E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Berlin Der Playboy und die schöne Ärztin
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7337-1948-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7337-1948-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wie demütigend war es für Grace, als Liam damals über ihre Verführungsversuche nur lächelte! Aber jetzt braucht er sie verzweifelt: Als Physiotherapeutin soll sie ihm wieder auf die Beine helfen. Jeder seiner Schritte geht in Richtung Heilung - und vielleicht in Richtung Liebe?
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1. KAPITEL
„Und nun kommt die größte Hürde …“, murmelte Liam Carter und stemmte sich mit einiger Mühe aus dem sehr bequemen Sofa in James Rothsbergs Büro in der Hollywood-Hills-Klinik.
„Welche Hürde?“, erkundigte James sich verwundert, nachdem er sich aus Höflichkeit ebenfalls erhoben hatte.
Wieso hatte er das gesagt? James brauchte schließlich nicht zu wissen, wie heikel Liams Plan war.
„Zu gehen“, erklärte Liam knapp und hoffte, dass James sich mit dieser Erklärung zufriedengeben würde.
„Ich kann Ihnen gern einen Rollstuhl holen lassen. Jemand vom Pflegepersonal könnte Sie nach unten in die Physiotherapie bringen.“
„Nein“, wehrte Liam lächelnd ab. Auch wenn er stark humpelte und sein Fuß höllisch wehtat, war er nicht bereit, sich diese Blöße zu geben. „Das schaffe ich schon.“
Es war acht Jahre her, seitdem er Grace das letzte Mal gesehen hatte, und er würde ihr auf Augenhöhe entgegentreten. Egal, wie schmerzhaft es war.
Vorsichtig ging er zur Tür, immer darauf bedacht, unter minimaler Belastung des verletzten Fußes die Balance zu halten.
James kam um seinen Schreibtisch herum und streckte Liam zum Abschied die Hand entgegen. „Machen Sie sich darauf gefasst, dass Grace Ihnen Krücken verpassen wird.“
Stirnrunzelnd sah Liam den Klinikdirektor an. Das durfte keinesfalls geschehen. Wenn irgendjemand ihn in einem Rollstuhl oder auch nur mit Krücken sah, würde diese Neuigkeit sich wie ein Lauffeuer verbreiten. Und es würde unweigerlich die Frage gestellt werden, ob er für das Projekt noch geeignet war.
Liam zwang sich zu einem Lächeln, schüttelte James’ Hand und wandte sich dann zur Tür. „Bestimmt gibt es einen Kompromiss. Grace war immer gut darin, kreative Lösungen zu finden.“
Das war sie wirklich gewesen, damals, als sie noch Freunde waren. Bevor ihre Freundschaft in dieser schrecklichen und zugleich unglaublichen Nacht abrupt zu Ende gegangen war.
Sie hatten viele schöne gemeinsame Jahre gehabt. Unschuldige Jahre, in denen Hormone noch keine allzu große Rolle gespielt hatten. Doch diese besagte Nacht sorgte dafür, dass ihr Wiedersehen alles andere als normal sein würde.
Aber er wollte unbedingt, dass Grace ihn behandelte …
Mit zusammengebissenen Zähnen humpelte er langsam in Richtung Fahrstuhl. Die Hollywood-Hills-Klinik machte ihrem Ruf wirklich alle Ehre. Alles wirkte sehr elegant und stilvoll. Allerdings war Liam nicht in der Stimmung, den Luxus zu bewundern.
Auch nach zwei Tagen und mit der besten Gipsschiene, die sein Assistent auftreiben konnte, durchzuckte ihn bei jedem Schritt ein stechender, nahezu unerträglicher Schmerz. Es kam ihm sogar so vor, als wären die Schmerzen in seinem Knöchel seit seinem kleinen Sportunfall noch schlimmer geworden. Doch obwohl es wirklich wehtat, ließ die Aussicht, Grace Watson nach all den Jahren wieder gegenüberzustehen, seine Schritte schneller werden.
