Berlin | Schlaflose Nächte unter dem Wüstenmond | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 252021, 144 Seiten

Reihe: Julia

Berlin Schlaflose Nächte unter dem Wüstenmond


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7515-0937-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 252021, 144 Seiten

Reihe: Julia

ISBN: 978-3-7515-0937-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Scheich Khalil ist eine Herausforderung für Schlaftherapeutin Adalyn, dabei hat sie schon einige schwierige Klienten gehabt. Aber Khalil wird nicht nur von schrecklichen Albträumen verfolgt, er ist auch verboten sexy. Allein mit ihm unter dem Wüstenmond kann sie die erotische Spannung zwischen ihnen bald immer weniger ignorieren. Nach einer unvergesslichen Liebesnacht muss sie sich eingestehen, dass sie ihr Herz an Khalil verloren hat. Doch sie spürt auch: Sein dunkles Geheimnis quält ihn so sehr, auf Dauer kann er keine Nähe zulassen ...

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1. KAPITEL


Wie ein winziges Schiff auf hoher See schwankte Doktor Adalyn Quinns Hubschrauber im peitschenden Wüstenwind, bevor er mehrere Meter in die Tiefe sank. Dort hielt er inne, geriet erneut ins Taumeln und verlor weiter an Höhe.

Er fing sich jedoch ein zweites Mal und nahm schaukelnd seine Route wieder auf, während Adalyn, die kaum noch wusste, wie sie ihre Angst unter Kontrolle halten konnte, die Fingernägel in das Sitzpolster des Passagiersitzes grub, bis es schmerzte.

Wieder und wieder wurde ihr Oberkörper durch die starken Auf- und Abwinde nach vorne gestoßen, und der Sicherheitsgurt schnitt mit jedem Mal tiefer in die Haut auf Adalyns Hüften und ihrem Oberkörper.

Obwohl der Gurt sich mittlerweile anfühlte wie ein Messer, war es beruhigend, ihn zu spüren. Denn so gab es wenigstens die kleine Hoffnung, dass irgendetwas sie vor dem sicheren Tod bewahren konnte, wenn sie abstürzten.

Keiner der zahllosen Tipps, die ihr älterer Bruder ihr gegen die Flugangst gegeben hatte, mit der sich Adalyn seit Jahren herumplagte, fiel ihr jetzt noch ein. Doch Jamison hatte ohnehin nie ganz verstanden, wie seine Schwester in einem kalten, schwarzen Abgrund aus Angst versinken konnte, wenn sie auch nur an eine Flugreise dachte. Und wahrscheinlich würde sie ihm niemals erzählen können, wie schrecklich der Hubschrauberflug gewesen war, zu dem er sie überredet hatte.

Weil sie entweder ihr Leben verlieren würde oder ihren Verstand.

Jay hatte versucht, ihr Mut zuzusprechen, indem er permanent wiederholt hatte: „Nimm deine Medikamente gegen Angstzustände, und dann wag dich endlich einmal aus deinem Schneckenhaus hervor!“

Doch mutig genug zu sein, ihre kleine Welt zu verlassen, nur um heute einen grausamen Tod zu sterben? Das war nicht schön.

Wenigstens kam ihr durch die Beruhigungsmittel alles so vor, als würde sie diese schrecklichen Minuten der Angst nur in einem Film erleben. Ihr benebeltes Bewusstsein musste erst wieder funktionieren, wenn es galt, aus dem brennenden Wrack des Hubschraubers zu flüchten – vorausgesetzt, dass Adalyn dann noch lebte.

Sie beschloss, sich diesen Gedanken nicht früher als nötig zu widmen, und verlor sich stattdessen in ihrer wahrscheinlich letzten Erinnerung an ihren Bruder. Gemeinsam hatten sie vorgestern auf ihrem Balkon gestanden, und Adalyn hatte seine Statistik in Zweifel gezogen, laut derer weltweit höchstens 0,005 Prozent aller Hubschrauber abstürzten.

