E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: CORA Verlag
Berlin Die heilenden Küsse des griechischen Arztes
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7337-1775-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: CORA Verlag
ISBN: 978-3-7337-1775-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Erdbeben erschüttert Mythelios: Die schöne Ärztin Erianthe will den Menschen auf der griechischen Insel helfen - und läuft Dr. Ares Xenakis in die Arme! Das Wiedersehen mit ihm reißt eine tiefe Wunde in ihrem Herzen auf. Kann Ares sie mit zärtlichen Küssen endlich heilen?
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1. KAPITEL
Das letzte Mal, als Dr. Erianthe Nikolaides auf ihrer Heimatinsel war, war sie gerade sechzehn Jahre alt gewesen. Außerdem schwanger und verraten von dem Jungen, den sie geliebt hatte. Jetzt, zehn Jahre später, kam sie nur deshalb zurück, weil ihr Adoptivbruder sie nach dem Erdbeben auf Mythelios darum gebeten hatte.
Theo hatte alle hierher zurückgerufen, um in der Klinik mitzuhelfen, die die einzige medizinische Versorgungseinrichtung der Insel darstellte. Allerdings hatte er auch darauf bestanden, dass Erianthe zuerst ihre Facharztprüfung ablegte, bevor sie seinem Ruf folgte. Daher hatte sich ihre Ankunft etwas verzögert.
In der Julihitze klebte ihr das dunkle Haar am Nacken. Auf dem Weg zu dem hübschen dreistöckigen Gebäude, in dem sich die Klinik von Mythelios befand, wurde jeder Schritt zu einer kraftraubenden Anstrengung. Ihre Knie waren wackelig, und sie schaffte es kaum, ihre Koffer die Straße hinaufzubugsieren. Bestimmt lag es nur an der Hitze und nicht an der Vergangenheit und den damit verbundenen Geheimnissen. Und auch nicht an dem schweren Stein, der ihr im Magen zu liegen schien, weil sie wusste, dass es außer Theo noch einen anderen Mann gab, dem sie heute begegnen würde.
Ares Xenakis war genau wie Erianthe nach Hause gerufen worden. Theo hatte der gesamten Clique Bescheid gesagt. Die Sprösslinge der reichen Partner der Mopaxeni-Reederei, als Kinder vernachlässigt, bis sie etwas falsch gemacht hatten. Vier Männer, die den Klinik-Betrieb finanzierten und teilweise auch selbst hier mitarbeiteten. Und nun auch Erianthe, die außer ihren beruflichen Fähigkeiten nichts zu bieten hatte. Schon vor vielen Jahren hatte sie jeden Kontakt mit ihren Eltern abgebrochen und damit auch auf ihren Treuhandfonds verzichtet. Erst letzte Woche war ihre Facharztausbildung offiziell beendet gewesen.
Geräuschvoll klappernd, schob sie sich durch den Haupteingang, denn es war nicht leicht, ihre beiden Trolleys gleichzeitig zu manövrieren. Ein Rad blieb am Türrahmen hängen, sodass der große Koffer eingeklemmt wurde, als die Tür sich hinter ihr schloss. Na super. Es wäre doch zu schön, wenn wenigstens ein Teil dieser Reise glattgehen würde.
Energisch zog sie an dem Koffer, bis er sich so plötzlich löste, dass sie rückwärts ins Foyer der Klinik stolperte. Nur mit Mühe unterdrückte sie einen lauten Fluch. Als Erianthe sich umdrehte, waren die Augen aller Anwesenden in dem vollen Anmeldebereich auf sie gerichtet. Und zwar mit einem Ausdruck, als würden die Leute erwarten, dass ein solcher Krach auch mit entsprechendem Unheil verbunden wäre.
Fast hätte Erianthe angefangen zu lachen. Das einzige Unheil, das sie je auf Mythelios verursacht hatte, betraf nur sie selbst. Sie hatte dem falschen Jungen vertraut und war nicht sofort weggelaufen, als ihr Vater das Wort „Kloster“ ausgesprochen hatte.