Ob sie sich sehr verändert hatte? Oder war sie noch immer das schlanke, sportliche Mädchen von damals? Vielleicht war seine Nervosität vollkommen überflüssig. Acht Jahre waren eine lange Zeit. Es konnte gut sein, dass das Knistern zwischen ihnen sich schlicht und einfach in Wohlgefallen aufgelöst hatte.
Von Nick, ihrem Bruder, wusste Liam, dass Grace sich auf Physiotherapie spezialisiert hatte. Zu ihren Patienten gehörten mehrere Profisportler, die sie nach Verletzungen wieder fit machte. Bestimmt würde sie also auch ihm helfen können. Er musste sie nur überreden, es auch zu tun. Dafür war es absolut notwendig, dass er ihr letztes, desaströses Treffen nicht erwähnte. Inzwischen waren sie schließlich beide erwachsen, und Erwachsene blendeten ständig unerfreuliche Sachen aus.
Als der Fahrstuhl im Untergeschoss hielt, stieg Liam aus. Je näher die Begegnung mit Grace rückte, desto aufgeregter wurde er.
Er brauchte nur seine Rolle zu spielen. Eine Rolle, in der er so tat, als hätte sich das Bild von ihr in dieser schwarzen, sündhaft knappen Unterwäsche nicht für immer in sein Gedächtnis eingebrannt.
Unglaublich, dass es schon acht Jahre her war.
Er öffnete die Tür zu dem großen Behandlungsraum und wusste sofort, dass sie nicht da war. Er spürte es einfach.
Am anderen Ende des Ganges entdeckte er den Eingang zur Schwimmhalle. Falls Grace irgendwo in diesem Gebäude war, dann vermutlich dort.
In Südkalifornien waren Swimming-Pools nichts Ungewöhnliches, und er konnte sich noch gut daran erinnern, dass sie jede freie Minute in dem Pool im Garten ihrer Eltern verbracht hatte.
Langsam näherte er sich dem Beckenrand und entdeckte sie sofort. Gerade hatte sie eine Bahn beendet und wendete unter Wasser. Obwohl er das Gesicht der Schwimmerin nicht erkennen konnte, wusste Liam mit absoluter Sicherheit, dass es Grace war. Ihre Bewegungen waren ihm noch genauso vertraut wie damals. Mit anmutigen, aber dennoch kräftigen Bewegungen schwamm sie in die entgegengesetzte Richtung.
Wie eine Meerjungfrau.
Er schüttelte den Kopf und bemerkte, dass er trotz seiner Nervosität lächelte. Zumindest das hatte sich nicht geändert.
Vielleichte würde ja alles so sein wie früher, und Gracie streckte ihm gleich ihre Hand entgegen, damit er ihr aus dem Wasser half. Natürlich nur, um ihn dann mit einem Ruck zu sich ins Becken zu ziehen.
Eine weitere Wendung, und sie kam wieder auf ihn zugeschwommen. Noch hatte sie ihn nicht entdeckt, und so trat Liam einige Schritte zurück, um sie nicht zu überrumpeln. Die guten alten Zeiten waren schließlich vorbei.
Er sah, wie sie sich am Beckenrand festhielt, und hörte ihren keuchenden Atem. Anscheinend hatte sie bemerkt, dass sie nicht mehr allein war, denn während sie aus dem Wasser stieg, blickte sie sich suchend um.
Liam stockte der Atem. Grace hatte ihre Schlaksigkeit verloren und stattdessen verführerische Kurven bekommen. Ihre Haut war sonnengebräunt und glänzte golden, und ihr schwarzer Bikini sah fast genauso aus wie die Unterwäsche, die sie an jenem Abend getragen hatte.
Als ihre Blicke sich trafen, ließ Grace sich wieder ins Becken zurückfallen. Eine Wasserfontäne spritzte auf – und dann herrschte Stille.
