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E-Book, Deutsch, 298 Seiten

Bermeiser Sophialogie

Von der Wissenschaft zur Wissenheit
2. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7534-5016-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Von der Wissenschaft zur Wissenheit

E-Book, Deutsch, 298 Seiten

ISBN: 978-3-7534-5016-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wenn eine analytische Herangehensweise nicht ausreicht, um Lösungen für die Herausforderungen unserer modernen Welt aufzuzeigen, auf welcher Grundlage werden wir unsere Entscheidungen zukünftig treffen? Weltbewegende Ereignisse wie die Corona-Krise verdeutlichen, dass auch die Wissenschaft an ihre Grenzen stößt. Um diese Grenzen zu überwinden sind innovative Formen des Denkens und Handelns notwendig. Der Sophialoge Dr. Martin Bermeiser wagt sich in diesem Buch an die Herleitung einer nächsthöheren Wissensdimension - die Wissenschaft und Weisheit verknüpfende "Wissenheit". Jene basiert auf einer weltschätzenden Denkweise, die wissenschaftliche Befunde keineswegs ignoriert, sie vielmehr dank einer ganzheitlichen Weltsicht zu einem weisheitsgeleiteten Ansatz vereint.

Der Autor sammelte nach seinem betriebswirtschaftlichen Studium langjährige Erfahrungen im Management und Consulting mittelständischer Unternehmen. Seit seiner Promotion zum Dr. phil. im Jahr 2017 widmet er sich intensiv dem Mentoring, der Förderung der seinerseits hergeleiteten holistisch geprägten Rhetorik sowie der Erforschung und Popularisierung der Weisheit, zu der entgegen landläufiger Meinung grundsätzlich jede(r) befähigt ist. Auf der Basis seiner fundierten Kenntnisse und Berufserfahrung konzipierte er zusammen mit der Frau an seiner Seite, Marion Bermeiser, das Format "Lebensmeisterei", um Menschen bei deren Entfaltung zur gereiften, authentischen und charismatischen Persönlichkeit zu begleiten und zu fördern. Da sie nicht nur Lebenspartner, sondern auch ein beruflich erfolgreiches Gespann sind, bündelten sie in 2019 ihre Kompetenzen in der MB Coaching-Training-Mentoring GbR mit dem Anspruch, das Weisheitspotenzial selbstbestimmungswilliger Menschen zu aktivieren.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Jean Paul

II. Weisheit


Weisheit – welch erhabenes, erhabenheitskonformes Wort. Ein Wort, das ein Flair der höchstmöglichen menschlichen Bewusstseinsstufe ausstrahlt. Ein Wort, das höchsten Respekt einflößt und vorbehaltlos positiv konnotiert ist. Wer als weise bezeichnet wird, dem zollt man höchste Wertschätzung, der ist frei von Kritik, Respektlosigkeit, Herabwürdigung, Diffamierung, Diskriminierung, Verachtung, Häme, Nachrede, Rufmord und jenem, was es sonst noch an Verächtlichem gibt. Man könnte konstatieren, dass Weisheit das Höchste sei, was ein Mensch auf unserem Planeten zu erreichen vermag, dass Weise die angesehensten und daher meistbegünstigten Menschen sind, Glückseligkeit zu erfahren. Doch nicht nur aus meiner Sicht besteht ein wesentliches Charakteristikum der Weisheit gerade darin, vom/n Urteilen und damit vom Bedürfnis nach Beurteilung der eigenen Person durch Dritte (z. B. vom Nimbus) frei zu sein. Urteile teilen, wie das Wort schon sagt, das Urganze auf und setzt die Teile damit dem Vergleich aus. Das Präfix »Ur-« kennzeichnet etwas als Ausgangspunkt, als am Anfang liegend. Der Ausgangspunkt unseres Urteilsvermögens stellt demnach etwas Ganzes, quasi das sogenannte »große Ganze« dar. Wir urteilen nicht, weil wir Menschen das im (Ur)Grund(e) unteilbare Eine, das große Ganze, den Urgrund, das Wesen aller Dinge zu teilen vermögen, sondern weil wir anderenfalls orientierungslos im Chaos versänken. Der chinesische Begriff (? ??) gibt den Aspekt einigermaßen nachvollziehbar wieder:

