das Leben.«

Ich sah mich um. Das hier … das war ein Club nur für Vermengte. An einem langen Tresen, an dem jeder Hocker besetzt war, jonglierte der Barkeeper – ein Grunder – mit seinen Wurzelhänden mehrere Gläser, Shaker und sonstige Behälter hin und her. Die Triebe, die aus seinen Fingern sprossen, fingen alles mühelos auf, schwangen es wieder in die Luft und mixten so unzählige Getränke gleichzeitig.

Die Bewegungen der Wirbler, die mit den anderen Vermengten auf der Tanzfläche standen, wurden von sanften Windstößen begleitet. Dadurch flatterten ihre Kleider und Haare rhythmisch hin und her – und auch die aller anderen um sie herum.

Ein paar Zünder waren ebenfalls zu sehen. Viele von ihnen hielten sich eher an der Bar oder am Rand der Tanzfläche auf. Ihre roten Haare waren selbst im gedimmten Licht gut zu erkennen, und bei jedem von ihnen fragte ich mich, wie lange es dauern würde, bis sie unsere Läuferuniformen registrierten und den ganzen Club in Brand steckten.

Bale zog mich an der Tanzfläche vorbei, um eine Ecke herum, tiefer in den Club hinein. Sofort wurde meine Aufmerksamkeit zur Wand links von uns gelenkt. Zuerst hatte ich gedacht, die Fläche wäre einfach nur in blaues Licht getaucht, doch jetzt erkannte...


Benning, Anna
Anna Benning wurde 1988 als jüngstes von drei Kindern geboren. Die Leidenschaft für Geschichten bestimmt seit vielen Jahren ihren Weg: Nach einem Studium der Literaturwissenschaft und Stationen als Buchrezensentin und Aushilfsbuchhändlerin arbeitet sie seit 2013 in einem Verlag. Eines Tages fasste sie sich ein Herz und brachte ihre eigenen Geschichten zu Papier. Die 'Vortex'-Trilogie ist ihr Debüt.

Anna Benning
Anna Benning wurde 1988 als jüngstes von drei Kindern geboren. Die Leidenschaft für Geschichten bestimmt seit vielen Jahren ihren Weg: Nach einem Studium der Literaturwissenschaft und Stationen als Buchrezensentin und Aushilfsbuchhändlerin arbeitet sie seit 2013 in einem Verlag. Eines Tages fasste sie sich ein Herz und brachte ihre eigenen Geschichten zu Papier. Die 'Vortex'-Trilogie ist ihr Debüt.



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