Berg / Knights | Das Amazon-Modell | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 390 Seiten

Berg / Knights Das Amazon-Modell

Wie der unerbittlichste Einzelhändler der Welt den Handel weiter revolutionieren wird
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-86470-839-8
Verlag: Plassen Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Wie der unerbittlichste Einzelhändler der Welt den Handel weiter revolutionieren wird

E-Book, Deutsch, 390 Seiten

ISBN: 978-3-86470-839-8
Verlag: Plassen Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Amazon ist eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. Was sind die Geheimnisse seines Erfolgs? Wie lassen sich diese Erkenntnisse auf andere Unternehmen im E-Commerce-Sektor übertragen? Die renommierten Einzelhandelsexpertinnen Natalie Berg und Miya Knights geben überzeugende Antworten. 'Das Amazon-Modell' bietet einzigartige Einblicke in die disruptiven Strategien des unerbittlichsten Einzelhändlers und Innovators der Welt. Es zeigt, wie diese Strategien auf jedes Unternehmen im E-Commerce-Sektor angewendet werden können und wie professionell Amazon auf die Corona-Pandemie reagierte. Eine unschätzbare Ressource, um aus dem beispiellosen Aufstieg von Amazon zu lernen und erfolgreich zu handeln.

Natalie Berg ist Gründerin eines Beratungsunternehmens mit Fokus auf Einzelhandelsstrategien und Zukunfts-trends. Sie schreibt regelmäßig für Financial Times, Forbes und BBC. Miya Knights ist Expertin für den Technologie-Einsatz in Einzelhandelsunternehmen und Herausgeberin des Magazins Retail Technology. Sie schreibt regelmäßig für Times und Financial Times.
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01


Es ist eine Amazon-Welt


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in einem bestimmten Zusammenhang bedeutsam, [ge]wichtig

Der Einzelhandel befindet sich in einer Umbruchphase. Die Pessimisten sehen ihn vom Aussterben bedroht, andere nur die Folgen digitaler Transformation. Einigkeit besteht hingegen darüber, dass dies eine Zeit tiefgreifender struktureller Veränderungen ist.

Die pandemiebedingte Verlagerung zum Onlineshopping in Verbindung mit allgemein veränderten Wertvorstellungen und Ausgabegewohnheiten der Verbraucher hat ein Überangebot an Einzelhandelsgeschäften offenbart. Traditionelle Geschäftsmodelle werden verdrängt, der Einzelhandel muss ums Überleben kämpfen: Die Schließung von Geschäften erreicht Rekordzahlen, Insolvenzen sind in der Branche an der Tagesordnung. Das ist Darwinismus im Einzelhandel: Entwickle dich weiter oder stirb.

Jedoch gibt es etwas, was bei all dem Gerede über das bevorstehende Aussterben des Einzelhandels oft nicht beachtet wird: Relevanz. Die wichtigste Regel im Einzelhandel lautet: Sei für die Kunden relevant. Wenn du es nicht schaffst, deinen Kunden das zu geben, was sie wollen, oder dich von der Konkurrenz abzuheben, hast du keine Chance. Ja, die Tage dieser Einzelhändler sind gezählt. Für diejenigen, die bereit sind, sich auf Veränderungen einzulassen, ist dies unserer Meinung nach eine unglaublich aufregende Zeit, in der man den Einzelhandel neu erfinden kann. In Zukunft wird es weniger, dafür aber schlagkräftigere Geschäfte geben. In Zukunft werden Kunden eine bessere Mischung aus Online- und Offline-Angeboten erleben. Und in der Zukunft wird es darum gehen, sich im WACD (What Amazon Can’t Do) hervorzutun: darin, was Amazon nicht kann.