Schlagartig schwand ihr Bedürfnis zu lachen. Dennoch setzte sie ein Lächeln auf, damit sie bei ihren zukünftigen Patienten einen möglichst freundlichen Eindruck erweckte.
Sie hatte eine Woche Zeit gehabt, um sich auf das Wiedersehen mit Ares vorzubereiten, und darauf, ihren Eltern über den Weg zu laufen. Inzwischen war sie nicht mehr von diesem maßlosen Zorn erfüllt, der damals ihre Rachefantasien beflügelt hatte. Mittlerweile wusste sie nicht mehr, was sie sagen oder fühlen sollte. Zehn Jahre waren eine lange Zeit.
Konzentrier dich auf heute.
Die Eingangstür schwang zu und verbannte die glühende Hitze, an die Erianthe nach all den Jahren in England nicht mehr gewöhnt war.
Sie rieb sich die Nasenwurzel und atmete tief durch. Nein, sie musste sich auf diese Sekunde, diese Minute konzentrieren. Keiner der drei Verräter von damals war im Moment hier. Also brauchte sie sich auch nicht zu überlegen, wie sie mit ihnen umgehen sollte.
„Dr. Nikolaides.“
Vor ihr stand eine Frau, die ihr zulächelte und die Hand nach dem größeren Trolley ausstreckte. Mit der anderen Hand lotste sie die von der Reise sichtlich mitgenommene neue Ärztin zu einem Zimmer in der Nähe.
„Ihr Bruder hat gerade einen Patienten. Also bitte, ruhen Sie sich hier ein bisschen aus. Ich schicke ihn dann gleich zu Ihnen.“ Sie knipste das Licht an.
Nun konnte Erianthe das kleine Büro erkennen. Die Frau wirkte freundlich, aber bestimmt, und hatte auch etwas Mütterliches an sich. Ihr schwarzes Haar war von einigen silbrigen Strähnen durchzogen, was ihr eine gewisse Würde verlieh. Und ihr ruhiger Tonfall strahlte etwas Tröstliches aus.
Erianthe fühlte sich etwas besser. Nicht mehr ganz so, als würde sie vom Himmel in die staubigen Felsen hier hineingepresst.
Die Frau sagte noch etwas von Kaffee, ehe sie hinausging. Danach ließ Erianthe sich auf den Drehsessel sinken.
Petra. Ach ja, das war ihr Name.
Reiß dich zusammen, ermahnte sie sich streng. Petra. Die großartige Klinik-Managerin, von der Theo so oft begeistert erzählte.
Das glatte Leder des Sessels, das sie durch ihre dünne Leinenhose spürte, wirkte angenehm kühlend. Erst da merkte Erianthe, wie sehr ihr Kopf dröhnte. Vermutlich schon eine ganze Weile.
Durch die offene Tür schaute sie auf den Flur. Dabei zählte sie ihre tiefen Atemzüge, bis die Erinnerungen, die sie seit Theos Anruf überfluteten, allmählich etwas in den Hintergrund traten. Es war diese starke Willenskraft, die sie damals auch durch die ersten Monate ihrer Verbannung getragen hatte.
Auf einmal wurde der Anmeldebereich durch einen breiten Lichtstrahl erhellt, unterbrochen von einem unförmigen Schatten, als die Tür sich wieder schloss. Es folgten ein angestrengtes Stöhnen und dann ein Ruf nach Hilfe von einer rauen Männerstimme. Alle Leute, die im Foyer warteten, blickten beunruhigt durch die Bürotür zu Erianthe.
Da draußen gab es niemanden, der helfen konnte. Und sie war schließlich Ärztin. Ihre Schwäche von eben verschwand, und Erianthe eilte hinaus.
Ein Mann kauerte auf dem Fußboden neben einer schwangeren Frau, die sich schwer auf ihre linke Seite lehnte, während sie mit der anderen Hand gegen die rechte Seite ihres gewölbten Bauches drückte. Sie war vielleicht im sechsten oder siebten Monat.
