E-Book, Deutsch, 64 Seiten
Reihe: Bastei Lübbe
Berg Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 739
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7517-7126-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die verschwundene Komtess
E-Book, Deutsch, 64 Seiten
Reihe: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-7517-7126-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Beim Maskenball auf Schloss Wolfenried verliebte sich Graf Claudio Hals über Kopf in eine geheimnisvolle Fremde mit schwarzer Maske, die nach dem Ball unter rätselhaften Umständen verschwand.
Entschlossen, sie wiederzufinden, machte er sich auf die Suche und entdeckte schließlich, dass Marana in einem abgelegenen Schloss gefangen gehalten wurde. Trotz aller Versuche seines vermeintlichen Freundes, Wolf Graf zu Wolfenried, ihn von Schloss Meeden fernzuhalten, gelang es Claudio, dorthin vorzudringen und die schöne Komtess in seine Arme zu schließen. Doch im Moment ihres Liebesgeständnisses wurde er hinterrücks niedergeschlagen.
In einer Klinik kam er schließlich wieder zu sich. Aber was geschah mit Marana?
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Die verschwundene Komtess
Marana – das Schicksal einer Liebe
2. Teil
Beim Maskenball auf Schloss Wolfenried verliebte sich Graf Claudio Hals über Kopf in eine geheimnisvolle Fremde mit schwarzer Maske, die nach dem Ball unter rätselhaften Umständen verschwand.
Entschlossen, sie wiederzufinden, machte er sich auf die Suche und entdeckte schließlich, dass Marana in einem abgelegenen Schloss gefangen gehalten wurde. Trotz aller Versuche seines vermeintlichen Freundes, Wolf Graf zu Wolfenried, ihn von Schloss Meeden fernzuhalten, gelang es Claudio, dorthin vorzudringen und die schöne Komtess in seine Arme zu schließen. Doch im Moment ihres Liebesgeständnisses wurde er hinterrücks niedergeschlagen.
In einer Klinik kam er schließlich wieder zu sich. Aber was geschah mit Marana?
»Bitte, sagen Sie mir, Herr Doktor Wenger, wann kann ich die Klinik verlassen?«, fragte Graf Claudio und sah ihn bittend an.
»Zwei oder drei Tage sollten Sie sich schon noch gedulden, Graf zu Auersbach«, erwiderte Dr. Wenger. »Mit einer Gehirnerschütterung ist nicht zu spaßen. Gönnen Sie sich die Zeit, sich richtig auszukurieren.«
»Diese Zeit habe ich nicht«, entgegnete Claudio. »Jede Stunde, die ich hierbleibe, ist verlorene Zeit für mich.«
»Ich verstehe ja, Herr Graf, dass Sie sich von Ihren Verpflichtungen gedrängt fühlen, aber ...«
»Es geht nicht um normale Verpflichtungen, Herr Doktor Wenger«, unterbrach Claudio ihn ungeduldig. »Ein Mensch, der mir sehr nahesteht, wartet auf meine Hilfe. Er befindet sich vielleicht sogar in Lebensgefahr. Begreifen Sie jetzt meine Ungeduld?«
»Ja, wenn das so ist, werde ich Ihre Entlassung sofort veranlassen. Sie müssen mir aber Ihr Wort geben, absolute Ruhe zu halten. Jede Überanstrengung in diesem Stadium könnte zu einer Überlastung mit bösen Folgen führen!«
»Ich werde mich schonen, so gut es geht«, versprach Claudio.
»Gut.« Dr. Wenger reichte ihm die Hand. »Dann alles Gute! Und seien Sie ein bisschen vorsichtiger, wenn Sie sich das nächste Mal auf ein Pferd setzen. Es muss ja nicht gleich wieder so ein waghalsiger Ritt werden.«
Claudio wollte ihm entgegenhalten, dass er nicht vom Pferd gestürzt, sondern hinterrücks brutal niedergeschlagen worden sei, doch er versagte es sich. Er hätte mit seinen Erklärungen zu weit ausholen müssen, und die Zeit brannte ihm unter den Nägeln.