Unsinn! Diese Dinger waren aus Metall. Und Metall konnte nicht fliegen, sondern musste den Gesetzen der Schwerkraft zufolge abstürzen. Und auch wenn der Großteil von Adalyns Flug komplikationslos verlaufen war – jetzt, auf der letzten Etappe ihrer Reise, würde die unvermeidliche Katastrophe geschehen. Hier über der Wüste – Welten von Adalyns sicherem und ruhigem Leben entfernt.

Ihr Magen krampfte sich zusammen, als sie ein paar weitere Meter in die Tiefe stürzten. Bald würden sie auf dem Boden aufschlagen.

Doch dann erklang über ihre Kopfhörer die blecherne Stimme des Piloten, der die bevorstehende Landung am Flughafen des Königreichs Merirach ankündigte. Keinen Absturz – sondern eine tatsächliche Landung!

Würde Adalyn noch einmal von ihrem schlimmsten Albtraum verschont bleiben? Von der Gewissheit, dass man ihren leblosen Körper unter Wrackteilen auffinden würde? Nach ihren langen Minuten der Todesangst war sie nicht ganz sicher, ob sie sich die Worte des Piloten nur eingebildet hatte. Hatte er wirklich laut ausgesprochen, was sie sich in diesem Moment mehr wünschte als irgendetwas sonst?

Und dann fühlte sie es. Der Hubschrauber berührte den Boden und kam dann mit einem leichten Ruck zum Stillstand.

Adalyn kämpfte mit dem Verschluss ihres Gurtes, als sie versuchte, sich zu befreien, um der fliegenden Todesfalle zu entkommen. Um bei ihm zu sein. In Sicherheit.

Sie hatte eine Regel, was die Idee betraf, ihr Leben oder Wohlbefinden in die Hände eines anderen zu legen. Eine wirklich einfache Regel: Tu so etwas nicht! Aber jetzt gerade tröstete es sie zu wissen, dass jemand auf sie wartete, um sie auf sicherem Boden in Empfang zu nehmen.

Jays bester Freund.

Der, den sie nie kennengelernt hatte, weil sie nicht reiste. Der, zu dem Jamison sie dennoch geschickt hatte, weil dieser Freund ihre Hilfe benötigte.

Sicher würde er sie am Flughafen abholen und sie dann zu einem nahegelegenen Hotel bringen, wo sie die Proteinriegel essen konnte, die sie zur Aufrechterhaltung einer gesunden Ernährung in der Wüste mitgebracht hatte. Wo sie Wasser trinken könnte, das sie vorher mit speziellen Tabletten von Bakterien reinigen würde. Und wo sie mit Schaumstöpseln in den Ohren im Dunkeln sitzen konnte – um sich endlich wieder von der Außenwelt abzuschotten.

Sie würde sich ausruhen.

Schlafen.

Schlaf war das, was sie dringend brauchte. Schlaf und Zeit für sich allein auf festem Boden. Wenn sie das alles hätte, würde es ihren Blutdruck so weit senken, dass ihr Herz wieder normal schlug. Endlich.

„Tür“, bat sie atemlos, während sie sich die Kopfhörer von den Ohren zog, um sie zurück an die Armlehne ihres Sitzes zu hängen. Und dann flehte sie regelrecht: „Tür.“

Warum war sie noch immer hier eingeschlossen?

Sie musste ganz dringend raus.

Morgen würde sie ihren Patienten offiziell kennenlernen, eine erste Diagnose und einen Behandlungsplan erstellen und dann wieder aus dieser Wüste verschwinden.

Ende des Abenteuers.

Das Einzige, was sie von diesem Hubschrauber in positiver Erinnerung behalten würde, war der abgedunkelte Innenraum. Keiner konnte hier ihren Gesichtsausdruck sehen. Sie brauchte sich keine Mühe geben, um ihre Angst zu verbergen, so wie sie es bei den seltenen Gelegenheiten, zu denen sie öffentliche Verkehrsmittel nutzte, getan hatte.

Das Letzte, was sie wollte, war ihre Probleme öffentlich zur Schau stellen und Gefahr zu laufen, dass man sie als hysterisch bezeichnete – denn das war eines der beleidigendsten Dinge, die man ihr je an den Kopf geworfen hatte.

