Berger | Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 779 | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 779, 64 Seiten

Reihe: Die Welt der Hedwig Courths-Mahler

Berger Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 779

Das Fräulein vom Gut
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7517-8641-6
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Das Fräulein vom Gut

E-Book, Deutsch, Band 779, 64 Seiten

Reihe: Die Welt der Hedwig Courths-Mahler

ISBN: 978-3-7517-8641-6
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Stella von Reichlin lebt zurückgezogen auf Gut Wiesenau. Nach einer tiefen Enttäuschung hat sie sich ganz ihrem Kind und der Arbeit verschrieben - und dem Herzen verboten, sich je wieder zu öffnen. Bis eines Tages ein Fremder auftaucht, dessen Blick alte Wunden aufreißt: Germar von Ravensberg, der neue Herr des benachbarten Gutes. Er ist charmant, gut aussehend und trägt denselben Namen wie der Mann, dem sie niemals wieder vertrauen wollte. Doch ist Germar von Ravensberg wirklich nur ein Ebenbild seines berüchtigten Onkels - oder ist er Stellas zweite Chance auf Glück?

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Das Fräulein vom Gut


Stella glaubte nicht mehr an die Liebe, doch das Schicksal hatte andere Pläne

Stella von Reichlin lebt zurückgezogen auf Wiesenau. Nach einer tiefen Enttäuschung hat sie sich ganz ihrem Kind und der Arbeit verschrieben – und dem Herzen verboten, sich je wieder zu öffnen. Bis eines Tages ein Fremder auftaucht, dessen Blick alte Wunden aufreißt: Germar von Ravensberg, der neue Herr des benachbarten Gutes.

Er ist charmant, gut aussehend und trägt denselben Nachnamen wie der Mann, dem sie niemals wieder vertrauen wollte. Doch ist Germar von Ravensberg wirklich nur ein Ebenbild seines berüchtigten Onkels – oder ist er Stellas zweite Chance auf Glück?

»Bitte, Liebes, du musst aber noch ein Schnittchen essen«, drängte die ältere, zur Molligkeit neigende Dame, während sich ihr Gesicht mit bekümmerten Falten überzog. »Wie ich dich kenne, wirst du gar nicht daran denken, zum Frühstück heimzukommen.«

Das schmale, ernste Gesicht der jungen Frau verzog sich zu einem Lächeln. Dabei bildete sich in ihrer rechten Wange ein Grübchen, das gar nicht zu dem etwas eigenwilligen Kinn und den meistens fest zusammengepressten Lippen zu passen schien.

Stella von Reichlin seufzte.

»Also gut, Tante Hannchen, sonst befürchtest du noch ernsthaft, dass ich verhungere!«

Die Nichte griff nach einer halben Schnitte des kräftigen Bauernbrotes, belegte sie mit Butter und harter Mettwurst.

»Zufrieden?«, fragte sie dann und zwinkerte der alten Frau munter zu.

Tante Hannchen hatte schon lange auf ein derartiges Stichwort gewartet, um ihrem bedrängten Herzen Luft zu machen. Sie redete auch weiter, als sie sah, dass sich in Stellas Zügen immer mehr Abwehr widerspiegelte.

»Nein! Du bist noch so jung, du kannst dich nicht vollkommen vom gesellschaftlichen Leben zurückziehen und nur für deine Arbeit leben. Ein Mensch braucht auch einmal eine Entspannung, einige erholsame, unterhaltsame Stunden. Du betrügst dich um deine schönsten Jahre, Kind«, hielt sie Stella eindringlich vor.

Die junge Frau hob die Tasse, wobei ihre Hand leicht zitterte. Ihre Züge wirkten ernst und beherrscht.

»Du vergisst, dass mir mein Kind diese Stunden der Erholung schenkt. Und außerdem, meine ich, ist es beim besten Willen nicht mehr angebracht, wenn ich mich zu den vergnügungssüchtigen jungen Mädchen geselle, die alle Jagd auf einen Mann machen«, schloss sie mit einer gewissen Härte.