Amazon, der Handelsriese des 21. Jahrhunderts, hat sich vom Onlinebuchhändler zu einem der wertvollsten börsennotierten Unternehmen der Welt entwickelt. Als wir dieses Buch schrieben, entfiel rund die Hälfte des E-Commerce-Umsatzes in den USA auf Amazon.1 Im Jahr 2010 beschäftigte Amazon etwa 30.000 Mitarbeiter. Zehn Jahre später waren es 1,3 Millionen. Allein im Jahr 2020 hat Amazon seine Belegschaft um satte 500.000 Mitarbeiter aufgestockt.2 Und das in einem Pandemiejahr. Nicht einmal Walmart, der größte private Arbeitgeber in den USA, hat jemals so viele Mitarbeiter in einem einzigen Jahr eingestellt.3 Amazon hat sich zum unangefochtenen Marktführer in allen Bereichen entwickelt – von Cloud-Computing bis zur Sprachtechnologie. Amazon ist die Nummer eins bei der Produktsuche, noch vor Google;4 Amazon hat auch Walmart überholt und ist jetzt der größte Bekleidungshändler der USA.5 Im Jahr 2021, als wir dieses Buch schrieben, war Amazon mehr wert als Walmart, Netflix, Target, Nike und Costco zusammen. Das des Amazon-Gründers Jeff Bezos ist sogar größer als der Börsenwert einiger dieser Unternehmen.6 Amazon verändert mit seinen Kartons zweifellos den Einzelhandel.

Und als ob das nicht genug wäre, hat Amazon auch noch seine weltweiten Aktivitäten ausgeweitet. Im Jahr 2010 war Amazon international nur auf sieben Märkten vertreten: Kanada, Vereinigtes Königreich, Deutschland, Frankreich, Japan, China und Italien. Zehn Jahre später machte das Geschäft außerhalb der USA rund ein Drittel des Amazon-Umsatzes aus und umfasste mehr als 20 ausländische Märkte – vom pulsierenden Mexiko-Stadt bis zu den abgelegenen Tälern des Himalaja.7

Bis 2020 besaß oder mietete Amazon weltweit mehr als 400 Millionen Quadratmeter Fläche.8 Seit dem Launch seiner Website9 sind bei Amazon mehr als 30 neue Produktkategorien hinzugekommen, und es gibt inzwischen weltweit mehr als 200 Millionen Prime-Mitglieder, die fast 150 US-Dollar im Jahr dafür ausgeben, die Vorteile von Prime zu nutzen.10

Amazon hat sich zu einem der einflussreichsten Unternehmen des 21. Jahrhunderts entwickelt, weil es unbeirrt an seiner ursprünglichen Vision festhält: unablässige Innovation, um einen langfristigen Mehrwert für die Kunden zu schaffen. Amazons Erfolg beruht auf der permanenten Unzufriedenheit mit dem Status quo, der Lust an der Disruption und dem Wunsch, die Kunden lebenslang an sich zu binden. Das Unternehmen steckt voller Überraschungen, aber alles wird letztlich von einer Vision geleitet, die sich seit der Gründung nicht verändert hat.

Wie die meisten radikalen Erneuerer ist auch Amazon ein Außenseiter. Es ist ein Technologieunternehmen mit entsprechender Kapitalstärke und kann sich den Luxus leisten, langfristig zu denken. Amazon wäre heute nicht dort, wo es ist, wenn es nicht nach seinen eigenen Regeln spielen würde, indem es Kurzfrist-Denken und andere traditionelle Zwänge, denen die stationären Einzelhändler unterworfen sind, vermeidet. Amazon hat sein Einzelhandelsangebot unermüdlich ausgebaut, und zwar nicht nur durch die Einführung neuer Produktkategorien – durch die ganze Branchen auf den Kopf gestellt wurden –, sondern auch durch ein verbessertes Entertainment-Angebot, bessere Auftragsabwicklung und IT-Kompetenz mit dem Ziel, ein einzigartiges, reibungslos funktionierendes und rundum integriertes Kauferlebnis für den Kunden zu schaffen.

Für Wettbewerber erscheint Amazon als rücksichtslos und furchterregend. Für Kunden ist Amazon unkompliziert und zunehmend unverzichtbar. Mit der Kombination aus dem Zugang zu Millionen von Produkten und einer immer schnelleren Lieferung hat das Unternehmen den ultimativen „Sweet Spot“ für Käufer getroffen. Und dies ist erst der Anfang. Amazon macht sich die Stärke und das Vertrauen in seine Marke zunutze und greift mit seinen Fangarmen nach immer neuen Branchen. Das bloße Gerücht, dass Amazon in einen Sektor einsteigen könnte, reicht aus, um Aktienkurse auf Talfahrt zu schicken. Und es wird von Tag zu Tag deutlicher, dass Amazon sich nicht damit begnügt, nur der Einzelhändler zu sein; Amazon will auch die Infrastruktur sein.

