Berings | Tom Prox 86 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 86, 64 Seiten

Reihe: Tom Prox

Berings Tom Prox 86

Sheriff - die Rotjacke!
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7517-2623-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Sheriff - die Rotjacke!

E-Book, Deutsch, Band 86, 64 Seiten

Reihe: Tom Prox

ISBN: 978-3-7517-2623-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Tom Prox und Snuffy Patterson bekommen es mit wahren Feuerteufeln zu schaffen, denn in Greenfield brennen nicht nur Häuser, sondern auch Menschen! Eine Bande von Gangstern legt an den Tatorten Feuer, um so die Spuren zu verwischen. Dass dabei in den Flammen wehrlose Menschen elendig zugrunde gehen, nehmen die skrupellosen Täter um den Anführer mit der roten Jacke nur allzu gerne in Kauf, werden so doch gleich noch mögliche Zeugen aus dem Weg geräumt. Selbst vor der Polizei machen sie nicht Halt, und schon bald finden sich der Ghostchef und der Sheriff des Ortes, Nat Corner, in einer nahezu ausweglosen Situation wieder. Nur Sergeant Patterson könnte jetzt noch die Rettung bringen. Der aber steckt selbst im allerdicksten Schlamassel ...

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Sheriff –
die Rotjacke!

Von George Berings

Tom Prox und Snuffy Patterson bekommen es mit wahren Feuerteufeln zu schaffen, denn in Greenfield brennen nicht nur Häuser, sondern auch Menschen! Eine Bande von Gangstern legt an den Tatorten Feuer, um so die Spuren zu verwischen. Dass dabei in den Flammen wehrlose Menschen elendig zugrunde gehen, nehmen die skrupellosen Täter um den Anführer mit der roten Jacke nur allzu gerne in Kauf, werden so doch gleich noch mögliche Zeugen aus dem Weg geräumt. Selbst vor der Polizei machen sie nicht Halt, und schon bald finden sich der Ghostchef und der Sheriff des Ortes, Nat Corner, in einer nahezu ausweglosen Situation wieder. Nur Sergeant Patterson könnte jetzt noch die Rettung bringen. Der aber steckt selbst im allerdicksten Schlamassel ...

Wie ein gehetztes Wild lief der kleine Boy durch die Gegend, sprang über Gräben, hastete stolpernd Anhöhen hinauf, sah sich sekundenlang scheu um, hetzte weiter, immer weiter, als ob er einer Gefahr entrinnen wollte. Und doch war keine Gefahr zu erkennen für den Jungen, dessen Atem keuchend ging, dessen Beine immer schwächer wurden und vor dessen Augen die Hitze glühende Sonnen tanzen ließ.

Er kannte die Anhöhe, auf der der große Walnussbaum stand. Nur den wollte er noch erreichen, denn von dort aus würde er den Ort sehen können. Und wenn er diesen erst einmal vor Augen hatte, so würde er schon die Kraft finden, um auch das letzte Stück zu überwinden.

Die dichte Baumkrone spendete ihm Schatten, und das Flimmern in den Augen ließ nach. Der Boy lag Minuten am Boden, nur ein japsendes Bündel Mensch.

Dann hob er den Kopf. Er sah die Häuser, am Rande des Ortes die weiße Kirche mit dem kleinen Turm, in dem die Glocke hing. Alles sah so friedlich aus, umrahmt von grünen Büschen und blauem Himmel.

Der kleine Kerl rappelte sich auf. Er warf einen ängstlichen Blick hinter sich. Da war aber nichts zu sehen, außer der unendlichen Weite der Prärie. Warum war er nur so gerannt?

Schon hastete er weiter. Näher kam die Kirche, kamen die ersten Häuser, und da war auch schon die von Menschen bevölkerte Hauptstraße. Ein Hund sprang kläffend hinter ihm her.

Weiter, nur weiter ...!

Sheriff Corner saß gemütlich auf seiner Veranda. Das heißt, er lag in einem Sessel, die Beine hoch auf dem Holm, die Augen geschlossen.