»Ich werde Ihre Worte beherzigen«, sagte er deshalb nur. »Und vielen Dank für Ihre Hilfe und Ihr Verständnis.«
???
Eine halbe Stunde später fuhr Claudio mit einem Taxi hinaus nach Schloss Wolfenried.
Julius empfing ihn.
»Herr Graf sind wieder gesund?« Er verneigte sich leicht. »Wie erfreulich!«
»Danke für Ihre Anteilnahme«, erwiderte Claudio zerstreut. »Wo finde ich Graf zu Wolfenried?«
»In seinem Arbeitszimmer. Wenn Sie mir bitte folgen würden?« Julius eilte ihm voraus und meldete ihn an.
Graf Wolf fuhr aus seinem Sessel auf, als sein Diener ihm die Rückkehr seines Freundes meldete. Er ahnte, dass ihm diese vorzeitige Entlassung eine Reihe von unerquicklichen Szenen bescheren würde.
»Ich lasse bitten«, sagte er.
Claudio trat ein. Er sah blass aus und war schmal geworden.
Wolf ging ihm entgegen und reichte ihm freundlich die Hand.
»Du bist zurück, Claudio! Endlich! Wie fühlst du dich?«
»Noch ein wenig schwach. Doch ich wollte keine Zeit mehr verlieren.« Claudio erwiderte den Druck seiner Hand und ahnte nicht, dass er nicht seinem Freund, sondern seinem Todfeind gegenüberstand.
»Die Zeit, die man verwendet, um gesund zu werden, ist niemals verloren«, sagte Wolf und führte ihn zu einem Sessel. »Nimm Platz. Wir wollen deine Wiederauferstehung mit einem Gläschen begießen.«
»Nein, Wolf, so früh am Tag noch nicht. Außerdem ist Alkohol in meinem Zustand wohl nicht ganz das Richtige«, gab Claudio zu bedenken.
»Vielleicht hast du recht. Übrigens, du nimmst es mir doch nicht übel, dass ich dich nicht mehr besucht habe? Ich war so sehr in Anspruch genommen ...«
»Du brauchst dich deshalb nicht zu entschuldigen, Wolf. Ich habe ohnedies die meiste Zeit geschlafen.«
»Das kann ich mir denken. Du bist natürlich weiterhin mein Gast, bis du dich ganz erholt hast«, bot er Claudio notgedrungen an. »Oder möchtest du gleich die Heimreise antreten?«
»Eigentlich müsste ich dringend nach Hause und mich um die Geschäfte auf Auersbach kümmern«, entgegnete Claudio. »Aber ich kann jetzt nicht abreisen. Ich werde also von deinem freundlichen Anerbieten gern Gebrauch machen.«
»Kuriere dich nur gründlich aus, Claudio. Ich freue mich, dass du weiterhin mein Gast bist, und selbstverständlich soll es dir an nichts fehlen.«
»Ich bleibe nicht, um mich auszukurieren«, widersprach Claudio. »Ich bleibe, weil ich Marana finden muss.«
»Was?«, fragte Wolf erschrocken. »Fängst du etwa damit wieder an? Diese Marana ist doch ein Hirngespinst! Sie ist nichts anderes als eine Ausgeburt deiner Fantasie. So begreife doch, dass diese Gehirnerschütterung ...«
»Nein, nein!«, unterbrach Claudio ihn erregt. »Ich weiß, dass es Marana gibt!« Er fasste in seine Tasche und brachte den kleinen Zettel zum Vorschein. »Hier! Diesen Zettel fand ich in meiner Jackentasche. Das Kräuterweiblein hat ihn mir an jenem Morgen gegeben. Und dieser Zettel ist der sichere Beweis dafür, dass ich nicht fantasiert, sondern alles wirklich erlebt habe!«
Mit großen Augen starrte Wolf auf den Zettel. Er hatte Claudios Brieftasche sorgfältig durchsucht und nichts Verdächtiges gefunden. Daran, auch seine Taschen zu untersuchen, hatte er nicht gedacht. Sonst hätte er diesen verhängnisvollen Zettel finden müssen und ihn vernichten können.