In den ersten Monaten nach dem Autounfall, der ihr ganzes Leben verändert hatte.

Außerhalb des Hubschraubers sorgten ringartig aufgestellte Geländewagen mit ihren Scheinwerfern für die einzige Lichtquelle weit und breit, abgesehen von den blinkenden Signallichtern auf dem Hubschrauberdach.

Obwohl sie seit Ewigkeiten nicht gereist war, wusste sie, wie ein Flughafen nachts normalerweise aussah. Landebahnen. Gesäumt von Scheinwerfern. Ein großes Gebäude mit vielen Menschen darin. Viel Licht.

Hier gab es nur Dunkelheit und die Autos. Und Adalyn wurde klar, dass sie in ein weiteres gefährliches Fahrzeug einsteigen musste, um ihr Hotel zu erreichen.

Sie hätte es ahnen müssen.

Jay hatte ihr von dem Bürgerkrieg erzählt, der das Königreich Merirach bis vor zwei Monaten erschüttert hatte. Von den Ölquellen, die Rebellen für sich beanspruchen wollten, um das schwarze Gold an Industrienationen zu verkaufen. Von der Ermordung des Scheichs Arash und seiner Frau, nachdem sich die königliche Familie der Ausbeutung von Merirachs Bodenschätzen widersetzt hatte. Davon, dass Jays bester Freund Khalil Al-Akkari seinem Bruder nun in der Rolle des Staatsoberhauptes folgen musste. Und von den Schlafschwierigkeiten des neuen Herrschers von Merirach.

Adalyn, die stets ein riesiger Fan von Erzählungen über ferne Länder gewesen war, hatte ihrem Bruder wie gefesselt zugehört. Immer wieder hatte sie ihn um neue Details der ebenso tragischen wie faszinierenden Geschichte gebeten. Und so hatte sie erfahren, dass Khalils Vater bis vor wenigen Jahren der Herrscher über das wohlhabende Königreich Al-Akkari gewesen war, das er mit dem Tag seines Abdankens an seinen ältesten Sohn Malik vererbt hatte. Khalils Mutter war bis zum Tag ihres Abdankens die Herrscherin über ein eigenes kleineres Königreich gewesen – Merirach. Ein Land, das ebenso wohlhabend war wie Al-Akkari, doch zudem landschaftlich mit dem Paradies verglichen werden konnte. Denn neben endlosen weißen Sandwüsten mit hohen Ölvorkommen gab es im Bereich der Hauptstadt riesige grüne Oasen mit den schönsten exotischen Pflanzen. Mit dem Abdanken der Mutter war Merirach an den zweitältesten Königssohn Arash vererbt worden.

Ihr Bruder hatte Adalyn auch erzählt, dass Khalils Eltern in den Ruhestand gegangen waren, um ihre letzten Lebensjahre ohne den Zwang royaler Pflichten verbringen zu können. Denn nach allem, was Jay von Khalil gehört hatte, vereinnahmten diese Pflichten in Wüstenkönigreichen das komplette Leben eines Herrschers.

Khalil, der jüngste Königssohn, war nie dazu bestimmt gewesen, der Thronfolger in einem der Königreiche zu sein. Er hatte sich wie Jay für ein Medizinstudium entschieden, was immer sein Traum gewesen war. Nach den gemeinsamen Harvard-Jahren mit Jay war er in seine Heimat Merirach zurückgekehrt, wo er im Klinikum der Hauptstadt als angesehener Arzt gearbeitet hatte. Bis zu dem Tag, als das Schicksal sein Leben aus der Bahn warf. Und so war nicht nur die Tatsache, dass Adalyns Bruder sie um Hilfe für einen Freund gebeten hatte, der Grund, warum Adalyn jetzt hier war. Es war vor allem die bewegende Geschichte dieses Freundes, die Adalyn dazu gebracht hatte, ihre eigene kleine Welt zu verlassen.

Und das alles bereute sie in diesem Moment zutiefst.

Doch bevor sie weiter über ihre verhängnisvolle Situation nachdenken konnte, glitt die...



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