Heute feuert Amazon aus allen Rohren. Der pandemiebedingte Wandel hin zu einer digitaleren Welt hat alle Bereiche des Unternehmens gestärkt – Einzelhandel, Amazon Web Services (AWS), Prime, Alexa, Werbung – und solange nicht regulatorisch eingegriffen wird, scheint sich das Wachstum von Amazon auch nicht abzuschwächen.

Aber Amazon steht an einem Wendepunkt. Der König des E-Commerce hat erkannt, dass das reine Onlinegeschäft trotz aller Annehmlichkeiten nicht mehr ausreicht. Stationärer Handel und Onlinehandel nähern sich einander immer schneller an. Wenn Amazon den Lebensmittel- und Apothekensektor erobern will, benötigt das Unternehmen Ladengeschäfte. Wenn Amazon die steigenden Kosten für Kaufabwicklung und Kundenakquise ausgleichen will, benötigt das Unternehmen Ladengeschäfte. Und wenn Amazon die Prime-Mitgliedschaft, die Einführung der Sprachtechnologie und die Lieferung innerhalb einer Stunde weiter vorantreiben will, was dann? Es benötigt Ladengeschäfte.

Die Zukunft des Einzelhandels liegt im stationären Handel. Amazon wird den Begriff des Supermarkts für den Kunden des 21. Jahrhunderts neu definieren: Kassen werden abgeschafft, das Einkaufserlebnis wird digitalisiert, die Filialen werden für eine schnelle Lieferung genutzt, und vor allem wird mit den Kunden auf eine Art und Weise interagiert, wie es online niemals möglich wäre. Das Ladengeschäft der Zukunft wird stärker erlebnis- und serviceorientiert sein.

Für Amazon wird sich durch den Lebensmitteleinzelhandel ein sehr wichtiges Puzzleteil erschließen: die Kundenfrequenz. Wie ein ehemaliger Chef von Whole Foods Market es ausdrückt: „Lebensmittel sind die Plattform, über die man alles andere verkaufen kann.“11 Deshalb sollte Amazons Einstieg in den Lebensmittelhandel alle Einzelhändler beunruhigen, nicht nur Supermärkte. Es ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einer totalen Dominanz im Einzelhandel.

Wie wir im Verlauf dieses Buches beschreiben werden, ist Amazon heute in vielerlei Hinsicht nicht mehr einzuholen. Das Unternehmen ist aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken, und viele fragen sich mittlerweile, ob Amazons Allgegenwart gut für die Wirtschaft – und für die Demokratie im Allgemeinen – ist. Die Bemühungen, die Dominanz von Amazon zu verringern, werden zunehmen, und ein Unternehmen von Amazons Größe, Macht und Einfluss sollte genau unter die Lupe genommen werden, insbesondere vor dem Hintergrund der Pandemie. Grundlegende globale Steuerreformen und die möglicherweise bedeutendsten Änderungen des US-Kartellrechts innerhalb der letzten Jahrzehnte werden dazu beitragen, gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle zu schaffen. Wir müssen jedoch anerkennen, dass Amazon auch Gutes bewirkt hat, indem es den Einzelhandelssektor gezwungen hat, seinen Service zu verbessern. Amazons unablässiger Fokus auf die Verbesserung des Kundenerlebnisses hat den Anstoß zu...


Natalie Berg ist Gründerin eines Beratungsunternehmens mit Fokus auf Einzelhandelsstrategien und Zukunfts-trends. Sie schreibt regelmäßig für Financial Times, Forbes und BBC.

Miya Knights ist Expertin für den Technologie-Einsatz in Einzelhandelsunternehmen und Herausgeberin des Magazins Retail Technology. Sie schreibt regelmäßig für Times und Financial Times.



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