E-Book, Deutsch, Band 71, 64 Seiten
Reihe: Tom Prox
Berings Tom Prox 71
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7517-1380-1
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nichts für mich
E-Book, Deutsch, Band 71, 64 Seiten
Reihe: Tom Prox
ISBN: 978-3-7517-1380-1
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Manchmal hilft der Zufall. Hätte Snuffy Patterson nicht darauf bestanden, Rast in Beardsley zu machen, von ihm wegen der gleich vier Kneipen geschätzt, wäre alles vielleicht anders gekommen. So aber kann Tom Prox nicht nur einen alten Bekannten besuchen, sondern erfährt auch von zwei unaufgeklärten Morden, von denen der eine schon zwei Jahre zurückliegt. Sheriff Lundigan scheint überfordert mit dem Fall, und der Ghostchef und sein Sergeant zögern nicht, sich der Sache anzunehmen. Wie sich schon bald zeigen wird, eine lebensgefährliche Aufgabe für die beiden Polizisten ...
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Nichts für mich
Von George Berings
Manchmal hilft der Zufall. Hätte Snuffy Patterson nicht darauf bestanden, Rast in Beardsley zu machen – von ihm wegen der gleich vier Kneipen geschätzt –, wäre alles vielleicht anders gekommen. So aber kann Tom Prox nicht nur einen alten Bekannten besuchen, sondern er erfährt auch von zwei unaufgeklärten Morden, von denen der eine schon zwei Jahre zurückliegt. Sheriff Lundigan scheint überfordert mit dem Fall, und der Ghostchef und sein Sergeant zögern nicht, sich der Sache anzunehmen. Wie sich schon bald zeigen wird, eine lebensgefährliche Aufgabe für die beiden Polizisten ...
Sie kamen aus dem Süden, von der mexikanischen Grenze her. Sie ritten den ganzen Tag, durchquerten die Pozo Redondo Mountains und stießen bei der Ortschaft Gila Bend auf den Gila River, dessen Lauf sie einige Stunden Richtung Norden folgten.
Man musste Arizona lieben! Ein hartes Land für harte Männer! Ein Land voller Überraschungen, voller Wunder, wenn man so wollte.
Arizona, die Wiege des Westens, hatte die Menschen geformt, hatte sie zerbrochen oder raue Gesellen aus ihnen gemacht, die der gewaltigen Natur trotzten.
Die beiden Reiter erreichten gegen Abend den Waterman Wash, ein kleines Gewässer, dessen Bestand in der Gluthitze dieser Jahreszeit gefährdet war. Ein dünnes Rinnsal plätscherte verloren in dem viel zu großen Flussbett, welches, von Steinen übersät, den Eindruck eines von der Glut der Sonne gebleichten Gerippes machte.
Sergeant Patterson stieg aus dem Sattel, um sich einige Hände voll Wasser über Gesicht, Hals und Schultern zu gießen. Dabei grunzte er wohlig.
Tom Prox blieb im Sattel. Er sah seinem langen Sergeanten belustigt zu. Es sah aus, als wolle ein Nilpferd in einer Pfütze baden.
»Was hältst du von Perryville, Snuffy?«
»Nicht viel, Tom.« Patterson kam vom Fluss herauf, wobei seine langen Stelzen vorsichtig um die Steine balancierten. »Perryville hat mir noch nie geschmeckt. Ein Nest mit nur einer Kneipe – sagt das nicht alles?«
»Du erinnerst dich sehr genau, Snuffy. Ich glaube, du teilst sämtliche Städte des Westens nach der Zahl ihrer Kneipen ein?«
Patterson stieg in den Sattel.
»Findest du das etwa nicht in Ordnung? Die Saloons sind doch die Urzellen alles Lebens. Am Anfang war die Kneipe – alles andere folgte von ganz allein nach.«
Tom Prox verzichtete darauf, diese Ansicht seines Adlatus weiter auszuspinnen. Es würde doch zu nichts führen, da der Lange seine eigene Lebensphilosophie hatte und stur auf seiner Meinung beharrte.