»Aber Stella, Kind, wie du meine Worte gleich wieder auslegst!«, empörte Tante Hannchen sich. »Wer denkt denn gleich an diese Dinge!«

Dass sie schon viele Male im Geheimen gerade mit diesem Gedanken gespielt hatte, nämlich dass Stella ihr Leben nicht als »Fräulein vom Gut«, wie sie die Leute häufig nannten, beschließen sollte, ging das dumme Kind nichts an.

Stella besaß ein weiches, liebebedürftiges Herz, wenngleich sie dieses Herz gar zu gern hinter einer kühlen Haltung verbarg.

Und vor allem jungen Männern gegenüber kehrte sie mit Vorliebe die Eisprinzessin hervor, die nicht im Entferntesten daran dachte, ihr Leben in irgendeiner Form zu ändern.

Sie war stolz, zu stolz, um einem Außenstehenden einen Blick in ihr Herz zu erlauben. Selbst Tante Hannchen fragte sich mitunter, ob sie die Enttäuschung von damals wirklich gänzlich überwunden hatte.

Die alte Dame versank unwillkürlich in dumpfes Brüten. Oh ja, sie erinnerte sich noch genau an die schreckliche Zeit vor Peters Geburt.

Stella war damals erst achtzehn Jahre alt gewesen und hatte an der Schwelle des Lebens gestanden. Sie hatte sich in einen Windhund verliebt und ihm vertraut. Daheim hatte es dieser Liebe wegen Kämpfe und Tränen gegeben.

Hannchen dachte ungern an jene ungemütliche Zeit zurück, als Stellas Vater sogar gedroht hatte, seine Tochter zu enterben.

»Vater, ich liebe Arno!«, hatte sie ihm ruhig und fest erklärt.

Himmel, was hatte dieses Küken damals schon von der Liebe gewusst! Sie hatte das erste schwärmerische Gefühl für diesen wirklich blendend aussehenden Mann für Liebe gehalten und um ihre »Liebe« gekämpft! Damals hätte sie in ihrer Verbohrtheit notfalls sogar ihr Elternhaus seinetwegen aufgegeben.

Und sie, Tante Hannchen, hatte den Windhund im Verdacht gehabt, dass er das ebenso unwissende wie leichtgläubige junge Fräulein ganz bewusst verführt hatte, um ihrer ganz sicher zu sein!

Denn was konnte schließlich ein kleiner Vertreter landwirtschaftlicher Maschinen besseres tun, als sich solch einen Goldfisch zu angeln? Wiesenau war eines der schönsten Güter der Gegend, ein herrlicher Besitz, auf dem viele gern Herr gewesen wären.

Er hatte die Rechnung dennoch ohne den Wirt gemacht, obwohl Stella sein Kind unter dem Herzen trug.

Es kam wohl, wie es kommen musste.

Eines Tages war Stellas Vater, Wilhelm von Reichlin, dazu bereit gewesen, Arno Fuchsberger als Schwiegersohn zu empfangen, und er hatte sogar auf eine baldige Heirat gedrängt. In seinem Herzen hatte er diesen Verführer gehasst, aber auf der anderen Seite auch gewusst, dass Stella nicht mehr von diesem Mann ablassen würde!

Doch es kam alles anders. Einen Tag vor der Hochzeit hatte sich ein Mädchen bei Stella gemeldet, ein ärmlich gekleidetes Geschöpf, das einen weiten Mantel getragen hatte. Was Stella mit diesem Mädchen gesprochen hatte, erfuhren in Einzelheiten weder ihr Vater noch Tante Hannchen.

Eine verstört wirkende Stella mit wachsbleichem Gesicht, mit Augen, in denen aller Glanz erloschen schien, hatte dem Vater mitgeteilt, dass sie den Vater ihres Kindes niemals heiraten werde. Das ärmliche Mädchen war mit Arno verheiratet gewesen und hatte ebenfalls sein Kind unter dem Herzen getragen. In wenigen Wochen hatte sie Mutter werden sollen.