„Grace?“
Hatte sie sich etwa verletzt? War sie mit dem Kopf auf den Boden geknallt? Das Wasser war sicher nicht sonderlich tief. Besorgt humpelte Liam zum Beckenrand.
Dank ihres jahrelangen Trainings und ihrer Selbstbeherrschung gelang es Grace, sich so weit zu beruhigen, dass sie beim Abtauchen nicht panisch das Chlorwasser einatmete.
Diese breiten Schultern.
Das dunkle Haar.
Und dann diese kristallblauen Augen.
Liam Carter.
Was zum Teufel machte er hier?
Sie zog sich erneut am Beckenrand hoch und rollte sich nach Luft schnappend zur Seite. Bestimmt sah sie gerade wie ein Walross aus.
Wie ein Walross im Bikini.
Verglichen mit ihrem letzten Zusammentreffen war aber selbst dieser unvorteilhafte Anblick harmlos.
Oje, ihr letztes Zusammentreffen …
Plötzlich war sie wieder ein achtzehnjähriges College-Girl, das gerade die Blamage seines Lebens hinter sich hatte. Am liebsten hätte sie sich wieder ins Schwimmbecken fallen lassen. Für immer.
Bevor ihre Schamesröte vom Gesicht auf den restlichen Körper überging, sprang sie auf und schnappte sich ein Handtuch, das sie wie einen Schutzschild um ihren Körper wickelte.
Das alles konnte einfach nicht wahr sein.
Vielleicht hatte sie Halluzinationen. Eine Chlorvergiftung oder so etwas. Wahrscheinlich Sauerstoffmangel. Ja, das musste es sein.
Sie brauchte sofort eine Sauerstoffmaske.
Alternativ konnte sie auch einfach verschwinden. Möglichst schnell, bevor er ihre Panik bemerkte. Oder ihre Narben. Narben, die unmissverständlich zeigten, wie dumm sie gewesen war.
Dabei wollte sie ihn so gern glauben lassen, dass sie die Katastrophe halbwegs unbeschadet überstanden hatte. Er hatte sie danach ja nicht einmal im Krankenhaus besucht. Nicht, dass sie das gewollt hätte …
Abwehrend hob er seine Hände, doch sein Blick verriet, dass er besorgt war. Besorgt und betroffen. Sie hatte diesen Blick schon einmal gesehen. Das gleiche Stirnrunzeln, die gleiche Haltung. Allerdings in einer anderen Situation …
Und sie trug mehr oder weniger das gleiche peinliche Outfit.
Wie traurig, dass diese albtraumhafte Situation nicht nur ein Resultat von Sauerstoffmangel war.
„Es geht dir gut.“
Es war eine Feststellung, keine Frage.
„Ich wollte dich nicht erschrecken. Aber ich war gerade hier, und da dachte ich … Na ja, ich wollte kurz Hallo sagen.“
Während er sprach, ging er rückwärts in Richtung Ausgang, wobei er sich ungefähr so graziös bewegte wie Grace bei ihrem ersten Versuch, aus dem Pool zu steigen. Es war nicht zu übersehen, dass er den einen Fuß viel stärker belastete als den anderen.
Grace knotete das Handtuch über ihrer Brust fest und betrachtete dann interessiert seine Füße. Nicht nur, weil sie den Grund für sein Humpeln herausfinden wollte, sondern vor allem, weil sie so vermeiden konnte, ihn direkt anzusehen.
Sofort fiel ihr auf, dass sein rechtes Fußgelenk in einer Schiene steckte.
Sie räusperte sich, um den Kloß in ihrem Hals loszuwerden. „Normalerweise bist du ein besserer Schauspieler, oder?“
Sie verschränkte die Arme vor ihrer Brust, als wollte sie sich noch besser vor seinen Blicken schützen. Oder als wollte sie verhindern,...