Sein Gesicht glänzte von Schweiß. Das offene Hemd ließ die schwarzen Haare auf der Brust erkennen, eine Brust, die breit wie die eines Ochsen war. Seine Arme hingen schlaff herunter. Die Hände, leicht gekrümmt, hatten die Größe von Pferdehufen. Ein Schlag mit diesen Fäusten hatte schon oft Wunder gewirkt. Es gab Leute in Greenfield, die das schmerzvoll hatten lernen müssen.

Nachdem Al Johnsons Nase einer zerstampften Kartoffel und Mike Pearls Kinnlade einer zerbeulten Marmeladendose geglichen hatten, hatte keiner mehr den Mut aufgebracht, gegen den Sheriff aufzubegehren. Dabei hatte dieser Hüne ein durchaus zartes Gemüt! Er züchtete in seinem Garten Rosen, und in einsamen Stunden verfasste er sogar Gedichte.

Ein seltsamer Bursche, dieser Sheriff von Greenfield.

Als der Kleine die Stufen zu dem Vorbau heraufstürmte, öffnete Corner die Augen. Ein jämmerliches Bild bot sich ihm, und in seinem weichen Gemüt regte sich sofort das Mitleid. Hatte man je so etwas gesehen? Da stand der kleine Slim vor ihm, barfuß, in zerrissener Hose, das Hemd lose um die Hüften hängend und mit fliegendem Atem ...

»Hallo, Boy.« Der Sheriff nahm vor Verblüffung sogar die Füße vom Holm. »Wie siehst du denn aus? Willst du etwa zu mir?«

Der Kleine war nicht fähig, eine Antwort zu geben. Sein Atem ging so scharf, dass man Angst haben musste, sein schmächtiger Brustkorb würde platzen. Die Augen des Jungen sahen den Sheriff hilfesuchend an, aber sprechen? Nein, er konnte kein Wort herausbringen!

»Du darfst dich nicht so aufregen, Slim. Setz dich her und warte, bis du dich wieder beruhigt hast. Merke dir: Es kommt im Leben nur in ganz seltenen Fällen auf Sekunden an. Und für diese Ausnahmefälle muss man sich die Kraft aufsparen.«

»Es ... es ...« Weiter kam der Boy nicht.

»Hallo, Corner, was ist los? Ich habe Slim die Straße entlangfegen sehen. Dachte mir, da ist bestimmt was passiert.«

Ein Mann lehnte sich über den Holm. Er war sehr gut angezogen. Sein flacher, breitrandiger Hut sah sogar vornehm aus, und über seiner Weste baumelte an einer dicken Goldkette ein Anhänger, besetzt mit echten Steinen.

John Levis war der Besitzer der Tageszeitung von Greenfield, aber auch der Gläubiger vieler Menschen im Distrikt. Man hätte ihm getrost den Namen Geldverleiher geben können, wenn er sich das nicht selbst verbeten hätte.

»So, Sie dachten mal wieder, Mr. Levis. Ich merke, Sie sind den Ereignissen immer um eine Tageslänge voraus. Daher kommt es wohl auch, dass in Ihrer Zeitung Dinge stehen, die oft jeder Grundlage entbehren?«

»Was soll das heißen, Corner?« Auf der Stirn des mächtigen Zeitungsmannes schwoll eine Zornesader. »He, Sheriff, ich werde Sie ...«

»Meinetwegen. Tun Sie, was Sie nicht lassen können, Levis. Morning!« Corner nahm den kleinen Slim an der Hand und ging mit ihm ins Office. Die Tür knallte er heftig hinter sich zu. »So, Slim, ich denke, nun bist du wieder fit, was? Kannst du jetzt sprechen? Na, dann leg mal los.«

»Ich ... es ist ... ja, ich habe es selbst gesehen. Ich weiß nicht ...« Der Boy brachte vor Aufregung alles durcheinander.