Stella hatte ihr Schicksal mit bewunderungswürdiger Kraft getragen. Sie war dem Vater und der Tante, die alles getan hatten, um ihr zu helfen, unendlich dankbar gewesen. Niemals hatte Stella geklagt. Seit jener Zeit war sie so ernst und die junge Frau, als die man sie jetzt kannte.

Sie war ein Mensch, der niemals jammerte, der arbeitete und die Pflichterfüllung als oberstes Gesetz über sein Leben stellte. Stella hatte sich von allen früheren Bekannten zurückgezogen und lebte ihr eigenes Leben auf Wiesenau. Sie war zu stolz, um zu zeigen, wie tief sie gedemütigt worden war, wie schwer ihr die Enttäuschung zu schaffen machte.

Und dann hatte das Schicksal erneut zugeschlagen. Eines Tages war der Gutsherr von Wiesenau von zwei Knechten ins Haus gebracht worden. Er hatte seine Augen für immer geschlossen. Sein Pferd war unter ihm durchgegangen, er war so unglücklich gefallen, dass er sein Rückgrat schwer verletzt hatte und auf der Stelle tot gewesen war.

Stella hatte am Totenbett ihres Vaters gestanden, ein junges, viel zu ernstes Mädchen mit einem versteinert wirkenden Gesicht. Sie hatte nicht geweint und nur mit glanzlosen Augen auf den geliebten Toten gestarrt.

Wenige Wochen später war Peter geboren worden, Stellas Sohn, ein prächtiges kleines Kerlchen, das mit großen Augen in die Welt geschaut hatte. Stella war eine zärtliche Mutter. Es schien wirklich so, als brauche sie außer ihrem Kind und Tante Hannchen keinen Menschen auf der Welt, der ihr nahestand.

Sie lebte für Wiesenau. Sie lebte für ihr Kind.

Und sie zeigte der Außenwelt stets ein ernstes, verschlossenes Gesicht. Nur Hanna wusste, dass es für Stella gewiss auch einsame Stunden voller Verzweiflung gab. Doch selbst sie ahnte das nur, denn ihre Nichte klagte niemals.

Mit der Zeit hatte Stella natürlich gemerkt, wie viel Kraft die Leitung des Gutsbetriebes kostete. Außerdem wusste Tante Hannchen, dass Stella sich mit Vorwürfen plagte, weil Peter oft ein bisschen zu kurz kam.

Tante Hannchen goss noch ein Tässchen Kaffee nach.

»Trink nur, Liebes«, forderte sie Stella auf.

»Mir fällt gerade ein, dass ich Peter ja heute in der Schule anmelden muss«, erklärte Stella seufzend. »Das wird zwar nicht gerade glücklich hinkommen, aber ...«

»Ich schicke eins der Mädchen«, bot ihre Tante an. Sie wollte ihr den Weg abnehmen, aber da wehrte die junge Frau herb ab.

»Nein, meinen Sohn melde ich selbst an!« Im gleichen Moment lächelte sie jedoch weich. »Nicht böse sein, Tantchen, aber ich kann ohnehin so wenig für Peterlein tun!«

»Natürlich.« Hannchen verstand Stella ja so gut. Sie wusste, wie häufig sie sich mit Vorwürfen plagte, ihrem Sohn keine gute Mutter sein zu können, weil die Leitung des Gutsbetriebes sie förmlich mit Haut und Haaren verschlang.

Dabei war es eigentlich Unsinn, sich um Peters Wohlergehen Sorgen zu machen. Der Junge strolchte liebend gern allein herum und entdeckte auf eigene Faust die große, weite Welt.

???

Unwillkürlich hielt Stella die Zügel ihres Pferdes straffer. Donnerwetter, solch einen Straßenkreuzer sah man in dieser Gegend wirklich selten!

Sie blieb stehen, um den schnittigen Wagen vorbeifahren zu lassen. Stella mochte den Benzingeruch und den aufgewirbelten Staub keinesfalls, aber...



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