Nun hielt Claudio tatsächlich einen Beweis in der Hand!
»Ich muss Marana wiederfinden. Denn ich weiß nicht, was an jenem Morgen geschehen ist.« Claudio steckte den Zettel wieder ein. »Ich weiß nur, dass sie in Gefahr ist und ich der einzige Mensch auf Erden bin, der ihr helfen kann.«
Wolf räusperte sich und versuchte krampfhaft, seine Gedanken zu ordnen. Er musste jetzt sehr auf der Hut sein. Jedes unbedachte Wort konnte ihn verraten.
»Mein einziges Problem besteht darin, dieses Schloss wiederzufinden«, sagte Claudio. »Du musst mir bei der Suche helfen, ja?«
»Ich?«, fragte Wolf gedehnt.
Claudio merkte Wolf an, dass er von diesem Vorschlag nicht besonders begeistert war.
»Wen, außer dir, könnte ich darum bitten?« Er beugte sich ein wenig vor. »Du wirst mir doch helfen, nicht wahr?«
»Ich werde tun, was in meiner Macht liegt«, sagte Wolf zögernd. »Obgleich ich dir gestehen muss, dass mir diese ganze mysteriöse Geschichte nicht besonders behagt.«
»Bald werde ich Licht in das Dunkel dieser Geschichte bringen«, sagte Claudio überzeugt. »Du weißt doch, wo dieses Schloss liegt. Hilf mir, den Weg dorthin zu finden.«
»Den Weg dorthin?« Wolf zuckte die Schultern. »Tja, den kenne ich auch nicht. Ich war ja noch nie da. Niemand aus der Umgebung war jemals dort. Ich sagte dir doch schon, dass man die unglaublichsten Sachen über dieses Schloss munkelt. Deshalb hält sich eben jedermann von dort fern.«
»Ich glaube nicht an diese albernen Gerüchte«, beharrte Claudio.
»Wenn du wirklich in diesem Schloss warst und, wie du sagst, hinterrücks niedergeschlagen wurdest, sollte dir das eigentlich eine Lehre sein, Claudio«, warnte Wolf ihn.
»Das ist es auch. Ich werde das nächste Mal vorsichtiger sein. In meinem Wagen liegt eine gute Straßenkarte. Darauf muss das Schloss zu finden sein. Wirst du mit mir fahren?«
»Bitte, nimm es mir nicht übel, Claudio, aber ich kann dieser verrückten Idee ganz und gar nichts abgewinnen.«
»Dann werde ich eben allein fahren, Wolf. Darf ich mich wenigstens auf unsere Freundschaft berufen?«
»Sicher, wenn du glaubst, dass dir das Eintritt verschaffen könnte. Nur solltest du dir davon nicht allzu viel versprechen. Wie ich bereits sagte, gibt es hier keine nachbarlichen Beziehungen.« Wolf zog die Schublade seines Schreibtisches auf. »Ehe ich es vergesse, es ist Post für dich gekommen, Claudio.«
Er nahm einen Brief heraus und reichte ihn Claudio.
Dieser nahm ihn entgegen und warf einen Blick auf den Absender.
»Ach, von Dana!«, sagte er lächelnd.
»Ich habe auch einen Brief von ihr bekommen. Sie hat sich in sehr netter Weise für den Aufenthalt auf Wolfenried bedankt. Und zwischen den Zeilen konnte man deutlich herauslesen, wie gern sie es gesehen hätte, wenn du sie heimgeleitet hättest.«
»Sie war bei Oliver von Prox sicher ebenso gut aufgehoben.« Claudio schob den Brief ungelesen in seine Jackentasche.
»Immerhin hättest du dir dann diesen...