»Halt, so geht das nicht! Wir wollen es mal anders anfangen. Wer hat dich hergeschickt?«

»Keiner, Sheriff! Ich bin allein losgelaufen, als ich sah, was die Männer machten. Sie haben mich aber nicht gesehen, weil ich im Baum saß.«

»Was für Männer? Woher kamen sie?«

»Ich kenne sie nicht. Es waren drei, sie kamen von Westen her. Daddy war auf dem Hof, als sie einritten. Ich konnte nicht verstehen, was sie sprachen, weil ich doch im Baum saß, und der steht ziemlich weit abseits. Dann hat auf einmal der mit der roten Jacke geschossen. Daddy fiel gleich um. Mom stürzte aus dem Haus, schrie um Hilfe und lief auf Daddy zu. Die Männer packten sie und gingen mit ihr ins Haus. Da bin ich losgelaufen, weil meine Mom so schrie.«

Nat Corner war aufgesprungen, warf sich knurrend den Gurt um die Hüften und stülpte sich den Hut auf den Kopf.

»Komm mit, Slim. Wir werden das sofort in Ordnung bringen.«

Der Sheriff nahm den Boy an der Hand und verließ das Office. Mit eiligen Schritten ging er die Straße hinunter. Die Bürger von Greenfield reckten die Hälse. Bei der Schmiede stand ein leichter Wagen. Eine junge, hübsche Frau saß darin.

Corner trat näher.

»Hallo, Miss Winter. Wollen Sie ausfahren?«

»Das will ich, Sheriff. Da ist ja auch Slim Potter! Du warst lange nicht mehr in der Schule, Slim. Was ist bei euch bloß los?«

»Würden Sie den Jungen mitnehmen, Miss Winter? Bringen Sie ihn auf andere Gedanken.« Corner klärte die junge Lehrerin mit wenigen Worten auf. Dann hob er Slim in den Wagen. »Fahren Sie aber nicht zu weit, Miss Winter. Ich weiß nicht, was ich von der Sache halten soll. Wohin soll es denn gehen?«

»Ich wollte nur mal Mary Brown besuchen, Sheriff. Es soll ihr nicht gut gehen. Warum fragen Sie?«

»Vielleicht wäre es besser, wenn Sie den Besuch verschieben würden? Kann man wissen, wohin sich die Kerle gewandt haben?«

»Ach, deswegen? Ich habe keine Angst, Sheriff. Außerdem bin ich bewaffnet.« Sie lachte übermütig.

»Bewaffnet? Kein Mensch trägt in Greenfield eine Waffe – nicht mal der Sheriff!«

»Ich sehe aber einen wunderschönen Colt an Ihrer Seite, Mr. Corner. Ist das etwa ein Spielzeug?«

»Ich muss mich eilen. Wünsche eine gute Fahrt.«

»Danke, Sheriff!« Die Frau schnalzte mit der Zunge. Der Braune zog an, und das leichte Gefährt setzte sich in Bewegung.

»Man wird mit ihr einfach nicht fertig«, murmelte Corner. »Immer hat sie das letzte Wort. Kein Wunder, sie hat es in der Schule ja auch nicht leicht.«

»He, Sheriff! Soll ich Sie begleiten? Ich hörte zufällig, was Sie Miss Winter erzählt haben. Da soll doch gleich der Teufel dreinfahren ...!«

»Okay, Jack. Wir reiten in fünf Minuten.«

Während der Sheriff dem Stall zustrebte, eilte der Schmied ins Haus. Noch im Gehen warf er den schweren Schurz von sich.

»Du hast ein seltenes Geschick, Gegenden ausfindig zu machen, die tatsächlich nur noch Umgegend sind. Jetzt reite ich nahezu schon siebentausend Tage durch die Staaten. Man sollte da meinen, man müsste so langsam jede windige Ecke kennen ... Aber nein, Freund Tom Prox findet immer noch windigere!«

Sergeant Patterson redete mal wieder, um sich zu zerstreuen. Er ritt neben dem Ghostchef am Ufer eines kleinen Flusses entlang.

»Ich kenne mich hier wirklich nicht aus. Nein, das kann...



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