»Also dann eben nicht, Snuffy. Wenn du wirklich noch vier Meilen weiter willst, können wir auch in Beardsley übernachten. Wie viele Kneipen gibt es dort?«
»Vier und eine Bar. Beardsley ist goldrichtig: Vier Meilen für vier Kneipen.«
Die Männer von der Ghost Squad ritten weiter. Eine Weile folgten sie noch dem Waterman Wash, bogen dann aber östlich ab, um nicht den Umweg über Perryville machen zu müssen.
Der Abend senkte sich über das Land und spendete etwas Kühle. Sie ritten langsam, die Pferde waren müde und abgetrieben. Als die White Tank Mountains im Westen auftauchten, stieß Patterson einen leisen Pfiff aus.
»Erinnerst du dich, Tom? Hier haben wir einst ein ganz schönes Ding erlebt.«
»Ist schon einige Jährchen her, meine ich. Was Ryan wohl macht? Wohnten damals auf seiner Ranch. Seine Tochter war leider erst fünfzehn, nicht?«
»Heute vielleicht gerade im richtigen Alter. Sollten Ryan mal besuchen, eingeladen hat er uns ja oft genug.« Patterson schnalzte mit der Zunge. Es war nicht klar ersichtlich, ob das gute Essen auf der Ranch, der Whisky oder das Girl ihm das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ ...
Vor ihnen blinkten Lichter auf. Es musste Beardsley sein, die Stadt mit den vier Kneipen. Patterson schnalzte abermals mit der Zunge, aber jetzt gab es keinen Zweifel: er meinte den Whisky.
Die Hauptstraße war sehr belebt, sämtliche Stores und Saloons quollen über vor Menschen. Hier wurde anscheinend ein Fest gefeiert.
»Den Geruch hatte ich gleich in der Nase«, blähte sich Patterson auf. »Man soll die Feste feiern, wie sie fallen!«
»Benimm dich aber anständig und brich keine Prügelei vom Zaun«, mahnte der Ghostchef. »Dass mir keine Klagen kommen, Alter!«
Sie stiegen vor dem »Goldenen Reiter« aus dem Sattel. Der Lange machte eine Kniebeuge, wobei es bedenklich in seinen Knochen knackte. Dann zog er mit der typischen Bewegung den Gurt höher. Wippend stiefelte er schnurstracks auf das Ziel seiner Sehnsucht, die Theke, zu.
An der Hauswand, in der Dunkelheit des Vorbaus, stand ein Mann. Er verhielt sich vollkommen ruhig, verschmolz förmlich mit der Starre der ihn umgebenden Gegenstände. Tom sah ihn sofort. Er blieb stehen und zündete sich eine Zigarette an. Im Schein des aufglimmenden Streichholzes blitzte an der Brust des Mannes etwas auf; unverkennbar ein Sheriffstern.
»Hallo, Mr. Lundigan!« Tom Prox flüsterte es mehr, als er plötzlich neben dem Sheriff stand. »Welches Fest feiert man denn heute in Beardsley?«
»Captain Prox!« Der Name kam wie eine Verheißung über die Lippen des Ordnungshüters. »Wenn mir einer vor vier Tagen gesagt hätte, Tom Prox käme nach Beardsley, ich hätte ihm wer weiß was geschenkt!«
»Reiner Zufall, Sheriff, wirklich. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir in Perryville Station gemacht. Patterson jedoch wollte Leben um sich sehen.«
»Gelobt sei der Durst des wackeren Sergeanten!« Das kam wie ein Stoßseufzer. »Kommen Sie mit in mein Office, Captain? Habe mit Ihnen zu reden ...«
»Gewiss, Sheriff. Will nur Patterson schnell Bescheid sagen, er muss sich um Quartier und Pferde kümmern.«
Fünf Minuten später saßen sich die Männer im Office gegenüber. Lundigan hatte seine Pfeife in Brand gesetzt. Sein Gesicht war düster, beinahe verbittert. Nur die Augen unter den weißen, buschigen Brauen blitzten hoffnungsvoll.