„Wuji (????) ist ein Begriff aus der chinesischen Philosophie. Er ist übersetzbar mit ‚Unendliches‘, ‚Gipfel des Nichts‘ oder das ‚Nicht-Höchste‘. Wuji kann als Beschreibung eines undifferenzierten Zustands des Universums aufgefasst werden, der reine Potentialität darstellt, noch keine voneinander unterschiedenen Objekte enthält und zugleich Ursprung aller Objekte ist. Wuji verweist also auf einen gestaltlosen Ur-Grund, zu dem alles auch wieder zurückkehrt. Wuji ist unsichtbar, unbedingt, grenzenlos, eigenschaftslos und unfassbar. In seiner undifferenzierten Absolutheit ist das Nicht-Höchste zugleich die höchste Leerheit, die schon vor allem Seienden da war. Das Wu (das Nichts) geht allem Seienden als metaphysische Ebene voraus, denn das Seiende nimmt seinen Anfang notwendig im Nichts. Letztlich kann alles auf das Wuji zurückgeführt werden.“81

Die chinesische Weisheitslehre bezieht in diesen Zusammenhang die Begriffe Taiji (???? – das Allerhöchste) sowie Yin (weibliches Prinzip) und Yang (männliches Prinzip) ein. Yin und Yang sind im Taiji eins. Taiji ist ein – logischerweise ebenfalls undifferenziertes – strukturierendes Prinzip, das die Ganzheit der menschenseits vorgenommenen Auf-Teilung in einzelne Dinge prägt. Es entspricht der Urkraft aller kosmischen Manifestationen, die aus der Leerheit des Wuji zutage tritt. Wuji ist dem Taiji vorgeordnet. Das Taiji entspringt dem Wuji, dem Gipfel des Nichts. Als Symbol des Wuji, der ursprünglichen Einheit allen Seins, dient traditionell ein leerer Kreis. Er versinnbildlicht sowohl die Leerheit, aus der die Fülle der Schöpfung hervorgeht, als auch deren formale (»Leere ist Form und Form ist Leere«82) Absolutheit. Für jene, die sich auf ihrem Erkenntnisweg ihrer Intellektualität und Emotionen nicht ent-leeren, bleibt Wuji lediglich ein abstrakter Begriff. Wuji lässt sich am ehesten über praktizierte Meditation erfahren.83 Doch was geschieht, wenn wir Wuji und Taiji gleichsam gekostet haben?

1 Wuji-Taiji-Erfahrung

Wer noch nie meditierte, dürfte sich ohne Inspiration und Begleitung durch praxisorientierte »Lebensmeister« mit der Aktivierung seines Weisheitspotenzials schwertun. Das liegt daran, dass bislang von keiner öffentlichen Bildungseinrichtung so etwas wie eine Sophialogie angeboten wird und wir daher nicht ohne guten Grund zeitlebens von weisheitsbezogenem Denken und Handeln verschont bleiben, d. h. ferngehalten werden. Der »gute« Grund besteht darin, dass die Weltordnung, so wie sie seit Menschengedenken, mithin seit unserer Geschichtsschreibung, gestaltet worden ist, Weisheit nicht für opportun bzw. regelkonform hält. Lernte die Menschheit bereits in der Grundschule neben dem Lesen, Schreiben und Rechnen ihre angeborene Weisheitsbegabung zu aktivieren und befände sich hierdurch mehrheitlich die meiste Zeit im Weisheitsmodus, würden die Uhren den mittlerweile seit Jahrtausenden gebräuchlichen diametral entgegengesetzt ticken.