Erianthe kniete sich neben die Frau, stellte sich vor und fragte den Mann: „Ist sie hier hingefallen?“
„Nein, ich habe sie hingesetzt. Sind Sie die Baby-Ärztin?“, fragte er.
Baby-Ärztin. Offenbar hatte Theo ihnen von ihr erzählt.
„Ja, ich bin Geburtsmedizinerin. Sagen Sie mir, was passiert ist.“
In diesem Augenblick kehrte Petra mit einem dampfenden Becher und einem Teller in der Hand zurück. Als sie Erianthe neben der Patientin knien sah, stellte sie beides schnell auf dem Anmeldetresen ab und lief los, um einen Rollstuhl zu besorgen.
Zu dritt gelang es ihnen, die Schwangere in den Rollstuhl zu befördern. Dann führte Petra alle zu dem kleinen Raum, in dem Erianthe gerade gesessen hatte, ehe sie davoneilte, um die Patientenakte und Material zu holen.
„Haben Sie Schmerzen?“, erkundigte sich Erianthe.
Die Patientin nickte und drückte wieder gegen ihre rechte Seite.
„Wann haben die Schmerzen angefangen? Und können Sie beschreiben, wie sich der Schmerz anfühlt?“
Obwohl der Frau das Sprechen schwerfiel, konnte Erianthe herausbekommen, dass es sich sehr wahrscheinlich nicht um eine Geburtssituation handelte.
„Tut es mehr weh, wenn Sie auf der rechten Seite liegen?“ Sie prüfte den Puls der Patientin, während sie zuhörte, wie diese ihre Symptome beschrieb: Verstärkte Übelkeit, aber erst, nachdem die Schmerzen begonnen hatten, die auch mit einigen Verdauungsproblemen einhergingen.
In diesem Moment kam Petra mit einer Krankenschwester im Schlepptau zurück. Ein bekanntes Gesicht.
„Cailey!“
Erianthe hatte ihre gute Freundin von früher nicht mehr gesehen, nachdem sie die Insel verlassen hatte. Damals hatten sie sich angefreundet, weil Caileys Mutter als Haushälterin der Nikolaides gearbeitet hatte. Erianthe hatte Cailey immer vermisst, war jedoch nicht imstande gewesen, mit irgendjemandem von zu Hause zu reden und gleichzeitig ihre Geheimnisse zu wahren.
Eigentlich konnte sie es auch jetzt nicht. Am liebsten hätte sie ihr sofort alles erzählt, um endlich reinen Tisch zu machen. Doch ein solches Geständnis würde nur noch größeren Schaden anrichten.
Außerdem war kaum Zeit für eine richtige Begrüßung, geschweige denn für ein ausführliches Geständnis. Also lächelte sie Cailey nur schnell an, ehe sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Patientin richtete.
„Ich brauche Temperatur und Blutdruck. Sieht nach einer Blinddarmentzündung aus. Haben wir auch einen richtigen Untersuchungsraum? Und bildgebende Geräte?“, fragte Erianthe. „Ich möchte gerne ein paar Tests durchführen. Es gibt hier doch ein Labor, oder?“
„Blinddarmentzündung?“ Die brüchige Stimme des Mannes zeigte die Sorge um seine Frau.
„Wir werden sie sehr gründlich untersuchen“, antwortete Erianthe. „Dann wissen wir mehr darüber, wie wir sie behandeln müssen. Wie lange hat sie die Schmerzen schon?“
Innerhalb der nächsten Minuten bestätigte Cailey eine leicht erhöhte Temperatur bei der Patientin, die auf eine Entzündung hindeutete. Und der Ehemann berichtete, dass seine Frau eine Nacht mit immer stärker werdenden Schmerzen hinter sich hatte.
„Wer ist der Chirurg an der Klinik?“, wollte Erianthe wissen.
„Dr. Xenakis hat die meiste Erfahrung“, erwiderte Cailey.
Obwohl sie so...