»Sie fragten, welches Fest heute gefeiert wird, Captain. Nun, die Leute haben einen Mann beerdigt. Totenfeier nennt man das hier.«
»Muss eine sehr verdiente Persönlichkeit gewesen sein. So viel Whisky für eine Leiche?«
»Sie kannten Mr. Sawtell, wenn ich nicht irre. Ich darf jetzt seinen Mörder suchen.«
»Sawtell wurde ermordet? War doch der Freund von Rancher Ryan, nicht wahr? Er kam, als ich vor Jahren hier in der Gegend war, oft dorthin zu Besuch.«
»Stimmt, Captain. Außerdem gehörte Duncan noch dazu. Sie spielten jeden Donnerstagabend Poker. Vor zwei Jahren starb Duncan plötzlich auf die gleiche Weise wie Sawtell. Er wurde ebenfalls an einem Donnerstagabend auf dem Heimweg hinterrücks erschossen. Zwei Morde – und ein Mörder ...«
»Mal langsam, Sheriff! Die Geschichte klingt ja wie eine Story aus einem Kriminalroman. Drei Rancher sind miteinander befreundet: Ryan, Sawtell und Duncan. Ihre Besitzungen liegen, wie ich weiß, in dem Becken zwischen den White Tank Mountains und dem Hassayampa Creek. Nördlich werden sie von den Vulture Mountains, südlich vom Centennial Wash begrenzt.«
»Stimmt genau, Captain. Mein Kompliment, Sie scheinen die Landkarte dieser Gegend im Kopf zu haben.«
»Nicht so schlimm, Sheriff. Habe mich ja lange genug hier aufgehalten damals. Nun weiter. Die drei Rancher treffen sich regelmäßig Donnerstagabend zum Poker. Vor zwei Jahren wurde Duncan auf dem Heimweg erschossen? Was konnten Sie da ermitteln?«
»Nichts, Captain. Es gab kein Motiv. Duncan hatte keine Feinde, und es gab auch keine Spuren ... nichts, einfach nichts!« Aus den Worten des Sheriffs sprach wieder Verbitterung.
»Sawtell und Ryan trafen sich dann weiterhin jeden Donnerstagabend?«
»Ja, außerdem gesellte sich ein gewisser Mr. Jeakins dazu. Sie kennen doch den Bankdirektor?«
»Sicher kenne ich ihn. Kleiner Dicker mit Glatze, trägt mit Vorliebe einen Cut, auch wenn es keinen feierlichen Anlass dafür gibt.«
»Jeakins fuhr stets mit dem leichten Wagen hinaus. Vor vier Tagen begleitete er Sawtell noch bis zur Brücke, als sie auf dem Heimweg waren. Er war der letzte, der Sawtell lebend gesehen hat.«
»Wann fand man den Ermordeten?«
»Erst am Morgen des nächsten Tages. Bei Duncan war es vor zwei Jahren genauso. Überhaupt decken sich die beiden Fälle haargenau in den Einzelheiten. Nun suche ich einen Mörder, das sagte ich ja schon.«
»Ich werde Ihnen helfen, Sheriff. Denke, Sie werden nichts dagegen haben?«
»Ich habe es sogar gehofft, Captain. Darf Ihnen versichern, dass mir jetzt schon bedeutend wohler ist. Man hält in Breadsley nicht mehr viel von meinen Fähigkeiten. Es werden schon Stimmen laut, die für einen neuen Sheriff plädieren. Bin ja auch schon lange genug im Amt.«
»Können noch getrost zehn Jahre dazulegen«, lächelte Tom Prox. »Gute Nacht, Sheriff! Bis morgen dann.«
Der...