Wie das? Wir werden systematisch – und sind daher – auf Teilen und in dieser Hinsicht auf Urteilen und diesbezüglich wiederum besonders auf Vor- und Verurteilen programmiert. Wer urteilt, der vergleicht und ordnet (daher Weltordnung) in bestimmte angelernte, vermeintlich inkompatible Kategorien ein, wovon die ausschlaggebenden richtig/falsch, gut/schlecht und gut/böse lauten. Wobei ich das Adjektiv aus-schlag-gebend nicht von ungefähr gewählt habe, denn die genannten Gegensatzpaare, genauer gesagt Schlagworte liegen der Mehrzahl der durch Menschen verursachten Schicksalsschläge unserer Spezies zugrunde. Wer im Rahmen einer Beurteilung verurteilt wird, der sei gemäß der seitherigen Weltordnung auf irgendeine Weise zu bestrafen, dem wird möglichst psychisch und viel häufiger physisch ein Schlag oder gar Totschlag versetzt. Diese schlagkräftige Weltordnung haben wir mittlerweile trotz umfassender Informationsmöglichkeiten, extensiver Aufklärungsarbeit und eines relativ hohen Bildungsniveaus breiter Bevölkerungsschichten derart verinnerlicht, dass wir nicht nur nicht nachlassen, zu verurteilen und vorzuverurteilen, sondern diesem Phänomen mit zunehmender Vehemenz huldigen. Obwohl wir uns angesichts unserer intellektuellen Fähigkeiten mit Leichtigkeit das (ur)grundlegende Verwandtschaftsverhältnis der Menschheit vergegenwärtigen können, betrachten wir unsere de facto Schwestern und Brüder außerhalb der etablierten Verwandtschaftssystematik als Fremde und gegebenenfalls potenzielle Feinde. Obgleich sich etwa ein Drittel der Weltbevölkerung zum Christentum bekennt, einer Religionsgemeinschaft, die sich als Geschwisterkollektiv, als Brüder und Schwestern versteht und für die Lehre des Jesus von Nazareth, dem Verfechter der Nächstenliebe, eintritt, ist deren erdrückende Mehrzahl von unvoreingenommenem Nächstenrespekt nach wie vor meilenweit entfernt. Es geht hier nicht darum, gleichsam qua religiösem Dekret auch sich ungehörig verhaltende Zeitgenossen zu lieben. Vielmehr geht es darum, andere nicht allein deshalb abzulehnen, zu hassen, zu schädigen, zu verletzen oder gar zu töten, weil sie anderer Gesinnung, Gruppenzugehörigkeit, Hautfarbe, Herkunft, Kultur, Meinung, Religion, politischer Einstellung u. Ä. sind. Rechte, die man für sich selbst einfordert, sind auch grundsätzlich allen anderen zuzugestehen. Das müsste zivilisierten Zeitgenossen mittlerweile einleuchten.

Wer es noch nicht selbst im Rahmen fortgeschrittenerer Meditationspraxis ausprobiert hat, Wuji am eigenen Bewusstsein zu erfahren, wer also, blasiert ausgedrückt, noch nicht so weit ist, das Sein mit anderen Sinnen (dem sechsten und siebten84) empfunden zu haben, kann sich nicht vorstellen, danach ein völlig neuer Mensch zu sein. Ein Mensch, der nie wieder auf die Bewusstseinsstufe zurückfällt, von der aus er sich per Wuji einzulassen begann. Neuerdings weitet sich die Schar der Meditierenden mittels Mundwerbung exponentiell aus. Zu meditieren zählt inzwischen zum guten Ton sowohl der mittleren als auch der oberen Gesellschaftsschichten. Selbst für die Crème de la Crème der Wirtschaftsführer sind heute Yoga und Transzendentale Meditation (TM) nach Maharishi Mahesh Yogi, was für sie früher Tennis, Golf und Fitness waren. Was einst als esoterische Spinnerei abgetan wurde, gilt heute als wissenschaftlich anerkannt. 85 Die (achtsamkeitsbasierte Stressminderung) nach Jon Kabat-Zinn wird sogar von Krankenkassen bezuschusst. Kritik an der Achtsamkeitsbewegung kommt unter anderem vom Buddhismuskundler Michael Zimmermann (Uni Hamburg):

‚[…] im frühen Buddhismus ist das ja eingebettet zusammen in eine Schulung mit Ethik und Achtsamkeit, aber auch Weisheit. Und Weisheit beinhaltet das Studium der buddhistischen Schriften, das bei diesen neuen Anwendungen eher nicht zum Tragen kommt. Da ist es eine herausgelöste Technik, die dazu benutzt wird, bestimmte Dinge zu trainieren, die nicht unbedingt in einem weiteren ethischen Kontext eingebunden sind.‘86

Das Problem sei, dass Meditation statt zur Bewusstseinserweiterung in Richtung einer ganzheitlichen Betrachtung im Sinne der ethikbezogenen Verbundenheit allen Seins als physische Steigerungstechnik eingesetzt wird. In diesen Fällen wird versucht...



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